Skilltree Saga im Test

(Artikel)
Paul Rubah, 11. Juli 2017

Skilltree Saga im Test

Sagenhaft scheiße

Ich würde heucheln, wenn ich sagen würde, dass ich mich mit Das Schwarze Auge auskenne. Ich meine, ich habe inzwischen DSA: Blackguards und DSA: Satinavs Ketten gespielt. Ich arbeite gerade an dem Review zu DSA: Blackguards 2 und ich habe inzwischen sogar mal die interessanten Stellen der Geographia Aventurica gelesen. Ich weiß ungefähr, wie die Geschichte des Fantasy-Kontinents verlief - Bosparans Aufstieg, Bosparans Fall, Rohal der Weise, der eines Tages das Mobbing nicht mehr ertrug und einfach seinen Thron verließ, die Orkenstürme und der böse Zauberer Borbarad. Wenn man mir eine aventurische Stadt nennen würde, könnte ich ihre Position auf einer Weltkarte mit der Präzision eines Drittklässlers im Erdkunde-Unterricht angeben. Warum ich hier großspurig mein Semi-Halbwissen vortrage? Weil selbst so ein Möchtegern-DSA-Gelehrter wie ich sehen kann, dass Skilltree Saga das Material ausschlachtet und eine haarsträubende Beleidigung darstellt. Und ein schlechtes Spiel ist es obendrein.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 26.1.2015 veröffentlicht. Eigentlich holen wir keine Reviews aus dem Keller hervor, aber manche Dinge dürfen einfach nicht in Vergessenheit geraten.

Sagenhaft simpel
Okay, also, wir befinden uns in Greifenfurt. Greifenfurt ist so eine Markgrafschaft und außerdem auch der Name der Hauptstadt Greifenfurt. Also, da kommen eines Tages ein paar Orks und entführen Baron Tilldan Greifentreus Tochter Emily. Warum nicht gleich die des Grafen? Egal, vielleicht hatte der keine Tochter. Jedenfalls sind die Einwohner von Greifenfurt über die Entführung dieser geliebten Baronstochter so empört, dass sie der Orkhorde einen einzigen Level-Eins-Krieger hinterher schicken. Das seid ihr: So ein Mensch, Elf oder Zwerg von der Straße, der ein bisschen mit einem Schwert herumfuchteln kann. Welche der drei Rassen man wählt, ist ziemlich egal, weil das nur einen vernachlässigbaren Bonus auf ein einziges Attribut gibt. Ästhetik entscheidet also! Ich tendiere ja zum Zwerg, weil das einfach nur toll aussieht, wenn der nachher einen Dropkick nach dem anderen abfeiert.

skilltree-blitzangriff-01Blitzangriff.

Im Wald kriegt man auf jeden Fall schnell auf die Fresse, doch da findet einen Obi-Wan Kenobi der Elementarmeister, der einen sofort unter seine Fittiche nimmt und den Spielcharakter zum Jedi Elementarritter ausbildet. Eigentlich benötigt das eine mehrjährige Ausbildung mit Knappschaft, aber dafür ist heute mal keine Zeit. Jetzt gilt es nur noch, 190 Dungeonlevel zu bestreiten, dann hat man die Prinzessin Baronstochter befreit und dann ist Schicht. 190 Level? Ja, das Spiel ist zwar nicht endlos, aber es kommt einem so vor.

Sagenhaft spärlich
Auf der Verpackung steht, Skilltree Saga sei ein Casual-RPG mit Roguelike-Elementen. Diese Aussage ergibt in etwa so viel Sinn wie "Brot ist ein Nahrungsmittel mit Zyankali-Elementen". Was die Entwickler damit eigentlich sagen wollten, ist: Ihr grindet. Ihr grindet das ganze Spiel durch. Ihr fangt an zu grinden, dann grindet ihr weiter und dann grindet ihr so lange, bis eure Ausrüstung stark genug ist, dass ihr den nächsten Boss packt. Das ist das Spiel: Eine Aneinanderreihung von Kämpfen.

skilltree-blitzangriff-02Blitzangriff.

Das muss ja erst mal nichts Schlechtes sein. Schließlich könnten die Kämpfe ja Spaß machen, oder? Nun, ihr kämpft nicht. Nicht wirklich. Vor einem Kampf kann man bis zu sechs Fähigkeiten auswählen, die dann in einer festen Reihenfolge ausgeführt werden. Beim Gegner ist es genauso, nur dass jeder Feindtyp eine Reihenfolge hat, die man sich theoretisch merken könnte. Ein Kampf kann so bis zu zwanzig Sekunden gehen, in denen ihr einfach nur zuschauen könnt. Es ist ein wenig wie nerviges Schere-Stein-Papier. Am Ende ist entweder einer der beiden Kämpfer tot oder beide leben noch und man darf die nächste Runde starten oder sich nach Greifenfurt zurückziehen. Stirbt man, verliert man alle erbeuteten Items und startet wieder in der Stadt. In jedem Fall muss man ein Dungeon wieder ganz von vorne anfangen, sobald man es verlässt. Inklusive Bosse.

