Senran Kagura: Shinovi Versus im Test

(Artikel)
Haris Odobašić, 15. Oktober 2014

Senran Kagura: Shinovi Versus im Test

Fanservice trifft auf großen Prügelspaß

Ein weiser Mann hat einmal gesagt: "Titten sind Leben, Arsch ist Heimat." Und dieser weise Mann, Kenichiro Takaki, ist außerdem Spieleentwickler, der sich mal den 3DS angeschaut hatte und innerhalb von 30 Sekunden zu der Realisation gekommen ist, dass er gerne ein Spiel mit Brüsten darauf sehen würde. Also hat er Senran Kagura: Burst entwickelt, welches Anfang des Jahres den Sprung nach Europa schaffte. Nun ist die Vita an der Reihe und wird mit dem Nachfolger Senran Kagura: Shinovi Versus bedient.

Wieder geht es um den Kampf zwischen guten und bösen Shinobi in rivalisierender Schulen. Jede der insgesamt vier spielbaren Schulen erzählt zwar die gleiche Geschichte, aber ihr erhaltet so jedes Mal eine neue Perspektive, was dem Wiederspielwert definitiv zuträglich ist. Wie beim 3DS wird die insgesamt gelungene, wenn auch etwas seichte und klischeebehaftete Story dabei sowohl in Dialogen als auch in an Visual Novels erinnernden Erzählungsphasen vorangetrieben. Während die Dialoge meist auf die Interaktion zwischen den Shinobis fokussiert sind und gerne mal in das Humoristische abdriften, sind die VN-Erzählungen doch um einiges ernster und lassen Senran Kagura eine seltene Balance zwischen lustig und traurig schlagen, ohne jemals taktlos zu wirken.
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Im Gameplay findet sich aber ein deutlicher Unterschied zum Vorgänger: Burst für den 3DS war ein scrollender 2D-Beater, während Shinovi Versus in vollem 3D-Glanz daherkommt und euch so mehr Freiheit bietet und euch gleichzeitig mehr Feinde entgegenschmeißt. Teilweise sind mehrere Dutzende feindlicher Shinobi gleichzeitig auf dem Schirm und verlangen nach der Aufmerksamkeit eurer Hände und Füße.
Wichtigster Aspekt des eingängigen Kampfsystems ist die Kombomechanik. Es ist kinderleicht, schon in kürzester Zeit drei- oder vierstellige Kombos zu produzieren, da sich Angriffe sehr einfach verketten lassen, wenn man die wenigen Grundmechaniken verstanden hat. Gerade das Jonglieren von Gegnern ist nützlich, da man sich auch in der Luft sehr adäquat fortbewegen kann, um die Feinde zu vermöbeln.

Ein weiterer interessanter Kniff ist die Möglichkeit, den Kampfstil eurer Shinobi zu ändern. Am Anfang stehen eure Kämpferinnen in ihren normalen Outfits da, können sich aber per Knopfdruck einer Shinobi-Transformation unterziehen, bei der nicht nur ihre Kleidung wechselt, sondern auch die Attacken, die sie ausführen können. Alternativ kann man in den Frantic-Modus schalten, bei dem eure Kämpferin so viel Wut hat, dass ihr gleich mal die Kleidung bis auf die Unterwäsche weggefetzt wird und sie um einiges stärker ist, dafür aber auch ein Mehrfaches an Schaden ab bekommt.
Der große Vorteil dieser Transformationen ist, dass ihr durch sie Zugriff auf Spezialattacken erlangt, von denen jede Kämpferin bis zu drei hat. Das reicht vom normalen Ninjagehopse mit Schlag bis hin zu ganz abgedrehten Geschichten, wie der Beschwörung von Riesensüßigkeiten, die eure Feinde angreifen oder, ehm ... seht einfach selbst:
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Auch wenn das Kampfsystem nicht besonders tiefgründig ist, gibt es durch die mehr als 20 Kämpferinnen, die sich alle komplett anders spielen, viel Abwechslung. Leider gilt das nicht für die Missionen, die allzu oft nach dem gleichen Schema ablaufen: kloppt ein paar Fußsoldaten-Shinobi, kloppt noch mehr Fußsoldaten-Shinobi, stellt euch schließlich der feindlichen Boss-Shinobi für das Level. Und das gut und gerne über 100 Missionen lang. Hier ist auch das größte Problem an Senran Kagura zu finden: durch die hohe Repetition kann das Spiel auch schnell mal langweilig werden, ein Genuss in kleinen Dosen ist zu empfehlen. Eine spaßige Abwechslung bietet da der Multiplayermodus, in dem bis zu vier Spieler sich entweder ad-hoc oder online in drei unterschiedlichen Spielmodi duellieren können. Großer Wehrmutstropfen allerdings: die Ladezeiten sind jenseits von gut und böse und rangieren von "nervig" bis hin zu "Ist meine Vita kaputt oder wieso lädt das nun so lange?".

