OmniBus im Test

(Artikel)
Adrian Knapik, 05. Juni 2016

OmniBus im Test

Wenn Busse fliegen lernen

In OmniBus dreht sich alles um den größten Superhelden, den das Universum je gesehen hat. Er steht nie still, er ist unverwüstlich, er ist blitzschnell – und er ist ein Bus. Dennoch ist unser stummer Held charismatischer als die meisten anderen. Was euch in OmniBus erwartet, lest ihr in unserem Test.

OmniBus - Screen 3Bloß nicht kopfüber landen!

Zu allererst muss gesagt werden: OmniBus nimmt sich selbst nicht ernst. So ist das ganze Spiel gespickt mit putzigen Anspielungen und Witzen, die immer wieder für kleine Lacher sorgen. Als Beispiel: Am 26. Mai 2016 erblickte das Indie-Werk das erste Mal das Licht der Welt – natürlich gleich als Game of the Year Edition. Wäre ja auch langweilig, wenn man ein Spiel veröffentlicht, das kein GOTY wird.

Der Grafikstil macht deutlich: hier ist alles retro. Alle Objekte haben Ecken und Kanten und alles ist sehr grob ausmodelliert – und dennoch hat OmniBus seinen aufgeräumten Charme, der in purem Chaos verschwindet, wenn ihr anfangt alles zu zerstören. Auch die Musik passt sich dem Retro-Stil an, wodurch hier schon mal ein rundes Ganzes geliefert wird.

OmniBus - Screen 8Die Fahrzeug-KI hat nur ein Ziel: ramme den Bus.

Das Spielprinzip von OmniBus ist so einfach wie genial: ihr steuert einen Bus, der gepennt hat, als Gott die Bremsen verteilte, und müsst in den einzelnen Levels möglichst viel Chaos anrichten. Während das freie Spiel nur darauf ausgerichtet ist, möglichst lange zu überleben und durch Zerstörung den Highscore zu erreichen, gibt es aber auch einen kleinen Story-Modus, in dem ihr bestimmte Aufgaben erledigen müsst. Dabei kämpft ihr gegen Bosse wie UFOs oder einen riesigen Totem – an anderer Stelle helft ihr einem Farmer seine Kühe wieder in den Stall zu treiben, oder ihr sammelt einfach möglichst viel Antrieb in Form von Raketen und Turbinen, um im nächsten Moment mit Vollgas über eine Rampe in Richtung Weltall abzudampfen.

Dabei steuern sich die Busse sehr simpel: die Eingaben sind wunderbar direkt und ihr habt immer das Gefühl, die volle Kontrolle über das Vorgehen zu haben – zumindest am Boden. Sobald ihr durch die Luft fliegt, wird es anspruchsvoll, denn hier könnt ihr die Bewegungen eures Busses nur in Ansätzen steuern, um möglichst grazil wieder auf dem Boden zu landen. Prallt ihr stattdessen kopfüber auf und kommt so zum Stehen, ist ein Neustart angesagt. Auch wenn ihr vom Rand der Karte fallt, müsst ihr neustarten. Und da diese meist recht klein sind, ist es mit den verschiedenen Katapultations-Möglichkeiten alles andere als schwierig, von der Karte zu fliegen. Die Steuerung in der Luft erfordert zwar einiges an Übung, es ist aber kein Unding. So fordert OmniBus von euch keine stundenlangen Übungs-Sessions, was aufgrund des generell kurzweiligen Spaßes optimal ist.

OmniBus - Screen 7Der Gravitationsbus entführt euch ins Weltall.

Um den vollen Spielspaß rauszuziehen, werdet ihr gezwungen, den kurzweiligen Story-Modus zu spielen. Denn wer im freien Spiel alle Karten und Busse zur Auswahl haben möchte, der muss sie sich in der Kampagne verdienen. Dass es sich auch lohnen kann, zeigen die kleinen Tutorial-Levels, die euch helfen die Eigenheiten oder gar Fähigkeiten von neuen Bussen zu lernen. Moment mal, Fähigkeiten?

In OmniBus fahrt ihr keine normalen Busse. Alle Busse haben ihre besonderen Merkmale. Der Gelenkbus erfordert durch sein mitschwingendes Hinterteil gerade beim Manövrieren in eure volle Konzentration, während ihr mit dem Gravitationsbus per Tastendruck in die Richtung gezogen werdet, in die eure Unterseite gerade zeigt. Mit dem Lavabus könnt ihr abrupt in der Luft stoppen, was Sprünge zwischen verschiedenen Plattformen besonders spannend macht. So wird auch wunderbar Abwechslung eingeführt und ihr könnt euch mit eurem Lieblingsbus auf Highscore-Jagd machen.

OmniBus - Screen 2Im wilden Western müsst ihr euch mit üblen Ramm-Banden anlegen.

Als besonderes Extra existiert noch ein lokaler Versus-Modus, in dem ihr euch mit bis zu vier Spielern im Last-Bus-Standing-Modus bekämpfen könnt. Hier ist das Ziel: schießt die anderen von der Karte oder bringt sie so ins Schlingern, dass sie kopfüber landen. Gerade mit vier Leuten ist das ein Riesenspaß, der aber natürlich nur möglich ist, wenn man sich gemeinsam mit vier kompatiblen Eingabegeräten (Tastatur, Gamepads) vor den Monitor kuschelt. Zur Not können auch zwei Personen an eine Tastatur, wodurch letztendlich nur noch zwei weitere Gamepads nötig sind. Richtig oldschool.

Was mir allerdings etwas fehlt, ist der Inhalt. Die Story hat ihre kleine Spieldauer und anschließend kann man sich für ein paar Stunden richtig im freien Modus austoben – aber danach fehlt es an Abwechslung. Richtig genial wäre es gewesen, wenn wir Spieler einen Level-Editor an die Hand bekommen hätten, denn solch ein Spiel wie OmniBus ist einfach dazu prädestiniert, die Fantasie der Spieler für mehr Inhalte zu nutzen.

Die Entwickler von OmniBus waren wahrscheinlich zu 99% der Entwicklungszeit absolut besoffen. Aber das ist auch gut so, denn heraus kam ein Spiel, das sich mit seinen verrückten Ideen, seiner charmanten Art und einem einfachen Spielprinzip einen kleinen Platz in meinem Herzen sichern konnte. Wer was für zwischendurch sucht und auf Chaos, Zerstörung und Witz steht, wird hier hervorragend bedient. Adrian

OmniBus wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, Intel Core i5-4670, 16 GB RAM, Radeon R9 270X) getestet. Ein Testmuster wurde uns von Devolver Digital zur Verfügung gestellt.

OmniBus

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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16. Dezember 2017 um 04:17 Uhr
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26. Mai 2016
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