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Spider-Man: Dimensions
Vier Spideys sind besser als einer
Nach Spider-Man 3 und Web of Shadows ist Dimensions nun schon der dritte Spinnen-Titel dieser Konsolen-Generation. Schon seit Spider-Man 2 hat man stets dasselbe Konzept durchgezogen: Eine offene Spielwelt mit jeder Menge sich wiederholender Zwischenmissionen und ein paar Highlights, die vom immer gleichen "Prügel drei große Gegner tot" abwichen. Ein virtuelles New York zu Spideys freier Verfügung war jedes Mal ein Genuss, aber nach einer Weile sind mir alle Titel langweilig geworden. Man musste ständig von einem Ort zum anderen schwingen und bekam am Ende nur lahme Prügelmissionen. Mit Spider-Man: Dimensions möchte Entwickler Beenox andere Wege gehen: Klassisches Levelprinzip, kaum lästige Side-Quests und einzigartige Stile in vier Spider-Man-Universen.

Amazing Spider-Man im Einsatz!

Im Universum des Amazing Spider-Man (der Comic-Klassiker - wird auch heute nach über 400 Ausgaben immer noch fortgesetzt) erwischt Spidey seinen Feind Mysterio dabei, wie er eine alte, magische Steinplatte stehlen möchte. Es kommt zum Kampf und das gute Stück zerbricht in ein Dutzend Fragmente. Ärgerlicherweise verteilen sich diese über vier verschiedene Dimensionen: Amazing, Ultimate, 2099 und Noir. Sie alle sind gleichnamigen Comic-Universen des Spinnenmannes entliehen und halten sich im Stil sehr eng an die Vorlagen. Als Spieler müssen wir abwechselnd immer wieder in jede der vier Dimensionen, um entsprechende Fragmente der Steintafel zu sichern. Allerdings hat Spider-Man überall auch seine Feinde, die es vorziehen, sich die magischen Bröckchen selbst unter den Nagel zu reißen. Mit einem unangenehmen Effekt: Sie erhalten zusätzliche Power, die ihnen stärkere Fähigkeiten verleiht. Zusammengeführt werden die Geschichten durch Madame Web, welche die Spider-Männer mobilisiert und auf die Suche nach den Fragmenten schickt.

Spider-Man erhielt seinen Bindestrich, um sich vom Konkurrenzhelden Superman im Schriftbild besser abzuheben.
Zu Anfang werden die ersten vier Level freigeschaltet und man kann sich aussuchen, in welcher Reihenfolge man sie bestreiten möchte. Hat man alle offenen Level gemeistert, schalten sich die nächsten vier frei. Die vier Level spiegeln jeweils die verschiedenen Dimensionen wider und muten an, sich voneinander zu unterscheiden. Optisch tun sie das sehr stark und vor allem sehr gelungen: Jeder Spider-Man besitzt seinen eigenen Synchronsprecher (unter anderem Neil Patrick Harris!), die allesamt schon mal Spider-Man in einer Serie vertont haben. Sogar Stan Lee selbst gibt sich als Erzähler zwischen den Leveln die Ehre! Nicht zuletzt kennzeichen sich die unterschiedlichen Dimensionen durch einzigartige Grafikstile. Spider-Man Noir ist beispielsweise in schwarz-weiß und wenigen Sepia-Tönen gehalten, während Spider-Man 2099 den Spieler in ein futuristisches New York verschlägt, in dem es vor bunten Lichtern und fliegenden Autos nur so wimmelt.

Spider-Man Noir setzt auf melancholische Monologe und Stealth-Angriffe.