Dabei ist so einfach, das Spiel zu exploiten. Eine der ersten Fähigkeiten, die man bekommen kann, ist der Blitzangriff. Der ist wie der Ruckzuckhieb in Pokémon. Den skillt man hoch. Dann sucht man Ausrüstung, die die Körperkraft steigert, damit man alles mit einem Schlag tötet ohne dass sie sich ein Gegner wehren kann. Und dann klickt man die Schaltfläche "Nächster Kampf". Das tut man, bis einem die Heiltränke ausgehen. Dann geht man zurück in die Stadt, kauft sich bessere Klamotten und kommt beim nächsten Anlauf ein paar Kämpfe weiter. Ich hatte irgendwann einfach nur einen großen Haufen Skillpunkte übrig, den ich für nichts ausgeben wollte, weil ich nichts mehr brauchte.

Fun fact: Ich bin nicht overpowered, sondern im empfohlenen Levelbereich für diesen Dungeon.

Sagenhaft sinnlos
Und man kann nicht mal ordentlich auf irgendwas sparen, weil das Angebot des Händlers komplett random ist. Da komme ich mit 100 Dukaten nach Greifenfurt und... Moment, 100 Dukaten? Für fünf Minuten Arbeit? Das sind etwa 1.000 bis 3.000 Euro! Ich bin reich! Was interessiert mich die namenlose Baronstochter? Ach so, ja, klar. Der "Plot". Jedenfalls komme ich mit prall gefüllten Taschen nach Greifenfurt und kann dort entweder ein Paar Abgeranzte Handschuhe des Muffigen Gestanks -3 für 23 Dukaten oder den Vierdimensionalen Helm Olfaktorischer Herrlichkeit +15 für 800 Dukaten erstehen. Toll. Und dann muss ich wieder 50 Dukaten hinblättern, um überhaupt in den Wald zurück zu kommen.

Wenn man eine gute Sache über Skilltree Saga sagen kann, dann dass es nicht buggy ist. Okay, Gegner mit der "Hinterhalt"-Fähigkeit verschwinden nicht vom Bildschirm, sondern verstecken sich gut sichtbar hinter ihrer Energieleiste - aber das ist faul programmiert und kein Bug. Apropos faul: Gegneranimationen sind lahm und die Hintergründe bestehen aus zufällig zusammengewürfelten Fantasy-Elementen. Immerhin ist die Menümusik ganz eingängig. Dafür sind die Geräusche alle von lizenzfreien Soundportalen gezogen.

skilltree-saga-skilltreeUnd da ist er: Der Skilltree!

Gut, Fazitzeit. Ich sag mal so: Das beste an Skilltree Saga ist, dass man nicht schrecklich aufpassen muss und dass man es einhändig spielen kann. Ihr wollt einfach nur sehen, wie Zahlen wachsen? Dann ist Skilltree Saga perfekt für euch! Kaum irgendwo anders wachsen Zahlen so schnell wie hier! Es ist schließlich das primitivste Grindspiel unter der Sonne. Wer aber nach irgendeiner anderen Form von Spaß sucht, sucht hier vergeblich. Da draußen gibt es hunderte grindbasierte Gratis-Browsergames, die ihren Job besser machen als Skilltree Saga, also schont eure Brieftasche und schont euren Intellekt.

Das Schwarze Auge: Skilltree Saga wurde auf dem PC getestet. Ein Testmuster wurde uns von Headup Games zur Verfügung gestellt.

Das Schwarze Auge: Skilltree Saga

(Ranking)
F
RANK
F wie Fail. Kaum von Wert. Hier jagt eine Schwäche die nächste. Niemand braucht das, niemand will das. Nicht einmal geschenkt.

Kommentare

Kristin
28. Januar 2015 um 12:23 Uhr (#1)
Bestes Let's Play aller Zeiten. :D
Nils
28. Januar 2015 um 16:34 Uhr (#2)
@Kristin: Agreed!
Ben
30. Januar 2015 um 14:14 Uhr (#3)
Würde da auch gern weitere Folgen sehen.
Rian
11. Februar 2015 um 13:38 Uhr (#4)
Blitzangriff.
Gast
24. November 2017 um 01:01 Uhr
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