Katawa Shoujo

(Artikel)
Rian Voß, 05. Januar 2012

Katawa Shoujo

Visual Novel mit verkrüppelten Mädchen

Ich fühlte mich tatsächlich ein wenig schlecht beim Tippen des Titels. Für gewöhnlich bewundere ich es, wie tapfer viele Menschen mit Handicap ihr Leben bestreiten - ich selbst hätte absolut keine Ahnung, was ich täte, wenn ich wegen eines Unfalls oder einer Krankheit plötzlich erblinden würde. Bei Videospielen nur noch zuhören und mir das Internet von Microsoft Sam vorlesen lassen? Eine grauenhafte Vorstellung! Aber da der Titel der von Four Leaf Studios unabhängig und vollkommen profitlos entwickelten Visual Novel Katawa Shoujo übersetzt eben "Verkrüppelte Mädchen" bedeutet, kann ich mir diesen Faux Pas wohl ein einziges Mal erlauben.


Der Oberschüler Hisao hat's nicht leicht: Gerade als ihn ein Mädchen, auf das er schon lange ein Auge warf, nach einer Beziehung fragte ("Willst du mit mir gehen?"-Style), bekommt der junge Mann einen Herzinfarkt. Ich muss wohl nicht erklären, dass das in dem Alter nicht sonderlich üblich ist. Er wird mit einer schweren Arrhythmie diagnostiziert und bleibt für einige Monate ans Krankenhausbett gebunden, bis ihn seine Eltern und der leitende Kardiologe dazu überreden, eine spezielle Schule für Behinderte zu besuchen, die über eine 24-stündig besetzte Schwesternstation und eine sehr kurze Krankenhausanbindung verfügt. Es folgen Wut und schwindendes Selbstwertgefühl aufgrund der Erkenntnis, dass Hisao nun in den Augen der Menschen als gehandicappt gesehen wird, aber er muss sich eingestehen, dass ihm hier keine große Wahl bleibt. Wenig später durchschreitet man die schweren Tore der Yamaku High School und Hisaos langwierige Eingewöhnungsphase in sein neues Leben beginnt.

Wer jemals in seinem Leben eine Visual Novel gespielt hat, den werden allein gameplayseitig keine Überraschungen überrumpeln: Es gibt viel zu lesen und nach etwa jeder Viertelstunde des Schmökerns darf man eine Entscheidung treffen, die die Storyline auf eines der fünf Mädchen, mit denen Hisao sich anfreunden und in die er sich eventuell sogar verlieben kann, verschiebt. Wie jeder der Schüler an der Yamaku High School haben diese Mädchen ihre ganz eigenen, physischen Herausforderungen, die sie im Leben bewältigen müssen - eins ohne Arme, eins ohne Beine, das nächste ist blind, das vierte durch Brandverletzung im Gesicht schwer entstellt und die letzte hat eine sehr nervige Freundin.


Katawa Shoujo ist schon sehr lange in Produktion. Angefangen hat's mit einem Konzept und einer gepinnten Skizze auf einem Imageboard Anfang 2007, woraus sich die einzig für dieses Projekt zusammengefundene Gruppe internationaler Entwickler gebildet hat.
Der Zauber von Katawa Shoujo liegt aber darin, dass die gerade von mir aufgezählten Behinderungen nicht sonderlich stark an den üblichen Stereotypen der Visual Novels rütteln. Für gewöhnlich wäre es ein negativer Kritikpunkt, wenn Jahrzehnte nach der Einführung dieses Genres immer noch Spiele erscheinen, die Klischees wie die übereifrige Schülersprecherin und die schüchterne, schnell errötend weglaufende Unschuld in Person bedienen, doch gerade in diesem Spiel, wo man sehr leicht über die körperlichen Behinderungen der Hauptcharaktere eine ganz andere Stimmungsschiene hätte fahren können, bleiben die bewährten Grundsäulen einer Dating-Sim beharrlich erhalten. Das ist keine Faulheit der Plotwichtel, sondern ein gehöriger Geniestreich.
Man kann sich selbst förmlich dabei zusehen, wie man zuerst über Äußerlichkeiten stolpert, dann aber doch das Interesse zu den Personen hinter ihren Einschränkungen wechselt. Dabei wird man immer vom inneren Monolog Hisaos begleitet, der sich in einer gut abgemessenen Geschwindigkeit selbst schwierige und nicht oberflächliche Fragen stellt, etwa was "normal" ist, wie er sich verhalten soll und, wenn Leute darauf schlau mit "Ein Problem ist es erst, wenn du es zu einem machst" antworten, er nur ein sehr verständliches "Leichter gesagt als getan..." denkt. Wie Hisao schon richtig anmerkt: "Es ist ironisch, dass jemand so schwer einen Platz an einem Platz findet, der für Menschen da ist, die sonst nirgendwo einen Platz finden." Ansonsten stellt Hisaos Persönlichkeit ein wunderbar unbeschriebenes Blatt, da er von allem mal ein bisschen was gemacht hat, aber nichts so wirklich kann - einzig seine Vorliebe zu Büchern hebt ihn ein wenig vom Projektionscharakter ab, was aber keinesfalls unwillkommen ist. Ich fühlte mich hinter Hisaos Augen eigentlich ganz wohl und das Schritttempo des Spiels ist gemütlich genug, dass man sich in diesem fremden Schulalltag schnell verlieren kann.

