Angespielt: Skylanders Imaginators

(Artikel)
Robert Mitchell, 05. November 2016

Angespielt: Skylanders Imaginators

Vorstellungs(kauf)kraft

Bevor ich auf der diesjährigen gamescom zufällig die Chance bekam, das neuste Skylanders-Spiel anzuspielen, wusste ich wenig von dieser Spielreihe - außer dass sie das Spielgenre "toys-to-life" 2011 ins Rollen gebracht hat. Toys-to-life heißt leider (noch) nicht, dass wie im Film "Der Indianer im Küchenschrank" Spielfiguren zum Leben erweckt werden. Stattdessen kauft man Spielfiguren und stellt sie auf ein USB-Portal, woraufhin sie im Spiel erscheinen – also eher "toys to game". Ohne eigene Erfahrung wusste ich im Vorfeld nur über Podcasts, dass es Videospiel-Journalisten gibt, die überraschend viele Figuren angesammelt haben. Woran das lag, war mir unklar, da mir der Kauf der nicht unbedingt billigen Spielfiguren (zwischen 8-15 Euro) zunächst wie eine noch teurerer Form von DLC-Inhalten vorkam.

Dabei musste ich in Vorbereitung auf meinen Termin bei Activision feststellen, dass toys-to-life doch big business ist. Beispielsweise sind die bei Wikipedia aufgelisteten Verkaufszahlen nicht unbeeindruckend. Zudem erscheint seit Skylanders Spyro’s Adventure im Jahre 2011 jedes Jahr ein neues Skylanders-Spiel. Ob die Aussichten für toys-to-life aber so rosig bleiben, steht auf einem anderen Blatt. Da Disney Infinity mit dem Ende von Avalanche Software eingestellt wurde, gibt es plattformunabhängig ein Duopol zwischen Skylanders und Lego Dimensions, während Nintendos amiibo, wie Nintendo halt so ist, für sich stehen.

imaginators-01

Wie sieht es also mit diesem neuen Skylanders Imaginators aus? Jedes Spiel dieser Reihe hat immer eine neue narrative Begründung, wieso die sagenumwobenen Skylanders benötigt werden. Außerdem braucht jede Fortsetzung eine Innovation, damit man sich neue Figuren kaufen sollten - wobei alle alten Figuren immer mit den neueren Spielen kompatibel bleiben. Ob in der Spielentwicklung die Narrative oder die Spielfigur-Schiene die treibende Kraft ist, ist schwer zu sagen.

Jedenfalls beginnt die Geschichte immer mit einem fadenscheinigen Plan des unheimlich süß aussehenden Bösewichts Kaos, der alleinige Herrscher der Skylands werden möchte. So müssen die Skylanders herbeigerufen werden, um Kaos in seine putzigen Schranken zu weisen. Diese Crew besteht etwa aus – unter Skylanders-Kennern - beliebten NPCs wie Flynn, dem 'besten' Piloten der Welt, oder der Abenteurerin Cali. Auch bei Skylanders Imaginators ist wieder etwas in der Welt nicht in Ordnung, zudem läuft auch noch ein Klon von Kaos herum, wobei Kaos sich selbst gar nicht so putzig findet und ausschalten möchte.

Mit dem Kaos-Klon findet jedoch auch der Übergang zur Innovation bei den Figuren des diesjährigen Spiels statt. So gibt es das erste Mal eine Kaos-Figur. Diese Figur gehört nun zu einer neuen Klasse von Figuren, den sogenannten "Senseis", die wiederum in Helden und Bösewichte unterteilt sind. Der Kaos-Klon gehört natürlich zu Letzteren.

kaosErstmals ist der putzige Bösewicht Kaos als Sensei-Figur bei Imaginators erhältlich (momentan nur als Vorbestellungsbonus).

