Dishonored DLCs im Test

(Artikel)
Vivian R., 30. April 2016

Dishonored DLCs im Test

Morden mit und ohne Reue

Also so langsam würde ich schon ganz gerne mal wieder etwas über Dishonored 2 hören. Die letzte offizielle Ankündigung ist ja schon eine Weile her – im letzten Jahr zur E3 wurde sogar noch vom ersten Quartal 2016 als Erscheinungszeitraum gesprochen. Jetzt ist das zweite Quartal schon freudig am Laufen – aber Bethesda und Arkane Studios hüllen sich in Schweigen. Was tut man also, wenn man trotzdem richtig Bock auf Dishonored hat, man das Hautpspiel aber schon gar nicht mehr sehen mag? Klar, man holt die DLCs raus.

Dishonored kommt mit insgesamt drei DLCs daher: den Dunwall City Trials, in dem wir mit Corvo Herausforderungen lösen und Punkte sammeln, und den beiden Story-DLCs The Knife of Dunwall und The Brigmore Witches.

Dishonored DCT Stealth

Dunwall City Trials
Dunwall City Trials ist schnell erklärt: Wir schlüpfen wieder in die Haut von Corvo und wählen Herausforderungen aus. Das sind überschaubare Levels, in denen wir jeweils ein Ziel verfolgen: zum Beispiel einen Mord oder wir sollen möglichst viele Wellen von Gegnern abzuwehren. Die Level sind dabei vom Hauptplot komplett losgelöst und haben keine eigene Handlung.

Wenn wir alles richtig gemacht haben, kriegen wir Punkte, die sich wiederum in Sterne umrechnen. Je nachdem, wie viele Sterne wir erreichen, schalten wir Artwork-Bilder in der Galerie und neue Level im Expertenmodus frei. Hier ist die Herausforderung noch einmal größer, da die Gegner aufmerksamer oder stärker sind.

Dadurch, dass die Spielmechanik von Dishonored so launig ist und so flüssig läuft, machen diese Herausforderungen richtig Spaß. Zumindest für eine Weile. Punkte jagen finde ich persönlich eher öde, dazu bin ich nach zu vielen Fehlschlägen auch zu schnell gefrustet. Für alle anderen hätte Dunwall City Trials langfristigen Spaß bieten können, wären die wenigen Level nach einer Weile nicht recht eintönig anzuschauen. Wer also eine Herausforderung sucht, Frust nicht scheut und sich nicht daran stört, ein Level ein Dutzend Mal zu sehen, für den ist Dunwall City Trials ein guter Kauf.

Dishonored DCT Blink

Auf der Suche nach Delilah
Wirklich spannend wird es aber in den zwei Story-DLCs Brigmore Witches und Knife of Dunwall. Hier schlüpfen wir in die Rolle von Daud, dem berüchtigten Assassinen und Mörder der Kaiserin Jessamine Kaldwin. Die DLCs spielen zur gleichen Zeit wie Dishonored, in dessen Verlauf wir ja über das Schicksal von Daud entscheiden durften. Im Hauptspiel erfahren wir, wie sehr Daud den Mord an der Kaiserin bereut. In Knife of Dunwall dürfen wir dies aus seinem eigenen Munde hören. Er will Buße tun. Und der Outsider, dessen Zeichen er ja trägt, hilft auf seine ganz eigene undurchschaubare Weise, denn er gibt Daud einen Namen: Delilah.

Am Anfang steht ein Schiff, das diesen Namen trägt und dem Walschlächter Rothwild gehört. Den möchte Daud befragen, leider ist in Rothwilds Schlachthaus aber gerade ein Streik ausgebrochen, und die Wachen und Schlachter im und ums Gebäude sind nicht unbedingt gut auf Fremde zu sprechen. Wir müssen uns also anders Zugang zu Rothwilds Büro verschaffen, wo wir hoffen, ein nettes Gespräch unter vier Augen mit ihm führen zu können. Und endlich herauszufinden, wer sich hinter dem Namen Delilah verbirgt.

