Test: BlazBlue: Chronophantasma Extend

(Artikel)
Paul Rubah, 12. November 2015

Test: BlazBlue: Chronophantasma Extend

Endlich mit mehr Chronophantasmen!

Fallout 4, Witcher 3, BlazBlue: Chronophantasma Extend... Die Reihe ist krumm? Überhaupt nicht! Auch wenn BlazBlue als reinrassiger Fighter etwas auffällt, kann man mit jedem genannten Spiel ganze Wochen verbringen ohne sich zu langweilen. Chronophantasma Extend ist da keine Ausnahme und gehört zu den umfangreichsten Kampfspielen, seit Soul Calibur den Waffenmeister-Modus abgeschafft hat. Allerdings bietet es auch nur den Hardcore-Fans einen Kauf-Anreiz.

blazblue-kampf

BlazBlue läuft schon etwas länger den exzellenten Grat zwischen Profi-Beater und Einsteigerfreundlichkeit. In Chronophantasma Extend warten 28 flüssig animierte Charaktere darauf, ihre Spezialmanöver, Astral Finisher und Kombos zu entfesseln. Jeder Charakter hat neben drei verschieden starken Angriffen sowie einigen kleinen Variationen mit Richtungstasten und Sprüngen auch eine Spezialtaste. Dahinter kann sich alles verstecken - Protagonist in Spé, Ragna the Bloodedge, greift mit Energiesaug-Attacken an, Bullet löst eine Zielverfolgung aus, Jin Kisaragi friert seine Gegner ein und Makoto packt ultrastarke, aufladbare Angriffe aus. Zusätzlich gibt es Blockbrecher, Würfe, Konter, Wurfkonter, Combobreaker, Cancels, mehrere Erholungsmanöver, charakterspezifische Spezialleisten, Angriffsbuffs und mehr.
Wie man das alles richtig anwendet, lernt man auf die Klassische, indem man den exzellenten Trainingsmodus durchpaukt. Hier lernt man für jeden Charakter tolle Einsteigercombos und fortgeschrittene Schlagabfolgen, die auch mal auf den Frame perfekt ausgeführt oder verzögert werden müssen. Und wenn man nicht weiß, wie die Zwanzig-Hit-Combo über die Bühne gebracht werden soll, dann gibt es für jede einzelne der insgesamt 560 Challenges ein Beispielvideo. Zusätzlich bringt Chronophantasma Extend einem das Vokabular aus der Fighter-Szene bei, so dass ein ambitionierter Neuling in Windeseile zum EVO-Anwärter mutiert.

Wer kloppen möchte und nicht die Zeit oder Lust hat, eine halbe Stunde eine einzige Combo zu studieren oder sich zu Lehrzwecken tausend Replays besserer Spieler reinzuziehen, der kann einfach in den Stylish-Modus wechseln. Hier plätschern Specials und Kombos mit simplen Tastendrücken aus den Figuren heraus. So bringen selbst buttonmashende Noobs den ein oder anderen Pro-Gamer ins Schwitzen. Abgesehen von einigen zu erwartenden Detail-Balancings hat sich im großen Spielgefüge aber nichts getan. BlazBlue ist weiterhin ein unglaublich technischer und blitzschneller Fighter der ersten Klasse mit erschreckend intelligenter KI und die große Figurenauswahl bietet genügend Möglichkeiten, sich mit Freunden oder online (da sind immerhin die Lobbys neu) viele, viele Abende um die Ohren zu schlagen.