Kommen wir schließlich zum Fanservice, denn auch wenn das Spiel ein legitimer Brawler ist, ist diese Art von Inhalt sehr stark vertreten. Das fängt damit an, dass man die Mädchen anziehen kann und dabei die Auswahl aus mehreren hundert Kostümen, Unterwäschestücken und Accessoires hat, die nach und nach freigespielt werden wollen. Und all das nur, um in den Kämpfen zu sehen, wie diese Kleidungsstücke nach und nach zerstört werden, auch wenn es nie wirklich in vollkommene Nacktheit abdriftet. Unterwäsche lässt sich zerstören, wird aber durch lustige Pixelkopfzensurbalken ersetzt.
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Gerade angesichts der aktuellen Sexismus-Debatte und den Reaktionen, die die damalige Ankündigung der Lokalisierung von Senran Kagura: Burst für den 3DS mit sich gezogen hatte, ist es nötig, über dieses Thema auch im Kontext dieses Reviews zu sprechen. Ausnahmslos alle Charaktere in Senran Kagura: Shinovi Versus besitzen Persönlichkeiten, die aus mehr als nur Klischees bestehen (auch wenn diese nicht vermieden werden - das übliche Anime-Repertoire in diesem Bereich wird natürlich bedient). In der Hauptgeschichte geht es um Freundschaften, darum andere Leute dafür zu akzeptieren, was sie sind, um das Erwachsenwerden an sich und die Probleme, die damit einhergehen. Jedes der Mädchen macht eine Entwicklung durch, lernt beispielsweise Selbstvertrauen oder die eigenen Schwächen zu überwinden. Und ja, so gut wie alle Figuren im ausnahmslos weiblichen Charakterpool haben große Brüste.

Es ist vollkommen okay, sich daran zu stören, dass Senran Kagura eben "sexy" ist und dass es unnatürlich große, virtuelle Brüste gibt, deren Physik jeglichen Naturgesetzen so sehr widerspricht, dass selbst Itagaki höchstpersönlich starkes Nasenbluten kriegen würde. Wer sich durch solche Inhalte abgestoßen fühlt, der hat das Recht, "Nein, das will ich nicht spielen!" zu sagen. Denn während Senran Kagura: Shinovi Versus insgesamt ein gutes und spaßiges Spiel ist, erreicht es nicht solch ein Qualitätsniveau, dass man das Gefühl hat, etwas zu verpassen, wenn man es nicht spielt. Doch bevor man vorschnell ein Urteil fällt, sollte man sich darüber bewusst sein, dass es die vielleicht größtvorstellbare Ironie ist, Senran Kagura Sexismus vorzuwerfen, wenn man die fast zwei Dutzend persönlichkeitsstarken, weiblichen Charaktere ignoriert, und sie stattdessen einzig und alleine auf ihre Oberweite reduziert.

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Ich hatte mit Senran Kagura: Shinovi Versus weit mehr Spaß als ich es erwartet hatte. Das simple aber doch abwechslungsreiche Kampfsystem bietet dank der großen Auswahl an Kämpferinnen viel Futter und ist vor allem einfach ein Genuss zu spielen. Denn Senran Kagura: Shinovi Versus ist flow-induzierend und es braucht nicht viel Übung, bis man in den Kämpfen Gegner in der Luft jongliert und reihenweise Feinde verkloppt auf dem Weg zu vierstelligen Kombozahlen. Leider hat das Kampfsystem nicht ganz den nötigen Platz zum Atmen, da die geringe Variation bei den Missionstypen doch nach einigen Spielstunden für Eintönigkeit sorgt, aber der Multiplayer-Modus bietet hier zumindest eine Alternative. Wer also Bock hat auf spannende Prügelaction gepaart mit sympatischen Charakteren und einer schönen, wenn auch vielleicht etwas seichten Story, sollte zugreifen. Haris

Senran Kagura: Shinovi Versus wurde auf der PS Vita getestet. Ein Testmuster wurde uns von Marvelous zur Verfügung gestellt.

Senran Kagura: Shinovi Versus

(Ranking)
B
RANK
Anständig. Stärken und Schwächen halten sich die Waage. Positive Überraschungen sind genauso selten wie negative. Unterm Strich muss man seine Spielzeit keinesfalls bereuen.

Kommentare

blackmaniac
16. Oktober 2014 um 20:51 Uhr (#1)
titten
Gast
18. November 2017 um 03:58 Uhr
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15. Oktober 2014
PLATTFORM
PS Vita
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