Disney Infinity 2.0 im Test

(Artikel)
Benjamin Strobel, 25. September 2014

Disney Infinity 2.0 im Test

Marvel Super Heroes erobern das Disney-Universum

Marvel gehört mittlerweile zu Disney. Ja, Tatsache. Mickey Maus und der Hulk sind jetzt quasi Brüder. Rocket the Raccoon, Chip und Chap könnten ein Trio bilden! Donald Duck und seine Karikatur Howard the Duck könnten mit einer Begegnung das Universum implodieren lassen! Im Sandbox-Spiel Disney Infinity 2.0: Marvel Super Heroes werden diese Crossover jetzt Wirklichkeit. Nimm das, Universum!

Bevor ich weiter ins Spiel einsteige, müssen wir klären, womit es hier zu tun haben. Disney Infinity 2.0 ist wie sein Vorgänger ein Toy-Game. Ähnlich wie bei Skylanders bringt man Charaktere durch Spielzeugfiguren ins Spiel. Mit dem Starter-Set (etwa 70 Euro) erhält man die Figuren Iron Man, Thor und Black Widow - zahlreiche weitere sind für etwa 10 Euro pro Figur zu haben (darunter z. B. Captain America, der Hulk, Groot und Rocket). Disney Infinity 2.0 funktioniert aber nicht nur mit den neuen Marvel-Figuren, sondern ist auch mit allen Disney-Figuren des ersten Teils vollständig kompatibel. Um die entsprechenden Charaktere im Spiel zu benutzen, stellt man sie einfach auf die mitgelieferte Infinity-Basis. Dort werden die Chips der Figuren gescannt und auf völlig magische Weise erscheinen sie anschließend im Spiel. Ein Kindheitstraum.

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Neben den ikonischen Figuren gibt es noch weitere Plastikteile, die ins Spiel eingescannt werden können: Play-Sets und Power-Discs. Play-Sets enthalten vollständige Kampagnen, die nur mit bestimmten Figuren gespielt werden können. Das Starter-Set bringt die Avengers-Kampagne mit, die entsprechend nur mit Avengers-Figuren gespielt werden kann (Ausnahme: Es gibt eine Handvoll Charaktere, die in verschiedenen Play-Sets mitspielen können, beispielsweise Iron Man und Rocket). Spider-Man könnt ihr bei den Avengers leider nicht benutzen. Stattdessen bringt die Spider-Man-Erweiterung ihr eigenes Play-Set mit. Neben der Avengers-Kampagne gibt es zum Start ein Set zu Spider-Man und eins zu Gurdians of Galaxy, äußerst passend zum Kinofilm. Diese Bundles enthalten je zwei Figuren und das dazugehörige Play-Set für einen Preis von etwa 30 Euro. Die erwähnten Power Discs können Items und andere Objekte im Spiel freischalten, die man sonst nicht verwenden könnte. Für drei bis vier Euro erhaltet ihr zwei Scheiben in einem Booster-Pack, könnt vorher aber nicht wissen, welche. Wie Amazon-Kunden beklagen, sind das leider sehr häufig dieselben.

Bei Disney Infinity 2.0 gibt es enorm viel zu entdecken, darunter zwei große Spielmodi: Die Play-Set-Kampagnen und die Toy Box. Im Starter-Set sind außerdem zwei Münzen enthalten, die besondere Spiele freischalten: Assault on Asgard (Tower Defense) und Escape from the Kyln (Dungeon Crawler). In den Play-Sets funktionieren nur passende Charaktere, überall sonst könnt ihr spielen, wen ihr wollt. Für alle Aktionen im Spiel verdient ihr Erfahrungspunkte und könnt eure Figuren aufleveln. In einem gigantischen Skilltree kann man seinen Superhelden neue Angriffe beibringen oder alte verstärken. So kann Thor lernen, seinen Hammerwurf aufzuladen, Iron Man kann Minen legen und mit einem Spezialangriff einen Arsch voll Raketen abfeuern. Euer Level und alle Charakterfähigkeiten gelten für alle Modi, ihr könnt also in Toy Boxen leveln und dann in der Kampagne mit neuen Fähigkeiten abrocken. Zu jeder Zeit kann man eine zweite Figur aufs Brettchen stellen und ein weiterer Spieler kann per Splitscreen ins Spiel einsteigen. Ich sehe hier großes Potential, die Eltern-Kind-Beziehung gewinnbringend zu intensivieren! Für alle anderen tut es sicher auch ein Disney- oder Marvel-verrückter Partner.

