Owlboy im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 25. Januar 2017

Owlboy im Test

Flieg nicht zu hoch, mein kleiner Freund

Die Indie-Szene hat einen großen Vorteil gegenüber den Triple-AAA Releases: Wenn dort ein Projekt aus Leidenschaft entsteht, dann glaubt man ihnen das sofort. Aktuellstes Beispiel ist Owlboy, ein Jump 'n' Run im 16-Bit-Stil, das gerade die Herzen der Indiefreunde erobert. Fast zehn Jahre hat es gedauert, bis aus der Idee Wirklichkeit wurde. Zehn Jahre in denen auch mehrmals neu angefangen wurde. Zehn Jahre, die man diesem Spiel nicht anmerkt.

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Owlboy handelt von Otus, einem Eulenjungen und Wächter in Ausbildung. Otus ist ein einzigartiger Protagonist, denn von Anfang an und bis zum Ende ist das Hauptmotiv seine Schwäche. Im Intro, welches gleich als Tutorial dient, ist man dazu verdammt, alles zu vermasseln. Niemand nimmt ein Blatt vor den Mund, wenn es um Otus Fähigkeiten geht. Man soll hoch fliegen, schafft es aber nicht weit. Den Rüffel gibt's dazu. Man soll einen Wasserkrug tragen, zerdeppert ihn. Das gibt gleich eine Standpauke darüber, wie inkompetent man doch ist. Das mach Otus irgendwie gleich sympathischer. Er tut einem leid, weil er solch harte Worte nicht verdient hat... obwohl er versagt hat. Besonders nach dem Intro, in dem er eigentlich nur seine Pflicht erfüllen will, als er einen Störenfried jagt. Doch auf der Jagd wird er von seinem Wachposten weggelockt und kann das Dorf nicht rechtzeitig vor den Luftpiraten warnen. Und so gerät die Geschichte ins Rollen, in denen er allen beweisen kann, dass er doch nicht unfähig ist.

Seine "Schwäche" zieht sich dann auch durch das Gameplay. Otus selbst hat nur sehr begrenzte Möglichkeiten zur Verteidigung. An sich kann er nur Gegner anrempeln, um sie zu betäuben. Für den eigentlichen Kampf kommen seine Kumpanen zum Zug. Mit einem Teleportstein, den man im Intro findet, kann Otus seine Helfer in seine Krallen beschwören und zurückschießen, da sie alle bewaffnet sind. Gezielt wird in bester Twinstickshooter-Manier mit dem rechten Stick. Wird man aber getroffen, so lässt man seinen Kumpanen fallen. Durch diese Mechanik verschwimmt auch ein wenig die Frage, wie stark Otus im Laufe des Spiels wirklich wird, denn sein Arsenal erweitert sich nur dadurch, dass sich immer mehr Kämpfer ihm anschließen. Ohne sie wäre er zum Scheitern verurteilt, aber keiner von ihnen hätte das Abenteuer ohne Otus bestehen können. Das Team gewinnt.

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Owlboy erinnert vom Spielablauf stark an ein Metroidvania. Die Welt ist so frei erkundbar, wie es seine Fähigkeiten/Kumpanen zulassen, und man kann immer wieder in alte Gebiete zurückkehren, um Geheimnisse zu lüften, die man vorher übersehen hat. Doch Owlboy möchte auch eine Geschichte erzählen, weswegen man immer wieder im aktuellen Dungeon "gefangen" gehalten wird, weil es für die Story notwendig ist. Das ist aber überhaupt nicht störend, da die Welt groß genug ist, um sich drin zu verlaufen, man sich aber so nicht zu weit vom aktuellen Ziel entfernt. Es gibt genügend Möglichkeiten zur Erkundung. Und das gute Leveldesign lädt auch zum Erforschen ein. Überall gibt es was zu entdecken, und über die ganze Welt sind Münzen verteilt, die man gegen Bonusitems eintauschen kann.

DPad Studios haben hier definitiv ein tolles Spiel kreiert, welches von den Fans geliebt wird. Doch ich muss zugeben - ich habe mich nicht so ganz in dieses Spiel verliebt. Es ist gut, keine Frage, aber das war es dann auch irgendwie für mich. Gewisse Dinge halten es einfach davon ab, richtig, richtig gut zu sein. Dazu gehört zum einen die Grafik. Ja, der 16-Bit-Pixelart-Style sprüht nur so über vor Charme und Details, doch viele Umgebungen verschwimmen mir zu sehr in einem gewissen Einheitsbrei. Vielen Gebieten fehlt es visuell an einer eindeutigen Identität im Vergleich zum vorherigen Areal. Viel Stein, Erde und Gras, zwar in immer wieder anderen Kombinationen und auch mal anders gefärbt, doch immer wieder Stein, Erde und Gras. Die Musik bietet da weitaus mehr Abwechslung, doch abgesehen vom Overworld Theme kann ich keines der Lieder gerade ins Gedächtnis rufen.

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Owlboy hat viel Liebenswürdiges an sich und ich kann verstehen, warum so viele Spieler das Spiel so vergöttern. Der Funke ist nur nicht ganz auf mich übergesprungen. Fans von Puzzle-Platformern und Metroidvania kommen hier ganz klar auf ihre Kosten. Ich kann euch dieses Spiel nur ans Herz liegen. Halt nicht ganz so nah ans Herz wie manch anderer. Und sollte das Spiel auch auf einem Handheld erscheinen, dann würde ich es mir sofort für unterwegs holen.

Owlboy wurde auf dem PC getestet. Für den Test hat sich der Redakteur das Spiel selbst gekauft.

Owlboy

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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16. Dezember 2017 um 04:26 Uhr
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RELEASE
01. November 2016
PLATTFORM
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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