Final Fantasy Explorers im Test

(Artikel)
Haris Odobašić, 03. Februar 2016

Final Fantasy Explorers im Test

Monster Hunter: Fanservice Fantasy

Monster Hunter ist mittlerweile zu solch einem Phänomen geworden, dass es schon fast ein eigenes Genre begründen könnte. Das sieht man insbesondere schön an den mittlerweile zahlreichen Spielen, die es auf die ein oder andere Art und Weise nachahmen. Gerade die PS Vita, die ja kein Monster Hunter hat, ist zu einem richtigen Nährboden für hochwertige Titel dieser Nische geworden. Doch nun soll dem Platzhirsch auch auf dem 3DS Konkurrenz gemacht werden. Und zwar nicht von irgendjemandem, sondern von Square-Enix, die ihr Spiel gleich noch mit dem Final-Fantasy-Namen veredeln.

Entsprechend ist von der ersten Sekunde an klar, dass man in Final Fantasy Explorers ordentlich Fanservice erwarten kann. Angefangen vom eher unwichtigen Grundplot – erforscht eine Insel, die einen mysteriösen Kristall beherbergt –, über eure Charakterklassen bis hin zu den Monstern, die ihr so bekämpft, ist die FF-Handschrift deutlich zu lesen. Im späteren Verlauf könnt ihr euch sogar von einem typischen FF-Monster, wie den Chocobos, in die Kampffelder begleiten lassen oder euch als Spezialfähigkeit in einen Helden aus den Hauptteilen der Serie verwandeln. Dann stampft ihr für einige Sekunden als Yuna, Cloud und Co. durch die Gegend, inklusive zu dem Spiel gehöriger Hintergrundmusik, was dann doch für den ein oder anderen Fanorgasmus sorgt. Leider sind das aber auch die einzigen Momente, in denen FF-Fans auf ihre Kosten kommen.

Final-Fantasy-Explorers-3DS

Das Gameplay an sich ist nämlich schon kaum mit üblichen FF-Spielen vergleichbar und fällt am ehesten in die Sparte generischer MMOs. Der Fokus liegt klar auf magie- oder waffenbasierten Spezialfähigkeiten und wie man diese geschickt verknüpft, um möglichst wenig unter der Abklingzeit zu leiden. Ausweichbewegungen oder normale Schläge sind fast irrelevant. Allerdings ist das Spiel relativ einsteigerfreundlich aufgebaut und mit guten Tutorials versehen, so dass sich auch Neulinge bei dieser Art von Spiel ziemlich schnell wohlfühlen dürften.

Außerhalb des Kampfes hingegen spürt man dann die Monster-Hunter-Inspiration. Das Crafting-System ist sehr ausführlich und, da es keine traditionellen Level für euren Charakter gibt, bestimmt die so gebaute Ausrüstung zu einem sehr großen Teil eure Kampfattribute. Entsprechend drängt euch das Spiel dazu, Missionen stets zu wiederholen, um mit den gefundenen Materialien die nächstbessere Rüstung oder Waffe bauen zu können.

final-fantasy-explorers-eidolon

Das größte Problem von Final Fantasy Explorers – und wo es sich grundlegend von Monster Hunter unterscheidet – sind aber die Bosse, hier Eidolons genannt. Dem FF-Thema folgend, prügelt ihr Ifrit, Bahamut, Shiva und Co., was sich aber schnell als mühselig herausstellt, weil die Kämpfe relativ uninspiriert ablaufen.

In Monster Hunter ist jedes Auge-in-Auge mit einem kolossalen Monster eine epische Schlacht, die euch alles abverlangt. Ihr müsst die Bewegungen des Monsters genau studieren, Schwachpunkte ausfindig machen und die ganze Kampfzeit auf der Hut sein, weil die Feinde immer wieder neue Überraschungen auspacken. Wer hier nach 10 oder 20 Minuten einen Boss erlegt hat, ist einfach nur verdammt stolz.

