Metroid-Retrospektive (7)

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 27. Juni 2017

Metroid-Retrospektive (7)

Die andere Seite: Metroid Prime 2: Echoes

Wenn etwas Erfolg hat, dann wartet gleich das Sequel auf die Gamerschaft. So ist es heute und so war es früher auch schon. Die Presse liebte Metroid Prime und die Spieler genauso. Ist doch logisch, dass Nintendo gleich mal einen weiteren Teil bei Retro Studios bestellt. Nun hätte man die Modern-Warfare-Route wählen und das gleiche Spiel noch mal rausbringen können. Aber so funktioniert das nicht bei Retro und bei Nintendo schon mal gar nicht. Zumindest außerhalb von *hust* Mario. *hust* Und so machten sich die Texaner daran uns Fans mit einem starken Sequel zu beglücken: Metroid Prime 2: Echoes.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 28.10.2014 veröffentlicht.

Echoes führt uns auf den Planeten Aether. Samus wurde beauftragt das Verschwinden eines Schiffes der Galactic Federation zu untersuchen, welches vermutlich dort abgestürzt war. Die Atmosphäre des Planeten schimmert bereits bedrohlich violett, da stimmt doch was nicht. In der Tat stimmt da was nicht, beim Landeanflug schlägt ein Blitz in ihr Schiff ein und zwingt es zur Notlandung. Gezwungenermaßen geht es nun zu Fuß weiter. Schnell findet sich die provisorische Basis der GF-Soldaten. Alle tot. Was ist hier nur passiert? Und warum erwachen die toten Soldaten plötzlich zum Leben und greifen mich an? Der Planet steckt voller Geheimnisse. In einem weiteren Gang der Basis trifft man dann auf Dark Samus, welche gerade durch ein Portal schreitet. Dahinter wartet eine düstere Version des Ganges, in dem sich Samus eben befand. Dies ist die Welt der Ing, finstere Parasiten, geboren aus dem Phazon. Überwältigt von den dunklen Kreaturen flüchtet Samus zurück durchs Portal. Doch ihre Ausrüstung wurde ihr dabei gestohlen.

mprime2_wii_02Kein billiges Imitat. Dark Samus ist durchaus ernst zu nehmen.

Es geht also ein wenig wie in A Link to the Past zu. Aether besteht nämlich aus einer Licht- und einer Schattenwelt, zwischen denen man im Laufe des Spieles mehrmals wechseln muss. Beide Welten sind im Grundriss identisch, werden aber von verschiedenen Wesen bewohnt. Oftmals ist es in einem Rätsel notwendig in die andere Welt zu reisen, um einen Schalter auszulösen, welcher in beiden Welten einen Weg öffnet. Das Besondere an der Schattenwelt ist außerdem, dass die Atmosphäre für Samus gefährlich ist. Befindet man sich nicht gerade in einer der vielen Lichtzonen, dann nimmt man kontinuierlich Schaden. Dankbarerweise wird man langsam geheilt, während man in den Lichtzonen steht. Und um dieses System drehen sich auch die neuen Rüstungen. Nach dem ersten, großen Bosskampf bekommt man die Dark Suit, welche den Schaden durch die Atmosphäre stark verringert. Später bekommt man dann auch die Light Suit, welche den Schaden komplett abfängt. Beide sehen erst gewöhnungsbedürftig aus, passen sich aber gut in den Look des Spiels ein.

Prime 2 hat einiges an Farbe einbüßen müssen. Die Lichtwelten sind oftmals mit eher kalten Farben wie Grau, Blau und Braun besiedelt, während sich die Schattenwelten vornehmlich in Schwarz und Dunkelviolett kleiden. Die Musik hat sich ebenfalls eher auf die düstere Seite begeben. Ein so entspannendes Thema wie das aus Phendrana Drifts sucht man vergebens. Und zu guter Letzt hat man noch ordentlich am Schwierigkeitsgrad gewerkelt. Prime 2 ist definitiv der schwerste Teil der Trilogie, wenn nicht sogar des ganzen Franchises. Konnte man in Prime 1 vielleicht noch etwas lockerer die Speicherräume ignorieren, so kann einem das in Echoes schnell zum Verhängnis werden. Die Bosse haben es in sich. Viele der Minibosse sind übrigens den Fähigkeiten nachempfunden, die Samus gestohlen wurden. Der Bomben-Wächter wirft mit eben diesen um sich, der Boostball-Wächter zischt durch die Arena und der Space-Jump-Wächter hüpft wild umher. Besiegt man sie, bekommt man die stibitzte Fähigkeit zurück.

Mprime2_wii_03Licht in die Dunkelheit.