Ich muss als Linguist anmerken, dass mir die s-Pluralform eines japanischen Nomens richtig wehtut, da das Japanische eine numerusindifferente Sprache ist, aber was soll’s, ich lasse die Anführungsstriche weg.
Nun heißt "sensei" auf Japanisch "Lehrer" und in der Lehrfunktion dieser 'Senseis' besteht der Kern von Imaginators. Der elevator sales pitch dieses Spiels ist nämlich, dass die Senseis Figuren ausbilden, die man selbst erstellt, quasi also mittels der eigenen Vorstellungskraft 'imaginatet'. Somit glaubt der Entwickler Toys For Bob einem großen Wunsch von Skylanders-Fans nachzukommen, da man bisher nur mit vorgegebenen, materiell eingegossenen Figuren spielen konnte. Die virtuellen Spielfiguren haben ihr Echtwelt-Pendant in sehr schick aussehenden und schön leuchtenden "Kreationskristallen". Sobald solch ein Kristall auf das Portal gestellt wird, erscheinen Menüs zur Charaktererstellung, die auch für Freunde von RPGs eigentlich keine Wünsche übrig lassen: Verschiedene Körperteile können einge- bzw. entstellt, Farbschemata bestimmt sowie Sprüche der Figur festgelegt werden. Die können ernst sein, wie ein "Ich rufe die Magie an", können aber schnell durch den Austausch eines Nomens albern/witzig werden, etwa: “ich rufe meine glitzernden Arme an”.

kristallEin Kreationskristall des Elements "Leben".

Durch das Kristall selbst wird das Element des Imaginators bestimmt. Hiervon gibt es zehn, darunter Leben, Erde und Feuer. Eine wesentliche Entscheidung ist jedoch die Kampfklasse, wie Ritter oder Magier, wovon es ebenfalls zehn gibt. Die Kampfklasse bestimmt, welche Waffe und welchen Kampfstil der/die Imaginator hat. Zudem haben die Senseis auch alle eine Kampfklasse (wobei Kaos alle zehn abdeckt). Sofern Sensei und Imaginator in ihrer Kampfklasse übereinstimmen, können Senseis ihren Auszubildenden auch einen 'special move' beibringen und besondere Rüstung übergeben. Zudem bedeutet jede(r) zusätzliche Sensei, dass die Imaginators um ein weiteres Level steigen können. Ohne Senseis ist das maximale Level zunächst 15, Senseis selbst leveln unabhängig davon immer bis auf 20.

figurEin auf der gamescom eigens erstellter Imaginator.

Das ist also der Clou hier: Über die schicken Kristalle werden Imaginators erstellt, mit passenden Senseis werden dem eigens erstellten Skylander neue Bewegungen zuteil und dann haben Senseis auch noch einen "Sky Chi"-Move, der auf individuelle Weise alle Gegner auf dem Bildschirm kurzerhand erledigt. Ansonsten bleibt das Gameplay wie bei den Teilen der Spielreihe zuvor. Recht einfach ist die Bedienung mit nur dem linken Analogstick ohne Kameraführung und vier Knöpfen (Springen, leichter und schwerer Angriff sowie Spezialattacke).

Etwas neu ist aber eine nostalgische Note. Einmal heißt das, dass die Spielentwickler die Skylanders-Geschichte zelebrieren. So kommen alte Skylanders wie Spyro oder Eruptor erstmals als NPCs vor. Der nostalgische Höhepunkt könnte jedoch auch nicht Serien-Neulinge anlocken, denn Crash Bandicoot und Dr. Neo Cortex sind als Senseis erhältlich. Sobald die sehr schön gemachte Crash-Figur auf dem Portal steht, wird das "Thumpin’ Wumpa Islands"-Level freigestellt, das eine ‘reimaginierte’ Version des ersten Levels des ersten Crash-Spiels darstellt. Dies konnte ich auch auf der gamescom anspielen und war beeindruckt davon, wie gut das Skylanders-Engine das in Erinnerung gebliebene Springen auf Kisten und Durchforsten der Insel aus alten Playstation-Zeiten reproduzierte.

cortex2Crash und Dr. Neo Cortex sind als Senseis in Imaginators dabei.