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Play-Set: The Avengers (Spielzeit: ca. 5-10 Stunden)
Loki überfällt die Erde mit Hilfe von Eisgiganten - mehr Plot braucht es nicht! Natürlich müssen die Avengers eingreifen und - mal wieder - New York verteidigen. Der Kampagnen-Modus erinnert sehr an die Lego-Spiele, sowohl was den Humor angeht als auch das Gameplay. Wie bei Lego Marvel Super Heroes bewegt man sich durch ein offenes New York und kann neben Story-Missionen auch zahlreiche Nebenaufgaben spielen. Zu den Ablenkungen zählen Versus-Kämpfe für mehrere Spieler, Wettrennen und Challenges, in denen ihr Zeug verprügeln müsst. Während die Story-Missionen zum Teil ein tolles Design haben, sind die Nebenaufgaben ziemlich repetitiv. Immer wieder muss man auf Zeit Objekte verteidigen oder eine bestimmte Zahl von Feinden erledigen. Viele Teile der Stadt sind zerstörbar und es ist immer wieder schön, Autos und Passanten in Kämpfen durch die Luft zu wirbeln. Allerdings sind die Aufgaben wenig abwechslungsreich, zumal die Gegnertypen sich auf die immer gleichen Eisgiganten beschränken. Erst in einigen Hauptmissionen gibt es kleine Rätsel und Geschicklichkeitspassagen, bei denen man durch Räume voller Fallen springen oder Schalter aktivieren muss. Ein Highlight sind außerdem die schwierigen Bosskämpfe und der grandiose Humor des Spiels, der in den Cutscenes der Story ziemlich gut zur Geltung kommt. Viele Figuren werden zudem von ihren Cartoon-Sprechern gesprochen, was die Dialoge durchweg hochwertig macht.

Ich kann zwar verstehen, warum Disney sich entschieden hat, in den Play-Sets nur passende Figuren zuzulassen, aber schade finde ich es dennoch. Ich wäre der Erste, der die Avengers-Story mit Spidey durchgespielt hätte! Leider müssen Spinnenfreunde sich das entsprechende Play-Set (inklusive Spidey) kaufen, um den Weberknecht durch Disney Infinity zu schwingen. An dieser Stelle wird deutlich, dass das Geschäftsmodell zum Teil im Konflikt mit der bestmöglichen Spielerfahrung steht. Andererseits muss ich gestehen, dass die meisten Figuren ziemlich klasse im Regal aussehen und allein deshalb eine große Verlockung darstellen. Sowohl die Guardians of the Galaxy als auch Spider-Man haben es mir angetan und so sehe ich meine Euros für die entsprechenden Sets schon schwinden. Ich habe bisher allerdings einen Zehner gespart, wohl aber eine Träne vergossen, weil die Hulk-Figur erst am 16. Oktober erscheint.

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Assault on Asgard (Spielzeit: ca. 3-5 Stunden)
Mit dieser Disc schaltet ihr Tower Defense im Thor-Universum frei. In jeder Stage erwarten euch mehrere Gegnerwellen, dazwischen darf man Verteigungsanlagen bauen (Geschütztürme, Frostminen zur Verlangsamung usw.) und muss ein Türmchen vor dem Angriff der Feinde verteidigen. Das Schöne daran ist, dass ihr eure gelevelten Figuren einsetzen könnt und mit allerhand Spezialangriffen einen mächtigen Vorteil habt. Ansonsten ist es nichts, was man nicht schon gesehen hätte, bringt aber eine nette Abwechslung ins Spiel, die auch im Koop sehr schön zu spielen ist.

Escape from the Kyln (Spielzeit: ca. 3-5 Stunden)
In diesem Dungeon-Crawler gibt es alles, was das Genre braucht: zufällig generierte Level, Loot und jede Menge Feinde! Die Schätze sind allerdings nicht für die Spielfiguren, sondern für eure Gehilfen, die ihr in diesem Spiel finden könnt. Die kleinen Racker helfen euch im Kampf und müssen manchmal auch Schalter aktivieren. Sie können mit kleinen Helmchen und anderen Gegenständen aufgerüstet werden, die man sogar sofort an ihnen sieht. Das Gameplay beschränkt sich auf Gegnerwellen und Schalterrätsel, also auch hier gibt es nichts Besonderes zu entdecken. Erneut könnt ihr im Koop spielen, durch die isometrische Perspektive erkennt man im Splitscreen allerdings nicht so viel wie in den anderen Spielmodi.

