Conception II im Test

(Artikel)
Haris Odobašić, 22. November 2016

Conception II im Test

Das JRPG zum Kinderkriegen

Es ist ein Spieletitel, der eigentlich genau klarmacht, worum es geht. Aber so recht will ich das dann doch nicht glauben. Conception II: Children of the Seven Stars, also irgendwas mit Empfängnis und Sternenkindern. Allerdings ist das Spiel von der USK ab 12 Jahren freigegeben worden, also wird es unmöglich... Was, wie hieß der Vorgänger? Conception: Please Have My Babies?? Gut, dann wird es wohl genau darum gehen. Zeit, sich anzuschauen, ob das gut gehen kann!

Die Geschichte. Na ja. Das Ländchen Aterra wird von irgendeiner Monster-Plage heimgesucht und nur auserwählte Teenager im Alter von 16 bis 18 Jahren haben die Macht, sie zu vernichten. Doch selbst unter diesen schon so besonderen Jugendlichen seid ihr der Allerkrasseste: das Geschenk Gottes. Ja, wirklich. Im Spiel nennen euch alle so, weil ihr besonders viel Ether produzieren könnt. Das ist gut für Sternenkinder und vor allem auch gut, wenn es gegen die Monster geht. Denn vorher war die Menschheit den Monstern wehrlos ausgeliefert, da man in den Nestern der Monster nicht effektiv kämpfen konnte. So blieb nur die Defensive. Bis jetzt.

Bienchen Bluemnchen
Wer das mit den Bienchen und Blümchen noch nicht verstanden hat...

Und so uninspiriert, wie die Prämisse klingt, ist auch der Storyverlauf. Wenn ihr Enttäuschungen mögt, dürft ihr also ruhig eure Erwartungen hochschrauben.

Aber gut, das ist ja irgendwie Standard beim Harem-Subgenre in Animes und Videospielen: man kehrt den Plot soweit es geht unter den Tisch und hofft, dies durch sympathische Charaktere und ihre Interaktionen untereinander so gut es geht zu kompensieren. Entsprechend ist Conception II bemüht, bei euren Mitschülerinnen auch wirklich eine breite Auswahl an Charaktertypen zu bieten. Es gibt eine Tsundere, eine Chuunibyou, eine Dandere und so weiter.

archus-wake

Wirklich frische Interpretationen der üblichen Archetypen bleibt Conception II schuldig, gibt den Mädchen aber genug Persönlichkeit mit, um sie auch auf Dauer interessant zu machen. Neben schlüpfrigen Interaktionen geht es also auch immer wieder mal um die Sorgen und den Druck, den es mit sich bringt, wenn man plötzlich die Hoffnung eines ganzen Volkes auf seinen Schultern tragen muss. Eben der typische Mix aus absurd und bitterernst, der viele japanische Werke auszeichnet. Zudem überzeugt das Spiel beim Design der Charaktere sowie in den Dialogen mit viel Witz. Da Conception II großen Wert auf seinen Dating-Sim-Aspekt legt, kann man hier das Fazit ziehen, dass die lahme Story mehr als wettgemacht wird. Für Dating-Fans ist vielleicht sogar das alleine schon Grund genug, Conception II zu spielen.

Außerdem belohnt euch das Spiel auch, weil ihr so die Beziehungen zu euren Mitschülerinnen steigern könnt. Das macht sich dann bei dem Teil von Conception II bemerkbar, auf den der Titel mit der Subtilität eines Bud-Spencer-Dampfhammers hinweist: dem Erschaffen von Sternenkinder mit einem – später auch zwei – Mädchen eurer Wahl. Fujoshis werden leider enttäuscht: rein männliches Classmating gibt es nicht, auch wenn die Idee zumindest in einem Subplot aufgegriffen wird.

wahrefreundschaft
So sieht dann wohl wahre Freundschaft aus.

