Pleite-Publisher

(Artikel)
Adrian Knapik, 20. Januar 2016

Pleite-Publisher

Wer hat wieso abgedankt?

Der Erfolg eines Publishers hängt zweifellos von den Marken ab, die sich in seinem Besitz befinden. Bei jedem Spieler klingelt’s im Kopf, wenn er zum Beispiel Call of Duty, World of Warcraft oder Battlefield hört. All diese Spiele haben eins gemeinsam: es sind Geldmaschinen. Sie werden millionenfach verkauft und bieten sich durch zahlreiche Add-Ons und DLCs noch als langfristige Geldquelle an. Aber nicht jeder Publisher kann auf solche Zugpferde setzen. In diesem Artikel möchte ich euch eine Auswahl an Firmen präsentieren, die pleite gegangen sind und welche Marken sie hinterlassen haben.

JoWooD_Entertainment

JoWood Entertainment
Das in Österreich gegründete Unternehmen musste im Jahr 2011 Insolvenz anmelden. Schon zehn Jahre zuvor stand die Firma kurz vor der Pleite, konnte sich aber noch mit dem großen Erfolg von Gothic II retten. In den darauffolgenden Jahren sah sich JoWood mehreren Imageschäden ausgesetzt, nachdem das vollkommen verbuggte Gothic 3 veröffentlicht wurde und vom Entwickler Piranha Bytes Anschuldigungen an die Öffentlichkeit gelangten, dass sie von JoWood zur verfrühten Veröffentlichung gezwungen wurden. Trotz mehrerer Umstrukturierungen des Unternehmens gelang es dem Publisher nicht, sich wieder aus den roten Zahlen hinaus zu befördern und die Markenrechte wurden schließlich von Nordic Games übernommen. Wie schon erwähnt, war JoWood Entertainment der Herausgeber der ersten drei Gothic-Teile, die auch finanziell alles andere als unerfolgreich waren. 2010 erfolgte noch die Veröffentlichung von Arcania: Gothic 4, hier allerdings schon mit der Hilfe von CD Projekt, die das Spiel in Osteuropa vertrieben haben. Der mäßige Erfolg des neuesten Titels der bisherigen Top-Marke aus dem Hause JoWood war wohl letztendlich auch der Todesstoß.

thq_logo

THQ
THQ ist wohl einer der größten Publisher, der je pleitegegangen ist. Zum Zeitpunkt der Insolvenz im Dezember 2013 zählte der Konzern ungefähr 1.300 Mitarbeiter. Der Anfang der Krise begann zwei Jahre zuvor mit der Veröffentlichung des uDraw Tablets für die Wii, dessen Potenzial absolut überschätzt wurde. So saß THQ kurzerhand auf einer riesigen Anzahl von 1,2 Millionen uDraw-Tablets, die im Lager verschimmelten. Auch das 2011 erschienene Homefront konnte den Erwartungen der Spieler nicht gerecht werden und entpuppte sich als Flop. Red Faction: Armageddon war ebenfalls ein eher durchwachsener Teil der sonst so erfolgreichen Serie, woraufhin die Marke kurzerhand fallengelassen wurde. Durch die darauf folgenden finanziellen Schwierigkeiten wurde auch hier das Unternehmen drastisch umstrukturiert: die Abteilung für Kindersoftware wurde eingestellt und zahlreiche Mitarbeiter wurden entlassen. Ende 2013 folgte also dann die Insolvenz und die Zerschlagung des Unternehmens. In einer Auktionsrunde wurden einzelne Teile versteigert, woraufhin die Lizenzen und Entwicklerstudios, die einst zu THQ gehörten, in allerlei andere Hände gelangten. So kaufte Crytek (die übrigens selbst finanziell gar nicht mal so gut dastehen) die Markenrechte für Homefront und Koch Media erwarb Saints Row und die Metro-Reihe. Ubisoft erhielt den Zuschlag für South Park: Der Stab der Wahrheit.

