Fast wie ein MMO?

(Artikel)
Haris Odobašić, 10. Januar 2017

Fast wie ein MMO?

Sword Art Online: Hollow Realization im Test

Sword Art Online zählt ohne Frage zu den größten Hypeanimes der letzten Jahre. Auch wenn die Story für eine nicht geringe Anzahl an Zuschauern nach der Mitte des Anime den Zenit deutlich überschritten hat, konnte man sich eine nicht zu vernachlässigende Fanbasis aufbauen. Entsprechend ist das im November erschienene SAO-Spiel für PlayStation 4 und PlayStation Vita, Hollow Realization, schon der dritte Teil einer Reihe an Action-RPGs mit SAO-Setting, die sich selbst als Pseudo-MMOs inszenieren. Nachdem ich die ersten zwei Teile noch übersprungen hatte – zu groß die Enttäuschung nach der ersten Animestaffel – wollte ich Hollow Realization eine Chance geben.

Die gesamten Sword-Art-Online-Spiele sind nicht Teil des Kanons und nehmen sich entsprechende Freiheiten heraus. Charaktere werden zum Beispiel früher eingeführt als im Light Novel oder dem Anime und der Storyverlauf ist im Grunde sogar komplett anders. Entsprechend schickt euch Hollow Realization nun sogar in ein ganz neues MMO namens "Sword Art: Origin", welches im Kanon gar nicht existiert. Dieses ist an das ursprüngliche Sword Art Online angelehnt, aber natürlich ohne die speziellen Modifikationen, die aus dem Onlinespiel eine Todesfalle gemacht haben. So finden sich also Kirito und seine Freunde ein, um, tatsächlich, ein Spiel einfach nur zum Spaß zu spielen.

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Aber natürlich bleibt es nicht lange so. Kirito bemerkt irgendwann einen weiblichen NPC ohne Namen und ohne Persönlichkeit – ein Mysterium, das er und seine Freunde sich nicht erklären können. Fortan ist Premier, so nennen sie den Charakter, Dreh- und Angelpunkt, denn es gilt hinter ihr Geheimnis zu kommen. Es ist ein gut umgesetzter Storyansatz, dem aber die allerletzte Dringlichkeit fehlt. Gerade Sword Art Online hat schon so oft mit hohem Einsatz gepokert, dass es hier stark auffällt, dass es mal nicht direkt um Leben oder Tod geht.

Ihr habt also eine Story, der es zu folgen gilt, aber natürlich befriedigt das Spiel auch die Bedürfnisse typischer RPG-Fans mit großen Gebieten zum Erforschen, reihenweise Quests und natürlich vielen fiesen Gegnern, die euch zum Grinden einladen. Befindet ihr euch in der Welt, seht ihr überall andere Spieler des MMO herumwandern, könnt sie ansprechen, euch mit ihnen anfreunden und natürlich zusammen kämpfen. Das gibt dem Spiel durchaus das Gefühl einer gewissen Lebendigkeit. Gerade wenn ihr die Stadt verlasst und im Feld kämpft, gibt es Momente, wo die Pseudo-MMO-Illusion sehr stark wirkt. Zum Beispiel, wenn ihr gerade einen Boss legen wollt und sich eine NPC-Party, die in der Gegend war, euch spontan anschließt und Unterstützung leistet.

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Leider lassen die Persönlichkeiten dieser Figuren ein bisschen zu wünschen übrig. Viel lässt sich aus den mageren Interaktionen nicht ziehen, aber es ist eine Idee, die es durchaus verdienen würde, weiter ausgebaut zu werden.

Wer sich etwas mehr "Leben" wünscht, findet auch einen Multiplayer-Modus. Der macht aus dem Spiel zwar kein vollwertiges MMO, aber erlaubt euch mit bis zu drei Mitstreitern die Welt zu erforschen und natürlich in den großen Gebieten zu leveln und zu looten, wie es euer Herz begehrt.

