Police Tactics: Imperio im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 07. September 2016

Police Tactics: Imperio im Test

Ich hab Polizei!

In Police Tactics: Imperio schlüpft ihr in die Rolle des Polizeichefs der fiktiven Großstadt Newport Falls und müsst gegen eine Stadt voller Kleinkrimineller kämpfen. Das Ganze geschieht aus der Management-Perspektive – als würdet ihr in der Leitstelle sitzen und eure Einheiten umherkommandieren. Ob der Job als Polizeichef auch Spaß macht, lest ihr in unserem Test.

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Zuallererst die Aufmachung: die Story wird in Teilen in einer schicken Comic-Optik erzählt, die wirklich Spaß beim Zusehen macht. Die Zeichnungen sehen fantastisch aus und fügen sich hervorragend in das Spielgeschehen ein. Ansonsten können wir das Geschehen über eine 3D-Kartenansicht aus der strategischen Ansicht verfolgen. Die erfüllt ihren Zweck, kommt aber optisch eher zweckmäßig daher. Wem da trotzdem noch zu viele visuelle Effekte drin sind, der kann auch auf eine Ansicht à la Google Maps umstellen, die wirklich nur die wichtigsten Informationen übersichtlich anzeigt. Es ist kein optisches Spektakel, aber in das Gesamtpaket passt die Grafik gut rein.

Die Story dreht sich um die schon im Titel herumschwirrende Untergrundorganisation Imperio, die in eurer Stadt Unsicherheit und Kriminalität verbreitet. Was wäre die Welt als Polizeichef denn auch ohne Herausforderung? Um den Verbrecherring zu sprengen, müsst ihr eure Polizeiwache natürlich aber erst mal vergrößern, denn ihr fangt nahezu bei null an. So müsst ihr im Laufe des Spiels mehr Leute einstellen und neue Fahrzeuge besorgen, damit eure Teams sich schnell durch die Stadt bewegen können. Auch Polizeihubschrauber sind erhältlich. Damit ihr auch wachsen könnt, erhaltet ihr für abgeschlossene Aufträge am Ende eines Arbeitstages Geld, das ihr dann investieren könnt. So entsteht ein Aufbau-Teil, der zwar nicht überaus kompliziert ist, aber schon Laune macht.

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Die Bewerber für eure Polizeiwache haben spezielle Fähigkeiten oder sind Allrounder. Ihr müsst euch entscheiden müsst, was ihr gerade braucht. Es gibt fünf verschiedene Skill-Bereiche, die eure Polizei-Untertanen potenziell drauf haben: der Streifenpolizist, die Kriminaltechnikerin, der Detektiv, die Spurensucherin und der, den ich liebevoll Schläger nenne. Der schlägt Unruhen und Raufereien schnell nieder. Im Einsatz sammeln eure Angestellten Erfahrung, die ihr in Skillpunkte investiert. Damit ihr auch alle Probleme erfolgreich lösen könnt, müsst ihr sicherstellen, dass ihr auch genug Einheiten mit ausreichender Qualifikation zur Verfügung habt.

Und hier ist der spannende Teil von Police Tactics: Imperio. Aufgrund der vielen aufploppenden Einsätze auf eurer Stadtkarte müsst ihr immer dafür sorgen, dass die entsprechenden Einsatzkräfte auch dort sind, wo ihre speziellen Fähigkeiten gebraucht werden. Und das ist gar nicht mal so einfach. Das liegt vor allem daran, dass die Übersicht über die eigenen Einheiten nicht gut gelöst ist und man gerade, wenn die Angestellten sich in Fahrzeugen befinden, den Überblick über die Position verliert. Denn wenn sie Auto fahren, kann man nur herausfinden, wer sich wo befindet, wenn man explizit eine Person sucht oder alle Polizisten aus dem Fahrzeug aussteigen lässt. Ziemlich umständlich.

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Das führt dazu, dass ich häufiger einfach mal unspezialisierte Einheiten zu einem Verbrechen schickte, weil es mir zu anstrengend war, die komplette Stadt nach der einen passenden Einheit abzusuchen. Während zu Beginn die Größe der eigenen Polizeiwache noch recht übersichtlich ist und man deswegen auch den Überblick über die Einheiten nicht verliert, wird es gerade im späteren Spielverlauf eine echte Qual.

