Drei schlechte Videospielverfilmungen

(Artikel)
Torsten Ingendoh, 20. April 2017

Drei schlechte Videospielverfilmungen

Trotzdem sehenswert

Videospielfilme sind oftmals schlecht, besonders wenn der wermelskirchener Uwe Boll einen solchen Film ausfurzt. Doch abseits von Boll haben sich auch andere an der Umsetzung unseres geliebten, interaktiven Mediums auf die Leinwand versucht... und sind ebenfalls auf die Schnauze gefallen. Das Resultat ist dennoch sehenswert. Hier stelle ich euch mal drei dieser Spezis vor.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 11.8.2013 veröffentlicht.

Super Mario Bros.

SMBmovie

Worum geht es im Film?

In der Urzeit wurden die Dinos durch einen Meteoriten ausgelöscht. Oder etwa doch nicht? Was, wenn der Felsen aus dem All die großen Echsen einfach nur in eine Parallelwelt geschickt hat? Und was, wenn die jetzt wieder zurück wollen? Who you gonna call? Die Mario-Brüder. Klingt absolut dämlich und ist es auch.

Im New York der 90er werden immer mehr junge Frauen vermisst. König Koopa (Dennis Hopper) sucht nämlich nach Prinzessin Daisy (Samantha Mathis). Zu seinem Pech lernt Daisy aber die Brüder Mario Mario (Bob Hoskins) und Luigi Mario (John Leguizamo) kennen - ja, die heißen im Film wirklich Mario mit Nachnamen -, welche die Reise in die Dimension der Koopas auf sich nehmen, um die junge Dame vor dem bösen Reptil zu retten.

Warum ist der Film so schlecht?

Zunächst mal ist der Film so dreist und präsentiert uns das Intro, welches den Quatsch mit dem Meteoriten erklärt, in einer Animation, die jedes DOS-Spiel ausgelacht hätte. Dann wäre da noch, dass sich die Dinos in ihrer Parallelwelt zu derselben Sorte Humanoide weiterentwickelt haben wie wir. Ja, ne, is klar, glaub ich sofort. Dass sich der Film einige Freiheiten mit der Vorlage erlauben musste, kann ich verstehen, aber meine Güte, wie zum Henker sind die denn auf den Unsinn gekommen?

Da hilft es auch nicht, dass die erste Hälfte des Films quälend langweilig ist. Die Mario-Brüder kriegen einen Klempnerauftrag, werden aber vom Konkurrenten geschlagen, der vor ihnen ankommt. Scheinbar ist es in New York üblich mehrere Klempner zu rufen und den Auftrag an denjenigen zu verteilen, der als erstes auftritt. Iggy Koopa und Spike Koopa versuchen derweil Daisy zu finden und stellen sich dabei an wie die drei Stooges auf Landgang. Und als Daisy auf die Mario-Brüder trifft, verknallt sich Luigi sofort in sie... äh, Moment mal.

Luigi ist ein gutes Stichwort, denn egal, wie man es dreht und wendet, Luigi ist der Held des Films. Mario bekommt zwar einen "Endkampf" mit King Koopa, aber Luigi ist bei weitem der Aktivere von beiden und bringt mehr ins Rollen. Und ja, Daisy verknallt sich am Ende auch in Luigi. Und warum zum Henker trägt Luigi öfter rote Klamotten als Mario? Wenn das die Power Rangers sehen würden.

Warum sollte man den Film dennoch sehen?

Ganz ehrlich: Die zweite Hälfte des Films ist gar nicht mal so schlecht. Der Film wird richtig tempogeladen, die Sets sind kreativ, es gibt gute Action und die Dialoge werden um einiges besser. Die Welt der Koopas ist düster, gefährlich, aber vor allem anders. Und dieses Gefühl von "wo zum Henker sind wir?" bringt der Film halbwegs anständig rüber. Dieser Teil war öfters wegen den richtigen Gründen unterhaltsam... wenn man nicht zu viel drüber nachdenkt.

Die erste Hälfte wirkt dabei wie ein völlig anderer Film: Klischeebeladen, schlechte Dialoge und immer wieder diese "Ist nicht euer ernst, oder?"-Momente. Beim ersten Mal kam ich aus dem Lachen nicht mehr raus, weil ständig irgendwas Bescheuertes passierte. Der Film bleibt aber im Großen und Ganzen seinem Ruf als ganz großer Käse treu, mit Plotlöchern und Logikfehlern am laufenden Band. Warum haben sich die Dinos in Menschen weiterentwickelt? Wie kann noch irgendwer in der Welt der Dinos überleben, wenn nur noch eine Stadt bewohnbar ist? Wie zum Henker will Koopa eigentlich einen Krieg gegen die Menschheit gewinnen, wenn ihm nur eine Handvoll dämlicher Soldaten zur Verfügung stehen? Warum sind Iggy und Spike auf einmal auf der Seite von Mario und Luigi? Und so weiter und so fort.