Auch wenn ich von "Klischees" sprach, war das nicht sonderlich böse gemeint. Die Charaktere haben genug eigene Persönlichkeit, so dass der Spieler für sie Sympathie aufbauen kann, und es ist für jeden mindestens ein Charakter dabei, bei dem es Klick machen sollte und der einen auch zeitweise mit unerwarteten Charakterzügen perplext - selbst wenn's der leicht bekloppte Kenji ist (deswegen ist er aber nicht an dieser Schule). Und Leute, die man nicht mag, kann man durch seine Entscheidungen ja langsam abschieben.


Wer will, kann Katawa Shoujo natürlich auch mehrfach durchspielen, gerade bis zu fünf Durchgänge sind sinnvoll. Unterstützt wird man dabei von vielen kleinen Kniffen der Entwickler, die anscheinend selbst schon viele Visual Novels abgearbeitet haben: Die Taste zum Bestätigen einer Entscheidung ist eine andere als die zum Text-Skippen, es gibt verschiedene Optionen zum Überspringen von Texten, sogar einen Auto-Skip, der einen zur nächsten Entscheidung springen lässt, bereits benutzte Entscheidungen werden markiert und man kann per Mausrad zu verpasstem Text zurückscrollen. Insgesamt superkomfortabel!

Bisher bin ich von diesem Spiel ganz angetan und finde es schade, dass es das erste und letzte Projekt von Four Leaf Studios ist. Aber die Leute müssen ja auch von irgendwas leben und eine internationale Entwicklung kostet wahrscheinlich zu viel Mühe. Wie dem auch sei: Das Spiel gibt es gratis zum Download als Torrent auf Englisch für alle großen Betriebssysteme. Kleine Warnung aber noch: die Inhalte sind als "ab 18" eingestuft. Ahem. So. Ich gehe jetzt weiter Rin den Hof machen. Oder die Freundschaft! Kann man das überhaupt so sagen? Wahrscheinlich nicht. Rian

Kommentare

HeilerDerWelten
Gast
06. Januar 2012 um 11:25 Uhr (#1)
Die Idee finde ich äußerst spannend,
sogar so spannend, dass Behinderte
viel öfter in Video- und Computerspielen einen Platz finden sollten.

Nehmen wir mal an, wir haben die Möglichkeit einen blinden Charakter,
in einem Action- oder Überlebenshorror Szenario zu spielen.

Man müsste dann ganz neue Wege des Entwickelns und des Spielens finden,
um die Herausforderungen des Spieles zu überstehen.

Eine intensive Soundkulisse, wie es einst bei Silent Hill 2 der Fall war,
wäre das Tor zur Spielwelt, darüber hinaus wäre der verstärkte Einsatz des Dualshock Systems, bei Kollision mit Gegenständen und Lebewesen eine wunderbare Erweiterung.

Man müsste sich allerdings für die Augen des Spielers, noch einen kleveren Kniff ausdenken.
Denn es könnte schwierig sein, einen sehenden Spieler dauerhaft eines,
zumindest für Videospiele, unerlässlichen Sinnes zu berauben.
Allerdings gäbe es selbst hier Mittel und Wege.

