Metroid-Retrospektive (9)

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 03. Juli 2017

Metroid-Retrospektive (9)

Das Ende einer Trilogie: Metroid Prime 3: Corruption

Als Nintendo die Wii enthüllte, formte sich bei vielen ein Gedanke: Wie eignet sich die Wiimote zur Steuerung von Ego-Shootern? Das dachte man sich auch bei Retro Studios, als sie ihr Wii Dev Kit erhielten, und implementierten sie in eine Demo von Metroid Prime 2. Das Ergebnis des Experimentes überzeugte sie: So wird Metroid Prime 3 gespielt. Etwa ein Jahr nach dem Release der Konsole durften wir Gamer dann auch erleben, wie gut sich das mit Metroid Prime 3: Corruption anfühlt.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 11.11.2017 veröffentlicht.

Prime 3 fängt dort an, wo die anderen Teile auch angefangen haben: Mit Samus in ihrem Raumschiff. Doch diesmal sieht man nicht, wie sie das Schiff landet, nein, wir dürfen es selber tun. Das Intro setzt ganz klar auf die Stärken der Serie in Sachen Atmosphäre. Die Galactic Federation hat um Hilfe geben und wir treffen uns mit einem der Generäle auf dem Flaggschiff Olympus. Hört ihr das? Japp, Synchronsprecher. Corruption ist das erste Metroid-Spiel, in dem viele Charaktere vertont wurden und regelmäßig mit Samus sprechen. Nur unsere Heldin selbst bleibt stumm. Auf dem Weg zum General gibt es auch ein paar Motion-Control-Spielchen. So erfordern viele Schalter, dass sie per Wiimote zieht oder dreht. Vom General erfahren wir dann unsere Aufgabe: Die Weltraumpiraten haben das Netzwerk der Federation mit einem Virus infiziert. Dieser Virus greift gezielt die Aurora-Einheiten an - biomechanische Gehirne, die als lebende Computer fungieren. Samus soll zusammen mit drei anderen Kopfgeldjägern zu den noch infizierten Aurora-Einheiten fliegen, um sie zu heilen.

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Doch noch bevor sie sich auf den Weg machen können, greifen Weltraumpiraten die Flotte an. Ihr Ziel ist der Planet Norion, in dessen Orbit wir uns gerade befinden. Jetzt geht es richtig los. Gekämpft wird sich erst mal an Bord der Olympus. Während der Kämpfe trifft man auch auf einige Föderationssoldaten. Beschützt man diese erfolgreich, bekommt man Marken. Dazu später aber mehr. Die Piraten vom Schiff vertrieben, geht es zur Basis auf dem Planeten. Hier gibt es gleich ein neues Item, das Grapple-Lasso. Überall finden sich gelb schimmernde Objekte, die man mit Z anvisieren kann. Bewegt man das Nunchuck nun ruckartig nach vorne, wirft Samus das Lasso. Zieht man dann das Nunchuck wieder nach hinten, zieht Samus ebenfalls. Teilweise etwas fummelig, da die Rückbewegung nicht immer korrekt erkannt wird, aber grundsätzlich gar nicht so schlecht.

Generell ist die Steuerung der geheime Star von Corruption. Sie flutscht wunderbar flüssig, ohne die Prinzipien der Gamecube-Vorgänger umzuwerfen. Im Grunde ist es dieselbe Steuerung, die jeder andere Wii-Shooter benutzt: Stick für Bewegung, Wiimote zum Zielen, C zum Ducken. Die Tastenbelegung fürs Schießen weicht da aber ab. Mit oberen A-Taste feuert man, während man mit der hinteren B-Taste springt. Anfangs etwas befremdlich, macht es doch sehr schnell viel Sinn. In Prime 3 muss man oft genug den Abzug betätigen, was mit dem A-Knopf einfach angenehmer ist, und da man auch viel Springen muss, fühlt sich B viel sinniger an. Das Lock-On aus den Vorgängern wurde beibehalten, aber aus Balance-Gründen stark entschärft. Schwachpunkte werden nicht mehr automatisch anvisiert, stattdessen zentriert man damit den Gegner im Sichtfeld. Ist der Schwachpunkt nicht im Zentrum, muss man manuell zielen. Es ist halt offensichtlich, dass die neue Steuerung das Schießen einfacher macht. Theoretisch braucht man das Lock-On gar nicht, praktisch würde ich dennoch nicht drauf verzichten.

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Nach der Norion-Mission geht das Spiel erst so richtig los. Die Piraten feuern einen Asteroiden aus Phazon auf Norion. Nur mithilfe der Orbitalkanone lässt er sich aufhalten, doch deren Generatoren sind offline. Also erst mal die wieder zum Laufen bringen, nebenbei im freien Fall Meta-Ridley bekämpfen (sehr cool) und dann nur noch die Kanone zünden. Wenn da nicht Dark Samus wäre und mal eben alle Jäger mit Phazon vollpumpt. Mit letzter Kraft aktiviert Samus das Geschütz und Norion ist gerettet. Einen Monat später wacht sie wieder auf der Olympus auf. Samus' Körper generiert jetzt eigenes Phazon, was gleich mal von den Wissenschaftler genutzt wurde, um ihre Power Suit mit einem Phazon Enhancement Device auszustatten. Hält man die Plus-Taste gedrückt, wird ein Energy Tank direkt in Samus Armkanone gespeist und man verschießt pures Phazon. Hypermode nennt sich das Ganze. Richtet viel Schaden an, kostet aber immer einen Energy Tank. Ist jedoch oft das Opfer wert.

