Alice: Madness Returns

(Artikel)
Haris Odobašić, 22. Juni 2011

Alice: Madness Returns

Durch den Spiegel

Als ich anfing, das neue Alice zuspielen, hatte ich schnell ein Déjà-Vu. Ich fühlte mich zurückerinnert an die glorreiche Zeit der 3D-Jump'n'Runs, die Zeit des Nintendo 64, an Spiele wie Super Mario 64, Banjo & Kazooie oder auch Rayman 2. Es war stellenweise so, wie als wenn Alice: Madness Returns ein Spiel aus dieser Zeit wäre, das einfach nur durch eine Grafik-aufpolierende Zeitmaschine ins hier und jetzt gereist wäre. Ein Eindruck, der sich im weiteren Verlauf des Spiels nur weiter verstärken sollte.

Aber fangen wir am Anfang an: nach den Ereignissen des ersten Teils ist Alice, dem Wahnsinn nahe und unter Erinnerungsverlust leidend, in einem Waisenhaus lebend. Regelmäßige Sitzungen mit einem Psychiater verhindern jedoch nicht, dass das arme Mädchen ins Wunderland zurückgerufen wird, welches mittlerweile dem totalen Chaos verfallen ist. Zusammen mit der Cheshire Cat, Anhängern der deutschen Version eher als Grinsekatze bekannt, die gelegentlich auftaucht, um euch nützliche Ratschläge zu geben, durchstreift ihr das nun veränderte Wunderland und versucht, die Dinge etwas hinzubiegen und dabei gleichzeitig eure Erinnerungen wiederzubekommen.


Um erfolgreich durch das Wunderland zu kommen, kann Alice sich einerseits auf ein Arsenal von ungewöhnlichen Waffen verlassen. Von der Vorpal Blade, einem "gewöhnlichen" Messer, über den Pepper Grinder, eine Pfeffermühle, die als Fernkampfwaffe dient, bis hin zu einem Steckpferdchen, das im Spiel die Rolle eines Hammers erfüllt. Andererseits ist Alice nicht gerade unathletisch und kann mit Sprung- und Gleitfähigkeiten durch die kreativ gestalteten Levels navigieren. Die vielen Sprungpassagen sind dabei dank einer ebenso großen Anzahl an Rücksetzpunkten trotz ihres manchmal etwas happigeren Herausforderungsgrads nie frustrierend oder unfair.

Dabei stellt gerade das Design ein absolutes Highlight dar. Sei es die Cheshire Cat, die mit Ohrpiercing und schon fast obszön weitem Grinsen, oder die unterschiedlichen Gegenspieler, die man allesamt aus Alice im Wunderland kennt, die aber hier so extrem neuinterpretiert wurden, dass man sie teilweise erst beim zweiten Sehen wiedererkennt. Die Darstellung der unterschiedlichen Spielgebiete, von normalen Waldlandschaften bis hin zu Industriekomplexen reichend, komplementiert diesen Stil sehr gut, der zusätzlich von der etwas wirren Story unterstrichen wird.


Leider merkt man dem Spiel an, dass es etwas verfrüht erschienen ist. Gerade nach Ladevorgängen dauert es noch ein paar Sekunden extra, bis auch alle Texturen geladen sind, Alice bleibt gerne an Kanten hängen und während die meisten Checkpoints so verteilt sind, dass man beispielsweise nach einem missglückten Sprung kurz davor wieder anfangen darf, gibt es ein paar Fälle, wo man so weit zurückgeworfen wird, dass man ein Puzzle oder einen ganzen Kampf wiederholen darf.

Auch wenn Alice stellenweise ihre Momente hat, nach der anfänglichen Begeisterung stellt man leider ernüchtert fest, dass das Spiel einfach zu lang ist. So was kritisiert man wahrlich selten an einem Spiel, aber all der Charme, der von Alice: Madness Returns versprüht wird, alle verrückten Charaktere und die schaurig-schöne Atmosphäre, das alles reicht einfach nicht für die vollen 15 - 20 Stunden. Die technischen Mängel tun ihr Übriges dazu, so dass Alice noch immer ein lustiges Spiel ist, gerade für Fans der klassischen 3D-Plattformer sogar als Highlight angesehen werden darf, aber eine etwas verkürzte Spielerfahrung, mit weniger Passagenrecycling und dafür dem letzten Schliff für die bestehenden Elemente, hätte das zweite Alice-Spiel von American McGee zu einem echten Hit werden lassen können. Evil

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20. August 2017 um 21:09 Uhr
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