AVGN II: ASSimilation im Test

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 19. April 2016

AVGN II: ASSimilation im Test

Der Nerd ist zurück

Er ist der wütendste Gamer, von dem ihr jemals gehört habt und fester Bestandteil der Internetkultur. Seit gut zwölf Jahren spielt James Rolfe die beschissensten Spiele von damals und auch wenn er nicht mehr so häufig Episoden produziert, so möchte er entgegen mancher Gerüchte doch nicht aufhören. Das beweist die jüngste Folge sehr gut, in der er zehn Jahre Nerd auf YouTube feiert. Aber auch außerhalb von Youtube ist er zu finden. Vor zweieinhalb Jahren erschien mit Angry Video Game Nerd Adventures das erste offizielle Spiel zur Kultfigur. Zwar war es eine gelungene Hommage an den fluchenden Nerd, aber darüber hinaus nur ein mittelmäßiges Retro-Jump-and-Run. Freakzone Games will es aber noch mal wissen und bringt nun mit Angry Video Game Nerd II: ASSimilation den Nachfolger heraus.

20160418223331_1Fünf Welten warten auf den Nerd.

Es war ein wundervoller Tag, die Leute entspannten in der Sonne und tranken viel Bier, als plötzlich ein Strahl aus dem All die Welt und alle Bewohner in ein beschissenes Videospiel verwandelten. Der Nerd saß derweil zu Hause und hat schlechte Spiele gezockt. Jetzt liegt es an ihm mal wieder die Welt zu retten. Sein Haus dient dabei als das unnötige Tutorial, in dem Mike Mattei die Steuerung und das Gameplay erklärt, sehr zum lautstarken Missfallen des Nerds. Am Ende findet noch ein kleiner Showdown statt, denn es gibt noch jemanden, der die Welt retten will, aber nicht daran denkt die Lorbeeren zu teilen: der Nostalgia Critic. Ihm begegnet man im Spiel öfters als Zwischenboss. Das Level beendet man, indem man es einfach in die Luft sprengt - wie jedes andere Level auch.

Vom Gameplay wurde viel aus dem Vorgänger übernommen. Der Nerd springt und schießt sich durch die Level und weicht allerlei Gefahren aus. Entfernt wurden die zufällig generierten Flüche darüber, was der Nerd lieber tun würde als das Spiel zu spielen. Neu ist dafür ein Upgradesystem. In jeder Welt findet sich ein Item, dass den Nerd mit neuen Fähigkeiten ausstattet. Im Tutorial erhält er seine Sandalen, mit denen man an Wänden gleiten und springen kann wie in Mega Man X. Dazu gesellen sich andere Upgrades, wie der Power Glove, mit dem man bestimmte Wände zerschlagen kann, oder der Controllergürtel, mit dem man seine Schüsse aufladen kann.

20160418224748_1Teenage Mutant Ninja Turtles lässt grüßen.

Es gibt nun weitaus mehr Level zu erkunden, genau genommen vier pro Welt, wobei das vierte Level ausschließlich aus einem Bosskampf besteht. Dadurch gestaltet sich das Spiel fairer als vorher, da man nicht immer das ganze Level wiederholen muss, bloß weil man beim Boss gestorben ist. Dafür bekommt man aber auch mehr Gameplay geliefert. Je nach Schwierigkeitsgrad werden auch die Leben nach dem Tod wieder auf ein gewisses Minimum aufgefüllt, um den Frust niedrig zu halten. Mein größter Kritikpunkt am Leveldesign des Vorgängers wurde auch größtenteils behoben: die Todesblöcke. Ganz weg sind sie nicht, aber diesmal werden nicht ganz so viele eingesetzt, um den Schwierigkeitsgrad künstlich zu erhöhen.

Fehlerfrei ist das Spiel dennoch nicht, da man stellenweise einfach einmal sterben muss, um zu sehen, wie es weitergeht. In einem Level tauchen die Todesblöcke erst in unmittelbarer Nähe auf, sodass man sich nicht richtig drauf einstellen kann. Da gleichzeitig der Boden runter fällt, ist man aber zur Hektik gezwungen. Nur wer schon mal in die Blöcke gesprungen ist, weiß, wie man ihnen ausweicht. Das ist nie gut, man sollte immer die Zeit haben, die Gefahr zu erkennen, bevor es zu spät ist.

Bei den Bosskämpfen scheint der Entwickler dazugelernt zu haben. In Teil Eins bewegten sich noch viele Fieslinge auf einer liegenden Acht, wodurch man doch sehr schnell herausfand, wo man sicher steht. Nicht so in Teil Zwei. Dafür holt man sich hier andere Probleme ins Boot. Nämlich das "Zu viel Kram auf einmal"-Problem. Die Kämpfe neigen dazu, ein wenig unübersichtlich zu werden und man wird dann immer wieder von irgendwas getroffen, auf das man nicht geachtet hat, weil man irgendwas anderem ausweichen musste.

So wird man im Boss der Film-Welt von beiden Seiten mit Phallusraketen beschossen, während der Boss auf euch eindrischt. Um dem Boss auszuweichen, muss man in ein Portal springen, das euch hinter ihn teleportiert. Und da passiert es gerne mal, dass man genau über einer Rakete rauskommt. Autsch. Wenigstens sind die Bosse lustig. Ein Boss ist ein Vampir, der sich in einen Werwolfritter verwandelt, dann zu einem Geist wird und als er als Zombie aufstehen möchte, hat der Nerd keine Lust mehr, weil's einfach nur lächerlich wird. Boss besiegt.

20160419200519_1NEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEEERD!

Ist ASSimilation besser als das Original? Ja. Man merkt, dass der Entwickler dazugelernt und sich wirklich Mühe gegeben hat, sich selbst zu übertreffen. Doch auch wenn das gelungen ist - in den hohen Sphären der Indiespiele siedelt sich das Ergebnis nicht an. Es ist eher ein grundsolides Spiel geworden, das Fans des Nerds gefallen wird, da es mal wieder übersprüht vor Anspielungen, allen voran zum AVGN Film, aber auch auf andere Bereiche von James Rolfe's Schaffen - darunter Board James und Monster Madness. Mir fällt es schwer das Spiel Leuten zu empfehlen, die von der Materie keine Ahnung haben, aber wer den Nerd liebt, der wird hier durchaus auf seine Kosten kommen. It's not a shitload of fuck.

Angry Video Game Nerd II: ASSimilation wurde auf dem PC (Windows 10 64-bit, 8 GByte RAM, AMD FX-8350, GeForce GTX 970 4GB) getestet. Für den Test hat sich der Redakteur das Spiel selbst gekauft.

Angry Video Game Nerd II: ASSimilation

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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17. Oktober 2017 um 11:32 Uhr
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RELEASE
29. März 2016
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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