Deus Ex: Mankind Divided im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 06. September 2016

Deus Ex: Mankind Divided im Test

Der Mensch, die Maschine

Es gibt immer jemanden, der im Hintergrund die Fäden zieht. Zumindest in der Welt von Deus Ex. Zwei Jahre nach den Ereignissen von Human Revolution ist das auch weiterhin der Fall. Die Welt hat sich allerdings drastisch verändert. Auslöser ist der "Aug-Vorfall" aus der letzten Mission des Vorgängers. Darin hat Hugh Darrow mithilfe eines neuen Illuminatichips dafür gesorgt, dass alle Augmentierten plötzlich Amok laufen. Die Augmentierten wurden auf einmal von geachteten, teilweise sogar beneideten Menschen der Gesellschaft zu geächteten, sogar gefürchteten Maschinen mit Mensch irgendwo drin degradiert. Und dass einige dieser Augmentierten dann auch noch zu Terrorismus greifen, ist wenig förderlich. Doch was steckt wirklich dahinter?

Spielerisch macht Mankind Divided da weiter, wo Human Revolution aufgehört hat. Als Adam Jensen hat man wieder die Wahl, welchen Spielstil man verwendet. Leise durch die Gänge schleichend, um heimlich die Gegner auszuschalten, oder mit geballter Feuerkraft alles niedermachen, was sich einem in den Weg stellt? Oder eine Mischung aus beidem? Wie im Vorgänger lässt sich aber sagen, dass man auf den höheren Schwierigkeitsgraden auf die heimliche Tour besser zurecht kommt.

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Auch lassen sich diesmal wieder eure Fähigkeiten aufwerten. So ziemlich alle Skills aus dem ersten Teil wurden übernommen und um einige neue Augmentationen erweitert. Wie passt das in die Story? Jensen war nach den Ereignissen in Human Revolution eine Zeit lang im Koma. Dabei wurden ihm wohl ein paar experimentelle Augmentationen verpasst, aber nicht aktiviert. Beim Bombenanschlag auf einen Bahnhof in Prag kriegt Jensen einen heftigen Schlag ab, seine Augs spielen verrückt. Die einzige Lösung ist ein Reset, weswegen man mit den Upgrades fast wieder von vorne anfangen muss. Und dabei tauchen die neuen Augs auf. Die bringen aber auch Probleme mit sich. Wer eins der neuen Augs aktiviert, überhitzt das System. Fehlfunktionen können die Folge sein. Zum Ausgleich muss man normale Augs permanent deaktivieren. Später im Spiel bekommt man aber die Möglichkeit, die neuen Augs ohne Einschränkungen zu nutzen, wenn man eine Nebenquest erfüllt.

Ein großer Kritikpunkt am Vorgänger war, dass Stealth sehr viel besser belohnt wurde als rohe Gewalt. Das ist zum Teil immer noch so: wer leise und vor allem nicht tödlich vorgeht, der kriegt weitaus mehr Erfahrungspunkte. Dafür gibt es auch weitaus mehr Stealthupgrades als offensive Fähigkeiten. Viel schlimmer war, dass es keinen Grund gab, gefundene Codes und Passwörter zu verwenden, da man fürs Hacken Erfahrungspunkte bekam. Auch da hat sich was getan: wer einen Code eingibt, der bekommt zumindest einen großen Teil der XP, die man durchs Hacken verdient hätte. Das Hacksystem selbst ist fast unverändert geblieben. Es gibt dafür ein paar neue Hackprogramme - wie Stealth, mit dem der nächste Schritt nicht entdeckt wird, und Overclock, mit dem man kurzzeitig schneller hacken kann.

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Die Story selbst ist diesmal erstaunlich unkompliziert, zumindest kam es mir so vor. Ja, es werden wieder Strippen gezogen, es ist nicht alles so wie es scheint, doch irgendwie hält es sich mit dem Verschwören relativ in Grenzen. Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich es von der Serie erwarte. Das heißt nicht, dass die Story schlecht ist. Es ist durchaus spannend herauszufinden, was wirklich vor sich geht. Wer aber das erste Deus Ex gespielt hat, den wird wenig überraschen, dass bestimmte Charaktere zu den Verschwörern gehören. Ein viel größeres Problem der Story ist, dass sie so eindeutig auf Sequel-/DLC-Bait ausgelegt ist. Sie hört einfach auf und man wird das Gefühl nicht los, dass da noch was kommt, was entweder noch nicht fertig ist oder bewusst weggelassen wurde.