Eine Idee aus Hunters findet man ebenfalls in Corruption: Anstatt per Aufzug von Gebiet zu Gebiet zu reisen, verschlägt es Samus diesmal auf mehrere Planeten und mithilfe ihres Schiffes darf man an bestimmten Landezonen zu den anderen Gebieten fliegen. Es macht das Backtracking weitaus erträglicher, da man viel leichter und schneller zum gewünschten Ort reisen kann. Zusätzlich kann man das Schiff noch mit Raketen ausstatten, um per Command Visor einen Angriff zu ordern. Diese Methode ersetzt die Power-Bomben - leider nicht adäquat. Es gibt nur eine handvoll Areale, in denen diese Option überhaupt verfügbar ist und meist braucht man diesen Angriff nur, um Missionsziele zu zerstören, wie etwa Radarschüsseln.
Ein Achievementsystem gibt es so gesehen auch. Die anfangs erwähnten Marken bekommt man, wenn man bestimmte Aufgaben erfüllt. Mit ihnen kann man Concept Art und andere Goodies freischalten. Neu ist auch ein höherer Schwierigkeitsgrad, sobald man das Spiel einmal beendet hat.

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Es ist aber auch nicht alles Gold, was hier glänzt. Auch wenn Retro mal wieder beweist, dass sie es einfach draufhaben, was 3D-Metroid angeht, so stellt sich ein Aspekt als sehr durchwachsen heraus: die Bosskämpfe. Bis auf zwei Kämpfe sind die alle lächerlich einfach. Der Kampf gegen den ersten Leviathanwächter ist bockschwer und der Endkampf wird euch in den Wahnsinn treiben. Der besteht aus mehreren Phasen, eine schwerer als die andere. Phase 1 ist noch interessant und spaßig, Phase 2 läutet aber den Frust ein. Phase 3 verlangt von euch, dass ihr den Boss solange ignoriert, bis eure Lebensenergie wieder voll ist, damit ihr in Phase 4 genug Zeit habt, um den Kampf zu entscheiden, da man hier keinerlei Heilung bekommt. Erwähnte ich, dass man während des Kampfes konstant Schaden nimmt? Die Auseinandersetzung kann gut und gerne 40 Minuten dauern und ist extrem ermüdend.

Metroid Prime 3: Corruption ist das perfekte Ende zu einer starken Trilogie. Wer eine Wii besitzt, der sollte diese Spiele in der Sammlung haben. Besonders die Trilogy-Version kann ich wärmstens empfehlen, da sie alle drei Titel enthält und zusätzlich Prime 1 und Prime 2 mit Widescreenmodus und Wiimote-Steuerung ausstattet. Mit Teil 3 endete dann aber auch Retro Studios Arbeit am Franchise. Nintendo beschloss den nächsten Teil der Serie einem anderen Team zu überlassen: Team Ninja. Jeder andere Publisher hätte das Prinzip aus Prime wohl weiter gemolken, aber nicht Nintendo, was ich doch gutheiße. Was ich aber NICHT gutheiße, ist das, was den Fans als nächstes vorgesetzt wurde. Nächste Woche ist es soweit: Das Finale meiner Retrospektive mit dem wohl kontroversesten Eintrag der Serie: Metroid Other M.

Metroid Prime 3: Corruption

(Ranking)
S
RANK
Herausragend. S-Spiele erweitern Horizonte. Sie bieten intensive Erlebnisse oder halten den Spieler noch lange am Bildschirm gefesselt. Selbst wenn man sie nicht jedem empfehlen kann, will man doch mit jedem über sie reden.

Kommentare

tinkengil
Gast
14. November 2014 um 15:05 Uhr (#1)
Schön geschrieben, da kommen Erinnerungen wieder hoch! Ich fänds schön, wenn Nintendo die Prime-Trilogie noch mal auf die WiiU remastern würde.

Btw., es gibt da noch son Pinball-Spiel aus der Metroid-Reihe, wird das etwa in der Retrospektive nicht berücksichtigt? ;)
blackmaniac
14. November 2014 um 21:43 Uhr (#2)
Das wird nicht behandelt, weil es einfach nur ein Pinball Spiel ist mit Metroid Prime Thematik
Ben
17. November 2014 um 11:06 Uhr (#3)
Vielleicht kannst du nach der Retrospektive ja mal einen zusätzlichen Beitrag machen ;)
Gast
20. September 2017 um 14:39 Uhr
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Retrospektive
Sparte - Wir werfen einen Blick zurück in graue Vorzeit. Oder, wenn es nicht ganz so weit sein soll, in sepiafarbene Vorzeit. Vor kurzem Geschehenes wäre dann rot-übersättigte Vorzeit.
Review
Sparte - Wenn es nicht bei drei auf dem Baum ist, testen wir es.

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RELEASE
26. Oktober 2007
PLATTFORM
Wii
Plattform

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