Wer sich an solch unfreiwilliger Komik ergötzt und als Bonus noch einen gegen Ende halbwegs unterhaltsamen Film genießen möchte, der macht mit Super Mario Bros. eigentlich nichts falsch. Wer einfach nur wissen will, warum kein Nintendo-Franchise mehr verfilmt wird, der sollte diesen Film auch sehen. Dieses Machwerk ist einmaliges Betrachten durchaus wert.

Street Fighter

SFmovie

Worum geht es im Film?

M. Bison (Raul Julia) will die Weltherrschaft an sich reißen (of course!). Aber damit ist Guile (Jean-Claude Van Damme) nicht einverstanden. Ähm... den Rest hab ich vergessen, irgendwas mit Prügeln, Geiseln, Action-Klischees und Bison-Dollar. Oder so ähnlich.

Warum ist der Film so schlecht?

Die Muscles from Brussles als Mr. America? Hallo? Australisches Popsternchen als Ms. Perfect British Ass? Und Sumo Legende E. Honda ist auf einmal Hawaiianer? Also sowohl der Schauspieler als auch die Figur im Film? Damit fängt es doch schon an. Wer zum Henker kam denn auf diese Besetzung? Einzig mit Raul Julia als M. Bison wurde eine halbwegs gute Wahl getroffen, aber dazu später mehr.

Die Story ist so was von unerheblich, dass ich nach Ende des Films schon wieder vergessen hatte, was zwischen Anfang und Ende eigentlich genau passiert ist. Das liegt nicht zuletzt daran, dass man hier versucht hat, möglichst viele Street-Fighter-Charaktere im Film unterzubringen. Und da die nicht alle zu Guiles Einheit gehören, wird erst mal fröhlich von einer Ecke der Welt zur anderen gewechselt, damit wir auch ja eine Einführung für die wichtigsten haben. Dem Film mangelt es schlicht und ergreifend an Fokus. Und an einem guten Skript.

Wie passt zum Beispiel Blanka in diesen Film? Er ist Guiles Kamerad Charlie und wird von einem Wissenschaftler mit Zeugs vollgepumpt, bis seine Haut grün und seine Haare orange werden. Ja, liebe Street-Fighter-Fans, DER Charlie soll das sein. Ach ja, und der Wissenschaftler ist Dhalsim. Ich hab keine Ahnung, ist einfach so.

Die Klischeekiste wird natürlich auch ordentlich geplündert. Da wäre zum einen die Szene, in der Guile angeblich erschossen wird, aber, o Wunder, das war nur eine Täuschung, damit er... äh... keine Ahnung. Irgendwann erscheint irgend so ein Regierungsfunktionär, der kurz, bevor es zum Showdown gegen Bison geht, die ganze Sache abblasen will, Guile aber mit einer "inspirierenden" Rede alle Soldaten davon überzeugen kann, gegen einen direkten Befehl zu verstoßen. Apropos Showdown, die Kampfchoreographien sind ziemlich grenzwertig.

Warum sollte man den Film dennoch sehen?

Raul Julia. Ein Schauspieler, der eigentlich viel zu gut für diesen Film ist. Meine Fresse, geht der Kerl ab. Kann mir keiner erzählen, dass er nicht den Spaß seines Lebens dabei hatte, denn M. Bison ist mehr als übertrieben. Und ich liebe ihn dafür. In jeder Szene mit Bison übertreibt Julia mit allem, was er tut, und als Zuschauer kommt man aus dem Lachen nicht mehr raus. Im Englischen gibt es die schöne Phrase "to chew the scenery", zu deutsch: "an der Kulisse kauen". Damit ist die Art von Schauspielerei gemeint, bei der jemand es so sehr übertreibt, dass man das Gefühl hat, er würde gleich das Set vernaschen. Bei Raul Julia trifft diese Phrase auf den Punkt.

Abseits von Raul Julia gibt es aber genug anderen Unfug, über den man sich lustig machen kann, vor allem im englischen Original. Jean-Claude Van Damme klingt volle Möhre wie ein Belgier. Und der soll einen ur-amerikanischen Soldaten verkörpern? Ich meine, für den Laien klingt australischer Akzent vielleicht wie britischer Akzent, weswegen man Kylie Minogue als Cammy noch ernst nehmen kann, aber dann fällt einem ein, dass Cammy fast zwei Meter groß ist und Kylie Minogue gerade so über die Ein-Meter-Grenze kommt. Und leider ist sie nicht ein einziges Mal in Cammys klassischem Leotard zu sehen. Schade, hätte Geili-Kylie sicher gut gestanden.

