The Darkness 2

(Artikel)
Haris Odobašić, 13. Juni 2012

The Darkness 2

A god, but only when the lights are out

Jackie Estacado hat es echt nicht leicht. Im Waisenhaus aufgewachsen kriegt er ein ungewöhnliches Geschenk zu seinem 21. Geburtstag: die Darkness, eine schier unvorstellbare Macht, die ihm nicht nur nützliche Fähigkeiten wie die Beschwörung von schwarzen Löchern oder zwei zusätzliche Arme gewährt, sondern auch ziemlich egoistisch und selbstsüchtig ist. So darf Jackie sich zum Einstand gleich erst mal anschauen, wie seine Freundin vor seinen Augen umgebracht wird, während die Darkness ihn hindert einzugreifen.
Nach dem ersten Teil hatte Jackie der Darkness abgeschworen und sie tief in seinem Inneren begraben. Seinen Lebensunterhalt verdient er sich als lässiger Mafiaboss -- bis er eines Tages von einer mysteriösen Gruppierung in einem Restaurant überfallen wird, die nicht nur seine Leute niedermetzeln, sondern ihn auch noch fast umbringen. Ohne wirkliche Alternative ist Jackie gezwungen, die Darkness wieder freizulassen -- und spielt damit den Übeltätern genau in die Hände, denn diese wollen die dunkle Essenz für ihre eigenen Zwecke missbrauchen. Jackies Rachefeldzug beginnt.

Der wichtigste Kniff im Gameplay macht sich früh bemerkbar: wenn ihr in der Dunkelheit unterwegs seid, wachsen Jackie nämlich zwei Dämonenarme. Diese haben vielfältige Verwendungszwecke, da sie zum Beispiel genutzt werden können, um Feinden eins überzuwatschen, Objekte in der Umgebung als Schutzschilde zu benutzen oder euch zu regenerieren, wenn ihr zu viel Blei schlucken müsst. Und das alles, während ihr mit euren zwei normalen Armen frei herumballern könnt. Wenn ihr aber auch nur einen Schritt ins Licht tretet, geht es euch schlechter als Sam Fisher, denn eure kompletten Dämonenkräfte machen einen Abflug und ihr seid so stark wie ein Mensch ohne Dämonenkräfte. Also ziemlich schwach.

Während ihr also auf Jackies Jagd nach den Übeltätern gerne alles wegmetzelt, was euch vor die Füße kommt und dabei ziemlich umfangreiche Umgebungsinterkationsmöglichkeiten ausnutzt, sammelt ihr zusätzlich dunkle Essenz auf. Das ist die Dunkelheit, die in jedem Menschen beiwohnt und zudem liebstes Nahrungsmittel der Darkness. Wer dunkle Essenz sammelt, wird darum zum Beispiel mit Heilung belohnt, kann die gesammelte Essenz aber auch investieren, um Jackie noch mächtiger zu machen.

Das wird im späteren Spielverlauf auch bitter nötig, denn eure Feinde haben neue Tricks gelernt. Anfangs dürfte euch noch alles wie Kanonenfutter vorkommen, aber später habt ihr es nicht nur mit normalen Menschen zu tun. Und selbst normale, menschliche Feinde lernen ein paar nützliche Tricks und bedienen sich zum Beispiel schon fast Ghettoblaster-ähnlichen Riesenscheinwerfern, die sie auf den Schultern tragen, um euch damit anzustrahlen. Wenn ihr diese Typen nicht schnell ausschaltet und ihr euch einer größeren Gruppe von Gegner gegenüberseht, kann es schnell aus sein für Jackie.

Etwas schade finde ich, dass man die Hub-Elemente aus dem Vorgänger gestrichen hat. Im ersten Teil gab es nämlich auch friedliche Gegenden, in denen man Nebenmissionen erfüllen konnte und die einem eine gewisse Non-Linearität vorgegaukelt haben. Quasi ein bisschen Deus Ex Light. Das dies komplett entfernt wurde, macht das Spiel zwar nicht unbedingt schlechter, aber lässt einen doch ein bisschen danach hinterhertrauern, wie viel besser es mit ein bisschen mehr freier Erkundung hätte werden können. Nicht zuletzt auch, weil die Macht der Darkness in so einem Areal loszulassen ein sicheres Rezept für viel Spaß und Zerstörung wäre.

