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Wie alles begann...
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Hach ja, was waren die 90er Jahre doch schön! In diesem Jahrzehnt lernte meine Mutter endlich einen vernünftigen Kerl kennen, der – noch dazu – unseren altmodischen Hausstand auch um so einem "Computer" bereicherte! Endlich machte ich mit Lemmings die ersten Spiel- und Suchterfahrungen mit der Maus! Endlich erhielt ich meinen ganz eigenen kleinen Computer, an welchem ich stundenlang kleine Pferdchen baute, um dann meine Gegner bei Age of Empires gründlich auszulöschen! Doch noch etwas nahm in den 90er Jahren, genauer im Jahr 1998, seinen Anfang: Meine Liebe zur Grafikadventurereihe Baphomets Fluch und mit ihr meine Liebe zum ganzen Genre!
Damals war ich 11 und – tragischerweise – noch nicht im Besitz eines eigenen PCs, weshalb ich zusammen mit meiner Mutter und ihrem frisch eingezogenen Computerexperten vor dem Bildschirm hockte. Und wir hockten lange. Manchmal stundenlang. Und probierten. Und verzweifelten. Und probierten noch mal. Nein, damals kamen wir noch nicht auf die Idee, im Internet nach Komplettlösungen zu suchen – und wahrscheinlich wären wir auch nicht sonderlich fündig geworden. Vielmehr wurde die Familie auf die Suche nach weiteren Leidtragenden geschickt, und so war es schließlich meine Mutter, die unter ihren Arbeitskollegen jemanden ausfindig ausmachen konnte, der das Spiel bereits gespielt hat und uns den einen oder anderen Ratschlag geben konnte.
Aber genug von nebensächlichen Umweltbedingungen. Kommen wir zum Spiel!
Baphomets Fluch ist eines der ersten hochmodernen Point & Click-Grafikadventures, die einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht haben, und darf zu Recht als Klassiker des Genres bezeichnet werden. Liebevoll gezeichnete Hintergründe, herzlich gestaltete Charaktere, eine durchaus komplexe Geschichte mit solidem historischem Hintergrund und eine unermessliche Dialogflut zeichnen dieses Spiel aus, in dem der Protagonist – im Gegensatz zu den üblichen LucasArts-Adventures der Zeit – sogar sterben kann, wenn der Spieler die falschen Entscheidungen trifft!
Die Geschichte beginnt vor einem beschaulichen, französischen Café in Paris. Nichtsahnend mit der Bedienung flirtend genießt der amerikanische Tourist George Stobbart sein Heißgetränk, als innerhalb weniger Sekunden erst ein alter Mann und dann ein nerviger Clown mit einem Akkordeon das Café betreten. Der Clown läuft kurze Zeit später wieder hinaus – doch der alte Mann soll keine Chance mehr haben, das Gebäude zu verlassen: Mit einem gewaltigen Krachen explodiert das Café, die Scheiben zerbersten und die Druckwelle befördert unseren Helden wieder auf den Boden der Tatsachen. Da kriecht er nun unter dem Sonnenschirm hervor und beschließt, diesen Clown zu finden, der ihm schon von Anfang an nicht ganz geheuer war! Nur dieser Clown kann die Bombe gelegt und den alten Mann ermordet haben!
Bald findet George hübsche Unterstützung in Gestalt der ruhm- und geldlosen Journalistin Nico, die bereits mitten in der Recherche steckt und den kostümierten Anschlag mit weiteren Morden in Verbindung zu bringen versucht. Während sie sich am Telefon in ihre Arbeit vertieft, kümmert sich George um Indizien, Zeugen und Rätsel, die ihn das ein oder andere Mal fast den Kopf kosten. Um dem Geheimnis des Clowns auf die Schliche zu kommen, reist er nach Irland, Spanien, Syrien und in die Kanalisation, und kommt dabei einer sehr alten und doch nicht beendeten Geschichte auf die Spur: der Geschichte der Tempelritter, die im 14. Jahrhundert der französischen Inquisition zum Opfer fielen und deren sagenumwobener Schatz nie gefunden worden ist...
Bei einer so langen Reise verwundert es nicht weiter, dass der Spieler im Laufe seiner Suche nach dem "Geheimnis der Tempelritter" Schauplätze in großer Zahl zu sehen bekommt. Die Grafiker haben sich viel Mühe gegeben, die jeweiligen Lokalitäten passend und atmosphärisch zu gestalten. Hinzu kommen die schrulligen Personen, die George bei seiner Suche mal mehr, mal weniger und auch manchmal gar nicht behilflich sind. Da wären zum Beispiel der faule Polizist am Montfaucon, die energische englische Adlige Lady Piemont, der in seine Bohnermaschine Mr. Shiny verliebte Hausmeister und und und. Allesamt haben sie flotte Sprüche auf den Lippen – besonders, wenn man ihnen Georges erste Indizien – eine Clownsnase und ein verschmiertes Taschentuch – unter die Nase hält. Auffallend, aber nicht unbedingt störend, ist die Wiederkehr der Synchronstimmen. Man scheint sich bei Baphomets Fluch auf unwesentlich mehr als eine Hand voll Sprecher konzentriert zu haben; diese allerdings machen ihre Sache wunderbar und schaffen es trotzdem, den einzelnen Charakteren unterschiedliche Klangfarben zu verleihen.
Doch so gut Sprecher und Dialoge auch sein mögen, so mag sich der eine oder andere von der unaufhörlichen Textlastigkeit des Spiels erschlagen fühlen. Es ist nicht zu leugnen, dass sich der größte Teil der Handlung auf Gespräche stützt, nicht auf das Lösen besonderer Rätsel. Selbst die Kombination von Gegenständen ist eher selten gefordert; das Inventar dient mehr der Erlangung von Informationen als der Problemlösung.
