Dragon Ball Z: Extreme Butoden im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 02. November 2015

Dragon Ball Z: Extreme Butoden im Test

Kampfkraft unter 9000

Mit Dragon Ball Z: Extreme Butoden hält die berühmte Manga-Reihe Einzug auf dem Nintendo 3DS. Anders als die Konsolen-Ableger setzt der Titel auf 2D-Sprites statt Polygone. Das ist erst einmal nichts Schlimmes, eine öde Präsentation und ein flaches Kampfsystem drücken den Spielspaß jedoch enorm.

World-Tournament

Dragon Ball Z: Extreme Butoden ist ein klassischer 2D-Beater im DBZ-Universum. Ihr kämpft mit einer Kombination aus etwa 20 Kämpfern und 80 Support-Charakteren. Dabei könnt ihr überlegen, ob ihr die drei Slots mit je einem Kämpfer oder mit bis zu zwei Unterstützern belegt (maximal also 1 + 4). Typisch für Dragon Ball sind alle Figuren in sieben Stufen eingeteilt, die ihre Kampfkraft angeben. Anders als bei früheren DBZ-Games limitiert das aber nicht eure Möglichkeiten, ein Team zusammenzustellen. So wird Potential für etwas Taktik völlig verschenkt - ihr könnt ohne Nachteil einfach die stärksten Kämpfer eimpacken. Lichtblicke für eine taktische Kämpferwahl gibt es nur im Multiplayer-Modus, bei dem man die Stärke zumindest in Fünferschritten begrenzen kann.

Extreme Butoden hat einen großartigen 2D-Pixel-Stil. Die detaillierten 2D-Sprites und liebevollen Animationen sorgen blitzartig für ein wohliges Retro-Feeling. So erinnert Extreme Butoden schnell an DBZ-Klassiker auf dem Super Nintendo (wie z. B. Super Butoden 2, das Vorbesteller von Extreme Butoden als digitalen Bonus dazu erhielten). Die dreidimensionalen Hintergründe sind dagegen eher unauffällig und detailarm.

Ginyu-Force

Mit kurzen, schnellen Kämpfen passt der Titel gut auf den 3DS und eignet sich auch für unterwegs und zwischendurch. Gleichzeitig kann man sich aber vorstellen, sich mit Freunden stundenlang Genkidamas um die Ohren zu pfeffern. Diesen Plänen steht allerdings das lausige Kampfsystem entgegen, das schneller langweilig wird als die Geschichten meiner Oma. Und die hab ich schon zehn Mal gehört.

Den Entwickler Arc Systems kennen wir vor allem von Guilty Gear, einem Fighter, der zwar nicht das beste Balancing hat, aber ein tiefes und interessantes Kampfsystem. Von Guilty Gears Qualitäten haben es allein die guten Animationen bis nach Extreme Butoden geschafft, von einem spannenden Kampfsystem fehlt dagegen jede Spur. Jeder der gut 20 Kämpfer hat dasselbe Move-Set, das nicht einmal besonders lang ist. Effektiv spielen sich alle Kämpfer also gleich. Man lernt die zwei guten Combos des Spiels, führt sie zwei- bis dreimal pro Kampf aus und zückt zum Schluss noch eine Genkidama. Dazu muss man nur einen Knopfdruck an die Combo anhängen, sobald man genug KI gesammelt hat. Die Animationen in den Combos unterscheiden sich, aber fast alle Unterschiede bleiben optisch. Echte Variation in den Angriffen findet man nur in den zwei Special-Moves der Figuren: So kann bespielsweise Krillin seine Gegner blenden, während Son Goku eine Kaioken-Combo hat. Weil aber vor allem die beiden Combos richtig reinhauen, kann man rein taktisch auf die meisten Special-Moves verzichten. Die erste Spielstunde war vor allem deshalb interessant, weil ich mit jeder Figur mal ihre Specials angeschaut habe, einfach um zu denken: Ah, Cells Kamehameha! Sieht ja klasse aus! Danach habe ich die meisten Angriffe nur noch selten bestaunen können, da sie selten etwas bringen.

SSGSS-Goku

Die Spielmodi können Extreme Butoden nicht retten. Obwohl es eine ganze Reihe von Singleplayer-Varianten gibt, ist kein tauglicher Modus darunter. Vielversprechende Namen wie Z Story, Adventure Mode und Quest Mode führen den Spieler kurzfristig in die Irre, können aber nicht lange täuschen. Z Story bietet für eine Handvoll Figuren je zehn Kämpfe, die durch lieblose Dialoge lose zusammengehalten werden. Sie halten sich weder direkt an die Geschichte, noch machen sie ein interessantes What-If daraus. Im Grunde kämpft man jedes Mal gegen dieselben zehn Heinis, mal mit Piccolo, mal mit Son-Goku. Dialoge lernt man schon bald zu skippen. Neulinge werden da ohnehin nicht viel verstehen. Selbst für DBZ-Verhältnisse fehlt die nötige Kohärenz - von Spannung ist man weit entfernt.