Ich unterhielt mich, vor der Beendigung meiner Ausbildung, mit meinem Ex Boss.
Dieser, erlitt im Alter von 54 Jahren einen Schlaganfall in beiden Augen,
bei dem seine Augenäderchen platzten und ihn auf einen Schlag,
95% seines Augenlichtes raubte.

Er war also gerade noch dazu in der Lage, Licht und Dunkelheit auszumachen,
wobei ich zu wissen glaube,
dass selbst völlig blinde Wesen dazu in der Lage sind, aber seis drum.

Dieser Mann erzählte mir, auf meine Frage hin,
dass er, "im inneren Auge" noch Farben und surreale Formen sieht,
welche sich in ruhigen Minuten wieder zu bekannten Bildern zusammensetzen.
Es sei ein wenig so, als würde man Bilder sehen wenn man träumt.

Würde man sich dieses Phänomens zu nutze machen
und den Spieler je nach schwere der Situation, die es zu bewältigen gilt,
mit mal hektischen wirren Bildern bombadieren,
z.B. in Momenten der Todesangst
oder in ruhigen Minuten, mit gelasseneren Bildern,
aus der Gedankenwelt des zu spielenden Charakters,
könnte man ein ganz neues Spielerlebnis formen.

Das Survivalhorror Genre wäre für eine solche Erfahrung,
in einem dementsprechenden Szenario, geradezu prädestiniert.

Vielleicht trägt so ein "vereinfachtes" Erlebnis,
auch zu allgemeinen Akzeptanz, vor allem unter Jüngeren,
zu diesem Thema bei.
Denn der Mensch tut sich schwer darin,
Dinge zu tolerieren, die er nie erlebt hat und nicht versteht.

~ Der Heiler ~
Rian
06. Januar 2012 um 12:45 Uhr (#2)
Das klingt sehr interessant und einsichtig - ich denke auch, dass es allein spielerisch interessant wäre, körperlich behinderte Protagonisten in Videospielen zu haben. In letzter Zeit lese ich aber viele Artikel, die darüber handeln, wie es bestimmten gesellschaftlichen Gruppen in Videospielen an Vorbildern fehlt (als Beispiel etwa die sehr interessante Theorie, wie viel Sinn es inhaltlich und auch geschäftlich für Naughty Dog machen würde, wenn Nathan Drake sich am Ende von Uncharted 3 als schwul herausgestellt hätte). Viele Spiele mit einer halbwegs linearen Storyline, in der man sich nicht seinen eigenen Charakter zusammenbasteln kann oder die ohnehin auf Entscheidungsfreiheit basieren, wie etwa Mass Effect, basieren auf hellhäutigen, heterosexuellen, körperlich unbeeinträchtigten, geistig zurechnungsfähigen Personen. Damit wird natürlich ein Großteil der Spielergemeinschaft angesprochen und es fällt hauptsächlich nur Leuten auf, die sich aus gegebenem Anlass daran stören. Was schrecklich ist, denn wenn ich daran denke, auf wie viele verschiedene Arten und Weisen ich mich schon mit diesem oder jenen Hauptcharakter identifiziert habe, weil er dieses oder jenes Problem mit mir teilt, dann tun mir Leute, die so eine Identifikationsfigur suchen oder gebrauchen könnten, ziemlich leid.

Die einzigen zwei Charaktere mit nur einem Arm, die mir einfallen, sind zum Beispiel Spencer und Barret aus Bionic Commando und FF7, aber beides zählt irgendwie wieder nicht, weil sie ja ihre übermächtigen Prothesen haben. Dasselbe gilt für Adam Jensen aus Deus Ex: Human Revolution.
HeilerDerWelten
Gast
06. Januar 2012 um 17:55 Uhr (#3)
Ein Mann der sich in Spielen durchaus an unkonventionelle Charaktere wagt,
ist sicherlich Kojima san.

Replicanten (Solidus, Liquid, Snake)
mentale Störungen, als Folge von Kriegstraumata (Beauty and the Beast, Raiden)
Bisexualität (Vamp)
emanzipierte Frauen "in japanisch Spielen" (The Boss, Eva)
Homosexualität (Raikov, Volgin)
Verstümmelung (Big Boss Auge, Raidens Arme, Snakes Verbrennung)
gesellschaftliche Isolation (Otakon, Sunny)
Inzucht (Emma Emerich)
Missbrauch von Kriegsweisen (Raiden, Frank Jaeger)

Die Metal Gear- und Metal Gear Solid Reihen sind ein Quell für "Randgruppen"
...das bloße Wort kotzt einen schon an!