Was Deus Ex auf jedenfall wieder perfekt hingekriegt hat, ist der Look. Das Design der Welt ist brillant umgesetzt. Weg sind die Bernsteintöne des Vorgängers - die Welt und vor allem Prag sieht sehr schmutzig aus, zerrüttet von dem Konflikt zwischen Natürlichen und Augmentierten. Die Straßen wirken beklemmend und wenig einladend, haben aber ihren historischen Charme nicht verloren. Technologie prägt nur dezent das Stadtbild. Im Gegenzug dazu bietet das Ghetto der Augmentierten außerhalb vom Prag ein Bild von Technologie und Metall. Man merkt, dass hier Natur und Maschine vereint wurden, ja sogar die Natur durch das Mechanische vertrieben wurde. Grünflächen sucht man vergebens, man kann sich nicht mal sicher sein, wo der Erdboden anfängt. Und die Unterdrückung ist in jeder Ecke zu spüren mit der ewig präsenten Polizei, die wahllos Augmentierte durchsucht. Schließlich hat die Augmented Rights Coalition dort ihren Hauptsitz, die Organisation, welche für die Rechte der Augmentierten kämpft, denen aber unterstellt wird, sie wären für die Terrorangriffe verantwortlich.

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Deus Ex: Mankind Divided hinterlässt mich in einem gewissen Zwiespalt. Zum einen ist es eines der wenigen Spiel der jüngsten Zeit, das mich für Stunden an den Bildschirm fesseln konnten. Zum anderen lässt das Spiel auch einiges zu Wünschen übrig, vornehmlich in der Story. Sie endet halt nicht befriedigend. Hinzu kommen noch weitere Kleinigkeiten, wie die lächerlichen Microtransactions. Ihr könnt euch für echtes Geld Praxiskits und Credits kaufen, die aber nur für einen Spielstand gültig sind. So erstandene Items werden in einem Extrafach gelagert und können von dort ins Inventar gezogen werden. Dort landen auch die Preoderboni, welche ebenfalls Praxiskits beinhalten, sowie ein paar Waffen. Nur das wir uns richtig verstehen: diese Preorder-Waffen und Praxiskits könnt ihr nur EINMAL verwenden. Wenn ihr ein neues Spiel startet, müsstet ihr euch diese DLC-Waffen nochmal neu kaufen. So etwas hat in einem Singleplayer-Spiel nichts zu suchen, vor allem weil es absolut unnötig ist sich Praxiskits zu kaufen - außer ihr wollt das Spiel mit allen Upgrades von Anfang an durchspielen. Auch nicht viel besser ist der Breach-Modus indem ihr einen Hacker verkörpert, der Daten aus einer großen Datenbank klaut. Spielt sich meh und hätte man besser als Handyspiel rausbringen sollen.

Mankind Divided ist ein tolles Spiel, welches nur von einigen wenigen Schwächen zurückgehalten wird. Definitiv eines der Highlights des Jahres.

Deus Ex: Mankind Divided wurde auf dem PC (Windows 10, AMD FX-8350, GeForce GTX 970, 24GB RAM) getestet. Für den Test hat sich der Redakteur das Spiel selbst gekauft.

Deus Ex: Mankind Divided

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

Kommentare

Rian
07. September 2016 um 00:05 Uhr (#1)
Ich habe jetzt etwa 15 Stunden gespielt und mein größtes Beef mit dem Spiel ist, wie risikofrei Eidos entwickelt hat. Wer Human Revolution durchgespielt hat, kann Mankind Divided auf exakt dieselbe Weise beenden. Ich habe, ohne die erste Hauptmission in Prag zu beginnen, quasi meinen essentiellen Stealthbuild schon fertig, Hacking auf Level 5, alle athletischen Augmentierungen und fange natürlich auch wieder mit der Tranq Rifle an. Warum? Das hat sich in HR schon bewährt und bewährt sich hier auch wieder. Im Grunde spielen sich beide Titel identisch.

Das ist natürlich irgendwo Kritik auf hohem Niveau, ist nach dem seinerzeit brillanten Human Revolution für mich bei Mankind Divided aber auch hart ernüchternd. Einen etwas größeren Evolutionsschritt hatte ich mir schon erhofft.
Gast
16. Dezember 2017 um 04:29 Uhr
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23. August 2016
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Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
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