Hitman im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 21. März 2016

Hitman im Test

Episode 1: Schleichen mit Hindernissen

Hitman: Absolution ist schon wieder vier Jahre her. In der Zwischenzeit ist die Weltbevölkerung mit Sicherheit drastisch explodiert! Für den Auftragskiller wird es allerhöchste Eisenbahn, mal wieder jemanden vor den Zug zu werfen. Oder den Kugelfisch nicht richtig zuzubereiten. Oder den Föhn neben der Badewanne abzulegen. Es wird Zeit, sich die Hände schmutzig zu machen! Ob sich das Blut an euren Händen lohnt, klären wir hier.

Weltmeister der Unfälle
In Hitman übernehmt ihr die Kontrolle über Agent 47, von Beruf Auftragskiller. In unterschiedlichen Szenarien müsst ihr eine oder mehrere Personen um die Ecke bringen. Dabei ist jedes Szenario eine kleine Sandbox, die es ganz euch überlässt, wie ihr vorgehen wollt. Ihr könnt mit gezogener Wumme zum Ziel sprinten, abdrücken und wehender Krawatte wieder verduften. Oder ihr schleicht mühsam über Dächer und meuchelt im Stillen. Oder, nun ja, es passiert ein Unfall. Ihr wisst wie das ist: tragisch und unvorhergesehen. Da kann man nichts machen. Niemand hat Schuld! Jemand stirbt, okay. Aber ansonsten geht alles seinen Gang. Ah, wirklich blöd, hier zu stolpern und sich ganz unglücklich aufzuspießen. Dass ihm der Leuchter auf den Kopf gefallen ist, war wirklich Pech. Zur falschen Zeit am falschen Ort. Tragisch, aber was soll man tun? Unfälle passieren. So erzieht euch Hitman zur Königsdisziplin des Auftragsmordes: Tod durch Unfall.

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Wenn alles glatt läuft
Die offene Sandbox von Hitman passt sehr gut zu dem Stealth-Spiel. Wie in den Vorgängern, gibt es keinen vorgegebenen Pfad, sondern zahlreiche Wege zum Ziel. Dabei ist die Spielwelt sehr lebendig und voller Figuren, die das Geschehen komplex machen. Nehmen wir beispielsweise die Tutorial-Mission: hier kann man ohne Umwege einfach das Schiff betreten, auf dem sich das Ziel befindet. Man kann den Typen wie ein Geier umkreisen und ihm im richtigen Moment eine Kugel in den Kopf jagen. Man kann sich aber auch etwas mehr umsehen. So kann man einen Wachmann niederschlagen und sich als solcher verkleiden, noch bevor man das Schiff betritt. Einige Areale werden so leichter zugänglich, aber man muss auch die anderen Wachen aufpassen, denen durchaus auffallen kann, dass man nicht ihr echter Kollege ist. Schleicht man sich in das untere Deck, kann man Rattengift finden, um sein Opfer zu vergiften. Die Dosis ist zwar nicht tödlich, zwingt den Kerl aber zum Reihern aufs Klo. Zu dumm, da ist er dann kopfüber in die Schüssel gefallen und tragisch abgesoffen. Ein anderes Mal wurde er von einem Rettungsboot erschlagen. Armer Kerl.

Dass man so viele Möglichkeiten hat, seine Ziele unter die Erde zu bringen, ist eine diabolische Freude. Dabei macht das Spiel keinen Hehl aus seinem Sandbox-Charakter. Die Story stellt es in den Hintergrund, lockt den Spieler stattdessen mit zahlreichen Challenges dazu, Level immer wieder zu spielen und neue Dinge auszuprobieren. So geben die Challenges kleine Hinweise, auf welche Weise ihr jemanden töten könnt oder wo ihr bestimmte Gegenstände oder Waffen findet. Besonders nett sind die Opportunities, die sich beim Spielen ergeben. Die kann man als kleine Questreihe verstehen, die einen Schritt für Schritt zu einem ganz bestimmten Szenario leitet. Häufig beginnt es damit, dass ihr zufällig eine Unterhaltung aufschnappt, die euch ein spannendes Detail verrät. Im weiteren Verlauf müsst ihr dann bestimmte Orte aufsuchen, Verkleidungen finden oder euch Waffen besorgen, die am Ende zu einem besonderen Kill führen, den ihr sonst nicht bekommen könnt. So kann man ein Level oft wiederholen ohne zweimal dasselbe zu machen, bis man wirklich alle Challenges geschafft hat.