Wählt also eine eurer Mitschülerinnen aus, geht in die Kirche und vollzieht dort das "Classmating" genannte Ritual. Was für ein Ritual das ist, erklärt das Spiel nicht, aber es geht auf jeden Fall um die Vermischung von Sternenenergie. Ja, Sternenenergie. Ein bisschen Sailor-Moon-Nacktheit, eine Runde Händchenhalten und nach 9 Monaten direkt danach gibt es Nachwuchs. Hier zeigt Conception dann auch keinerlei Anmutung, um mit einem der größten Mythen unserer Welt aufzuräumen: dem Glauben daran, dass der Storch die Kinder bringt. Tatsächlich ploppen Kinder nämlich einfach aus Matroschka-Puppen. Habt ihr eine gute Beziehung zu euer Partnerin, kommt ein echtes Goldstück raus, ansonsten kann euer Nachwuchs auch eine totale Enttäuschung werden. Ihr wählt noch eine von 30 Charakterklassen, freut euch manchmal über Zwillinge oder Drillinge und dann gilt es auch schon, euren Sohn oder eure Tochter der wahren Bestimmung zuzuführen.

Denn hey, wenn man schon Nachwuchs kriegt, wäre man schön blöd, wenn man nicht das Beste daraus macht. Also zerrt ihr eure Kinder direkt durch ein paar Verliese, wo sie gegen fiese Monster kämpfen müssen. Und versucht gar nicht erst, eine emotionale Beziehung zu den kleinen Blagen aufzubauen. Erstens werdet ihr sowieso Dutzende davon zeugen, da die Kids ein Levellimit haben, abhängig davon, wie gut ihr euch mit der Mama versteht. Da ihr regelmäßig eure Beziehungen aufbessern könnt, wird das Limit entsprechend schnell erreicht und der neue Nachwuchs hat dann ein entsprechend höheres Potenzial, so dass man direkt anfängt sich seine Lieblinge herauszupicken.

Und zweitens ist es für den Spielfortschritt nötig, die Kids regelmäßig in die "Unabhängigkeit" zu entlassen. Ein ziemlich zynisches Wort, um auszudrücken, dass Hotel Mama dicht macht. Dennoch sind die kleinen Biester dankbar, schenken euch manchmal was und helfen, die Stadt, in der ihr lebt, zu verbessern. Wahrscheinlich durch illegale Kinderarbeit. Leider war das Jugendamt von Aterra für eine Stellungnahme zu all diesen Vorkommnissen nicht zu erreichen.

starchild

Und ein Eingriff eben dieses wäre sicherlich nicht ungewünscht, wenn man bedenkt, was für eine Folter diese Dungeons darstellen. Ich fühle mich an den Designer erinnert, der auch schon die Verliese in Persona 3 und 4 verbrochen hat. Freut euch also darauf, durch die immer gleichen Korridore zu wandern, an deren Ende dann eine Auswahl aus einer Handvoll generischer Raumdesigns auf euch wartet.

Und nicht nur das Dungeon Crawling schwächelt, auch die Kämpfe an sich werden euch mit gemischten Gefühlen zurücklassen. In diesen tretet ihr mit bis zu insgesamt elf Einheiten an. Drei Teams bestehend aus jeweils drei Sternenkindern und schließlich noch ein Team für den Hauptcharakter und eine seiner Mitschülerinnen. Der Clou beim rundenbasierten Kampfsystem ist, dass ihr die Gegner immer umkreisen könnt, um zum Beispiel Schwachpunkte anzuvisieren.

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Eigentlich gäbe es in den zugrundeliegenden Systemen mehr als genug Substanz. Eine Mechanik, die mir richtig gut gefallen hat, ist zum Beispiel das Chaining, bei dem ihr dafür belohnt werdet, wenn ihr euch absichtlich in Regionen begebt, die ein Monster gerade angreifen will. Stellt ihr es geschickt an, kriegt ihr einen Bonus in der Zugreihenfolge, könnt also schneller agieren, mehr Erfahrungspunkte sammeln, dürft sogar verheerende Spezialangriffe auslösen. Werdet ihr getroffen, verfallen hingegen alle Boni. Das Chance-Risiko-Verhältnis stimmt hier und motiviert dadurch sehr.

