Hellgate: London

(Artikel)
Benjamin Strobel, 31. Juli 2008

Hellgate: London

Wie wenig Menschen wissen...

Willkommen im London der Zukunft! Schutt und Asche zeichnen das Land. Das Tor zur Hölle hat sich aufgetan und Dämonen krebsen über die Trümmer der Erde, deren Bewohner sie auszurotten drohen. Die Zombies schlürfen den rechtmäßigen Einwohnern den guten Starbucks-Kaffee weg! Und die Themse ist in der Feuersbrunst der Hölle längst vertrocknet. Die letzten Überlebenden sind mächtig angepisst und marschieren zum letzten Angriff.

Entwickler Flagship beteiligte sich mit Hellgate sogar an einer Playboy-Kampagne, Erotik in Computerspielen.
Hellgate: London versteht es ausgezeichnet, Fantasy- und Magie-Elemente in das Science Fiction-Ambiente einzuflechten. Das Action-RPG mit MMO-Avancen setzt den Spieler in ein postapokalyptisches Szenario und gibt ihm die Möglichkeit sich einer von drei Parteien in sechs verschiedenen Charakterklassen anzuschließen.

Dann geht es auf in den Kampf! Fast - denn vor Spielbeginn gibt es noch eine epische Intro-Sequenz. Diese begonnene Gechichte wird auch fortan nach Beendigung jedes Spielabschnitts weitererzählt. Bis zum großen Showdown, bei dem die Über-Uber-Dämonen dann zurück in die Hölle gekloppt werden (vorausgesetzt man hat hoch genug gelevelt).

Hack- und Schlachtgeschichten. Das Spielprinzip orientiert sich dabei stark an dem All-Time-Klassiker Diablo: Quests annehmen, Monster metzeln, aufleveln, Skillpunkte vergeben und neue Techniken lernen, immer besseres Equpiment finden, aufleveln, Questen, Skillpunkte setzen, Equip finden... It's a neverending story. Doch im Gegensatz zu Diablo wurde bei Hellgate von Anfang an besonders großen Wert auf Multiplayer und Community gelegt. Der Online-Modus ist nämlich sehr von MMORPGs inspiriert. So kann man nicht nur Parties bilden und gemeinsam in die Schlacht ziehen, sondern auch gegen andere Spieler kämpfen, Handel treiben und Gilden gründen. Die Treffpunkte dafür sind unterschiedliche U-Bahnstationen im Spiel, die allesamt realen Vorbildern entlehnt sind. Rein namentlich zumindest. Von dort aus kann man sich mit anderen Spielern zusammenraufen und für das eigentliche Spiel verschiedene Instanzen betreten (Guild Wars lässt grüßen).
Oder man macht es so wie Jozu und ich: PCs in einen Raum stellen und LAN-Atmo bis zum Kotzen simulieren. Der Kerl hat allen Ernstes eine Woche bei mir gewohnt und wir haben eigentlich nichts Anderes getan als Fertignudeln zu essen und Charaktere zu leveln. Als Rian einmal zu Besuch kam dann zu Jozu:

"Nanu? Du bist schon wieder hier?"
"..."
"...Du bist IMMER NOCH hier?!"

Und diese Herren wollen gemetzelt werden: Untote Zombies.
Im Gegensatz zum Vorbild Diablo werden Gegenstände und Geld für jeden Spieler separat gedropped. So gibt es keine unheiligen Keilereien um die Items mehr und jeder ist allein auf sein eigenes Glück gestellt, um guten Drop zu erhalten (nicht so wie Jozu, der sich bei D2 mit seiner Zauberin immer in einen sterbenden Boss teleportiert hat, um dann wild rumzuklicken und alle guten Items abzugreifen). Wie auch bei anderen Spielen dieses Schlages wird hinterlassenes Equpiment in verschiedene Stufen nach Seltenheit untergliedert, erkennbar an der Schriftfarbe. So gibt es neben lahmen Weißschrift-Gegenständen auch grüne (verbessert), blaue (selten), orangene (legendär) und goldene (einzigartig). Auch besonders starke Feinde mit dementsprechend besserem Drop werden in diesen Farben gekennzeichnet. Dialoge beim Online-Spiel sehen etwa so aus:

"Da, da! Da läuft ein Legendäres! Schnell hin da!"
Zombie wird unter Ignoranz aller anderen Feinde übelst geraped.
"JA. JAAAA! Meiner hatte gelben Auswurf!"