Leider zeigen sich die gelungenen Kontraste im Gameplay nur zum Teil. In der Noir-Dimension kommt es etwa darauf an, Feinde im Stillen zu erledigen und sich nicht erwischen zu lassen, während man in den übrigen drei Dimension hauptsächlich durch Prügeln vorankommt. Dennoch haben die einzelnen Level verschiedene Themen, die sie von den anderen abgrenzen: Amazing Spidey muss bei seinem Feind Kane immer wieder mit einem Haufen Schergen in den Ring, während er sich dazwischen durch den Dschungel schwingt. Es gibt sogar eine Passage aus der Sicht eines Scharfschützen, bei der man Spider-Man aus der Ferne bedient und immer wieder den Sniper-Schüssen ausweichen muss. Dieser Abschnitt ist einzigartig für das entsprechende Level und taucht woanders nicht noch einmal auf. In der Noir-Dimension findet sich an einer Stelle auch eine 2D-Passage, bei der man Spider-Man über den Schatten einer Häuserfassade steuert und Licht tunlichst meiden muss. Sonst hagelt es Maschinengewehrkugeln!

Leider werden viele solcher spannenden Passagen innerhalb eines Levels sehr stark ausgereizt. In der Noir-Dimensions muss man regelmäßig Menschen aus Käfigen befreien und vorher die Wachen unbeobachtet ausschalten. Diese Szenen erinnern stark an Batman: Arkham Asylum. Wie der dunkle Ritter hüpft man über den Köpfen der Feinde von Laterne zu Laterne und schnappt sie von oben weg. Wie der Joker bei Batman melden sich auch hier Spider-Mans Gegner per Lautsprecher zu Wort und kommentieren den Verlust der Wachmänner. Die KI dieser Männlein ist leider sehr beschränkt, sodass man ihr Verhalten leicht beobachten und vorhersehen kann. Wird man eimal von ihnen entdeckt, ist das auch kein Weltuntergang, da man mit wenigen Spinnenfäden am anderen Ende der Karte ist und nicht mehr gefunden wird. Ein Alarm hält im Vergleich zu dem bei Arkham Asylum auch nur sehr kurz an und wird damit nicht zu einer echten Strafe. Hier hätte ich schlauere Feinde und etwas mehr Challenge gewünscht.

Ultimate Spider-Man im Badass-Symbointen-Anzug!

Ultimate Spider-Man spielt sich ganz ähnlich der Spinne aus dem Amazing-Universum. Mit einem Unterschied: Er besitzt den schwarzen Anzug und kann dadurch in einen Rage-Modus geraten, bei dem ihm Treffer weniger ausmachen, während seine Schläge viel mächtiger werden. In beiden Dimensionen kommen auch die zahlreichen Kombos zum Einsatz, die man sich zusammenkaufen kann. Für jedes Level gibt es einen Satz an Herausforderungen (töte eine bestimmte Anzahl von Feinden, meistere bestimmte Passagen innerhalb eines Zeitlimits etc.) - erfüllt man diese, gibt es Spider-Essence als Belohnung! Wie bei God of War die Seelen kann man diese Essenzen für Kombos und Upgrades ausgeben. Upgrades vergrößern Spideys Lebensanzeige oder verlängern beispielsweise den Rage-Modus. Die meisten Verbesserungen und Kombinationen sind spezifisch für die vier Spideys, sodass man je nach Wunsch einen mehr skillen kann als den anderen. Wer allerdings fleißig die Zusatzaufgaben erfüllt, verdient sich genug Spider-Essence, um alle Spinnenbrüder mit Upgrades zu versorgen.

Ein Level im Ultimate-Universum bricht komplett mit dem übrigen Spielprinzip: Deadpools Bohrinsel. Der alte Lump hat Spider-Man betäubt und ihn als unfreiwilligen Kandidaten seiner blutigen Fernsehsendung auf eine Bohrinsel gebracht. Hier soll die Spinne vor laufender Kamera von aufgescheuchten Deadpool-Fans verprügelt werden. Natürlich kommt es andersrum und die verkleideten Milchbubis mit ihren Baseballschlägern erleben ihr helles Wunder! Das Besondere an diesem Level ist nun, dass fast alle Bereiche frei zugänglich sind und Spidey in einem relativ großen Areal frei schwingen kann. So hat man selbst die Wahl, wo man zuerst hingeht und was man sich ansehen möchte. Mini-Open World sozusagen. Die Aufgabe ist es dabei, die Kameras von Deadpool zu zerstören, sodass er seine Fernsehsendung nicht länger übertragen kann. Leider wird dieses Missionsziel bis zum Erbrechen erzwungen, sodass man vier Mal die Anweisung bekommt, doch auch die nächsten Kameras noch zu zerstören.