Doch die Komplexität und den Anspruch, den das Kampfsystem in der Theorie bietet, könnt ihr in der Praxis vollkommen vergessen. Der Schwierigkeitsgrad ist lächerlich niedrig. Meistens kommt man nicht dazu, das Chaining umzusetzen, weil die Gegner viel zu früh sterben. Und selbst durch Bossgegner schneidet man ohne großes Trainieren wie Butter. Daran ändert auch nichts, dass man seinen Nachwuchs immer erst mal wieder aufpäppeln muss, wenn ein frischer Batzen kommt. Wenn man mal einen der seltenen, etwas anspruchsvolleren Kämpfe erwischt, bockt Conception aber richtig. Schade, dass man sich für den Steam-Release nicht die Mühe gemacht hat, hier die Herausforderung entsprechend anzupassen.

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Die Grafik ist, selbst für die Handheld-Verhältnisse, aus denen das Spiel stammt, eher ernüchternd. Allerdings sind die Charakterartworks sowie das Design allgemein auf einem sehr hohen Niveau gehalten, zählen vielleicht sogar zum Besten, was ich im Genre in diesem Jahr gesehen habe. Außerdem präsentiert das Spiel euch regelmäßig animierte Zwischensequenzen, die von der Qualität nicht weit hinter dem üblichen Anime-Standard herhinken.

Musikalisch bemüht man sich so ein bisschen wie Persona zu klingen, mit einem gewissen Pop-Einschlag und vielen Gesangsstücken. An Shoji Meguros Arbeit kommt man dabei zwar nicht ran, aber ein paar der Lieder sind dann doch eingängig genug, dass man ein insgesamt positives Hörerlebnis davonträgt.

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Conception II: Children of the Seven Stars ist ein Spiel, welches "typisch Japanisch" als Qualitätssiegel trägt. So befremdlich es auf den ersten Blick wirken mag, Kinderkriegen zum zentralen Spielinhalt zu erklären - die Umsetzung ist so charmant gelungen, dass man sich gerne bemüht, immer neue und bessere Sternenkinder zu erschaffen. Leider schwächeln dafür andere Aspekte.

Die Story hält sich mit Höhepunkten fein zurück – was aber durch die vielen, tollen Charaktere ausgeglichen wird. Aber auch das Dungeon Crawling ist höchstens guter Genredurchschnitt, wird bei einer Spielzeit jenseits der 40 Stunden deswegen auch gerne etwas müßig. Zusammen mit einem relativ niedrigen Schwierigkeitsgrad ist mein Fazit doch ziemlich bittersüß. Conception II ist ohne Frage empfehlenswert, gerade der Dating-Sim-Aspekt ist richtig gelungen. Aber das genauso abstruse wie geniale Prinzip des Titels hätte dann doch eine stärkere, spielerische Komponente verdient gehabt. Haris

Conception II: Children of the Seven Stars wurde für PC und 3DS getestet. Ein Testmuster wurde uns von Spike Chunsoft zur Verfügung gestellt.

Conception II: Children of the Seven Stars

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

Kommentare

Coco
23. November 2016 um 09:40 Uhr (#1)
I never read whole articles but the way you wrote this information is simply amazing and this kept my interest in reading and I enjoyed it.
Ralleeeeee
Gast
23. November 2016 um 15:01 Uhr (#2)
Ui, sei gegrüßt, Bot.
Drittes bild von unten: Ist das links neben dem Protagonisten etwa Sonic? _/O.o/^
Rian
23. November 2016 um 18:44 Uhr (#3)
Ich glaube, das ist Animefrisur #27. Fun Fact: Animefrisur #27 ist nur eine gespiegelte Animefrisur #12.
Gast
25. Juli 2017 um 12:43 Uhr
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15. Mai 2014
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Nintendo 3DS
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
PS Vita
Plattform

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