Euro Truck Simulator 2

(Artikel)
Haris Odobašić, 05. Dezember 2012

Euro Truck Simulator 2

Du und die Autobahn -- für immer

Es ist der Traum von tausenden heranwachsender Jungs: Truck fahren. Quasi einer der männlichen Ur-Instinkte, sich an das Steuer eines Mehrtönners zu setzen und über die Autobahn zu brausen. Kein Wunder also, dass es eine richtige Nische für dieses Genre gibt, die sich schon seit vielen Jahren einer gewissen Beliebtheit erfreut. Ein Spiel, worauf Genrefans dabei besonders gespannt gewartet haben, ist Euro Truck Simulator 2 von SCS Software, die sich schon mit Titeln wie 18 Wheels of Steel einen Namen gemacht haben.

Also, Spiel gestartet und nach kurzer Konfiguration direkt ans Steuer gesetzt. Ein Tutorial hilft euch, damit ihr euch einfindet, und dann dürft ihr die ersten Aufträge erfüllen. Dabei ist das Handling der LKW-Boliden ziemlich anspruchsvoll. Aus ähnlichen Spielen bin ich das immer etwas arcadiger gewohnt, aber die Entwickler von SCS Software haben sich nicht nur bemüht, oberflächlichen Realismus durch Lizenzen und Ähnliches zu wahren, sondern diese Eigenschaft auch auf das Fahrgefühl zu übertragen. Alleine das rückwärtige Anfahren an eine Verladerampe mit Anhänger lässt so manchen Boss in Dark Souls ziemlich einfach wirken. Zum Glück kann man diesen Vorgang auch überspringen, aber nur wer ein Meister im manuellen Parken ist, kriegt einen Erfahrungspunkte-Bonus.

Erfahrungspunkte? In einem Trucker-Spiel? Mag verwunderlich wirken, aber es ist eben 2012. ALLES ist mittlerweile ein RPG. Hier haben die EP den Nutzen, dass sie euch nach und nach neue Laster freischalten, was, meiner Meinung nach, der Atmosphäre einen leichten Abbruch tut. Das verleiht dem Spiel nämlich an manchen Stellen einen Grind-Charakter, was absolut nicht passt. Auch ein Beweis dafür, dass RPG-Elemente, nur um RPG-Elemente drin zu haben, auch mal nach hinten losgehen können.

Doch was ist das große Ziel? Kurzfristig gesehen wollt ihr eure eigene Spedition aufmachen. Denn am Anfang seid ihr nur angestellt und behaltet nicht alle Profite von den Touren für euch, sondern drückt was ab. Wenn ihr aber genug spart, könnt ihr euch euren ersten eigenen Truck kaufen, andere Fahrer anstellen und ein kleines Imperium aufbauen. Langfristig gesehen gibt es danach nicht mehr viel zu tun. Quasi immer von A nach B ad infinitum. Hier könnte man auch die größte Kritik am Spiel ansetzen, denn während die ersten paar Spielstunden sehr angenehm sind, ist der Management-Teil nicht sehr anspruchsvoll und mangels Abwechslung setzt Langweile ein. Für etwaige DLCs oder Nachfolger wäre es sehr wichtig, dass SCS Software hier ansetzt und zum Beispiel per Multiplayermodus oder etwas mehr Spielaufgaben-Pep für weniger Eintönigkeit sorgt. Trucker-MMO, make it happen!

Auf absoluter Sparflamme fährt der Sound. Denn zwar gibt es Motorensounds, passende Ambientgeräusche und ähnliche Kleinigkeiten, aber auf einen Soundtrack wurde komplett verzichtet. Dafür wurde es aber kinderleicht gemacht, eigene MP3s oder sogar ein Internetradio einzubinden. Für die optimale Trucker-Atmosphäre empfehle ich die Einbindung eines Onlineradios, welches seichten Hard Rock der 70er oder 80er à la Steppenwolf im Angebot hat.

Einen positiveren Eindruck hingegen hinterlässt die Grafik, der es zwar manchmal an Details mangelt, insbesondere bei normalen Fahrzeugen oder der Umgebung, die aber dafür die lizensierten Trucks echt ordentlich rüberbringt. Schade ist nur, dass ausgerechnet die Städte manchmal etwas hingeklatscht wirken. Man ist zwar bemüht, das ein oder andere Stadtwahrzeichen einzubinden, aber im Großen und Ganzen sind die Städte winzig und bestehen quasi nur aus Truckhändler sowie Auftraggeberdepot.

Euro Truck Simulator 2 hat leicht therapeutische Qualitäten. Dutzendfach bei Dark Souls gestorben, unter Dauerdruck bei Halo 4 im Multiplayer gewütet; da kommt das Autobahngebummele als Entsppannung gerade Recht. Lässt man sich von der Simulation des Brummifahrer-Lebens in ihren Bann ziehen, können schnell mehr Stunden vergehen, als man so einem Spiel überhaupt zutrauen würde. Allerdings ist der Spielablauf, was quasi unumgehbar ist, mit der Zeit sehr monoton, auch wenn später ein paar Management-Anteile dazu kommen. Ein Multiplayermodus, bei dem man mit anderen Speditionen konkurrieren kann, hätte hier Wunder für die Langzeitmotivation gewirkt. Doch wer ähnliche Spiele gespielt hat und daran Gefallen fand oder sich vorstellen kann, dem Spielprinzip was abgewinnen zu können, sollte auf jeden Fall mal einen Blick wagen, denn handwerklich ist der ETS 2 einwandfrei und zählt zum Besten in dem Bereich. Evil

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24. November 2017 um 00:49 Uhr
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