Finger weg von der deutschen Version, die mit dem vollen Zensurpaket ankommt. Weniger Blut, kein Ragdoll, um einiges weniger Möglichkeiten mit den Waffen, weniger Exekutionsmoves, etc. Es geht sogar so weit, dass eine harmlose Attraktion in einer Geisterbahn einfach wegzensiert wurde!
Andere große Veränderungen im Vergleich zum Vorgänger kann man sofort sehen -- und hören! Ein neuer Grafikstil ist die Folge; Cel Shading kommt zum Einsatz, um das Spiel dem Visual-Novel-Vorbild ähnlicher erscheinen zu lassen, was als netten Nebeneffekt das Spiel auch etwas atmosphärischer wirken lässt. Der Brutalität hat dieser Wechsel übrigens keinen Abbruch getan: Jackie zerstückelt und verstümmelt seine Gegner in gewohnter Manier mit den Dämonenarmen. Ohne wirklich für ein Wow zu sorgen, kann der Look des Spiels durch seine Stimmigkeit überzeugen.


Aber nicht nur die Grafik wurde ausgetauscht, kurioserweise mussten auch einige der Synchronsprecher weichen. Deshalb kurios, weil The Darkness alles andere als eine schlechte Vertonung hatte. Dennoch dürften die Leute, deren Darkness-Erfahrung schon einige Jahre zurückliegt, nicht unbedingt merken, dass beispielsweise Hauptcharakter Jackie nun von jemand anderem eingesprochen wurde. Ein prominenter Synchronsprecher wurde aber beibehalten: Mike Patton. Er leiht wieder der Darkness seine Stimme und liefert exzellente Arbeit. Pattons stimmliche Flexibilität, von markerschütterndem Grunzen bis hin zu quietschigem Kreischen reichend, passt zum Charakter der Darkness wie die Faust aufs Auge.
Lob verdient aber auch David Hoffman, bekannt dafür in Fernsehserien so bedeutende Rollen wie "Man Asking About Car" oder "Doorman at Shower" zu spielen, der den total durchgeknallten Okultisten Johnny Powell spricht. Einerseits ständige Nervensäge, andererseits wichtigster Berater von Jackie, ist mir der schräge Humor dieses Charakters schnell ans Herz gewachsen. Bei all der Positivität über die englischen Sprecher darf man die deutsche Sprachausgabe nicht außer Acht lassen, die überdurchschnittlich gut für ein Videospiel ist. Leider ist die englische aber eben noch um ein riesiges Stück besser.

Einen richtigen Coop-Modus gibt es nicht in The Darkness 2, dafür aber eine Sammlung spezieller Missionen, die ihr entweder alleine oder online mit Freunden meistern könnt. Diese dienen geschichtlich als Lückenfüller, eine Art "Was ist so passiert, während Jackie Ärsche getreten hat?" So schlüpft ihr auch in die Rolle eines von vier Charakteren, die allesamt zwar nicht so mächtig sind wie der Darkness-Träger, aber ebenfalls von der dunklen Essenz genascht haben. Jeweils unterschiedliche Spezialfähigkeiten sind die Folge. Wie auch schon in der Kampagne hat man die Möglichkeit diese Fertigeiten nach und nach weiter zu steigern, was zumindest die Motivation etwas erhöhen dürfte, die mehr als 20 Missionen auch wirklich durchzuspielen.

Das größte Lob, dass man The Darkness 2 aussprechen kann ist, dass es versucht eine Mafia-Geschichte zusammen mit einer Liebesromanze und einer Horrorstory zu erzählen -- und es mühelos schafft. Ein großer Faktor dürfte hierbei sein, dass The Darkness 2 die Moral vollkommen ignoriert. Denn egal, was der Spieler macht, keine Stimme wird euch ins Gewissen reden und euch erzählen, wie falsch das nun war. Ihr habt es selbst in der Hand eure eigenen Entscheidungen zu bewerten und so kann man gleich viel besser mit Jackies Story mitfiebern. Denn Estacado ist nicht unbedingt ein schlechter Mensch, aber er ist ein Mensch, mit all den Höhen und Tiefen. Was in diesem Fall vor allem eines bedeutet: eine große Menge an Rachsucht, die ihr frei ausspielen dürft. Kombiniert mit den variablen Möglichkeiten des The-Darkness-2-Gameplays ein sicheres Rezept für gut zehn Stunden Spielspaß auf hohem Niveau. Evil

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27. Juli 2017 um 04:50 Uhr
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