Mich persönlich haben seine Spiele und Charaktere sehr bereichert,
auch wenn es genügend Spieler gibt, welche ihm den Wechsel zu Raiden
oder den körperlichen Verfall von Snake und das damit einhergehende Spiel,
eines alten Mannes nicht verzeihen können.
(Verweis auf NieR)

Meiner Meinung nach, ist das die blanke Ignoranz und der Löwenanteil der Spieler würde mit einem schwulen, verkrüppelten und/oder muslimischen Nathan Drake nicht klar kommen.

Aber wer soll es ihnen schon verübeln?

In einem Land, in dem die Bürger sich nicht einmal neutral
mit der eigenen Geschichte auseinandersetzen können.

Wäre ich Spieleentwickler geworden, wäre eines meiner ersten Arbeiten,
die Geschichte um eine deutsche Scharfschützin im zweiten Weltkrieg gewesen.

Aufgewachsen im nationalsozialistischem System,
ohne sie ins politische Korsett der falschen "Richtigkeit" zu zwängen.

Ich hätte es dem Spieler überlassen, ob er sie verachten oder mit ihr sympatisieren möchte,
hätte es dem Spieler überlassen, ob man eigene Prinzipien der Menschlichkeit verfolgt oder eine grausame Schlächterin verkörpert, hätte das Leiden der Menschen gezeigt.
Völlig unabhängig von Stand, Religion oder Nationalität.

Sie hätte eine Frau sein können, die für ihre Heimat kämpft, für ihre Familie,
aus blossem Hass der "Andersartigen"oder vieleicht sogar nur aus Mordgier?
Die Bewegründe dieser Frau hätten so vielschichtig sein können,
wie die unserer Groß-und Urgroßeltern.

Statdessen gibt es heute nur böse Nazis,
böse Judenjäger Nazis, böse Weltraumnazis oder böse Zombienazis.

So etwas wie Toleranz findet schon in der eigenen Familie statt,
wenn sie schon hier scheitert, wie soll sie dann vor der Haustür gelingen?

~ Der Heiler ~
Haris
07. Januar 2012 um 07:57 Uhr (#4)
Im Endeffekt wäre in so einer Situation die Kontroverse einfach zu groß. Keiner würde sich trauen ein Spiel zu verkaufen, in dem man wirklich auf Seiten der deutschen im zweiten Weltkrieg, als Russe im kalten Krieg oder gar als irakischer Soldat in der Gegenwart auf Amerikaner schießt. Die Nachrichtenmagazine der Welt, die sowieso noch immer Spiele nur durch eine vorurteilsbehaftete Brille sehen können, würden sich darauf stürzen wie die Geier, die Öffentlichkeit wäre empört, etc. etc. etc.

Ein großes Problem liegt aber darin, dass die Videospielwelt eben noch immer in USA, Japan und UbiSoft geteilt ist. Die Japaner haben denke ich mal geringes Interesse daran, sich mit solchen Themen zu beschäftigen (es gibt ja auch kein mir bekanntes Spiel aus Japan, dass sich dem zweiten Weltkrieg annimmt), amerikanische Entwickler würden einen Teufel tun irgendwas zu produzieren, in dem der Amerikaner nicht das ultimative Gute repräsentiert und Ubisoft muss drakonische DRM-Systeme programmieren oder Michel Ancel quälen.

Das Medium der Spiele ist noch längst nicht ausgereizt und, im Vergleich zu Filmen aber auch insbesondere Büchern, tendieren Spiele noch immer dazu, vor großen Moralfragen zu kneifen oder allzu schnell eine simple Lösung zu präsentieren. Und selbst in Modern Warfare 2 mit der berüchtigten "No Russian"-Mission, in der man ja nur Befehle ausführt, hat man zwar für eine Kontroverse gesorgt, aber keine, die dem Spiel geschadet hat. Am Ende ging es ja "nur" um russische Zivilisten. Man stelle sich bloß vor, die selbe Mission hätte am JFK-Airport in New York gespielt ... Modern Warfare 2 hätte sicher nicht alle Verkaufsrekorde gebrochen.

