Hex: Shards of Fate

(Artikel)
Benjamin Strobel, 25. August 2015

Hex: Shards of Fate

Magic plus ein bisschen mehr

Hex: Shards of Fate hat mich unvorbereitet erwischt. Als ob es nicht schlimm genug ist, dass Magic meine analoge Freizeit vereinnahmet, bringt Hex mich auch digital ins Sammelkartenfieber. 2013 erfolgreich über Kickstarter finanziert, befindet sich Hex derzeit in der offenen Beta-Phase. Seit ich das Spiel auf der Gamescom gesehen habe, kann ich nicht aufhören zu spielen.

Eines muss gleich vom Tisch: Hex ist ein Magic-Klon, das brauchen wir gar nicht schön zu reden. Es gibt Kreaturen, Zauber und Mana, die alle genau so funktionieren, wie auch in Magic (auf hexprimal.com findet ihr einen ausführlichen Vergleich). Es ist nicht nur ähnlich, sondern zu 99% das gleiche Grundprinzip - plus ein bisschen mehr. Wizards of the Coast haben letztes Jahr bereits eine Klage gegen Hex eingereicht (hier findet ihr die Beschwerde und hier die offizielle Reaktion vom Entwickler Cryptozoic Entertainment). Hex hat mit einer erfolgreichen Kickstarter-Kampagne bereits eine große Fanbase aufgebaut und es wäre schade, das Spiel verschwinden zu sehen. Auf der anderen Seite scheint mir die Beschwerde von Wizards of the Coast nicht ganz ungerechtfertigt. Der Gerichtstermin ist für 2016 datiert, das Ergebnis bleibt also abzuwarten.

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Ein bisschen mehr
Man könnte Hex deshalb schnell als Kopie verwerfen, denn auch das Original bietet digitale Versionen an und schöpft aus einem viel größeren Kartenpool. Da Hex aber nicht an eine physische Vorlage gebunden ist, kann es Dinge tun, die mit echten Karten unmöglich wären: Karteneffekte aus dem Deck heraus wirken, beliebige Mengen an Karten ins gegnerische Deck mischen oder einem Spieler ermöglichen, die Karten seiner Gegner zu sehen, ohne dass sie überhaupt davon wissen. Wenn es um Heimlichkeiten geht, bin ich ein Fan! Das Heimlichste, das man in Magic spielen kann, sind verdeckte Morph-Karten - eine großartige Idee, die Yu-Gi-Oh! als Basiskonzept verwirklicht hat. Aber Effekte unbemerkt zu wirken, ist ein ganz neues Level von Heimlichkeit! Ich war sofort begeistert.

Doch Hex hört dabei noch nicht auf. Um die Möglichkeiten der digitalen Form noch mehr zu nutzen, bedient es sich an Rollenspiel-Elementen: So hat man neben seinem Kartendeck auch einen Anführer mit eigenen Fähigkeiten und Slots für Ausrüstung, die ebenfalls neue Boni bringen kann. Ein neuer Anführer kann demselben Deck eventuell einen anderen Twist geben. Das gibt es auch auf Karten-Ebene: einige Karten haben Sockel, in die man Edelsteine einsetzen kann. Diese muss man sich zum Glück nicht erspielen, sondern hat jederzeit alle unterschiedlichen Steine zur Verfügung. Wohl aber muss man für Sockelkarten noch die Entscheidung treffen, welchen Stein man einsetzt. Einer kann Flugfähigkeit verleihen, ein anderer vielleicht mehr Angriff. Je nachdem, wie es zum eigenen Deck passt, können einige Karten passend individualisiert werden.

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Free to Play
Hex: Shards of Fate verfolgt ein klassisches Free-to-Play-Modell. Entsprechend gibt es zwei Arten von Währungen: Gold, das ihr im Spiel verdienen könnt, und Platin, das ihr für Echtgeld kaufen könnt. Booster und Starterdecks bietet euch der Ingame-Shop nur gegen Platin an. Gerade am Anfang ist es sehr verlockend, einfach ein weiteres Deck dazu zu kaufen, allein wegen der Abwechslung. Die Brieftasche muss dann allerdings herhalten.
Die kostenlose Alternative bietet das Auktionshaus. Hier können Spieler mit ihren Karten handeln, sie für Gold oder Platin kaufen, verkaufen oder versteigern. Es ist also durchaus möglich, im Spiel Gold zu sammeln und dann im Auktionshaus für neue Karten auszugeben ohne jemals in den echten Geldbeutel zu greifen. Auf der gamescom berichtete mir einer der Entwickler, dass man in einer Stunde Spielzeit Ingame-Währung im Wert von etwa 2 Euro erspielen kann. Kein sehr guter Stundenlohn, aber durchaus in Ordnung, wenn man die Zeit mit spannenden Hex-Partien gefüllt hat. Derzeit zählt das Spiel 774 Karten und es ist abzusehen, dass Erweiterungen diesen Pool noch vergrößern werden - es gibt also durchaus eine Menge zu sammeln.

Die Geschichte von den unendlichen Spinnen
Um das Gameplay, auch in Abgrenzung zu Magic, etwas zu illustrieren, möchte ich an dieser Stelle die Geschichte von den unendlichen Spinnen erzählen. Wie sich zeigen wird, waren die Spinnen zwar noch zählbar, jedoch nicht mehr überschaubar. Das Starter-Deck, mit dem ich begonnen habe, basiert darauf, dem Gegenspieler ständig Spinnenkarten in sein Deck zu mischen, die dann als Kreatur auf meiner Seite des Feldes schlüpfen, wenn er sie zieht. Dann spielte ich ein Match gegen einen Freund mit genau demselben Deck und das Spiel eskalierte völlig. Wie zu erwarten war, ballerten wir uns gegenseitig die Decks mit Spinnen zu, bis Züge nur noch daraus bestanden, erst mal drei bis vier Spinnen zu ziehen, bevor man zur eigentlichen Karte vordrang. Wir hatten gegen Ende rund 50 Spinnen auf dem Feld, als wir bemerkten, dass wir die ganze Zeit mit ihnen hätten angreifen können: sie waren nämlich unblockbar. Aber es war verrückt, ein Spielfled mit so vielen Karten vor sich zu haben - in einer physischen Variante wäre dieses Spiel nicht mehr zu überschauen gewesen. Mal ganz davon abgesehen, dass man ziemlich viele Spinnenkarten besitzen müsste, um das zu verwirklichen.

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Die digitalen Möglichkeiten machen Hex erst so richtig witzig und geben dem Magic-Regelset eine neue Facette. Wenn ihr Fan von Magic, Yu-Go-Oh! oder einem anderen TCG seid, könnte auch Hex euch gefallen. Eine Suchtwarnung und Gefahr für euren Geldbeutel sei hiermit ausgesprochen! Wer neugierig geworden ist, kann die Hex-Beta jederzeit kostenlos herunterladen. Ben

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17. Oktober 2017 um 11:30 Uhr
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