Wolfenstein: The New Order

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 16. Juni 2014

Wolfenstein: The New Order

MEIN LEBEN!

Wolfenstein: The New Order ist der direkte Nachfolger von Indiziert, dem Reboot des Klassikers Indiziert 3D, welches schon mal ein Reboot gesehen hat in Form von Return to Castle Indiziert. Ja, das Spiel ist schon was Besonderes, da es das erste Spiel der Serie ist, welches in Deutschland nicht auf unserer Lieblingsliste gelandet ist. Diesmal haben die Entwickler aufgepasst und kein Hakenkreuz für die deutsche Version vergessen. Denn anstatt einfach nachträglich jedes Hakenkreuz und jede Anspielung auf die Nazis zu entfernen, wurde einfach parallel die deutsche Version entwickelt, in der beides nie vorhanden war. Nun, eigentlich mag ich meine Spiele auf englisch, aber in diesem Falle geht es einfach nicht anders. Deutsche Version muss es sein.

Dies ist eigentlich der Teil des Reviews, bei dem ich anfange etwas ins Detail gehe, was das Spiel angeht. Aber sorry, das muss ich einfach sofort sagen: Wer auch immer für die deutsche Synchro verantwortlich war, hat sich den fettesten Orden der Welt verdient. Jeder Sprecher ist nicht nur passend, die liefern auch noch eine verdammt gute Arbeit ab. Nach den ersten Zeilen Dialog war jeglicher Missmut darüber, dass ich nicht auf Englisch spielen konnte, verflogen. So und nicht anders gehört eine Videospielsynchro gemacht. Das musste ich einfach als erstes los werden. Jetzt zum eigentlichen Test.

2014-06-09_00001Auch Geschütze darf man bemannen.

New Order spielt in einer alternativen Zeitlinie. Einer Zeitlinie, in der die Nazis gewonnen haben. Verzeihung, ich meine natürlich "Das Regime". Ihr seid Captain B.J. Blazkowicz und nehmt gerade an einem letzten, verzweifelten Angriff auf die Festung von General Strasse, genannt Totenschädel, teil. Ihm verdankt das Regime ihren Erfolg. Schon diese erste Mission ist vollgepackt mit Adrenalin. In einem Moment repariert man das Schiff von innen und im nächsten schießt man feindliche Flugzeuge ab, die den bekannten Messerschmidt-Prototypen ähnlich sehen. Kein Wunder, ist ja auch 1946. Mit letzter Kraft landet das Flugzeug auf dem Festland, aber damit hören die Probleme nicht auf. Regime-Roboter patroullieren die Küste und nur ihr seid Mann genug sie zu beseitigen.

Hier fängt der Shooter erst so richtig an. Vom Gameplay her lässt sich The New Order am ehesten als das Beste von heute mit dem Besten von früher bezeichnen. Realismus wird nicht groß geschrieben, stattdessen feuert man bereits aus der Hüfte sehr genau, was sich über Kimme und Korn in tödliche Genauigkeit wandelt. Wer will, kann auch gleich mit zwei Sturmgewehren gleichzeitig losballern. Eine glorreiche Rückkehr feiern hier Medipacks und Panzerungen. Zwar gibt es auch regenerative Gesundheit, aber die ist stark eingeschränkt. Fallschaden kuriert sich nach einer Weile von selbst wieder aus und Kampfverletzungen heilen sich nur auf maximal 20 Lebenspunkte. So hält man zwar mehr Beschuss aus, als in einem Call of Duty, muss danach aber Heilung finden, sonst wird die nächste Konfrontation knifflig. Mir gefällt das sehr.
Hinzu kommt noch ein System, dass sich "Vorteile" nennt. Im Prinzip ein vereinfachter Skillbaum mit vier Ästen. Wenn man bestimmte Aufgaben erfüllt, erhält man einen passenden Bonus. Wer z. B. fünf Feinde heimlich erdolcht, bekommt die Fähigkeit Messer zu werfen. Wer genug Feinde mit dem Sturmgewehr aus der Deckung erledigt, der bekommt mehr Munition ins Magazin usw. Jeder dieser Boni ist nützlich und da man oftmals zwischen Schleichen und Ballern wechselt, hat man genügend Gelegenheiten sich alle zu verdienen. Außerdem bekommt man jedes Mal ein Achievement. Na, wenn das nichts Feines ist.

2014-06-09_00008Wählt weise.