Womit ich mir nicht wünsche, dass Spiele anfangen Tabus nur des Tabubruchs wegen zu brechen. Wenn ich nun statt als namenloser amerikanischer Soldat Deutsche, Russen oder Japaner niedermähe oder eben als namenloser Deutscher, Russe oder Japaner auf die Allierten draufklopfe ist am Ende Hand wie Fuß. Aber mir kann keiner erzählen, dass es nicht möglih ist, im Medium Videospiel eine Geschichte zu erzählen, die es eben auch schafft in solch einem historischen Kontext ohne plumpe schwarz-weiß Malerei auszukommen.
HeilerDerWelten
Gast
07. Januar 2012 um 11:18 Uhr (#5)
Selbst wenn man die Videospielwelt um Deutschland erweitern würde,
gäbe es im Umgang mit dem Thema des Ersten,
vorallem aber, mit dem des Zweiten Weltkrieges, rein gar nichts zu verändern.

Der Deutsche ist nach so langen Jahren der Schuld,
die er, wie keine andere Nation tragen musste und auch heute noch trägt,
so angeschlagen, dass ein anderer Umgang als der,
des deutschen, antisemitischen, kaltherzigen Sadisten
sofort zu einem gewaltigen Eklat führen würde.

Auch die Japaner bedienen sich dieses Archetypen des Bösen
gerne in Fílmen, Spielen, Mangas, Animes, Liedtexten und Novels.

Man muss hier allerdings erwähnen,
dass die Japaner hier auch gerne, vieles völlig aus dem Zusammenhang reißen.

Warum sonst gäbe es wohl Hitler-Discos, in den Wagner und Pachelbel gespielt werden,
oder Rommel Restaurants, in denen es deutsche Spezialitäten gibt.
Hier sieht man wieder, das die Japaner vom zweiten Weltkrieg kaum eine Ahnung haben.

Die Generationen die daran beteiligt waren,
haben dem Tenn? Treue bis zum Tode geschworen.
Auch heute noch hat sich am Weltbild, dieser Generation nicht viel geändert.

Womit die Verblenndung hier sogar noch größer war als,
bei der deutschen Waffen SS, mit ihren Treueschwüren auf Himmler, Hitler und Eike.

Die Nachfolgenden Generationen wiederrum haben alles dafür getan,
ganz wie es in der japanischen Kultur Tradition ist, einfach zu verdrängen und zu vergessen.

Ich habe mich übers PSN mit einigen Japanern in meiner Freundesliste unterhalten,
zumindest mit denen die Englisch verstanden und der einen netten Dame,
die gerade Germanistik studiert.
Daraufhin fragte ich sie alle nach einer gewissen Zeit,
was sie denn über Deutschland wüssten.

Die Antworten darauf, wenn es denn welche gab, waren:
Oktoberfest, Mercedes, VW, Bier, Merkel, Hitler, Preußen, Berlin, Wurst und Kraut...
und ein paar an die ich mich nicht mehr genau erinnere.

Als ich dann explezit nach dem ersten und zweiten Weltkrieg fragte,
vielen sofort Nagasaki, Pearl Harbour, Amerika, Hiroshima, Atombombe.
(hier schlägt eine ganz klare Opfermentalität durch und im Bezug auf Pearl Harbour,
eine klare Rache an den Amerikaner...für das damalige Ölembargo)

Chiharu (die Germanistikstudentin) wusste noch um den Überfall auf Polen,
die Konzentrationslager und dergleichen,
aber die anderen 7 oder 8 Männer und Frauen (der Älteste war 36)
wussten so gut wie gar nichts, nicht mal über die Taten der eigenen Landsleute:

~ beim Massaker von Nanjing (20.000 Mädchen und Frauen wurden vergewaltigt
und 200.000 Chinesen abgeschlachtet)

~bei den Millionen Menschen, welche in Zwangsarbeitslagern
und bei, von den Japanern absichtlich herbeigeführten Hungerkatastrophen
in Indonesien und Indochina getötet wurden

~bei zahlreicheN Menschenversuchen, die die japanische Armee durchführte,
um unter anderem, biologische und chemische Waffen an lebenden Menschen zu erproben

Außerdem waren einige der Verbrechen rassistisch motiviert, wie das Sook Ching Massaker.

