Silence im Test

(Artikel)
Vivian R., 13. November 2016

Silence im Test

Quietschbunt und tränendüster

"Hier, das gefällt dir bestimmt. Ist die Fortsetzung von The Whispered World", sagte der Rian und drückte mir den Code für Silence in the Hand. The Whispered World... Moment, das war dieses hübsche Adventure mit dem deprimierten Clown, das ich damals nicht länger als zwanzig Minuten gespielt hab.

Bevor ich mich also an Silence wagte, dem aktuellen Adventure aus dem Hause Daedalic, die ja für ihre liebevollen und interessanten Abenteuer wie Deponia oder Edna bricht aus bekannt sind, habe ich mich erst mal wieder vor The Whispered World gesetzt... und wusste dann auch wieder, warum ich es damals nach zwanzig Minuten ausgemacht hab.

Obwohl The Whispered World von vielen Kritikern hoch gelobt wurde, hat mich (und Kristin auch nicht, wie ihr hier in ihrem Test lesen könnt) die Geschichte um Sadwick weder von der Handlung, noch von den Figuren oder dem Gamedesign überzeugen können. So richtig Bock hatte ich danach nicht mehr auf Silence, wenn ich ehrlich bin.

Bunker

Zu Unrecht! Das nehme ich gleich mal vorweg. Silence führt die Geschichte von The Whispered World zwar fort, ist aber ansonsten ein komplett anderes Spiel. Ohne zumindest den Haupttwist am Ende vom Vorgänger zu kennen, sollte man sich aber nicht nach Silence wagen. Für alle, die das noch nachholen wollen, hier mal eine kleine Spoilerwarnung!

Silence ist nämlich die Welt zwischen Leben und Tod, in der sich der Junge Noah befindet, als er im Koma liegt. Am Krankenbett liest sein Vater ihm die Geschichte von Sadwick, dem traurigen Clown vor. Dieser hat die Prophezeiung bekommen, dass er die Welt an den Abgrund führt. Am Ende trifft Sadwick dann auf Noah und durch das Zerschlagen des Spiegels, dem Tor zur anderen Welt, holt er diesen aus seinem Koma - zerstört damit aber gleichzeitig auch seine eigene Welt.

In Silence sind wir wieder in Silence (...was'n Satz), dieses Mal als das Geschwisterpaar Noah und Renie, die nach dem Einsturz ihres Schutzbunkers, in den sie während eines Luftangriffs Zuflucht gesucht haben, in der Zwischenwelt aufwachen. Dort wollen sie wieder heraus, wofür sie aber, wie schon Sadwick, den Thronsaal finden und den dortigen Spiegel zerstören müssen. Das ist natürlich nicht so leicht wie geplant: Wenn große Brüder ihren kleinen Schwestern versprechen, dass ihnen nichts passiert, geht meistens etwas schief.

Sucher

Denn so ganz können die Geschwister dem Krieg nicht entfliehen: Obwohl Silence wunderschön und friedlich erscheint, wird spätestens bei der Ankunft der rabiaten Rebellin Kyra klar, dass auch in Silence nicht alles in Butter ist. Verunstaltete, verkümmerte Menschen namens Sucher, die vom Fluch der Falschen Königin betroffen sind und ihr dienen, kämpfen gegen die Rebellen, die die letzten Überlebenden um sich scharen und die Falsche Königin vernichten wollen.

Logisch, dass der Weg zum Thronsaal nicht so leicht ist, wie Noah und Renie hoffen. Auf ihrem Weg liegen nicht nur Gefahren, sondern natürlich auch Rätsel - wobei Silence ein eher abgespecktes Adventure ist. Das merkt man vor allem im Vergleich zum Vorgänger, der oft wegen seiner Fülle an Gegenständen und teils nicht nachvollziehbaren Rätseln einige Kritik bekommen hat.

Rebellen

Silence ist da schon dünner. Wir haben kein Inventar und die Figuren benutzen die aufgesammelten Gegenstände mit dem richtigen Objekt in der Welt, wann es passt. Das nasse Moos brauchen wir gerade nicht, also können wir es auch nur angucken, nicht benutzen. Wenn wir es brauchen oder mit einem Gegenstand kombinieren können, wird uns das sogar über einen veränderten Cursor angezeigt.

Das macht selbst knifflige Rätsel sehr einfach, da die Nummer an Aktionen begrenzt ist. Zudem bekommen wir jedes Mal, wenn wir die Hotspot-Anzeige-Taste drücken, einen Tipp für das Rätsel, das wir gerade angehen. Fairerweise muss man sagen, dass diese in den meisten Fällen subtil und selbst etwas kryptisch sind.

