Krieg im Multiplayer

(Artikel)
Benjamin Strobel, 12. Januar 2012

Krieg im Multiplayer

Modern Warfare eins, zwei, drei.

Nachdem Haris beharrte, die Konsolenversion von Modern Warfare 3 ihrer Geburtsplattform vorzuziehen, entschied ich mich, der PC-Variante treu zu bleiben. Es gibt mittlerweile zahlreiche First-Person-Shooter, die für die Konsole optimiert wurden und mit dem Controller genauso fetzen wie ihre Artgenossen mit Maus und Tastatur. Modern Warfare 3 gehört nicht dazu. Nicht im Multiplayer. Nicht für mich. Für mich gibt es nur eine Möglichkeit, Modern Warfare zu spielen: per Mausklick.

Kaum ein PC-Spiel habe ich so oft im Multiplayer gespielt wie den ersten Teil von Call of Duty: Modern Warfare. Die Idee von Belohnungen für Killstreaks war frisch, neu, ein bisschen unfair, aber auf der richtigen Seite des Helikopter-Angriffs sehr befriedigend. Das Rangsystem und die zahlreichen Upgrades für eine ganze Reihe realer Waffen haben den Mehrspieler-Modus dauerhaft spannend gemacht und viele Spieler über das eigentliche Gameplay hinaus bei der Stange gehalten. Der zweite Teil setzte diese gute Manier fort und fügte von allem einfach mehr hinzu. Beispielsweise gab es für mehrfache Tode hintereinander nun auch Perks, die einem gegen fieses Spawn-Camping und ähnliche Gemeinheiten helfen konnten. Man kam als Anfänger leichter ins Spiel zurück und es war ein kleiner Ausgleich gegenüber den Killstreak-Belohnungen, die am allermeisten den geskillten Spielern zugute kamen.

Warnung: Das Spielerlebnis kann sich während des Online-Spiels verändern.

Für mich war der Multiplayer-Aspekt vom ersten Tag an wichtiger als die Einzelspieler-Kampagne. Modern Warfare hat sich von Anfang an bemüht, tolle Szenen und filmreife Action zu liefern - mit vielen Explosionen und Effekten und medialen Kontroversen. Es gab damals jede Menge Publicity für tote Zivilisten am Flughafen im zweiten Teil und der dritte Ableger imaginiert einen neuen Weltkrieg. Ich denke aber nicht, dass diese Aspekte für den Erfolg der Reihe verantwortlich sind. Es ist die Mehrspieler-Erfahrung.

Optisch hat sich über die drei Teile nicht viel getan. Ne, echt. MW3 sieht aus wie immer.

Obwohl es viele Objective-basierte Mehrspieler-Modi gibt, ist Modern Warfare kein wahres Teamspiel. Nur selten ist es Voraussetzung taktisch zu spielen. Und weil das Spiel keine internen Kommandos anbietet, setzt das auch zwingend voraus, dass alle Teammitglieder per Headset in Kommunikation stehen. Und dann hilft es einem natürlich immer, wenn jemand sagt: Achtung, da steht ein Sniper auf dem dritten Hügel.. Aber ich denke nicht, dass es deshalb schon taktisch ist. Okay, bei Unreal Tournament würde man sich sowas wohl nicht zurufen, weil es viel schnelllebiger ist. Aber dort würde man auch gar nicht erst im Team spielen.

Ein Team in Modern Warfare setzt sich daher tatsächlich aus der Summe der Einzelleistungen zusammen und besteht weniger aus einem Mehr an Teamleistung. Auch das Support-Package in Modern Warfare 3 ändert nur wenig daran. Es ist darauf ausgelegt, Equipment anzufordern, das dem ganzen Team zugute kommt. Und sicher tut es das auch - aber darum geht es nicht. Man wählt es weniger, um dem Team zu unterstützen als viel mehr aus Eigennutz: Wenn man häufig stirbt, bekommt man nichts bei den anderen Packages, die Killstreaks ohne Tode voraussetzen und wenn man auch noch mehrfach vom Heli niedergeschossen wird, macht sich ein Luftabwehrgeschütz aus dem Support-Package wirklich bezahlt. Wenn man dann durchs Level streift, ist es häufig ein Kampf Mann gegen Mann (gegen dritten Mann, der von der Seite kommt, meh).

Mann gegen Mann gegen Mann von der Seite gegen Mann am Fenster.

Das Team ist deshalb aber längst nicht unbedeutend! Es wäre ein Fehler, seine Kameraden zu ignorieren. Im Free For All Deathmatch kriegt man Blei von allen Seiten und weiß kaum, wo einem der Kopf steht. Wenn man dagegen sein Team auf der Minimap beobachtet, weiß man schnell, welche Teile der Map sauber sind und wo vermutlich der Feind lauert. Man bewegt sich im Schutze seines Teams und sucht in den anderen Ritzen nach feindlichen Teammitgliedern. Es geht also am ehesten darum, wer das beste Säuberungsteam abgibt und sich als Gruppe insgesamt am besten bewegt. Naja... und wer die besten Sniper hinten stehen hat. Es lässt sich hier eben ganz besonders auf den Skill der einzelnen Spieler runterbrechen. Wenn man darauf achtet, wird man nämlich merken, dass man selbst auch häufiger stirbt, wenn die eigenen Kameraden schlechter spielen. Feindliche Lümmel dringen schneller vor und überraschen einen häufiger. Man dämpft sich quasi gegenseitig, um den Rape des Einzelnen zu verhindern.

