Ehrgeiz vor Arbeit

(Artikel)
Kristin Riedelsberger, 26. März 2017

Ehrgeiz vor Arbeit

Prokrastinieren mit Mario Kart

Hach ja, Internet und Videospiele. Sie versüßen uns das Leben ungemein – vor allem dann, wenn wir eigentlich viel Wichtigeres zu tun haben. Bei mir zum Beispiel türmen sich wahre Berge von Aufsätzen auf dem Schreibtisch, die gelesen werden wollen, das offene Word-Dokument mit dem klangvollen Titel "Schreib endlich an deiner Kack-Masterarbeit!!!!11!1" schlummert gemütlich in der Taskleiste vor sich hin und die Füße stecken mittlerweile splitterfasernackt zwischen den Heizungsrillen, weil ich seit sechs Wochen nicht die Motivation aufbringen konnte, mal wieder Wäsche zu waschen.

Dieser Beitrag wurde erstmals am 26.1.2013 veröffentlicht.

Zwischenzeitlich dachte ich, es würde vielleicht helfen, wenn ich meinen Arbeitsort in die Uni verlege. Aber spätestens, seitdem es auch in der Unibibliothek freien Internetzugang gibt, lohnt sich das nur noch so halb. Am Ende ist nämlich doch immer interessanter, bei den umsitzenden Studierenden bildschirmzugucken oder das eigene Satusupdate bei Facebook auf dem neuesten Stand zu halten ("OMG, lol, ich glaube alle an dieser Uni studieren Facebook! O.o" - 24.189 gefällt das.).

Mittlerweile ist es aber auch schon schwierig, überhaupt von der Mensa zur Bibliothek zu gelangen – vor allem ohne Socken und bei den momentanen Temperaturen! Aber da muss man vorher hin! Denn mit leerem Magen studiert es sich schlecht. Ohne Mittagessen. Und ohne Kaffee. Und ohne Waffel. Und Eis. Und überhaupt lohnt es sich nach dem ausschweifenden Mensaessen-Festgelage eigentlich nicht mehr, noch in die Bibliothek zu gehen. Wird ja schon wieder dunkel...

Und dann, als wär die Versuchung damit nicht groß genug, esse ich auch noch mit Rian Mittag. Und Rian ist Hiwi im Pausenraum vom Rechenzentrum der Uni. Ich glaube man hat ihn dort eingesetzt, um die anderen Hilfskräfte wieder zurück an die Arbeit zu scheuchen, sollten sie einmal länger als zehn Minuten Pause machen. Da es aber ohnehin selten andere Hiwis in den Keller verschlägt (natürlich ist der Pausenraum der Rechenzentrer ein Keller! Was sonst?), hat er die meiste Zeit über frei und mopst sich fürchterlich. Deshalb steht im Rechenzentrumspausenraum – und das beweist nun wirklich, dass ich nichts für meine voranschreitende Prokrastination kann - ein Gamecube mit Mario Kart: Double Dash.

Dieses Spiel hat mich schon unzählige Stunden meiner Lebenszeit gekostet. Jozu war es, der mich einst in die hohen Künste des Driftens, der gezielten Gegnerauslöschung mit roten, grünen und blauen Schildkröten und die Streckenabkürzungen einführte. Er war gut, ich war schlecht, aber ich wurde besser und besser und irgendwann, ja, irgendwann konnte ich ihn sogar schlagen! Mein Hunger nach Wettbewerb, mein Ehrgeiz war damit lange Zeit gestillt und ich konnte mich wieder dem Ernst des Lebens widmen.

Und nun, nach Jahren der Abstinenz und gerade jetzt, wo ich doch ein bisschen Disziplin bitter nötig habe, lockt mich Rian mit einer perfide gelegten Thunfisch-Brekki-Spur in den Keller und vor den Gamecube – nur weil seine Arbeitskollegen aufgrund seiner außerordentlichen Skills schon lange nicht mehr mit ihm spielen wollen! Und BÄM. Da war es wieder. Dieses... Gefühl.

Aber neeein, anstatt uns gleich ordentlich zu battlen, wie es sich gehört, mussten wir natürlich erst einmal gemeinsam den Special- und den All-Cup freispielen. So eklig mit: "Ich bin gerade Erster, bitte wirf jetzt keine blaue Schildkröte!" oder "Bitte lege deine rote Kiste nicht direkt neben die Item-Kisten, sonst fahr ich da noch rein, ich bin direkt hinter dir!" Weil ich ein braves Mädchen bin, habe ich sein Flehen natürlich (fast) immer erhört. Aber manchmal. Manchmal bewegte sich das Steuerkreuz irgendwie von ganz allein in seine Richtung...

Aber Montag, Rian, Montag wird es geschehen! Jetzt haben wir alle Goldtrophäen erspielt, selbst den All-Cup auf Spiegel haben wir gemeinsam gemeistert! Nun können wir endlich wieder gnadenlos Daumen und Krallen ausfahren und uns bekämpfen wie zwei echte Rivalen! Wenn ich auch beim D-Pad nur das kleine, geknechtete Schoßkätzchen bin – bei Mario Kart werd ich's Dir zeigen!

Und wenn Du dann nach dem Star-Cup weinend in der Ecke sitzt, weil ich Dich vier Mal hintereinander in Grund und Boden geschildkrötet habe, dann kann ich mich auch endlich wieder dem Lernen widmen.

Vielleicht.

Quis.

Kommentare

Sandra
Gast
26. Januar 2013 um 19:11 Uhr (#1)
Genialer Artikel :'D
Mario Kart ist schlimm... es zuckt eigentlich immer in den Fingern, wenn das Spiel in der Nähe ist.
Kristin
29. Januar 2013 um 22:52 Uhr (#2)
Vielen Dank für das Lob! :3
Ich habe meine Drohung wahr gemacht und holte heute den Punktsieg! Nächstes Mal gibt's dann ein PERFECT!
Rian
29. Januar 2013 um 22:53 Uhr (#3)
Pfff, jaja, Sie nach Anzahl der Silbermedaillen, DAS KANN JA JEDER.
Gast
24. November 2017 um 01:06 Uhr
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