Hinter Quest Mode verbirgt sich nur die Streetpass-Funktionalität. Man kann sich eine Gildenkarte mit Charakter-Porträts und einem Spruch erstellen, die man dann per Streetpass austauscht. Leider habe ich niemanden mit dem Spiel getroffen, um mal eine andere Gildenkarte zu sehen.
Der beste Zeitvertreib im Singleplayer ist wohl der Adventure Mode. Verpackt in eine belanglose Zeitreise-Geschichte, bewegt man sich von Kampf zu Kampf über eine World-Map im Mario-Stil. In diesem Modus bekommt man Ranks für seine Performance und kann mit guten Wertungen neue Kämpfer und Unterstützer freispielen. Für verdientes Geld kann man sich außerdem mit Items ausrüsten, die beispielsweise Energie regenieren oder bestimmte Moves verbessern. Es gibt für jeden Kampf sogar eine zusätzliche Mission, in der man beispielsweise mit bestimmten Angriffen gewinnen muss oder nicht so viel Energie verlieren darf. Das Spiel erklärt dabei allerdings nicht, dass die Missionen überhaupt keine Rolle spielen, außer man möchte die Höchstwertung erreichen. Diese bekommt man nämlich nur, wenn man einerseits genug Punkte für das Match sammelt und andererseits die Mission abschließt. Erfüllt man einfach nur die Mission, gibt es keine Belohnung, ein Versäumnis wird aber auch nicht bestraft. Mit anderen Worten: man muss das Spiel schon sehr ernsthaft spielen, damit Missionen überhaupt relevant werden.

Adventure-Mode

Bei schwachen Singleplayer-Modi lockt vor allem die Möglichkeit, gegen Freunde zu zocken. Allerdings gibt es keinen Online-Modus und für lokale Partien benötigen jeder Spieler ein Modul. So hatte ich keine Möglichkeit, den Versus-Modus für den Test auszuprobieren. Ein Vorteil ist definitiv die Möglichkeit, die Gesamtstärke der Kämpfer zu beschränken, sodass man sich etwas besser überlegen muss, ob man lieber wenig starke oder etwas mehr schwächere Figuren nimmt und wie man Kämpfer mit Unterstützern ausbalanciert. Inwiefern man damit etwas mehr Spielspaß rauskitzeln kann, bleibt an dieser Stelle aber Spekulation. (Protip: Die kostenlos Demo bietet zwar keine Einstellungen und nur wenige Kämpfer, dafür aber den Versus-Modus. Matches sind hier durchaus interessanter als gegen die KI, so richtig spannend wird es aber nicht).

Dragon Ball Z: Extreme Butoden ist ein Potentialverschenker vor dem Herren. Das Spiel ist voller großartiger Sprites und Animationen für insgesamt über 100 Figuren. Davon ist aber nur ein Bruchteil spielbar, obwohl alle Kämpfer das gleiche Moveset teilen. Spezialangriffe sind toll inszeniert und lassen durchaus ein tolles DBZ-Feeling aufkommen. Leider braucht man sie selten im Kampf, dessen taktische Tiefe sich auf zwei Combos und einen Special beschränken lässt. Der Versus-Mode, der etwas mehr Spaß verspricht, funktioniert allerdings nur lokal mit zwei Modulen. Extreme Butoden bietet wenig für die Fans und für alle anderen überhaupt nichts. Wer dennoch Interesse hat, kann sich die kostenlose Demo (beinhaltet den Versus-Mode) herunterladen. Bei gleichem Moveset reichen zwei Kämpfer vielleicht ja auch? Ben

Dragon Ball Z: Extreme Butoden wurde auf dem Nintendo 3DS getestet. Ein Testmuster wurde uns von Bandai Namco Games zur Verfügung gestellt.

Dragon Ball Z: Extreme Butoden

(Ranking)
C
RANK
Gut gemeint. C-Spiele haben ihre strahlenden Momente, aber in entscheidenden Situationen wird großes Potential verschenkt. Über keine anderen Spiele kann man sich so sehr ärgern.

Kommentare

Ralleee
Gast
02. November 2015 um 20:14 Uhr (#1)
Es ist möglich, den kompletten Story-Modus durch das Gedrückthalten einer Richtungstaste und das Hämmern auf eine Angriffstaste zu beenden. Ich habe meine Zeit selten sinnloser verschenkt
Ben
03. November 2015 um 00:18 Uhr (#2)
Hey Rallee,

wir haben das Muster leider etwas verspätet bekommen, ich hätte dich gern vorher gewarnt!
Ralleee
Gast
03. November 2015 um 11:59 Uhr (#3)
Somit sind wir zumindest Leidensgenossen und können trauernd, aber aufrecht zu Budokai 3 zurückblicken. :D
Rian
03. November 2015 um 16:44 Uhr (#4)
Können wir endlich DBZ im Smash-Bros.-Stil mit vollkommen zerstörbaren Leveln haben? Danke.
Ben
03. November 2015 um 16:58 Uhr (#5)
Vermutlich hatten DBZ-Spiele ihren Höhepunkt mit Budokai 3 erreicht. Es gab zwar ein paar gute Spiele für PS3/360 (und DS), aber in der aktuellen Generation bin ich noch etwas anttäuscht über die Auswahl.

Zerstörbare Umgebungen gab es schon in einigen Spielen der Tenkaichi-Reihe, Raging Blast, Battle of Z und Xenoverse (unterschiedlich gut umgesetzt). Das allein ist aber auch kein Garant für ein gutes DBZ-Spiel.
Rian
04. November 2015 um 16:01 Uhr (#6)
Jaja, das war aber alles Schmuck - zumindest in den Spielen, die ich gespielt hatte. Ich meine es so, dass die Areale und ihre Zerstörung auch aktiv als Gameplay-Element verwendet werden können und nicht nur schmuckes Beiwerk sind.
Gast
17. Oktober 2017 um 11:23 Uhr
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RELEASE
16. Oktober 2015
PLATTFORM
Nintendo 3DS
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