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Toy Box (Spielzeit: Unendlich)
Die Toy Box ist Disney Infinitys Spielplatz. In dieser Sandbox könnt ihr selbst Spielwelten, eigene kleine Level und Minispiele erschaffen. Das Beste, das ich in der letzten Woche zusammen bekommen habe, ist eine Rennstrecke mit verwirrender Straßenführung und karger Umgebung. Die Steuerung der Fahrzeuge in Disney Infinity hat mir allerdings riesige Probleme bereitet. In Rennen hatte ich Schwierigkeiten, mich auf der Strecke zu halten, bin abgestürzt oder habe mich in Kanten verfangen. Einmal hatte ich mich derart verkeilt, dass ich die Toy Box sogar verlassen musste. Wie gut selbst gebaute Level funktionieren, hängt natürlich auch davon ab, wie viel Mühe die Konstrukteure investiert haben und nicht jede Kreation ist ein Meisterwerk. Vor allem weil der Editor so viele Funktionen bietet, muss man zum Einstieg einiges Lernen und viel Zeit damit verbringen. Auch Bauteile müssen erst in In-Game-Währung eingekauft werden, bevor man sie einsetzen kann.

Es ist allerdings beachtlich, was mit der Sandbox von Disney Infinity alles möglich ist. Prominent sind vor allem Action-Adventure-Level und Rennstrecken, aber manchmal findet man Spiele, die kreativ aus allen Rohren schöpfen. So hat es jemand geschafft, einen 2D-Beater zu basteln, in dem zwei Spieler gegeneinander antreten können. Ein anderer Künstler hat es sogar zustande gebracht, ein Marble Madness zu basteln, das mindestens so schwierig ist wie das Original. Andere Spieler haben vollwertige Mario-Kart-Klone in Disney Infinity erstellt, es ist der Hammer! Falls man geniale Toy Boxen aufgetan hat, kann man bis zu 300 davon abspeichern, um später schneller darauf zuzugreifen. Ein Manko vieler Toy Boxen sind allerdings die Ladezeiten, die besonders bei größeren Projekten höllisch lang werden. Teilweise muss man deutlich länger warten als eine Minute. In der Zeit könnte der Hulk Loki dreimal in den Boden stampfen!

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Disney Infinity 2.0 kann ein teures Hobby werden, bietet aber auch unheimlich viel. Der lokale Koop-Modus macht das Spiel besonders unterhaltsam und familienfreundlich. Gerade die kreativen Möglichkeiten der Toy Box treiben die Spielzeit in die Höhe und machen Disney Infinity 2.0 zu einer spannenden Plattform, auf der Spieler aller Welt ihre Kreationen austauschen und mit anderen zusammen spielen können. Ich hoffe sehr, dass es auch in den nächsten Jahren immer neue Spielwelten von der Community geben wird, die man mit seinen Lieblingscharakteren besiedeln kann. Ben

Disney Infinity 2.0: Marvel Super Heroes wurde auf der Xbox One getestet. Ein Testmuster wurde uns von Disney Interactive zur Verfügung gestellt.

Disney Infinity 2.0

(Ranking)
A
RANK
Reife Leistung. A-Spiele machen alles richtig oder sind nah dran. Kleine Schwächen werden durch Stärken mehr als wett gemacht. Das ist Spieldesign auf hohem Niveau.

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22. August 2017 um 13:07 Uhr
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18. September 2014
PLATTFORM
iOS
Plattform - Apples Betriebssystem für Mobilgeräte.
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Playstation 3
Plattform
Playstation 4
Plattform - Die Playstation 4 (PS4) von Sony ist eine Spielkonsole der 8. Generation. Sie erschien am 29. November 2013 europaweit als Nachfolger der Playstation 3.
PS Vita
Plattform
Wii U
Plattform
Xbox 360
Plattform
Xbox One
Plattform - Nachfolger der Xbox 360 von Microsoft. Angekündigt am 21. Mai 2013, ist die Heimkonsole am 22. November 2013 in Deutschland und weiten teilen Eruopas erschienen.

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