Street Fighter erfüllt schlicht und ergreifend alle Kriterien, um einen unfreiwillig komischen und furchtbar amüsanten, schlechten Film abzugeben. Fans des "So schlecht, dass sie wieder gut sind"-Genre machen mit diesem Film nichts falsch. Und ich bin mir sicher, dass irgendwer auch ein Trinkspiel zu dem Film erfunden hat.

Double Dragon

Double-Dragon-Movie

Worum geht es in dem Film?

Da bin ich mir immer noch nicht so ganz sicher. Also im Grunde will ein Bösewicht, der nix mit den Spielen zu tun hat, das post-apokalyptische Los Angeles im Jahr 2007 übernehmen. Und dabei sprengt er die Freundin (Schwester? Bekannte?) von Billy und Jimmy Lee in die Luft. Also wird Rache geschworen und durchgeführt.

Warum ist der Film so schlecht?

Oh mein Gott, was zum Henker soll denn der Scheiß, bitteschön, darstellen? Ihr dachtet, Super Mario Bros. hätte sich weit vom Original entfernt? Double Dragon hat mal so überhaupt nix mit den Videospielen zu tun. Ich mein, wie fängt Double Dragon an? Freundin wird in den Bauch geboxt und entführt. Was macht der Film? Mad Max für Arme und Hirnamputierte. In einer der ersten Szenen werden Billy und Jimmy von Bo Abobo in einem Auto verfolgt. Billy wirft eine Karte aus dem Fenster und die landet direkt auf der Windschutzscheibe der Verfolger. Aber das Entfernen der Karte wäre zu leicht. Stattdessen aktiviert Bo einen Radarschirm und orientiert sich daran.

Nichts, aber auch gar nichts in diesem Film ergibt irgendeinen Sinn. Die Reise von Billy und Jimmy von deren Bude, ein verlassenes Theater, bis hin zum Hauptquartier des Bösewichtes ist eine Aneinanderreihung von zusammenhanglosem Gelaber und Geprügel. Krönung ist eine Szene, etwa in der Mitte des Filmes, in der Billy und Jimmy von einer Bande bunter Figuren verfolgt wird. Hier ist alles dabei: Indianer, Cowboys, ein Typ in Lederhosen und in einem Anflug von Idiotie stürzt sich noch ein Postbote MIT POST von einem Dach, ruft "Luftpost" und klatscht neben den Helden auf dem Boden auf. HÄ?

Oh, und es gibt auch noch ein magisches Medaillon, das Medaillon des "Double Dragon". Eine Hälfte haben die Lee-Brüder, die andere der Bösewicht und am Ende werden beide Hälften vereint, was zu einem Kostümwechsel führt und der Film wird gewonnen. Soll vorkommen.

Warum sollte man den Film dennoch sehen?

Ihr dachtet, Street Fighter wäre so schlecht, dass man nur noch lachen kann? Double Dragon ist sowohl ein Angriff auf den gesunden Menschenverstand als auch auf die Lachmuskeln. Ich habe selten einen Film gesehen, der auf so vielen Ebenen einfach nur Grütze ist. Die Story ergibt keinen Sinn, die Kampfszenen ergeben keinen Sinn, der Bösewicht ergibt keinen Sinn und was zum Geier hat das Ganze mit Double Dragon zu tun? Zurecht gehört dieser Film in jede Trashsammlung. Ernsthaft, den Scheiß muss man gesehen haben, um es zu glauben.

Werden Videospielverfilmungen irgendwann das Niveau der Comicbuch-Verfilmungen erreichen? Vielleicht, Tomb Raider ging zumindest in die richtige Richtung. Doch bis dahin müssen wir uns mit einem Haufen Schrott begnügen. Manchmal kommt dabei ziemlich unterhaltsamer Schrott heraus, wie bei diesen drei Filmen. Manchmal wird daraus aber auch so etwas wie "The Legend of Chun-Li". Ich hoffe, dass euch dieser kleine cineastische Ausflug gefallen hat und wünsche euch viel Spaß beim Auftreiben und Angucken dieser Streifen.

Kommentare

Rian
11. August 2013 um 21:25 Uhr (#1)
OF COURSE!
blackmaniac
11. August 2013 um 23:26 Uhr (#2)
But for me it was tuesday
Rian
12. August 2013 um 16:30 Uhr (#3)
Ich habe das Gefühl, das Internet hat mir schon die schönsten Stellen von SF vorweggenommen. xD
Jozu
12. August 2013 um 23:50 Uhr (#4)
Als ich 8 war, fand ich den Double Dragon Film richtig cool!
blackmaniac
13. August 2013 um 13:58 Uhr (#5)
Der Film ist ansich ja auch cool. Er ist nur strumpelblöde
Gast
24. Juni 2017 um 00:32 Uhr
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