atari_logo

Atari
Die Geschichte von Atari ist nicht leicht zu verstehen. Nach diversen Aufspaltungen, Verkäufen und Übernahmen bildeten sich im Jahre 2003 Mutter- und Tochterunternehmen, die sich mithilfe der davor erworbenen Namensrechte Atari genannt haben. Die Marke wandelte also lange Zeit nur als Hülle zwischen den verschiedensten Firmen hin und her – den schlechten Prostitutionswitz spar ich mir mal. Über die Jahre wurden diverse bekannte Spiele unter dem Namen Atari veröffentlicht, unter anderem auch die ersten beiden Teile der Witcher-Reihe, Unreal Tournament 2004 und RollerCoaster Tycoon 3. Mit Eve Online hat der Publisher sogar ein heute noch durchaus erfolgreiches MMO hervorgebracht. 2013 trat dann trotz aller erfolgreichen Spiele die Insolvenz ein und nach diversen Lizenzverkäufen und einem Insolvenzplan, konnten sich beide Unternehmen vor der kurz bevorstehenden Schließung retten. Heute hat Atari diverse Kooperationen mit Entwicklern für Mobile-Games, so kam 2014 auch Roller Coaster Tycoon 4 Mobile auf den Markt. Gerüchten zufolge soll Atari auch an einer nicht weiter spezifizierten Hardware arbeiten, um zum alten Kerngeschäft zurückzukehren.

dtp-entertainment-logo

dtp entertainment
dtp entertainment war einer der größten deutschen Publisher und Entwickler für Videospiele. Bis vor vier Jahren. Im April 2012 berichtete Golem, dass der Publisher Insolvenz angemeldet hatte. Das lag aber nicht daran, dass die Pferd & Pony-Reihe ihr einziges Zugpferd (hehe) gewesen wäre. In den 2000ern veröffentlichte das Unternehmen Adventures wie Black Mirror und Runaway: A Road Adventure. Das 2008 erschienene Rollenspiel Das Schwarze Auge: Drakensang war sogar sehr erfolgreich. Die Bravo Screenfun (!) vergab damals eine Wertung von 91 Prozent. Das dazugehörige Addon konnte allerdings nur noch mäßige Wertungen abräumen. Am 9. Juli 2012 kam es schließlich zur Auflösung des Unternehmens. Die offizielle Website ist noch immer abrufbar unter dtp-entertainment.de und dokumentiert die letzten Veröffentlichungen des ehemaligen deutschen Riesen. Funfact: das dtp steht für "digital tainment pool".

Midway-logo

Midway Games
Midway, oh Gott, Midway! Die gibt es schon seit 2009 nicht mehr! Zum Erbe des Unternehmens zählen unter anderem Klassiker wie Space Invaders und Pac-Man sowie der Arcade-Hit Mortal Kombat. 1976 gegründet, wurde der Publisher und Entwickler 1988 von dem Flipper-Hersteller WMS Industries aufgekauft. Einige Jahre später erwarb WMS auch Time Warner Interactive (später Atari Games) und ordnete es der Midway-Einheit zu. Bis 2001 stellte Midway noch Arcade-Spiele her, konzentrierte sich dann aber auf Heimkonsolen. Im Februar 2009 vermeldete Midway die eigene Zahlungsunfähigkeit. Warner Bros. erwarb daraufhin zahlreiche Midway-Marken und das Entwicklerteam von Mortal Kombat, das heute noch Blut und Gedärme auf heimische Bildschirme zaubert.

ea_logo

Electronic Arts
Huch, was macht EA denn in dieser Pleite-Liste? Achtung, jetzt wird’s spekulativ! Ich möchte, gewiss mit Respekt und Vorsicht, die Aussage treffen, dass Electronic Arts zum Ende des Jahres finanziell angeschlagen sein wird. Schauen wir einmal auf die bisher bestätigten Releases für das Jahr 2016: Da wären Unravel, Plants vs. Zombies: Garden Warfare 2, UFC 2 und Mirror’s Edge: Catalyst. Keines dieser Spiele ist in meinen Augen ein tatsächlicher Killer, der die dauerhaften Kosten einer solch gigantischen Firma wie Electronic Arts stützen kann. Und auch das letzte Jahr sah eher mäßig erfolgreich aus, denn sowohl Battlefield Hardline als auch Star Wars: Battlefront kamen eher durchschnittlich bei der Spielerschaft an. Vom Reboot von Need for Speed brauchen wir auch gar nicht erst zu sprechen. Wenn ihr mich fragt, ist mir das einfach deutlich zu viel Durchschnittlichkeit für solch einen Videospielgiganten und ich sehe EA deshalb aktuell mit schlechten Karten. Nochmals möchte ich aber erwähnen, dass ich mich nicht explizit mit den Finanzen von Electronic Arts auseinandergesetzt habe und diese Aussage rein spekulativ auf Basis der in letzter Zeit veröffentlichten und für 2016 angesetzten Spiele getätigt habe. Adrian

Update (24.01.2016)
Wir haben der Liste Midway Games und dtp Eintertainment hinzugefügt, die ebenfalls beachtliche Fußabdrücke in der Branche hinterlassen haben, bevor sie abdankten.

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28. August 2016 um 02:21 Uhr
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