Spider-Man 2099 setzt auf Geschwindigkeit und seine Fäuste.

Ein wiederkehrendes Element in Dimensions ist sogar ganz zentral: Die Bosskämpfe. Häufig tritt Spider-Man bereits am Levelanfang gegen seine Superfeinde an. Diese verziehen sich dann und tauchen vielleicht noch ein bis zweimal auf, bis man sie endgültig besiegt. Da alle Bossgegner verschiedene Strategien erfordern und sogar innerhalb eines Levels in verschiedenen Formen auftreten, ist das keinesfalls negativ zu verstehen. Endgegner sind in diesem Spiel immer wieder eine Freude und bekommen durch mehrfaches Auftauchen eine viel stärkere Rolle als in den meisten Spielen. Ich finde das sehr passend, da man ständig den eigentlichen Feind vor Augen hat und nicht erst stundenlang kleine Pimpfe verhaut, bevor man mal dem richtigen Übel gegenübersteht. Zu den Bosskämpfen gehören auch Prügelpassagen aus der Ego-Ansicht: man zieht beide Sticks gleichzeitig, um einem Schlag des Gegners auszuweichen oder aber jeweils einzeln in verschiedene Richtungen, um unterschiedliche Schläge auszuführen. Auch dieses Element macht die Kämpfe noch persönlicher und lässt einen die Superschurken regelrecht erspüren. Bei einigen Exemplaren konnte man den Mundgeruch fast schmecken! Schade ist hier nur, dass die Animationen stark wiederverwertet wurden und es pro Kampf nur eine Ausweich-Animation gibt, was nach einigen Malen etwas albern wird.

Spider-Man 2099 besitzt zudem ein eigenes Element, das immer wieder eingesetzt wird: Den Freefall! Hierbei stürzt sich Spidey in die Tiefe des futuristischen New Yorks und muss bei hohen Geschwindigkeiten verschiedenen Objekten und Hindernissen ausweichen, während er seinen Feind verfolgt. Der Hobgoblin triezt ihn dabei auch noch mit doofen Sprüchen! Da heißt es: schnell ran und Kloppe auf den Gnom! Um den Hindernissen besser auszuweichen, kann der 2099er seine Accelerated Vision aktivieren. Dadurch wird alles langsamer - leider auch Spideys Reaktion auf Controllereingaben. So kann einem auch dieses Gimmick nicht immer das Genick retten. Spaß macht es trotzdem! Zudem kann der schnelle Kämpfer seine Bullet-Time auch beim Prügeln aktivieren und damit feindlichen Raketen sehr leicht ausweichen oder auf Gegner zurücklenken.

Spider-Man: Dimensions bringt allen Spinnen-Fans etwa 12 Stunden Spaß mit. Sicher hat der Titel ein paar Mängel und man hätte aus dem Potential von vier Dimensionen noch mehr für das Gameplay rausholen können. Doch ganz egal, ob ein Aspekt mal nervig wird, das Spiel schafft es immer wieder, zum Weitermachen zu motivieren. Man freut sich bei jedem Level, wenn sich die Entwickler erneut etwas Neues ausgedacht haben, auch wenn man fürchten muss, dass es die nächste halbe Stunde so lange Verwendung findet, bis es keinen Spaß mehr macht. Global betrachtet bekommt man jede Menge Abwechslung geliefert und kann sich auch über den letzten Bossfight nicht beklagen. Die kleinen Challenges in jedem Level halten den Spieler zu jeder Zeit auf Trab und locken zu erneutem Durchspielen. Für mich zeigt sich hier das beste Spidey-Game der letzten Jahre und ein Superhelden-Titel, der sich vor seiner Konkurrenz nicht verstecken muss. Nex
08.12.2010 | Nex | In-Game
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