Nintendo Switch: Hands-On

(Artikel)
Benjamin Strobel, 16. Januar 2017

Nintendo Switch: Hands-On

Wir haben einen Tag lang abgeswitcht

Die Ankündigung einer neuen Konsole ist immer aufregend. Aber nichts ist vergleichbar mit dem Gefühl, ein neues Stück Hardware zum ersten Mal in der Hand zu halten. Am vergangenen Freitag konnten wir die Nintendo Switch zum ersten Mal ausprobieren. Kann der Hybrid sowohl als Konsole wie auch als Handheld überzeugen?


Nintendo Switch ist ein Hybrid aus Handheld und Heimkonsole. Das Basisgerät ähnelt einem handelsüblichen Tablet. Im Handheld-Modus befestigt man die neuen Joy-Con Controller links und rechts an der Switch, wodurch das Gerät etwa die Größe eines Wii U Gamepads erreicht - jedoch erheblich flacher. Eine zweite mobile Variante ist der Tabletop-Modus, bei dem man den Stand auf der Rückseite der Switch ausklappt und die Joy-Cons separat vom Gerät verwendet. Da die Joy-Cons über Bewegungssensoren verfügen, fühlen sie sich ein bisschen wie sehr kleine Wiimotes an. Für einige Spiele benötigt man beide Hälften, bei anderen reicht ein Joy-Con, sodass man den zweiten für Multiplayer-Games an einen Freund geben kann. Für den Heimgebrauch kann man die Switch in eine Docking Station setzen und die Joy-Con einzeln benutzen oder sie im Joy-Con Grip zu einem großen Controller zusammensetzen. Auf Nintendos Presse-Event am vergangenen Freitag konnten wir die Switch in allen Varianten ausführlich testen.

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Zu Gast auf dem Switch-Event in Frankfurt.

Tabletop-Modus
Das Vorzeigespiel für den Tabletop-Modus ist das neu angekündigte Spiel 1-2-Switch. Hierbei handelt es sich um eine Minispielsammlung, die die neuen Funktionen der Joy-Con Controller in den Vordergrund stellt. Der Clou von 1-2-Switch ist, dass man den Bildschirm zum Spielen kaum benötigt. Stattdessen fordert das Spiel dazu auf, der anderen Spielerin oder dem anderen Spieler in die Augen zu schauen. Beispielsweise beim High Noon, bei dem es - ganz traditionell - darum geht, schneller zu schießen als das Gegenüber. In einem anderen Spiel soll man den Joy-Con wie einen Euter packen (...) und virtuell eine Kuh melken - und zwar schneller als die Gegenspielerin oder der Gegenspieler. Verglichen wird eure Leistung natürlich in Milchgläsern.

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"Melk mich, Heidi"

Beim Anspielen waren wir nicht nur von der Präzision der Bewegungssteuerung beeindruckt, sondern auch von dem neuen HD-Rumble. Die Vibrationen der Joy-Con sind so fein und präzise, dass ein dreidimensionaler haptischer Eindruck entsteht. In einem weiteren Minispiel geht es darum, zu erraten, wie viele Kugeln sich in einer verschlossenen Box befinden. Dazu muss man den Joy-Con so schütteln und drehen als hätte man tatsächlich eine Box in der Hand. Die Illusion des HD-Rumbles ist dabei so überzeugend, dass man am liebsten vor Ort das Teil aufgeschraubt hätte, um zu checken, ob nicht wirklich ein paar Murmeln darin untergebracht sind. Es ist keine Übertreibung, dass uns dieses Feature sehr positiv überrascht hat.

Obwohl die Joy-Con winzig im Vergleich zur Wiimote sind, liegen sie erstaunlich gut in der Hand. Verwendet man sie wie ein klassisches Gamepad, sieht das von außen etwas verkrampft aus, fühlt sich aber sehr angenehm an. Dies liegt vor allem daran, dass das mitgelieferte Wristband ein kleines Addon beinhaltet, das man über die Kante der Joy-Cons schiebt, die sonst an der Switch befestigt wird. So werden sie etwas größer und die Schultertasten besser erreichbar. Das HD-Rumble hat zusätzlich den Eindruck vermittelt, das man nicht nur Plastik in den Händen hält.

