Shovel Knight

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 15. Juli 2014

Shovel Knight

Buddelt sich tief in mein Herz

Eigentlich bin ich diese Retro-Indie-Schicke-Hipster-Kacke ja leid. Eine Zeit lang hat es sich wirklich so angefühlt, als seien Indie-Entwickler zu faul sich auf die Grafik zu konzentrieren und haben deswegen einfach alles in ein 8- oder 16-bit-Gehäuse verpackt, um auf den Trendzug aufzuspringen. Irgendwann verliert halt die Beschreibung "Beautiful, retro inspired graphics" seinen Charme. Eigentlich. Und dann kommt so ein Spiel wie Shovel Knight, welches mir sofort das Herz erwärmt und jeglichen Griesgram darüber austreibt. Denn Shovel Knight ist kein "Retro inspired graphics"-Genudel. Shovel Knight IST retro in seiner schönsten Form.

2014-07-15_00001Der einzig wahre.

Yacht Club Games hat sich beim Design des Spiels sehr nah an den Möglichkeiten des NES orientiert. Alle Sprites bestehen aus nur vier Farben, nur kann das Spiel offensichtlich mehr Sprites darstellen als ein NES es je könnte. Pixel werden auch bei höheren Auflösungen größer dargestellt, so dass der verfügbare Platz auf dem Bildschirm dem der alten Konsole gleich - nur im 16:9-Format. Die Musik von Jake Kaufmann (Ducktales Remastered) stammt vom NES mit VCR6-Chip (Castlevania 3) und rockt die Ohren weg. Und das Gameplay verknüpft Mega Man mit Ducktales plus einer Prise Castlevania. Also, wenn das mal nicht lecker klingt, dann weiß ich auch nicht.
Die Story ist auf Niveau der späten Achtziger: Jahrelang streiften Shovel Knight und Shield Knight durch das Land, auf der Suche nach Schätzen und Gerechtigkeit. Doch als sich Shield Knight alleine in den Tower of Fate wagt, verschwindet sie und Shovel Knight legt seine Schaufel nieder. Das Böse kehrt zurück in Form der Enchantress, die das Land versklavt. Jetzt liegt es an Shovel Knight die Welt zu retten.


Wie der Name schon verrät, ist man ein Ritter, der mit einer Schaufel in den Kampf zieht. Witzig. Aber da steckt mehr dahinter, denn Graben ist ein wichtiger Aspekt des Spiels. Es gibt überall Erdblöcke, die man aus dem Weg räumen kann, Steinhaufen mit verborgenen Schätzen liegen überall rum und Verstecke in den Wänden öffnet man halt am besten mit Spaten. Und dann sind da ja noch die vielen Gegner, die man damit töten kann. Entweder klassisch draufhauen, oder man vollführt einen Pogosprung à la Dagobert Duck, um sie in Grund und Boden zu stampfen. Besiegte Gegner hinterlassen Edelsteine, mit denen man seine Goldreserven vergrößert. Doch aufgepasst: Wenn man stirbt, verliert man einen Teil des Goldes. Verloren ist es dann aber noch nicht, man kann es sich am Ort des Ablebens wiederholen. Futsch ist es erst, wenn man auf dem Weg dahin erneut stirbt. Auf Extraleben wird verzichtet, man hat unendlich. Die Strafe fürs Sterben ist schlicht und ergreifend der Verlust des Reichtümer.

Und das Geld braucht man für sämtliche Upgrades im Spiel. Wollt ihr mehr Lebensenergie? Kauft sie euch. Wollt ihr eure Schaufel aufmotzen? Geld her. Neue Rüstung mit Spezialeffekten? Zahlen! Alles ist nicht sooo teuer, aber wer einfach keine Kohle aus den Leveln retten kann, der wird sehr schnell Probleme bekommen. Wer sich mehr zutraut, der kann auch die Checkpoints für einen Geldbonus zerstören. Das füllt zwar sehr schön das Konto, dafür muss man beim Ableben von weiter hinten wieder anfangen. Eine Nutzen-Risiko-Rechnung, die mir sehr gefällt. Und vielleicht bringt das genug Geld, um das magische Artefakt des Levels kaufen zu können. Oh ja, selbst dafür muss man bezahlen. In den Leveln sind blaue Kisten versteckt, in denen ein Item lauert. Nur hat ein Händler die Kiste als erster gefunden und überlässt euch das Item ausschließlich gegen Bares. Geld regiert die Welt. Unter den Items finden sich schöne Sachen, wie eine Angel, um Geld aus Abgründen zu fischen, ein Dolch, mit dem man durch die Luft fliegt, und eine Münze, die getötete Gegner in mehr Geld verwandelt.

screen_08Spür meine Schaufel.

Eine große Sorge bei nostalgieinspirierten Spielen: Der Schwierigkeitsgrad. Ja, NES Hard ist ein Begriff, aber warum muss eigentlich jedes Spiel in diesem Stil so bockschwer sein? Die Frage haben sich Entwickler wohl auch gestellt und da einfach nicht mitgemacht. Shovel Knight ist sehr fair. Es fordert ohne zu überfordern. Die ersten Level konnte ich problemlos durchdaddeln, da sie einen sehr gut an das Gameplay gewöhnen. Die Herausforderungen kamen aber dann doch und so manche Stelle brachte die Schweißperlen auf die Stirn. Doch nichts hält ewig lange auf. Das gefällt mir sehr, da es diesen Stil sehr gut auch der jüngeren Generation näher bringen kann ohne zu frusten. Dieses Spiel ist für alle Gamer.

Ich bin verliebt. Shovel Knight verbindet 8-bit-Konventionen mit modernem Gamedesign so wunderbar, ich prophezeie diesem Spiel die Zeitlosigkeit. Es sieht aus wie ein NES-Spiel, es fühlt sich an wie ein NES-Spiel und ich liebe es wie ein NES-Spiel. Die Einflüsse aus bekannten Klassikern sind spürbar, aber es schafft dennoch sein eigenes Ding zu sein. Ich kann mir sehr gut vorstellen, das auf meinem 3DS zu zocken, aber aus irgendeinem Grund ist es bisher nur im amerikanischen eShop erhältlich. Auf dem 3DS und der Wii U kann man die Items bequem per Touchscreen wechseln. Immerhin gibt es eine Steam-Version mit Achievements und Trading Cards, ist doch auch nicht schlecht. Liebe Retro-Fans: Ihr habt das Spiel vermutlich schon. Falls nicht, warum nicht? Und wer schon immer mal wissen wollte, wie ein Retro-Spiel sich anfühlen soll: Bitteschön.

Shovel Knight

(Ranking)
S
RANK
Herausragend. S-Spiele erweitern Horizonte. Sie bieten intensive Erlebnisse oder halten den Spieler noch lange am Bildschirm gefesselt. Selbst wenn man sie nicht jedem empfehlen kann, will man doch mit jedem über sie reden.

Kommentare

Ben
17. Juli 2014 um 15:07 Uhr (#1)
Ich wusste, dass es dir gefallen würde. Hier kommt das Beste aus DuckTales und Mega Man zusammen und so wie ich das sehe, kommt auch der Humor nicht zu kurz.
Gast
22. August 2017 um 01:54 Uhr
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Spiele des Artikels

RELEASE
26. Juni 2014
PLATTFORM
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Mac
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Nintendo 3DS
Plattform
PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
Wii U
Plattform

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