Die Japaner glaubten nämlich, dass die eigene ?Rasse? höherwertiger war, als die anderen.
Alle anderen asiatischen Völker waren minderwertig und nur dem Nutzen dienend empfunden.
Diese "höherwertige Rasse" wurde auch als Yamato bezeichnet
und ist das japanische Equivalent, zur deutschen Arier Wahnvorstellung.

Hier steht nun die Frage im Raum, ob sie es wirklich nicht wussten
oder es aus Scham nicht erwähnen wollten.
Seltsam ist dann nur warum gerade die, die sich mit Deutschland beschäftigte,
dass Meisste zu sagen/schreiben hatte...ich rechne also nicht mit Scham.

Wenn man dann aber mal von Japan absieht,
ist die Bilanz in anderen Ländern auch nicht viel besser.
Einig sind sie sich nur darin, dass Deutschland böse ist.
Die "Gebildeteren" wissen dann sogar schon, dass das dritte Reich böse ist
und das es zwischen Nazideutschland und der BRD gewisse Unterschiede gibt.

Da freue ich mich in Diskusionsrunden mit Ausländern
und Deutschen dann schon gewaltig drüber, denn es setzt ja schon vorraus sich ne halbe Minute mit dem Thema beschäftigt zu haben, um da einen Unterschied auszumachen.

Die Tatsache, dass Gut und Böse völlig subjektive Warnehmungen sind,
wie du es bereits erwähnt hast Evil, mit so etwas braucht man zumeist gar nicht erst anfangen,
man verlässt die eingetretenen Pfade ohnehin nur, wenn es gar nicht anders geht.

Somit werden wir auch in 50 Jahren keine nennenswerten Fortschritte zur neutralen Bewältigung der Themen, des Ersten und Zweiten Weltkrieges machen.

Damit muss man sich wohl abfinden und ganz nach deutsch/japanischer Mentalität,
abwarten, ignorieren und irgendwann vergessen, denn das liegt uns im Blut.


~ Der Heiler ~
Rian
07. Januar 2012 um 14:38 Uhr (#6)
Ich glaube, das positivste Bild eines Menschen der Reichsarmee, der mit der Politik und ihren Beweggründen nicht einverstanden war, das mir jetzt noch einfällt, wurde in Der Pianist gezeichnet - nämlich von dem deutschen Offizier, der dem Hauptcharakter Schutz bot und ihn versteckte. Keine Ahnung, inwiefern der Operation: Walküre-Film mit Tom Cruise ein Bild von deutschen Aufständigen zeichnet, aber ich glaube, der Film ist nicht besonders gut angekommen?

Jedenfalls denke ich, dass so etwas gerade das ist, was du meinst: Nicht alle Menschen im Krieg können sich einfach so in Kategorien schieben lassen. Jeder hat seine Gründe dafür gehabt, gegen die Alliierten ins Feld zu ziehen und das war nicht unbedingt immer die Überzeugung darin, einer höhergestellten Rasse anzugehören oder die Propaganda zu fressen, dass das deutsche Volk sich ausbreiten muss. Es kann aus Zwang passiert sein. Oder des Geldes wegen. Oder aus dem Motiv heraus, endlich ganz nihilistisch Menschen umbringen zu dürfen - von der Art gab es bestimmt in allen Armeen welche.

Viele dieser Beweggründe sind schwer zu vermarkten, aber ich kann mir zumindest gut vorstellen, dass man noch relativ unbedenklich ein Spiel um einen deutschen Soldaten basteln könnte, der eigentlich gar nicht dort sein möchte, dem das Hitler-Regime am Arsch vorbeigeht und der zu seiner Familie zurück will.

Nun ja, wie dem auch sei. Goodwin's Law hat sich mal wieder bestätigt, wir reden über Nazis - was ein bisschen von meinem Ziel, über Vorbilder für "Randgruppen" (du hast recht, das ist ein doofes Wort) in Videospielen zu sprechen. C'est la vie.
Rian
07. Januar 2012 um 14:40 Uhr (#7)
...abgewichen ist. "Was ein bisschen von meinem Ziel, über Vorbilder für "Randgruppen" in Videospielen zu sprechen abgewichen ist" wollte ich sagen.
Gast
19. November 2017 um 00:26 Uhr
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