Batman: The Telltale Series im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 11. August 2016

Batman: The Telltale Series im Test

Was wir tun, zeigt, wer wir sind

Telltales Goldhändchen hat nach der nächsten Franchise gegriffen: Mit Batman: The Telltale Series überträgt der kalifornische Entwickler sein erfolgreiches Adventure-Prinzip auf den Dunklen Ritter. Wie sich zeigt, wurde Bruce Wayne in bisherigen Versoftungen zu Unrecht vernachlässigt. In der neuen Adventure-Reihe bekommt der Milliardär es mit Problemen zu tun, die sich nicht dadurch lösen lassen, dass man nachts Leute zu Brei schlägt. Unser spoilerfreies Review.

Du bist Batman
Achtung! Wichtige Info: Was mich bei der Recherche von Batmans Körpergewicht reichlich verwundert hat: Ein "Batman" ist außerdem eine asiatische Maßeinheit für Flächen. True Story.
Natürlich beginnt Batman: The Telltale Series mit einer ikonischen Batman-Szene. Unser Freund, die 95 Kilo schwere Fledermaus, muss einen Raubüberfall vereiteln. Mit einem Swipe von rechts nach links lässt man den dunklen Ritter unbemerkt über die Bildfläche huschen. Reagiert man korrekt auf nach oben zeigende Pfeile, werden die ahnungslosen Feinde einfach weggepflückt. Nach einer Reihe erfolgreicher Quick Time Events hat Batman auch dem letzten Schergen die Räuberfratze poliert - mit Stil. Für die Ganoven war es der schlimmste Tag ihres Lebens, für Batman war es... Dienstag.

EP1-Batman-Warehouse

Ich kann auch für das neueste Telltale-Spiel nur wiederholen, dass QTEs nicht das spannendste Gameplay-Element sind, das je erfunden wurde. Aber ich muss sagen, dass mir die Inszenierung der Kämpfe in Batman: The Telltale Series schon eine Menge Spaß gemacht hat. Am Ende geht es natürlich nicht darum, fehlerfreie Eingaben in den Controller zu hämmern, sondern die szenische Gestaltung und die Atmosphäre dabei mitzunehmen. Bereits die erste Sequenz hat mich überzeugt: Ein Pfeil erscheint aus dem Nichts. Drückt man korrekt nach oben, zieht es einen Gangster mit einem schnellen swoop nach oben. Batman ist nicht zu sehen, aber hey - wir wissen jetzt, dass er da ist. Dieser Moment fängt die Figur einfach ein und bringt das QTE mit Augenzwinkern zum Einsatz.

... der weltgrößte Detektiv
Durch Detektivarbeit kommt etwas Fleisch ans Gameplay. In einigen Spielszenen betritt Batman den Ort eines Verbrechens. Dort muss der Spieler nach Hinweisen suchen - und sie miteinander verknüpfen. Die richtigen Verbindungen zwischen den Hinweisen ermöglichen Batman dann weitere Schlussfolgerungen zum Tathergang. Optisch borgt sich das Spiel dabei viel von Rocksteadys Detective Vision aus den Arkham-Spielen.

In einer anderen Szene darf man Batmans Vorgehen bei der Infiltration eines Gebäudes planen. Zuerst muss man die Umgebung ausführlich studieren, anschließend bestimmt man, wie Batman welchen Gegner am besten ausschalten soll. Es gibt einem dieses wunderbare Gefühl der Überlegenheit, wie man sie nur durch die Augen Batmans auf der Spitze eines Wasserspeiers verspüren kann.

EP1-Bruce-Batcomputer

Aber du bist auch Bruce Wayne
Batman: The Telltale Series versteht hervorragend, was Spielern an Batman Spaß macht. Aber das ist nicht einmal der beste Teil des Spiels! Etwa zwei Drittel der ersten Episode ist man damit beschäftigt, Bruce Wayne durch das Unheil seines Lebens zu navigieren. In Telltales neuer Batman-Geschichte gerät nämlich der Milliardär ins Fadenkreuz und kann sich nicht so leicht unter sein Kostüm zurückziehen. Wichtige Entscheidungen in Telltales patentiertem Dialogsystem muss man nämlich als Bruce Wayne fällen. Mehr als einmal muss man dabei abwägen, ob man sich mehr um Bruce Waynes oder Batmans Bedürfnisse kümmert. Diese Dilemma-Situationen sorgen für Spannung und Anspannung.

Es hat den Anschein, als könne man nicht alles richtig machen - der one best way ist nicht Telltales Weg. Stattdessen muss man ein Übel gegen das andere abwägen, Kompromisse eingehen. Wenn ihr ein Spiel sucht, in dem man "alles richtig machen kann", um ein "bestes Ende" zu bekommen - dies ist nicht das Spiel, das ihr sucht. Die erste Episode lässt bereits anklingen, dass man Opfer bringen muss. Ein echtes Happy End lässt die Figur des Batman ohnehin nicht zu. Aber das macht auch den Reiz aus - und Bruce Waynes Verwundbarkeit hinter der Maske ist genau das richtige Druckmittel, Entscheidungen spannend zu halten. Ich habe gehofft, dass Tellatle diesen Weg gehen würde und bin überzeugt, dass es eine hervorragende Idee für das Spiel ist.

EP1-Bruce-Batcomputer2

Technische Schwächen
Obwohl Telltale die Spielengine für Batman frisch aufpoliert hat, schwächelt die Technik hin und wieder. Auf der Xbox One hatte das Spiel vor dem ersten Patch mit Rucklern und Framerate-Einbrüchen zu kämpfen, mittlerweile läuft es runder. Allerdings sind einige Animationen, insbesondere der Gang vieler Figuren, sehr hölzern und können die ansonsten tolle Atmosphäre zum Einbruch bringen. Um Fans nicht zu verschrecken, darf Telltale sich nicht mehr länger nur auf die Story verlassen, sondern sollte auch technisch höhere Standards anlegen. Batman: The Telltale Series ist hier leider keine große Verbesserung gegenüber den Vorgänger-Spielen.

Fazit
Batman: The Telltale Series feiert mit der ersten Episode einen würdigen Auftakt und lässt erste gute Ideen aufblitzen. Telltale versteht Batman, weiß aber wie wichtig Bruce Wayne für eine spannende Geschichte ist. Es gibt ein paar technische Schwächen, doch Batman: The Telltale Series geht vielversprechend los. Ben

Batman: The Telltale Series wurde auf der Xbox One getestet. Ein Testmuster wurde uns von Telltale Games zur Verfügung gestellt.

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23. September 2017 um 07:35 Uhr
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Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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