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Wenn es nicht glatt läuft
Ich würde euch Hitman empfehlen ohne mit der Wimper zu zucken, wenn es da nicht ein paar Probleme gebe. So hatte Hitman vor allem in der ersten Woche mit massiven Bugs zu kämpfen, die sich durch einen ersten Patch aber nur teilweise beheben ließen. Sehr störend sind die massiven Ladezeiten, die vor allem bei größeren Arealen richtig zu buche schlagen. In Stealth-Spielen passiert es häufig, dass man stirbt oder neu laden muss, weil man entdeckt wurde. Da kotzt man im Dreieck, wenn man jedes Mal eine halbe Minute warten muss, bis das Level geladen hat. Und dann sind die Menüs einfach langsam - schlimmer als das Dashboard der Xbox One! Manche Quicksave müssen laden, bevor ich sie laden kann. Da krieg' ich Zähneknirschen.

Ein anderes Problem ist der Online-Zwang des Spiels, für den es auch einfach keine gute Erklärung gibt, es ist schließlich ein Singleplayer-Spiel. Heißt, man kann nur spielen, wenn man zum Square-Enix-Server verbunden ist. Leider passierte es mir mindestens einmal pro Stunde, dass die Verbindung zum Server einfach abbrach. Damit konnte das Spiel nicht so gut umgehen und warf mich ohne zu Speichern ins Menü zurück. Der Spielstand war weg und dann musste auch noch das Level neu laden. Wenn man sich nicht unter Kontrolle hat, darf man den Controller von der Wand kratzen. In der letzten Mission kann es außerdem passieren, dass Events in den Opportunities nicht funktionieren. Ich bin fünf Minuten lang wie eine läufige Hündin um den Questmarker getanzt, bis Google mir verraten hat, dass das Event einfach verbuggt ist. Wenn man vorher viel Zeit in die Quest investiert hat, ist das natürlich ärgerlich.

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Episodisch. Okay?
Der neue Hitman erscheint zum ersten Mal episodisch. Ein Trick, den Square-Enix offenbar bei Life Is Strange gelernt hat. Die erste Episode kostet 15 Euro, jede weitere dann 10 Euro. Oder ihr holt euch das komplette Spiel für die gewohnten 60 Euro, müsst aber trotzdem warten, bis alle sieben Episoden nacheinander erscheinen. Obwohl ich den Sinn für einen episodischen Release von Hitman nicht sehe, schadet es dem Titel auch nicht besonders. Dadurch, dass es als Sandbox zum Wiederspielen anregt, kann man sich sehr ausgiebig mit einer Episode beschäftigen ohne gleich mit immer neuen Leveln konfrontiert zu werden. An der ersten Episode kann man locker fünf Stunden oder mehr spielen, bis man alle Challenges geschafft hat. Aus dieser Sicht bietet es durchaus mehr Spielzeit als die meisten anderen Episodenspiele.

Zuletzt lädt Hitman zum endlosen Wiederspielen ein: Wie im Vogänger, gibt der Contracts-Modus Spielern die Möglichkeit, kleine Challenges zu erstellen und für andere hochzuladen. Je nachdem, wie gut man sich schlägt und wie schnell man ist, darf man seinen Namen an eine passende Stelle in der Highscore-Liste schreiben. Oder man versucht einfach, seine Freunde mit absurden Aufgaben in den Wahnsinn zu treiben.

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Insgesamt gefällt mir der neue Hitman sehr gut. Ich mag es, dass man Level ohne Zwang immer wieder spielen kann und immer etwas Neues entdeckt. Leute in Unfällen hinterrücks um die Ecke zu bringen, ist auch im neuesten Hitman wieder eine diabolische Freude! Leider haben sich auch ein paar Bugs eingeschlichen, die den Eindruck der ersten Episode etwas trüben. Sollten die Entwickler Ladezeiten und andere Totalausfälle in den Griff bekommen, könnte Hitman dieses Jahr noch ganz groß werden.

Hitman (Episode 1) wurde auf der Xbox One getestet. Ein Testmuster wurde uns von Square-Enix zur Verfügung gestellt.

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03. Dezember 2016 um 14:38 Uhr
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11. März 2016
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
Xbox One
Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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