Gegen Ende der ersten Mission geht so einiges schief. Totenschädel nimmt euch und eure Truppe gefangen und zwingt Blazkowicz zu entscheiden, welchen seiner Kameraden er opfert. Die Szene ist nicht nur herrlich düster, sie ist spielentscheidend. Denn wer von euch verschont wird, wird euch den Rest der Geschichte begleiten. Nach der Opferungsszene folgt die Flucht aus der Festung, welche für euch denkbar schlecht endet. Beim Sprung ins Meer bekommt man Schrapnel in den Schädel und treibt daraufhin als Gemüse im Ozean, bis man in Polen aus dem Wasser gefischt wird. B.J. kann sich nicht bewegen, nicht artikulieren und in einer Nervenklinik muss er in diesem Zustand mitansehen, wie das Regime mit der nun eroberten Welt umgeht. 14 Jahre vergehen und trotz Volllähmung verliert man nicht ein Gramm Muskelmasse. Respekt. Und dann ist man genau im richtigen Moment wieder einsatzbereit. Das Spiel ist an den richtigen Stellen halt doch ein wenig dämlich.

Deswegen wird jetzt erst mal die Welt gerettet. In einem Setting, das ich wohl am ehesten als "Nazipunk" bezeichnen lassen kann. Auch hier glänzt Wolfenstein auf ganzer Linie. Dieses alternative 1960 vermittelt gut, wie es in der Welt aussehen würde, hätte der Mann mit dem lustigen Bart den Krieg gewonnen. Die Waffen sehen aus, als wären sie von den Nazis entwickelt, die Gebäude sehen aus, als hätte ein Nazi-Architekt die geschaffen und die Soldaten... äh... sehen aus wie Helghast aus Killzone. Was aber eher daran liegt, dass die Helghast auf der Wehrmacht basieren. Als netten Gag findet man überall Schallplatten mit bekannten englischen Liedern, nur halt auf Deutsch gesungen.
Das Ganze kommt auch nicht ohne einen Touch Sci-Fi aus. Eine der coolsten Waffen stellt das Laserkraftwerk dar. Anfangs nur ein Schweißbrenner, mit dem man Löcher in Zäune schneiden kann, gibt es zig Upgrades zu finden. So wird daraus eine Strahlenkanone der Superlative gegen Ende des Spiels.

2014-06-11_00003Ein ziemlich cooles Easter Egg.

Bitte macht mehr Games von diesem Kaliber. Gutes Gameplay mit rund zehn Stunden Spielzeit trifft hier eine interessante Story voller durchdachter Charaktere. Immer wieder gibt es Momente, wo man in Ruhe die Atmosphäre einatmen kann und sogar die ein oder andere Träne sich selbstständig macht. Ich mochte so ziemlich alles an dem Spiel und es war echt erfrischend ein nicht so ausgelutschtes Setting mit nicht so ausgelutschten Gameplay-Konventionen zu erleben. Fans von Egoshootern, dieses Spiel gehört in eure Sammlung. Und wenn ihr zu der Sorte Gamer gehört, denen in diesem Genre zu viel Call-of-Duty-Einfluss herrscht, dann ist dies der beste Beweis, dass das nicht sein muss. Wärmstens zu empfehlen.

Wolfenstein: The New Order

(Ranking)
S
RANK
Herausragend. S-Spiele erweitern Horizonte. Sie bieten intensive Erlebnisse oder halten den Spieler noch lange am Bildschirm gefesselt. Selbst wenn man sie nicht jedem empfehlen kann, will man doch mit jedem über sie reden.

Kommentare

Ben
17. Juni 2014 um 09:38 Uhr (#1)
Trotz deines Lobes für die deutsche Sprachfassung ist auf jeden Fall erwähnenswert, dass die verschiedenen Landsleute im Original jeweils ihre eigene Sprache sprechen. Die polnischen Charaktere sprechen tatsächlich polnisch und bekommen nur ein paar lose Brocken englisch heraus, wenn sie mit B.J. sprechen. Die Deutschen Figuren reden demgegenüber deutsch, die Amerikaner natürlich englisch. Die Sprachoriginale leisten einen zusätzlichen Beitrag zur Atmosphäre und so ist es schade, dass dieser Teil in der deutschen Version fehlt.
Gast
11. Dezember 2017 um 07:03 Uhr
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20. Mai 2014
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Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.
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