Unterstützt wird dies auch dadurch, dass die Gruppierungsfunktion zwar da ist und in Grundzügen ihre Arbeit in Ordnung verrichtet, aber im Detail doch die Features missen lässt. Man kann Einheiten und Fahrzeuge in Gruppen einteilen und so durch einen Tastendruck schnell die gewünschten Aktionen anwählen. Sobald man aber mehrere Einheiten gruppiert und sie dann in ein Auto steckt, kann man diese Funktion in die Tonne treten. Kommandiert ihr die Einheiten im Auto nämlich über die Gruppenfunktion, steigen sie aus und laufen – toll. Wollt ihr das nicht, müsst ihr eine neue Gruppe extra für das Fahrzeug erstellen oder es immer auf der Karte suchen, was ich für sehr umständlich halte.

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Das Finanzsystem vom Police Tactics: Imperio ist dagegen sehr gut gelöst. Ich habe nie das Gefühl, dass ich im Laufe der Story zu viel Geld zur Verfügung habe und das Spiel dadurch zu einfach wird – andererseits wird es auch nie unfair aufgrund von akutem Geldmangel. Man muss seine Finanzen schon gut verwalten, aber es wird zumindest auf dem normalen Schwierigkeitsgrad keine riesige Herausforderung sein, flüssig zu bleiben.

Toll gelöst ist auch die Unterteilung zwischen kleinen und großen Verbrechen. Während kleine Delikte meist innerhalb von Sekunden gelöst sind und kein großer Aufmarsch vonnöten ist, müsst ihr für schwerwiegendere Straftaten oftmals eine ganzes Bataillon von Polizeibeamten an den Ort des Desasters schicken. Bis die Spurensuche und Zeugenbefragung abgeschlossen ist, dauert es auch eine ganze Weile und benötigt natürlich auch viel mehr Aufmerksamkeit von euch als Polizeichef.

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Richtig Spaß machen die kleinen Verfolgungsjagden, in denen ihr mit einem oder mehreren Wagen dafür sorgen müsst, dass ein Verbrecher nicht entkommt. Dafür könnt ihr Straßensperren errichten, die ihr taktisch klug platzieren müsst. Es gibt Jagden, die ihr aufgrund von hoher Präsenz schnell erledigen müsst, aber dann gibt es auch welche, die wirklich knapp werden, weil gerade niemand Passendes in der Nähe ist.

Und hier fängt Police Tactics: Imperio an, richtig Spaß zu machen. Denn während ihr euch aktiv um ein großes Verbrechen oder eine Verfolgungsjagd kümmern müsst, dürfen die kleinen Delikte ja auch nicht vernachlässigt werden. So ist immer viel zu tun und man sehnt sich schnell nach der kleinen Verschnaufpause.

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Wo wir gerade bei der Verschnaufpause sind: eine Pause-Funktion existiert nicht. Dabei hätte ich mir schon an mehreren Momenten gewünscht, dass ich die Zeit kurz pausieren kann, um mir einmal einen Überblick über die Geschehnisse in der Stadt machen zu können und meinen nächsten Schachzug zu koordinieren. Aber ehrlich gesagt, wirklich schlecht finde ich das Fehlen dann auch nicht, denn so entsteht ein neuer Spielfaktor: Ihr begeht schneller Fehler, die ihr nicht so schnell rückgängig machen könnt. Schickt ihr eine Einheit an einen Ort, während sie an einem anderen eigentlich viel dringender gebraucht wird, habt ihr in dem Moment einfach Pech gehabt. Dann müsst ihr damit arbeiten und versuchen, umzudisponieren.

Police Tactics: Imperio überrascht in manchen Momenten mit einem wirklich knackigen Spielablauf und lässt euren To-do-Stapel nahezu nie leer werden. Die Story wird begleitet mit einer fantastischen Comic-Illustration. Nur die Spielgrafik lässt hier und da etwas zu wünschen übrig. Was mich enttäuschte, waren die umständlichen Selektionsmöglichkeiten und die schlechte Übersicht über das Vorgehen der eigenen Einheiten. So reicht es am Ende nur für ein solides, aber nicht sehr gutes Erlebnis.

Police Tactics: Imperio wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, Intel i7-4720HQ, 8 GB RAM, NVIDIA GeForce GTX 960M) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Astragon zur Verfügung gestellt.

Police Tactics: Imperio

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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19. November 2017 um 00:08 Uhr
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07. September 2016
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