Nidhogg

(Artikel)
Rian Voß, 17. Februar 2014

Nidhogg

Hier fechten die Unsterblichen

Die großartigsten Spiele sind die des Geistes. Ich habe so viel Zeit meines Gamerdaseins in Soul Calibur 2 gesteckt wie in kaum einen anderen Titel. Das lag nicht nur daran, dass Namcos Fighter-Highlight außerordentlich umfangreich und spielerisch erstklassig war, sondern dass ich Tag und Nacht gegen Benjamin spielte. Wir waren stets auf einer Höhe, haben uns stets mit neuen Taktiken bekriegt und im Kampf um das letzte Fitzelchen Energieleiste brach mehr als einmal ein schweißtreibendes Attacken-Blocken-Schach aus. Die Momente, in denen es um knappen Sieg oder knappe Niederlage nach einem langen Match geht, das man in Worten und im Kopf ebenso ausgefochten hat wie auf dem Bildschirm, sind mit die größten im Leben eines Gamers. Und Nidhogg schaltet sie in Serie.

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Ich hatte mich in Nidhogg verliebt, als ich vor vielen Jahren den ersten Trailer sah: Intensives Fechten, intensiver Soundtrack und das Versprechen, dass jedes Duell ein Psychospielchen wird.
Aber was macht Nidhogg so besonders? In diesem 2D-Kampfspiel mit Rapieren ist ein einziger Treffer tödlich. Ein Stich per Ausfallschritt ins Gesicht, die Brust oder die Beine? Tot. Unachtsam in den offenen Degen laufen? Tot! Die Mittel, die den Spielern zur Verfügung stehen, sind so simpel wie das Leben selbst, doch keine Begegnung ist wie die andere. Spieler können Gegner entwaffnen, indem sie ihnen von oben oder unten gegen das Schwert schlagen, können sich an wilden Tauchkicks versuchen, Abgründe zu ihrem Vorteil nutzen oder dem Feind zwischen den Beinen durchrollen und ihn mit einem Feger zu Fall bringen. Verzweifelte können sogar für einen Überraschungseffekt ihre Klinge werfen, stehen danach aber mit heruntergelassenen Hosen da.

Oder man flieht. Nidhogg hat nämlich einen Twist: Das Spiel ist nicht vorbei, wenn der Gegner stirbt. Man hat sich nur ein wenig Zeit gekauft, um einem erscheinenden Pfeil nachzusprinten, bevor der unermüdliche Feind vor einem respawnt und das nächste Duell beginnt. Oder eben nicht, denn wer sich gekonnt an seinem Gegner vorbeischummelt, kann auch ohne Blutvergießen zur Ziellinie kommen. Aber wenn man nur einen Fehler macht, dreht sich der Spieß um: Der Pfeil zeigt dann in die andere Richtung, die Rollen von Angreifer und Verteidiger werden vertauscht.

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Diese Form des Spiels ist einem Tauziehen gar nicht unähnlich: Es geht hin und her, vor und zurück, über viele Bildschirme der vier Maps hinweg. Jede hat ihre eigenen Tücken und Kniffe, auf die man sich einstellen muss - so sind die letzten Meter der Schlosskarte gespickt mit bodenlosen Schluchten, während man in den Minen auf Laufbändern und in niedrigen Schächten fechtet. Und wie beim Tauziehen kann der Wettbewerb mit einem Ruck vorbei sein oder sich über eine Viertelstunde ausdehnen, in denen mal die eine Seite, mal die andere die Oberhand hat. Diese Matches sind es, die die Spieler in die meditative Zone verfrachten und sie die Zähne zusammenbeißen lassen, bis das Blut aus den Augenhöhlen tritt.

Zahlreiche Tode auf einer Karte können das Spielfeld verändern: Jede Leiche lässt ein Schwert zurück, das als potenzielle Wurfwaffe dient.
So spannend Nidhogg auch ist, so hat es doch seine kleinen Fehler. Zum Testzeitpunkt war etwa die Onlinefunktion noch nicht wirklich ausgereift und sehr laggy. Bei einem Spiel, das stark durch kleinste Schrittfehler entschieden wird, ist Lag ein starker Fauxpas, der Matches jenseits von freundschaftlichen Lachnummern unmöglich macht. Diese Lachnummern sind immer noch gut, aber nicht das Optimum. Auch der Singleplayer-Modus ist als Serie von CPU-Gegnern, die es zu besiegen gilt, eher ein Trainingsmodus.

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Wo das Spiel allerdings aufblüht, ist mit allen Spielern nebeneinander auf der Couch - und am besten mit Publikum. Dafür gibt es dann auch einen schönen Turniermodus, in dem der beste aller Fechter nach KO-Regeln bestimmt wird. Kämpfe werden zwar immer Mano-a-mano ausgetragen, aber ein fesselnder 180-Grad-Turnaround weiß auch alle Zuschauer zu begeistern. Zusätzlich sorgen einige optionale Modifikatoren, wie der langsame Slow-Mode oder bunt glimmende Kämpfer-Nachbilder, für ein bisschen nett gemeinte Abwechslung . Aber ganz ehrlich: Das Spiel ist auch ohne die Dreingabe packend genug.

Nidhogg hat drei Dinge: einen neuen Dreh für das Fighter-Genre, eine exakte Steuerung und eine Menge Stil. Der Online-Modus ist der letzte kleine Schandfleck, der noch mit Patches bereinigt werden muss - ansonsten haben wir hier ein extrem tiefgreifendes Kampfspiel, das mit nur vier Richtungstasten und zwei Knöpfen auskommt. Man könnte es quasi auf den NES porten! Ich freue mich jedenfalls tierisch, dass das Spiel nach all den Jahren keine Enttäuschung ist. Ganz im Gegenteil: Es ist genau so grandios, wie ich gehofft hatte. Rian

Nidhogg

(Ranking)
S
RANK
Herausragend. S-Spiele erweitern Horizonte. Sie bieten intensive Erlebnisse oder halten den Spieler noch lange am Bildschirm gefesselt. Selbst wenn man sie nicht jedem empfehlen kann, will man doch mit jedem über sie reden.

Kommentare

blackmaniac
17. Februar 2014 um 21:41 Uhr (#1)
Skippy Mode
Rian
17. Februar 2014 um 22:16 Uhr (#2)
Skippy Mode war ein bisschen...
Ben
18. Februar 2014 um 14:57 Uhr (#3)
Ich mag wie simpel das Spiel ist ohne dabei einfach oder flach zu sein. Jeder Kampf treibt Schweißperlen auf die Stirn. Ich hätte mich allerdings über eine größere Levelauswahl sehr gefreut!
Ralleeee
Gast
20. Februar 2014 um 19:29 Uhr (#4)
ZACK! - Schwert ins Gesicht!
Gast
21. September 2017 um 08:53 Uhr
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13. Januar 2014
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PC
Plattform - PC-Spiele haben mit die älteste Tradition. Heutzutage laufen die meisten Games unter dem Microsoft Windows.

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