Angespielt: The Shattering

(Artikel)
Benjamin Strobel, 18. August 2016

Angespielt: The Shattering

Psycho-Thriller im Kopf der Spielfigur

Um es mit Forrest Gump zu sagen, die Gamescom ist wie eine Schachtel Pralinen. Zwar glaubt man, man wüsste, was man bekommt, aber die Messe versagt nicht dabei, Überraschungen unter das Erwartbare zu mischen. So heute bei Deck 13: Unter dem deutschen Dach ist beispielsweise das polnische Studio Super Sexy Software zuhause. Nicht nur der Name macht Laune, auch ihr Spiel hat mich beeindruckt.

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Das dreiköpfige Team arbeitet an dem Psycho-Thriller The Shattering. Das storyfokussierte Spiel befindet sich noch sehr früh in der Entwicklungsphase und erzählt die Geschichte aus der Innenperspektive des Protagonisten. Das heißt, sie spielt in seinem Kopf. Ein Erzähler, offenbar ein Psychotherapeut, hypnotisiert den Protagonisten - mit dem Ziel, verdrängte Ereignisse wieder ans Licht zu bringen. Entsprechend gehorcht die Spielwelt nur begrenzt den physikalischen Regeln unserer Welt. Manchmal fehlen Teile, nach und nach kommen neue Details dazu oder alte ändern sich, verschwinden.

Die Idee ist psychologisch fundiert, denn Erinnerungen funktionieren nicht wie Daten im Computer. Speichere ich die Zahl 1977 auf der Festplatte eines PCs, wird sie genau so kodiert, ohne Informationsverlust, sozusagen wortwörtlich. Rufe ich den Speicher ab, erhalte ich immer wieder 1977. Das menschliche Gedächtnis funktioniert dagegen anders. Möchte ich mich an diese Zahl erinnern, weiß ich vielleicht nur noch, dass es eine Jahreszahl war, aber nicht unbedingt welche. Erinnerung funktionieren nicht wortwörtlich, sondern müssen – manchmal mühsam – rekonstruiert werden. Tatsächlich war in der Ziffer nicht einmal die Info enthalten, ob es sich um eine Jahreszahl handelt. Vielleicht weiß ich es aus anderen Gründen oder habe es mir dazu gedacht. Erinnern kann zu Fehlern führen, zu falschen Erinnerungen oder völligem Vergessen. Auf dieser Idee basiert The Shattering.

Ähnlich wie Gone Home setzt The Shattering auf Environmental Storytelling. Um die Geschichte voranzutreiben, muss man sich mit der Spielwelt auseinandersetzen und auf Details genau achten. Anfangs erinnert sich der Protagonist kaum an etwas, doch je genauer man hinsieht, je mehr man sich mit der Spielwelt auseinandersetzt, desto mehr Details tun sich auf. Je mehr Erinnerung man zurückgewinnt, desto mehr verändert sich auch die Umwelt – vorher unzugängliche Details kommen mir einmal ins Bewusstsein. Wenn man dem menschlichen Gedächtnis bei der Arbeit zusehen könnte, würde ich es mir genau so vorstellen.

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Die Gameplay-Demo war nur etwa 20 Minuten lang, aber hat mich sofort ins Spiel gezogen und neugierig gemacht, wie es weitergeht. Leider soll ich das erst 2018 erfahren, erklären mir die Entwickler vor Ort. Ich hoffe aber, dass ich schon früher etwas mehr von The Shattering hören werde. Ben

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17. Oktober 2017 um 11:27 Uhr
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2018
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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