Neu ist der Umgang mit den Beams. Bis auf den Powerbeam ist aus dem alten Arsenal nichts geblieben. An ihre Stelle treten der Light und der Dark Beam. Das Besondere hierbei ist, dass man für beide nur begrenzt Munition hat. Um an neue zu kommen, muss man mit den entgegengesetzten Beam Gegner töten oder Kisten zerstören. Damit man aber nicht feststeckt, wenn mal die Munition alle ist, kann man den leeren Beam aufladen wie beim Chargebeam, aber es kommt dann nur ein normaler Schuss heraus. Später findet man dann noch den Anihilator Beam, der Light und Dark Beam vereint und begrenzt zielsuchend ist. Neue Visor gibt es auch. Der Dark Visor ist in erster Linie Nachtsichtgerät und kann zusätzlich interdimensionale Objekte und Feinde aufspüren. Mit dem Echo Visor sieht man die Welt durch Echolot - hauptsächlich wichtig für Rätsel.

Ein weiterer Wechsel im Fokus erkennt man in der Story und Leveldesign. Hatte Prime 1 eher wenig Story und einen Pfad, der kreuz und Quer durch die Areale führte, so findet man in Echoes weitaus mehr Zwischensequenzen, vor allem da die Bewohner von Aether, die Luminoth, nicht tot sind. In Stasis erwarten sie das Ende des Konfliktes mit den Ing. Nur ihr höchster Wächter, U-Mos, hat die Augen offen und beschützt die verbleibende Energie der Lichtwelt. Er ist es auch, der Samus damit beauftragt diesen Konflikt zu gewinnen. In drei Tempeln, verteilt auf drei Areale des Planeten, befinden sich Energiesammler, die aufgeladen werden müssen. Die Energie dafür befindet sich in den Schattenvarianten dieser Tempel. In bester Zeldamanier muss man sich also von Tempel zu Tempel durcharbeiten. Dort findet man auch Übersetzungsmodule, die man braucht, um bestimmte Türen zu öffnen. Diese verschließen den Weg zu den anderen Arealen. Das Spiel wird dadurch um einiges linearer, was aber dem Backtracking nicht schadet.

mprime2_wii_11Im edlen Rostlook: die Dark Suit.

Metroid Prime 2: Echoes tut das, was ein guter Nachfolger tun sollte. Die Grundelemente sind unverändert, doch anstatt einfach nur alles genauso zu machen wie vorher, experimentiert Retro mit neuen Ideen. Übertrifft es Teil Eins damit? Nicht ganz, Prime 1 halte ich doch noch für einen Ticken besser. Echoes ist dafür auch sein eigenes Ding und es funktioniert sehr gut. Was mich nur wundert, ist, dass man angeblich einen 60Hz-PAL-Fernseher brauchte. Auf meiner 50Hz Röhre hat es damals ohne Probleme funktioniert. Mit zum Paket gehört auch ein Multiplayer-Modus, aber der ist eher mittelmäßig geworden. Muss man nicht zwingend gespielt haben. Nächste Woche geht es wieder zurück auf den Handheld. Dann werden mit Metroid Prime: Hunters die Jäger ausgepackt, ebenfalls mit Multiplayer, sogar online.

Metroid Prime 2: Echoes

(Ranking)
S
RANK
Herausragend. S-Spiele erweitern Horizonte. Sie bieten intensive Erlebnisse oder halten den Spieler noch lange am Bildschirm gefesselt. Selbst wenn man sie nicht jedem empfehlen kann, will man doch mit jedem über sie reden.

Kommentare

Ben
29. Oktober 2014 um 11:05 Uhr (#1)
Kann dein Urteil nur unterschreiben, Torsten. Ich finde, dass Echoes der beste Teil der Reihe ist, nicht nur wegen Dark Samus, sondern auch weil es für mich persönlich das beste Leveldesign hat.
blackmaniac
31. Oktober 2014 um 20:53 Uhr (#2)
Mein Vorliebe für Teil 1 ist nur im Nanobereich größer als bei Teil 2. Jeder Wii (U) Besitzer sollte sich die Trilogy zulegen
Gast
20. September 2017 um 14:47 Uhr
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Nostalgie
Sparte - Wir schwelgen in Erinnerungen. Hach, die guten alten Zeiten... Wer auf alt gemachte Dinge sucht, denkt an Retro.
Retrospektive
Sparte - Wir werfen einen Blick zurück in graue Vorzeit. Oder, wenn es nicht ganz so weit sein soll, in sepiafarbene Vorzeit. Vor kurzem Geschehenes wäre dann rot-übersättigte Vorzeit.
Review
Sparte - Wenn es nicht bei drei auf dem Baum ist, testen wir es.

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Spiele des Artikels

RELEASE
26. November 2004
PLATTFORM
Nintendo Gamecube
Plattform
Wii
Plattform

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