Noch eine Neuheit ist diese Tage in den Appstores für Mobilgeräte erschienen, nämlich eine Skylanders-Creator-App, mit dem Imaginators schon auf dem Smartphone probeweise erstellt und Imaginators aus dem Konsolenspiel per Tontechnologie (!) übertragen werden können. Das i-Tüpfelchen für Skylanders-Fans ist, dass Imaginators über diese App für etwa 50 Euro plus Versand bei Toys For Bob als Figur erstellt werden können. Auch die Option eines T-Shirts oder eine Karte mit der/dem eigenen Imaginator ist möglich.

Seit dem 14. Oktober ist es nun in Deutschland so weit, dass Imaginators erscheint. Vor dem Hintergrund von Disney Infinity und der Konkurrenz mit Lego bleibt der Erfolg dieses Spiels spannend. Mich als Spieler hat bei Skylanders die Detailverliebtheit der Umsetzung jeder einzelnen Figur mit eigenen Animationen und Bewegungsrepertoires immer wieder beeindruckt. So befinde ich mich auf dem Nachhauseweg viel zu oft im Handel vor den Regalen und muss die neuste Figur vor meiner Frau verstecken. Die sehr solide wirkenden, Nostalgie weckenden Senseis versprechen eine mindestens ebenso befriedigende Spielerfahrung. Wer Interesse hat, kann mit einem Starterpaket mit einem Preis von etwa 70 Euro dabei sein. Aber Vorsicht: es besteht Suchtgefahr!

Robert ist einer unserer regelmäßigen Gastautoren und versorgt uns dementsprechend ab und an mit Artikeln. Wenn er Bock hat. Wenn ihr euch auch mal ohne Konsequenzen austoben wollt, dann schreibt doch einfach eure Idee an kontakt@dailydpad.de. Wenn sie uns gefällt, bekommt ihr bei der Formulierung, Strukturierung und Ausfertigung redaktionellen Support von uns und als Belohnung für den fertigen Text erhaltet ihr das lebenslange Recht darauf damit angeben zu dürfen, dass ihr einen Artikel im INTERNET veröffentlicht habt! Whoaaaaa!

Kommentare

Rian
05. November 2016 um 22:46 Uhr (#1)
Ich habe amiibos! Hauptsächlich, weil ich meine Smash-Bros.-Mains haben wollte.
Adrian
06. November 2016 um 22:05 Uhr (#2)
Ich finde ja diese ganzen Figürchen eher merkwürdig. Jetzt mal abgesehen davon, dass ich dafür kein Geld habe, hat mich das Spielprinzip nie wirklich überzeugt :D
Vivi
08. November 2016 um 22:42 Uhr (#3)
Als Germanistin kontere ich, dass Fremd- und Lehnwörter im Deutschen an die deutsche Deklination angepasst werden. So wird der Plural von "Hobby" im Deutschen einfach zu "Hobbys" und nicht, wie im Englischen, "Hobbies"! Um Deutsch richtig zu sprechen und zu schreiben, muss man glücklicherweise die Source Language eines Wortes nicht auch noch mit dazu lernen :D Vielleicht lindert das den "Senseis"-Schmerz ja etwas < 3
Valeyard
23. November 2016 um 14:15 Uhr (#4)
Ja, das lindert den Schmerz etwas :) Ich habe mich ehrlich gesagt mittlerweile dran gewöhnt.
Rian
23. November 2016 um 18:45 Uhr (#5)
Immer wenn jemand "Partys" schreibt, muss ich Blut spucken. :(
Gast
21. Oktober 2017 um 19:39 Uhr
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14. Oktober 2016
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Playstation 3
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Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
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Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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