Die Modi-Auswahl richtet sich sowohl an Anfänger wie an Masochisten. Neben klassischen Arcade- und Survival-Modi kehrt auch der Infinite-Mars-Modus zurück, in dem es gegen eine Reihe hyperintelligenter Feinde geht. Ich gebe ehrlich zu: Ich habe da noch keinen einzigen besiegen können. Die schummeln bestimmt! Kann ja nicht angehen...

blazblue-chronophantasma-extend-charakterwahl

Auch der Fan-Favorit, der Story-Modus, ist wieder mit an Bord. Nachdem ich mich eine halbe Stunde von den Visual-Novel-Dialogen und starren Charakteranimationen berieseln ließ, musste ich mich aber wundern: War die Geschichte von BlazBlue schon immer so überflüssig kompliziert? Ja. Ja, das war sie. Chronophantasma Extend beinhaltet zwar eine Bibliothek mit allen Begriffen der Story und fasst die vergangene Handlung in zwei separaten Episoden zusammen, aber wirklich helfen tut das nicht. Insgesamt geht es um Zeitreise, Dimensionsverschiebung, Herrschaft über die Welt und Magie, aber ständig benutzen die Figuren Begriffe, die man als Spieler noch nie gehört oder schon längst wieder vergessen hat, so dass ich nur mit Fragezeichen über dem Kopf in meinem Stuhl saß.

Neben dem roten Faden, der sich auf drei Story-Stränge aufteilt - die Haupthandlung, die Geschichte vor Calamity Trigger und die Geschichte der Sector-Seven-Rebellen -, gibt es auch viele sogenannte Gag-Reels. In vielen Episoden darf man eine Entscheidung treffen, die dazu führen kann, dass absurde Nebenplots entstehen. Jin landet dann plötzlich auf einer tropischen Insel, die Bösewichte Relius und Terumi übernehmen die Körper ihrer Doppelgänger einer Spiegelwelt oder Ragna bekommt herzchenförmige Brillengläser implantiert, die ihn für jede Frau auf dem Planeten unwiderstehlich machen. Die Schreibe der Geschichten ist zwar unterhaltsam, aber die Gagreels unterbrechen die Story manchmal auf wirklich störende Art und Weise. Wenn einem das nicht den Wind aus den Segeln nimmt, dann sind es die langen Durststrecken zwischen den Storykämpfen. Da liegt gerne mal eine halbe Stunde zwischen den nicht sehr anspruchsvollen Fights. Wer die gleiche Story wesentlich kondensierter haben möchte, der kann sich durch den actiongeladeneren Arcademodus prügeln.

blazblue-chronophantasma-extend-story

Die schwerste Schwachstelle von Chronophantasma Extend ist wohl die Präsentation. Während die Musik gewohnt gut reinknallt, alte Themen neu abmischt und viel neuen Stoff für die Ohren liefert, bleiben die Charaktersprites niedrig aufgelöst. Gerade seit dem Konsolen-Generationswechsel und insbesondere neben dem entzückend ausschauenden Guilty Gear Xrd, das ebenfalls von Arc System Works entwickelt wurde, ist Chronophantasma Extend keine Augenweide mehr. Versteht mich nicht falsch: Die Animationen sind toll und auch die eingestreuten Anime-Sequenzen reißen mit, aber auf der PS4 oder Xbox One will ich einfach keine Pixel mehr zählen, wenn es nicht zwingend zum Grafikstil gehört. Zwar ist das optische Alter bei Chronophantasma Extend verständlich, schließlich ist das der Director's Cut eines drei Jahre alten Spiels - aber vielleicht hätte das einfach schneller kommen müssen.

BlazBlue: Chronophantasma Extend ist eine Weiterführung von Continuum Shift, wie Continuum Shift eine Weiterführung von Calamity Trigger war. Zwischen den ersten zwei Teilen merkte man noch deutliche Sprünge, aber die Schritte werden kleiner. Wer Spaß an der Story von BlazBlue hat, wird schon allein wegen der Tonnen an Bonusmaterial und Zusatzgeschichten vor Freude umfallen. Jeder andere bekommt einen tollen Fighter, der sich aber nur für Hardcore-Fans von seinem Vorgänger zu unterscheiden vermag.

BlazBlue: Chronophantasma Extend wurde auf der PS4 getestet. Ein Testmuster wurde uns von pqube zur Verfügung gestellt.

BlazBlue: Chronophantasma Extend

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

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11. Dezember 2017 um 07:00 Uhr
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23. Oktober 2015
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