Das Kampfsystem erinnert an moderne MMOs gepaart mit ein bisschen typischer Action-RPG-Kost. Ihr könnt ein paar simple Kombos austeilen, aber es gilt natürlich vor allem eure Spezialangriffe und andere Fertigkeiten schön regelmäßig einzusetzen und dann die Cooldowns abzuwarten. Dabei kann es sein, dass ihr auch mal ein Dutzend oder mehr nützlicher Fähigkeiten gleichzeitig zur Verfügung habt und diese entsprechend im Einsatz koordinieren müsst. Dadurch sind Kämpfe gegen Bosse und stärkere Mobs durchaus anspruchsvoll, da von euch eine hohe Aufmerksamkeit erfordert wird. Kämpfen im Autopilot, wie bei manch anderen Action-RPGs, ist nicht.

Gerade die Kämpfe gegen Raidbosse sind unheimlich spannend. Hier muss man das Teamwork auf 11 aufdrehen, da man nur gemeinsam mit koordinierten Attacken die riesigen Viecher zu Fall bringen kann. Erst wenn die Monster am Boden sind, kann man auch mal richtigen Schaden austeilen. Entsprechend sind auch das die Kämpfe, in denen ihr gerade online mit anderen Spielern am meisten Spaß aus Hollow Realization locken könnt.

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Technisch holt Hollow Realization alles aus der Vita raus. Die zu erforschenden Gebiete sind riesig und bieten viele Details, zudem tummeln sich gerne mal zwanzig, dreißig Charaktere, NPCs und Gegner gleichzeitig auf dem Bildschirm. Dies wird aber durch eine sehr wackelige Framerate erkauft. Kämpfe gegen die Raidbosse laufen beispielsweise auch gerne mal im sehr niedrigen, einstelligen Framebereich ab. Hier soll aber ein Patch noch Nachhilfe schaffen.

Sword Art Online: Hollow Realization versucht ein MMO zu simulieren und kommt diesem Ziel verdammt nahe. Andere Spiele, die sich an die Grundidee gewagt haben, wie zum Beispiel die .hack-Titel, waren da einfach noch nicht so weit. Bei diesen Spielen hatte man eher das Gefühl, da hat jemand einfach eine Textbeschreibung bekommen, wie ein MMO so ist, und basierend darauf losentwickelt. Bei Hollow Realization könnte man sich aber gut vorstellen, dass man mit ein paar Monaten mehr Aufwand daraus auch ein super MMO produzieren könnte. So bleibt ein kompetenter Singleplayer-Titel, der euch eine gute Illusion von Lebendigkeit vorspielt, und eine große Quelle für Spielspaß im Multiplayer mit insgesamt bis zu vier Spielern. Technische Schwächen trüben den sonst guten Eindruck, sollen aber mit einem Update behoben werden. Das Fehlen des Ad-Hoc-Modus für den Multiplayer, der bei den Vorgängern noch vorhanden war, ist dann aber ein etwas größerer Schnitzer. Im Vergleich zu Spielen, die in eine ähnliche Kerbe schlagen, sind mir Monster Hunter und Freedom Wars zwar noch immer lieber, aber der neueste Sword-Art-Online-Teil hat definitiv eine Daseinsberechtigung mit in dieser Liste.Haris

Sword Art Online: Hollow Realization wurde auf der PlayStation Vita getestet. Ein Testmuster wurde uns von Bandai Namco zur Verfügung gestellt.

Sword Art Online: Hollow Realization

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

Kommentare

Adrian
11. Januar 2017 um 09:57 Uhr (#1)
Ich finde es unverzeihbar, wenn eine stabile Framerate so missachtet wird. Bei Handhelds ist das Problem aber meist noch weiter verbreitet, vor allem, wenn es sich um Ports von den größeren Konsolen handelt. Aber Framerates im einstelligen Bereich sind auf einer Konsole nicht akzeptabel, das wäre für mich ein deutlicher Abwertungsgrund! (Vorausgesetzt, sie treten regelmäßig auf)
Gast
24. November 2017 um 00:59 Uhr
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08. November 2016
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Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
PS Vita
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