Dishonored KoD Outsider

Als einer der Auserwählten des Outsiders hat Daud ähnliche Fähigkeiten wie Corvo: Daud kann sich zwar auch über kurze Distanzen teleportieren, dabei hält er aber auch die Zeit an. So können wir auch im Sprung präzise planen, wo wir landen. Wenn man sich einmal daran gewöhnt hat, kommt einem Corvos Blink ziemlich mau vor. Dafür had Daud es nicht so sehr mit Ratten und anderem Gevieh, sondern ruft lieber seine Assassinen herbei, die uns im Kampf beistehen. Mit Knochenrunen erweitern und verbessern wir sein Fähigkeitenrepertoire – je nachdem, ob wir auf Krawall gebürstet sind oder es mehr oder minder friedlich durch geschicktes Schleichen lösen wollen, bieten sich uns unterschiedliche Optionen.

Auch Dauds Waffenarsenal ist aufgebessert worden: Vor allem die Ark-Mines, die es in tödlicher und nicht-tödlicher Variation gibt, und der Choke Dust sind weitaus taktischer einsetzbar als Corvos Springtraps. Darüber freuen sich vor allem die Schleicher unter uns.

Dishonored KoD Jessamine

Die DLCs bieten uns dabei eine große Auswahl an Lösungswegen und viel in den recht überschaubaren Levels zu erkunden. Zu Beginn jedes Levels können wir für ein paar schnöde Goldmünzen Gefallen erkaufen. Dies reicht von einer zusätzlichen Rune bis zu Gegenständen, die den Verlauf eines Levels stark verändern.
Den stillen Held finden wir in Daud aber nicht wieder: Dadurch, dass er keine Maske trägt und anscheinend so bekannt ist wie ein bunter Hund, interagiert er mehr als Corvo mit seiner Umwelt und wird oft von Umherstehenden angesprochen. Das gibt dem ganzen Spiel noch einmal eine nette, aktive Komponente, die mir in Dishonored immer gefehlt hat.

Daud ist dabei dem gleichen Moralsystem unterlegen wie Corvo: Ein hohes Chaoslevel führt zu größerer Bewachung und mehr Ratten und Weinern in den Straßen. Und beeinflusst natürlich das Ende. Wie auch Dishonored selbst, bieten die DLCs so einen hohen Wiederspielwert und gleichen so ihre Kürze wieder aus.

Beim Schlachthaus fängt bereits an, was sich immer weiter durch alle Levels der DLCs zieht: Knife of Dunwall und Brigmore Witches sind wahnsinnig schön und imposant inszeniert – so sehr, dass sie das Hauptspiel um Längen übertrumpfen. Wir schleichen durch die raue, naturalistische Brutalität von ausgeweideten Walen, kämpfen uns durch verlassene, von Efeu und Überflutungen verzierte Herrenhäuser und beschauen uns eben jenes Gefängnis, aus dem Corvo sich befreit, aus einem anderen und weitaus belebteren Blickwinkel.

Dishonored KoD Scenery

Fazit
Die Erweiterungen zu Dishonored entführen uns in einen neuen Teil Dunwalls, das wir im letzten Level der DLCs sogar einmal verlassen. Während wir uns in Dunwall City Trials die Zeit mit der spaßigen Spielmechanik vertreiben können, tauchen wir in den beiden Story-DLCs in Kopf und Welt des Assassinen Dauds ein. Die komplexe wie spannend erzählte Geschichte um die Suche nach Delilah besticht durch ihre starke Inszenierung. Anders als unser stummer Held Corvo interagiert Daud mit der Welt und teilt uns seine Gedanken über die Geschehenisse mit. Das lässt uns den Mörder der Kaiserin sogar ein wenig ans Herz wachsen.

Dass ein gesprächigerer Protagonist der Handlung noch einmal mehr Leben und Tiefe verleiht, scheint auch bei den Entwicklern Arkane Studios angekommen zu sein, die sowohl Corvo als auch Emily in Dishonored 2 eine Stimme geben.

Dishonored: Dunwall City Trials, The Knife of Dunwall und The Brigmore Witches wurden auf dem PC (Windows 7 64-bit, 8 GByte RAM, AMD FX-8150, AMD Radeon R9 280 3GB) getestet. Für den Test hat sich die Redakteurin die Spiele selbst gekauft.

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16. Dezember 2017 um 04:29 Uhr
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12. Oktober 2012
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