Modern Warfare ist wie Fußball. Da sagt man auch, es wäre ein Teamsport. Richtig. Aber wenn man sich die Tabellen ansieht, so hängt der Teamsieg in der Regel von den wenigen herausragenden Figuren des Sports ab. Sie werden für Millionen gehandelt. Oft ist es ihre Einzelleistung, die den Teamsieg bringt. Aber klar, ohne ihr Team wären sie allein gegen elf - keine guten Aussichten. Unterm Strich aber ist es wichtiger, dass jeder Einzelne mit dem Ball umgehen kann, als dass er taktisch spielt. Schließlich verliert er den Ball erst gar nicht, wenn er einfach besser ist. So ist es bei Modern Warfare: Die Einzelleistung ist zentral. Nur wer im Zweikampf die Oberhand hat, nützt auch dem Team.


Wie schon bei den Vorgängern, steht man auch im neuesten Teil durch die Upgrades und Freischaltungen in ständiger Entwicklung. Inzwischen gibt es auch ein Waffenlevel, das speziell für die entsprechende Wumme neue Aufsätze und dergleichen freischaltet. Man ist da wirklich sehr motiviert, viel mit einer Waffe zu spielen und sie zu meistern. Einerseits durch freigeschaltete Erweiterungen, andererseits aber auch spielerisch. Und es ist immer gut, sich mit den Waffen auszukennen, denn oftmals hängt die Spielleistung von der Wahl der richtigen Waffe ab. Inzwischen habe ich ein sehr feines Gespür für Reichweiten, Streuungen und den Patronenschaden entwickelt. Ich vergleiche immer wieder die Werte neuer und bekannter Waffen - natürlich muss man auch die freispielbaren Extras berücksichtigen, die neben besseren Visieren auch oft Boni auf die Stats mitbringen.
Wenn ich auf einen Feind treffe, merke ich oft schon, welches Kaliber er mit sich führt, wie lange er damit noch schießen kann bis er nachladen muss und auf welche Reichweite er wohl im Vorteil ist. Waffen und Ausrüstungen bringen also eine große Detailtiefe mit und ersetzen Teamtaktik durch persönliche Taktiken. Es ist ganz stark von der eigenen Auseinandersetzung mit den Spielelementen und gezielten, persönlichen Entwicklung im Spiel abhängig. Das Mitleveln der Waffen bildet dabei die Vorlieben und das Training des Spielers gut ab - was das Lernen und Meistern gleichzeitig sehr belohnend und spannend macht.

Für mich geht es bei Modern Warfare um die persönliche Entwicklung in einem Spiel - gemessen an neuen Upgrades, dem persönlichen Skill und steigendem Vermögen, die Vorgänge und Regeln im Spiel treffend einzuschätzen. Für dieses Prinzip ist Modern Warfare nach meiner Ansicht optimiert und bietet im dritten Teil wie in seinen Vorgängern große Spieltiefe, die auf anderen Ebenen operiert als Teamplay. Die Neuerungen von Teil zu Teil mögen subtil wirken, haben aber bis zum jetzigen Stand immer zur Verbesserung beigetragen. Beispielsweise geht der Levelaufstieg in MW3 deutlich schneller als in seinen Vorgängern. Zudem wird er durch das Waffenlevel doppelt abgebildet und bietet noch mehr Spielraum, sich zu verbessern. Dort, wo MW3 jetzt steht, steht es fest und wacker. Es wird sicher noch lange Multiplayer-Freude bringen! Nex

Kommentare

heilerderwelten
Gast
12. Januar 2012 um 22:24 Uhr (#1)
Es stagniert allerdings beim Setting.

Die selbe alte Leier,
wieder und wieder und wieder.
Das "moderne Schlachtfeld" ist zu einer Art,
ewigem 2.Weltkriegs Aufguss geworden.
Mir geht dieses ständige "Ami gegen Ostblockantagonist" Geseiere,
tierisch auf den Keks.

Aber was interessiert schon meine Meinung?
Solange es sich verkauft wie geschnitten Brot,
wird es auch noch ein CoD MW 7 geben.

Aber ein NieR 2 wird meine Utopie bleiben... grausam ist das.

~ Heiler ~
Ben
13. Januar 2012 um 13:35 Uhr (#2)
Das Setting interessiert mich tatsächlich wenig. Die Pseudopolitischen Erklärungen für die fiktiven Handlungen und die Motivationen der Parteien.. das finde ich nervig und langweilig.

Daher spiele ich nur den Mehrspielermodus. Wenn es losgeht, achte ich nicht mal darauf, welchem Team ich nun angehöre. Allenfalls die Farbgebung der Kleidung erregt kurz meine Aufmerksamkeit, wenn ich finde, dass man durch sie schlechter getarnt ist.

Vom Setting her ist deutlich, dass es im Jetzt spielt und mehr ziehe ich eigentlich nicht daraus. Wenn es dagegen historisch wäre, wie die ersten CoD-Ableger, würde mich das vermutlich nerven (weil das Gameplay durch die Waffenwahl etc. stark vom Setting beeinflusst wäre - dann denke ich: omg, schon wieder WWII..). So ist es für mich pures Gameplay und ich fühle mich ziemlich befreit vom Drumherum.
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21. September 2017 um 08:58 Uhr
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