Final-Fantasy-Explorers-Multiplayer

Bei Explorers wird das, dem simplen Gameplay geschuldet, schnell zum stumpfen Gekloppe. Gegner rotieren uninspiriert durch ihre Angriffe und meistens reicht es einfach aus, aus nächster Nähe zu hauen und manchmal etwas zurückzuweichen. Das Spiel warnt euch netterweise vor jedem eintrudelnden Angriff, also müsst ihr nicht mal in diesem Aspekt irgendeine besondere Eigenleistung erbringen.

Wie so oft für Spiele dieser Machart, gilt außerdem das üblich Motto: Solo pfui, im Multiplayer hui. Hier zeigt Explorers sich von seiner besten Seite. Nicht nur, weil das Spiel um einiges mehr Spaß macht, wenn man gemeinsam gegen die Eidolons antritt, sondern auch, weil es viele gute Ideen gibt, die man so gerne in anderen Spielen gleicher Machart sehen würde. Nehmen wir alleine das Freunde-System: ihr habt eine Freundesliste und könnt euren Freunden entsprechend direkt beitreten, und wenn ihr mit einer fremden Person beim Spielen Spaß hattet, könnt ihr auch schnell eine Freundesanfrage verschicken. Wird diese angenommen, ist die Person auf eurem 3DS registriert. Einfach so.

final-fantasy-explorers-monk

Mag für viele selbstverständlich klingen, aber der 3DS ist sonst dafür bekannt, in diesem Bereich etwas rückschrittlich zu sein. Schade nur, dass die Kommunikation etwas umständlich vonstatten geht. Ihr könnt Chatnachrichten vordefinieren, um sie dann im Eifer des Gefechts auszuwählen, aber Voice Chat wird beispielsweise nicht unterstützt. Eines der ersten 3DS-RPGs, Heroes of Ruin, bot Voice Chat, weswegen es unverständlich ist, wieso so viele Entwickler darauf verzichten - gerade in einem Ko-op-Titel.

Außerdem werden im Multiplayer doch einige technische Schwächen sehr deutlich: Explorers kriegt online so gut wie nie eine stabile Framerate hin. Es reicht aus, dass ein bisschen mehr auf dem Bildschirm los ist, etwa wenn mehrere Spieler Fähigkeiten einsetzen - schon beginnt das Spiel zu ruckeln. Geht es mal richtig zur Sache, wird die Bildwiederholungsrate auch gerne mal einstellig.

Jeder, dem Monster Hunter bisher zu schwer oder komplex war, darf sich freuen: Final Fantasy Explorers ist eine noch immer spaßige Monsterjagd, die aber im einsteigerfreundlichen Gewand sowohl MH-Verweigerer erreichen wird als auch FF-Fans, die dem Genre komplett neu sind. Analog dazu gilt aber auch, dass MH-Fans hier wohl etwas unbefriedigt zurückgelassen werden, da Explorers zwar stellenweise Capcoms-Erfolgsformel übernimmt, sie aber anderswo deutlich verwässert. Nur ist das verwendete Lösungsmittel eben kein Final-Fantasy-Extrakt, sondern einfach nur 08/15-MMO-Gameplay. Das ist auch ein bisschen schade, denn obwohl Final Fantasy draufsteht, spricht Explorers kaum mit eigener Stimme. Es ist weniger ein Final-Fantasy-Spiel, bei dem ihr Monster jagt, sondern mehr ein Monsterjagd-Spiel mit einer großzügigen Priese Final Fantasy. Haris

Final Fantasy Explorers wurde auf dem Nintendo 3DS getestet. Ein Testmuster wurde uns von Square-Enix zur Verfügung gestellt.

Final Fantasy Explorers

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

Kommentare

Ben
04. Februar 2016 um 10:23 Uhr (#1)
Ich mag das Artdesign des Spiels, das ich viel ansprechender finde als bei Monster Hunter.
Gast
26. August 2016 um 06:51 Uhr
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RELEASE
29. Januar 2016
PLATTFORM
Nintendo 3DS
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