Sorcery Gewinnspiel!
Little Big Planet 2
Weil es noch nicht kreativ genug war
Vom Hirn direkt auf den Bildschirm anderer Spieler - das ist der Vorsatz, den sich Media Molecule damals mit Little Big Planet gesetzt hat und der erstaunlicherweise auch durchhielt. Online finden sich abertausende Level kreiert von begeisterten Spielern, wovon die meisten zwar Geschlechtsteile in allen Farben und Größenordnungen zeigen, aber die Crème de la Crème an Schaffensleistung der Community ist dennoch bewundernswert. Braucht man da eigentlich zu so einem Spiel ein Sequel? Eigentlich nicht, aber wir haben trotzdem eins bekommen und während einige alte Ecken und Kanten nicht ihren Weg unter's Bügeleisen gefunden haben, so hat Little Big Planet 2 doch mindestens zwei Sachen: noch leichteren Zugang und mehr Inhalte. Viel mehr Inhalte.

Für alle, die sich jetzt erst in die heutige Konsolengeneration einschalten und noch nie etwas von LBP gehört haben: Das Spiel hat nichts mit dem PC-Klassiker Little Big Adventure zu tun. In diesem PS3-Game schlüpft man in die Rolle eines knuffigen, kleinen Plüschmännchens namens Sackboy (alternativ Sackgirl) und durchläuft im Story-Modus mit bis zu drei Mitspielern in Jump 'n' Run-Manier mit Physikspielchen durchsetzte Level. Hier kann man Objekte greifen, da muss man Schalter umlegen, yadda, yadda. Das alles ist mit einer lieblichen Grafik präsentiert und die vom Entwickler erstellten Level halten auch ein paar Stunden vor (schließlich muss man ja alle Objekte und Sackboy-Kleidungsstücke sammeln), allerdings liegt das Hauptaugenmerk auf dem Erstellen eigener Level. Hier hat LBP bereits große Vorarbeit geleistet. Der Level-Editor ist leicht zu verstehen und dennoch mächtig und kann sogar zu so abgefahrenen Konstruktionen wie einen selbstgebauten Taschenrechner führen. Aber gut, in JEDEM In-Game-Leveleditor baut irgendjemand einen Taschenrechner. Oder, wenn es um Minecraft geht, auch eine kleine CPU.

Little Big Planet & das Grundgameplay

Was hat sich also verändert? Nun, erst einmal gibt es einen Storymodus, der diesmal auch wirklich sowas wie eine Story hat! Das üble Negativitron bedroht nämlich die Traumsphären und Sackboy muss es aufhalten. Jawohl! Die Geschichte wird mit NPCs in den Leveln und kleinen Cutscenes umgesetzt und ist eine ganz nette Dreingabe, aber die Dialoge hauen niemanden über zwölf großartig aus den Socken - wer also Objekte, Kleidung (davon gibt es sehr viel mehr und auch online findet man schon einiges an Gratisausrüstung) und Trophies jagen möchte, der kann den ganzen Texthaufen auch einfach skippen.
Den Storymodus, sowie jeden anderen Level, kann man wieder mit bis zu vier Spielern bestreiten und es findet sich in den Miniwelten bereits einiges an Neuerungen - aufgehobene Gravitation, ein Hookshot (deswegen alleine ist das Spiel schon besser!), Jump Pads, mit denen man allen möglichen Unsinn treiben kann, Steuerung für Autos und andere Fahrzeuge und natürlich den Creatinator. Das ist ein Hut, der alles schießen kann. ALLES! Wasser, Farbe, Steine, kleine Gothic-Lolita-Mädchen, ALLES! Während das Basisgameplay dasselbe geblieben ist, gibt es eben einen Haufen schlauer Gimmicks, die einem den LBP-Alltag versüßen - wobei mich die "simple" Steuerung in ihrer Schwammigkeit und die fuddelige Physik weiterhin stören. Aber es ist halt casual, was will man machen?

Das Gold liegt aber natürlich, was erwartet man anderes, in der Level-Schmiede. Das Hauptmenü ist vollgestopft mit gut strukturierten, witzig erzählten Tutorials, die einem die richtigen Handgriffe im Editor zeigen - wobei das Ding so zugänglich ist, dass man auch mit einem Bisschen Herumprobieren schon einen halbwegs anständigen Level zustande bringt. Neben dem üblichen Jump 'n' Run-Kram und dem Horror-Shooter hier und da gibt es nun allerdings auch die Möglichkeit, sich kleine Spiele anderer Genres herzuzaubern. Online gibt es bereits selbstgebackene Marvel vs Capcom-Prügelspiele, Autorennen, Arcade-Spiele und mehr. In den meisten Fällen liegt die Qualität dieser Spiele natürlich unter der von richtig gecodeten oder mit ordentlichen Gamemakern hergestellten Titeln, aber man muss doch den Hut davor ziehen, was so manches Spiel im Spiel zu leisten vermag.

Little Big Planet 2!

Während in alten Zeiten die cleveren Hobby-Bastler sich ihre Cutscenes hergecheatet haben, gibt es jetzt auch richtige Mittel für Zwischensequenzen - was natürlich sofort zu kleinen Indie-Filmen geführt hat. Unterstützt wird das Ganze noch von den Sackbots - das sind Statisten, die einfache Aufgaben ausführen können, wie etwa eine bestimmte Strecke abzupatroullieren, bestimmten Gesten zu bestimmten Zeiten zu machen, die Protagonisten zu verfolgen und anderes. Da kommt der Filmemacher aus den Leuten raus! Manch einer hätte aber mal lieber drin bleiben sollen...
Glücklicherweise verschwindet der selbstgemachte Schund auch relativ schnell in der Versenkung, denn die Suchfeatures wurden erweitert und es gibt nun vermehrt Top-Sonstwas-Listen, um die aktuell besten und am meisten empfohlenen Level und Klein-Spiele schnell ansteuern zu können. Ich sage Klein-Spiele, weil sich einzelne Level inzwischen aneinanderreihen lassen, so dass tatsächlich die Möglichkeit besteht, richtige Spiele mit Umfang zu erstellen. Außerdem gibt es nun auf der Select-Taste ein Fotofeature, um unsachgemäße Inhalte zu melden. Ihr erinnert euch an besagte Geschlechtsteile?

Aber kommen wir zum wichtigsten Feature von Little Big Planet 2 und dem Grund, warum ich das Spiel immer wieder gerne an mache: der quietschende Analogstick im Hauptmenü. Ich liebe ihn. Man muss ihn auch lieben, denn man wartet immer noch teilweise elendig lange darauf, dass irgendein Level endlich mal lädt. Man dreht ihn und dreht ihn und dreht ihn und er quietsch leise vor sich hin. Es ist herrlich. Oh, außerdem habe ich mein kleines Raumschiff von oben bis unten mit dem Foto eines gruselig dreinblickenden Mannes beklebt, damit jedem, der meine Abode betritt, sofort der Angstschweiß den Rücken hinunterläuft. Hachja, da fühle ich mich gleich wie zu Hause.

Wer Little Big Planet exzessiv gespielt hat, der bekommt mit Little Big Planet 2 genug neue Inhalte geliefert, um seinen Kauf gerechtfertigt zu haben. Wer aber schon vorher keinen Spaß dran hatte, hofft, dass sich irgendein Kernelement zum Besseren geändert hat, und gerne ein Plattformspiel mit etwas mehr Substanz sucht, dem sei hiermit zu Super Meat Boy geraten. Rian
13.02.2011 | Rian | In-Game
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