Später gibt es ein Wiedersehen mit unserer lieben Mehrzweckraupe Spot, die sich dick oder platt machen kann, je nachdem, womit wir gerade gerade Hilfe brauchen. Spot kann zum Beispiel Lava aufnehmen, um Büsche zu verbrennen, oder schwere Ketten sprengen, indem wir ihn wie einen lebendigen Keil benutzen. Mit Spot werden die Rätsel anspruchsvoller (und vor allem lustiger und schnuffiger), aber eigentlich nur, weil sich die Anzahl an möglichen Aktionen erhöht.

Köpfe

Mit Renie und Noah haben wir zwei Protagonisten, mit denen wir oftmals getrennt voneinander an unterschiedlichen Orten Rätsel lösen. Diese bedingen sich manchmal, sodass wir mit Renie Ereignisse lostreten, die Auswirkungen auf den Schauplatz von Noah haben und andersherum. In einer Szene verständigen sich die beiden durch ein Rohr und helfen sich gegenseitig. Schade ist hier nur, dass diese Dynamik relativ selten und wenig benutzt wurde, da mir persönlich das Denken über mehrere Ecken bei Adventures gut gefällt.

Trotz der Kritik machen die meisten Rätsel Laune, weil sie gut durchdacht sind und logisch aufeinander folgen. Für Hardcorerätsler ist Silence aber dennoch nichts, dafür bietet es zu wenig klassischen Rätsel- und Kombiniercharme. Wenn man doch einmal irgendwo festhängt, dann eigentlich nur, weil man vergessen hat, auch mal den dicken Spot ins Wasser zu halten.

Obwohl The Whispered World schon hübsch war, besticht Silence durch seine wunderschönen Hintergründe und die ebenso tolle, atmosphärisch-stimmige Musik. Auch wenn die 3D-Models der Figuren etwas angestaubt sind, was man gerade in den Nahaufnahmen sieht, verliert Silence nichts von seinem traumhaften Charme. Die Welt ist schön und gleichzeitig gerade darum düster - denn sie ist in all ihrer Pracht eine leere Welt.

Renie

Bei Silence merkt man schon am Anfang, als Noah und Renie in den Bunker fliehen, dass im Nachfolger ein anderer Ton angeschlagen wird. Auch The Whispered World kam durch die dunkle Prophezeiung vom Ende der Welt und den depressiven Sadwick düster daher, hat dies aber immer mit einer großen Prise Absurdität und schwarzem Humor gekontert.

Silence packt aber noch eine Schippe drauf: Spätestens, wenn man merkt, dass Renie und Noah tatsächlich sterben können, wenn sie bei Verfolgungen nicht schnell genug handeln oder falsche Entscheidungen treffen, ist das ganze Spiel gar nicht mehr so niedlich. Die schweren Themen Tod und Identität kommen immer wieder zur Sprache und am Ende konnte ich mir ein kleines Tränchen doch nicht verkneifen.

Trotzdem ist Silence auch ein lustiges Spiel mit amüsanten Figuren, die die Traumwelt bewohnen. Vor allem Renie ist mit ihrem naiv-altklugen Blick auf die Welt um sie herum oftmals ein Lichtblick im düsteren Erzählton - gleichzeitig wird dieser durch ihre kindliche Naivität nur untermalt und betont. Schön! Freunde des Vorgängers dürfen sich neben Spot auch auf ein Treffen mit den Steinbrüdern Yngo und Ralv freuen.

Silence 1

Fazit
Silence möchte eine Geschichte über Traum, Leben und Tod erzählen und bringt es durch die bitter-süße Mischung aus Naivität, Traumhaftigkeit und Zerstörung auf den Punkt, ohne sich in Philosophie zu verlieren. Hardcorerätsler wird aber vor allem die simple Rätselmechanik verscheuchen. Wem The Whispered World und andere Adventures von Daedalic wegen der schweren Rätsel gefallen haben, sollte hier also wegschauen. Denn Silence nimmt all die guten Idee aus The Whispered World, macht sie besser und präsentiert eine sehr erwachsene und durchdachte Geschichte, die sich nur oberflächlich hinter einem kindlichen Äußeren verbirgt.

Silence wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, 8 GByte RAM, AMD FX-8150, AMD Radeon RX 470 8GB) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Daedalic Entertainment zur Verfügung gestellt.

Silence

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

Coco
15. November 2016 um 10:14 Uhr (#1)
Good article. pls keep sharing such good articles.
Rian
15. November 2016 um 13:08 Uhr (#2)
Ich stimme dem Bot zu!
Ralleee
Gast
16. November 2016 um 14:23 Uhr (#3)
Wie der Bot wohl die Sicherheitsfrage umgehen konnte...? Eindrucksvoll!
Ralleee
Gast
16. November 2016 um 14:27 Uhr (#4)
Good bot. pls keep sharing such good bots.China bots Awesome stuff
Adrian
16. November 2016 um 19:03 Uhr (#5)
Der Bot hat nicht nur die Sicherheitsfrage umgangen, sondern ist sogar offiziell als User registriert, gruselig!
Gast
15. Dezember 2017 um 18:39 Uhr
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