1-2-Switch ist eine tolle Techdemo für den Joy-Con und die Multiplayer-Games auf der Switch. Ich hätte eigentlich erwartet, dass es wie Wii Sports und Nintendoland der Konsole beigelegt wird, aber das ist nicht der Fall. Ob 1-2-Switch auch als eigenständiger Titel taugt, lässt sich wohl erst beurteilen, wenn wir mehr über das Spiel erfahren. Bisher ist unklar, wie viele Minigames enthalten sind und wie das allgemeine Spielprinzip aussieht.

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Können wir unsere Bälle erfühlen?

Handheld-Modus
Als Handheld macht die Switch ordentlich was her. Ob in Neon oder Grau, wenn die Joy-Cons zum Display verbunden werden, ist die Switch ein hübsches Stück Technik. In der Hand fühlt sich das Gerät wie eine große PS Vita an - also wirklich gut. Die Analogsticks der Joy-Cons sind klickbar, aber die Trigger sind, wie die Schultertasten, nur digital. Positiv fällt auf, dass die Sticks wieder asymmetrisch platziert sind. Bei der Wii U war es extrem ungewohnt, die Facebuttons unter dem rechten Sick vorzufinden. Bei der Switch ist wieder alles am gewohnten Ort. Gewöhnungsbedürftig ist dagegen, dass die linke Seite kein Steuerkreuz hat, sondern einen zweiten Satz Knöpfe. Das ergibt Sinn, wenn man den Joy-Con einzeln verwenden möchte, fühlt sich im ersten Moment aber seltsam an.

Das Display der Switch läuft in 720p und ist um Welten besser als die Screens der Wii U und des 3DS. Mario Kart 8 Deluxe sieht verdammt hübsch auf dem kleinen Bildschirm aus, auch wenn es offenbar nur in 30FPS lief. Keines der gezeigten Spiele unterstützte zu diesem Zeitpunkt den Touchscreen der Switch, daher konnten wir diesen leider nicht ausprobieren. Da es sich um ein kapazitives Multitouch-Display handelt, sollte es aber auch hier Wii U und 3DS überlegen sein.

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Mario Kart 8 Deluxe im Handheld-Modus

Mario Kart 8 Deluxe hat mir deutlich gemacht, wie beeindruckend die Hardware der Switch nach Handheld-Standards ist. Vergleicht man die Konsole mit Xbox One und PS4, haut sie im ersten Moment nicht vom Hocker. Stellt man sie dagegen in eine Reihe mit 3DS und PS Vita, ist die Technik ein gewaltiger Sprung nach vorn. Die Portabilität der Switch ist ein großes Kaufargument, daher würde ich sie eher im Mobilbereich einordnen, auch wenn Nintendo das Gerät eher als Konsole vermarktet. Spiele in der Qualität von Zelda: Breath of the Wild und Mario Kart 8 unterwegs zu spielen, ist ein reizvolles Argument für die Switch. Die Akkulaufzeit ist mit 2,5 bis 6,5 Stunden zwar recht kurz, aber nicht deutlich geringer als die von 3DS und Vita. Die Laufzeit des Original-3DS lag auch nur bei 3 bis 5 Stunden, was dem Gerät kaum im Wege stand. Ein weiterer Vorteil der Switch ist zudem ihr USB-C-Anschluss, über den eine Powerbank leicht angeschlossen werden kann, um die Laufzeit zu verlängern. Schade ist dagegen, dass es drei Stunden dauern wird, die Switch wieder aufzuladen.

Docked-Modus
Angedockt läuft die Switch mit der maximalen Leistung. Über HDMI gibt die Konsole bis zu 1080p und 60FPS Video sowie 5.1 Sound aus. Ob das Maximum ausgeschöpft werden kann, hängt aber vom Spiel ab. Zelda: Breath of the Wild lief beispielsweise in 900p und war auf 30FPS gelockt - was bei der Art Direction des Spiels immer noch unheimlich gut aussieht. In Konkurrenz zur Xbox One und PS4 steht die Grafikleistung allerdings nicht.

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Zelda: Breath of the Wild auf der Nintendo Switch.

Alle Switch-Geräte waren auf dem Event in Frankfurt entweder Docked oder als Handheld fest installiert. Wie schnell die Switch tatsächlich zwischen Handheld- und Konsolen-Modus umschalten kann, konnten wir nicht live beobachten.