Barney: "Don't stop playing Hellgate until you're Level 30."
Man kennt das ja von WoW und Co. Und auch hier gibt es dicke Endbosse! Nett ist dabei vor allem, dass diese immer eine ganz bestimmte Taktik erfordern, um besiegt zu werden. Und hat man sie dann ordentlich verhauen, wird man mit reichlich Drop belohnt und anschließend mit einer weiteren Story-Sequenz. Dieses Vorgehen wird in fünf Akte untergliedert, die man an einem Tag, ohne Schlaf, ganz gut schaffen kann. Dann sollte man in der Regel etwa Level 30 erreicht haben. Ab dieser Stunde geht das Spiel dann erst richtig los, da man endlich die wirklich mächtigen Skills lernen kann.
Zur Belohnung des Durchzockens kann man die zweite Runde dann in einem höheren Schwierigkeitsgrad durchspielen. Oder aber man erstellt einen neuen Charakter mit dem Zusatz "Elite". Auch dann gibt es stärkere Feinde, vor allem aber deutlich mehr seltene Items, was den Reiz zum erneuten Durchspielen nochmal richtig anhebt.

Die Charakterklassen sind alle wohlig unterschiedlich. Zur Gruppe der Cabalisten gehören der Magier und der Beschwörer. Diese Partei ist jene aus den Verzweifelten und Verrückten. Sie sind mit dem Gebrauch von Waffen kaum vertraut. So haben sie im Kampf gegen die Dämonen einfach begonnen die uralten Fähigkeiten der Magie wiederzuerlenen und machen sich diese nun zunutze. Die Idee ist vollkommen irre - hat aber geklappt, womit die Cabalisten wirklich mächtige Kämpfer sind, die sich nicht mal sehr die Finger schmutzig machen bei all den Magie-Angriffen.

Die zweite große Partei sind die Jäger. Ein Zusammenschluss von Ex-Soldaten mit modernstem militärischen Equipment und den neuesten High-Tech-Waffen. Das sind die Fernkämpfer von Hellgate! Die Scharfschützen bauen voll und ganz auf Tactical Combat mit Scharfschützengewehren und Haftgranaten, während die Ingeneure sich damit behelfen, Dronen und Kampfbots zu bauen, die anstelle ihrer auf die Untoten losgehen. Hier sind die Ego-Shooter-Elemente des Spiels am deutlichsten.

Und dann gibt es noch die Templer. Diese religiöse Elite aus adeligen Kämpfern bilden das Gegenstück zu den Jägern. Von Modern Combat halten sie nicht viel. Ausgerüstet mit Dolchen und Schwertern, Schilden und dicker Rüstung kloppen sie sich im Nahkampf durch die endlosen Reihen der Zombies. Wenn man einen Char dieser Partei spielt, kommt der Hack'n'Slay- Charakter von Hellgate zum Vorschein. Man findet sich hier nicht selten schwertschwingend und umzingelt von einer sterbenden Zombiemasse.

Diese Vielseitigkeit der unterschiedlichen Klassen ist ein großer Pluspunkt und erhöht den Wiederspielwert enorm. Da das MMO-Prinzip ohnehin nach den ersten Stunden aus unbescholteten Spielern zombifizierte, lichtscheue Süchtlinge macht, ist das aber auch egal.

Zum Schluss noch ein paar Formalitäten: Der Multiplayer-Modus, der leider nur Online-Spiel, jedoch kein LAN unterstützt, ist in erster Linie kostenlos. Zusätzlich lassen sich monatliche Premiummitgliedschaften erwerben, wie etwa bei WoW oder anderen MMOGs, die weitere Features eröffnen, wie spezielle Events, das Gründen eigener Gilden, eine höhere Schwierigkeitsstufe, mehr Stauraum für Gegenstände und weitere nette Dinge, die echt toll, aber für den Spielspaß nicht zwingend erforderlich sind.

Bis auf Weiteres sind jedoch keine neuen Premiummitgliedschaften zulässig, da das sinkende Flagship auf finanzieller Kippe steht, schon viele Mitarbeiter entlassen musste und in eine ungewisse Zukunft segelt. Bisher heißt es aber, dass eine Abschaltung der Hellgate-Server nicht bevorsteht. In diesem Sinne: probiert euch mal an Hellgate, und sei es nur per Demo, und lasst euch in den MMOG-Strudel reißen. Nex

Kommentare

Jozu
10. November 2010 um 19:39 Uhr (#1)
Ach ja... damals. War so geil!
Ben
10. November 2010 um 23:14 Uhr (#2)
Ich würde es wieder spielen, wenn es neue Server in Europa gibt!
Gast
20. August 2017 um 21:20 Uhr
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