Neben Zelda hat uns die Demo von Arms besonders gefesselt. In diesem Spiel treten zwei Spieler gegeneinander an, indem sie mit ausfahrbaren Armen gegeneinander boxen. Das funktionierte auf Anhieb erheblich besser als jedes Boxspiel auf der Wii. Bei Arms nimmt man einen Joy-Con in jede Hand und benutzt die Schultertasten zum Springen und Ausweichen. Bewegung und Schläge laufen über die Bewegung der Controller. Vor Ort haben wir mehrere Matches gespielt und dabei keine Ausfälle der Steuerung festgestellt, die viele Wii-Spiele frustrierend gemacht haben. Arms hat außerdem eindrucksvoll demonstriert, wie gut die winzigen Controller tatsächlich in der Hand liegen. Insgesamt ein besseres und präziseres Spielgefühl als mit Wiimotes und Nunchuk.

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Arms auf der Nintendo Switch.

Joy-Con Grip und Pro-Controller
Bedient man die Switch wie eine Heimkonsole, hat man viele Steuerungsmöglichkeiten. Neben den einzelnen Joy-Cons kann man auch den Joy-Con Grip und den Pro Controller verwenden. Der bereits enthaltene Joy-Con Grip verbindet beide Joy-Cons zu einem großen Controller und lädt bei dieser Gelegenheit auch die Akkus der Joy-Con-Elemente. Der Grip liegt zwar gut in der Hand, wird mangels Steuerkreuz vermutlich aber nicht die Go-to-Variante für Vielspielerinnen und -spieler sein. Direkt zum Launch bietet Nintendo für 69 Euro separat einen Switch Pro Controller an, der ebenso gut in der Hand liegt wie das großartige Xbox-One-Pad. Vor allem für größere Hände scheint er noch mal angenehmer zu sein als der Joy-Con Grip. Natürlich hat der Pro Controller auch ein richtiges Steuerkreuz, was ihn zur perfekten Ergänzung für die Switch macht. Der Preis ist mit 69 Euro allerdings ziemlich hoch. Man sollte dabei allerdings bedenken, dass der Pro Controller, wie die Joy-Cons, einen NFC-Reader für Amiibos besitzt und ebenfalls mit HD Rumble kommt.

Zelda habe ich in Frankfurt mit dem Grip gespielt und patschte dabei etwas unbeholfen auf die linken Facebuttons, wo ich eigentlich ein Steuerkreuz vermutete. Nach kurzer Eingewöhnung war das aber kein Problem mehr. Ansonsten würde ich das Spielgefühl mit dem Grip als sehr solide bezeichnen. Damit sollten auch längere Spielsessions ganz angenehm möglich sein.

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Der Nintendo Switch Pro Controller

Bei Splatoon 2 war ich dann aber doch ganz froh, mit einem Pro Controller zu spielen, da sich die Form sehr gewohnt anfühlte. Was mich dabei überraschte, war die extrem präzise Bewegungssteuerung, die in Splatoon 2 zwar optional ist, für feines Zielen aber richtig gut funktionierte - nochmal besser als im Vorgänger auf der Wii U. Der Pro Controller kommt also mit einem sehr guten Eindruck davon und wird seinen Preis vermutlich wert sein.

Hands-On Fazit
Nintendo Switch fühlt sich, anders als die Wii U, überhaupt nicht wie ein Spielzeug an. Das Tablet wie auch die Controller sind hochwertig, stabil und stilvoll designt. Angepriesene Features funktionieren wie gedacht. Die Bewertung der Leistung hängt am Vergleichsmaßstab: Neben aktuellen Konsolen beeindruckt die Leistung wenig; aber im Vergleich mit 3DS und PS Vita ist die Nintendo Switch eine richtige Wunderkiste. Die PS Vita wird von der Switch sicher bald abgelöst, bei Erfolg könnte sie vielleicht sogar in die Fußstapfen des 3DS treten. Mit Fokus auf Portabilität kann mich die Hardware überzeugen. Den Platz einer Xbox One oder PS4 wird die Switch vermutlich aber nicht einnehmen. Zuletzt liegt es bei Nintendo, uns dieses Jahr mit vielversprechender Software und gutem Service von der Switch zu überzeugen. Ben

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Plattform - Hybrid aus Konsole und Handheld. Unter dem Codenamen Nintendo NX angekündigt, soll Nintendo Switch im März 2017 erscheinen.

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