Hierunter – und darunter, dass George im wahrsten Sinne vom einen zum anderen Ort SCHLEICHT, ohne dass man solche Sequenzen überspringen könnte – beeinträchtigen die Spieldynamik enorm. In Frankreich selbst gibt es immerhin eine Karte, über die George direkt zu einer bestimmten Lokalität gelangen kann ohne dass man sich in der französischen Wildnis verläuft. Wieso man aber auf dem Weg zum Musée Crune erst über den gesamten Vorplatz schlendern muss (auf dem sich nichts befindet!), um dann erst durch die Eingangstür treten zu können, erschließt sich mir nicht.
Doch auch, wenn man die Latscherei-Zeit von der Spielzeit abzieht, hat Baphomets Fluch beachtlich viel Inhalt vorzuweisen. Zudem haben sich die Entwickler große Gedanken über die Dramaturgie des Spielverlaufs gemacht: Immer wieder gibt es spannende Höhepunkte, bei denen es auf schnelles Nachdenken, schnelle Reaktion und richtige Entscheidungen ankommt, damit George nicht ins Gras beißt. Diese Szenen – und auch viele andere – werden unterstützt durch einen melodisch sehr passenden Soundtrack, dessen Lautstärke (und aus heutiger Sicht natürlich Qualität) allerdings etwas unausgegoren daherkommt und sich teilweise auch nicht über das Optionsmenü richtig einstellen lässt.
Aber nun ja! Es ist halt ein uraltes Spiel! Sicherlich hat Baphomets Fluch seine Schwächen. Trotzdem ist es als Point & Click-Adventure – vor allem was die Komplexität der Geschichte angeht – einzigartig und absolut spielenswert! Allein die Stelle im irischen Schloßpark, wo nach dem Release des Spiels wohl jeder tagelang dran verzweifelt ist, bis man aus Nervosität und Wut zufällig durch doppeltes Klicken die wütende Ziege in ihre Schranken gewiesen hatte, ist Kult und hat sogar einen eigenen Absatz bei Wikipedia.
Solltet ihr dieses auf zwei CDs (Ja! CDs!! Keine DVDs!!!) gepresste Stück Nostalgie also weder gespielt noch in eurem Besitz haben, dann müsst ihr das schleunigst nachholen! Bei Amazon gibt es die Trilogie für 15,99 zu erstehen (vor allem im dritten Teil haben die Rätsel einen deutlich höheren Stellenwert eingenommen) - oder ihr besorgt euch die erst kürzlich erschienene Special Extended Edition für den DS. Leider lassen sich die ersten beiden Teile von Baphomets Fluch auf heutigen PC’s nur mit Hilfe von ScummVM spielen, was vor allem deshalb schade ist, weil man damals während der Installation so schön Ping-Pong spielen konnte…
Hach ja, was waren die 90er Jahre doch schön!
Quis
Damals war ich 11 und – tragischerweise – noch nicht im Besitz eines eigenen PCs, weshalb ich zusammen mit meiner Mutter und ihrem frisch eingezogenen Computerexperten vor dem Bildschirm hockte. Und wir hockten lange. Manchmal stundenlang. Und probierten. Und verzweifelten. Und probierten noch mal. Nein, damals kamen wir noch nicht auf die Idee, im Internet nach Komplettlösungen zu suchen – und wahrscheinlich wären wir auch nicht sonderlich fündig geworden. Vielmehr wurde die Familie auf die Suche nach weiteren Leidtragenden geschickt, und so war es schließlich meine Mutter, die unter ihren Arbeitskollegen jemanden ausfindig ausmachen konnte, der das Spiel bereits gespielt hat und uns den einen oder anderen Ratschlag geben konnte.
Aber genug von nebensächlichen Umweltbedingungen. Kommen wir zum Spiel!
Baphomets Fluch ist eines der ersten hochmodernen Point & Click-Grafikadventures, die einen hohen Bekanntheitsgrad erreicht haben, und darf zu Recht als Klassiker des Genres bezeichnet werden. Liebevoll gezeichnete Hintergründe, herzlich gestaltete Charaktere, eine durchaus komplexe Geschichte mit solidem historischem Hintergrund und eine unermessliche Dialogflut zeichnen dieses Spiel aus, in dem der Protagonist – im Gegensatz zu den üblichen LucasArts-Adventures der Zeit – sogar sterben kann, wenn der Spieler die falschen Entscheidungen trifft!
Die Geschichte beginnt vor einem beschaulichen, französischen Café in Paris. Nichtsahnend mit der Bedienung flirtend genießt der amerikanische Tourist George Stobbart sein Heißgetränk, als innerhalb weniger Sekunden erst ein alter Mann und dann ein nerviger Clown mit einem Akkordeon das Café betreten. Der Clown läuft kurze Zeit später wieder hinaus – doch der alte Mann soll keine Chance mehr haben, das Gebäude zu verlassen: Mit einem gewaltigen Krachen explodiert das Café, die Scheiben zerbersten und die Druckwelle befördert unseren Helden wieder auf den Boden der Tatsachen. Da kriecht er nun unter dem Sonnenschirm hervor und beschließt, diesen Clown zu finden, der ihm schon von Anfang an nicht ganz geheuer war! Nur dieser Clown kann die Bombe gelegt und den alten Mann ermordet haben!
Bald findet George hübsche Unterstützung in Gestalt der ruhm- und geldlosen Journalistin Nico, die bereits mitten in der Recherche steckt und den kostümierten Anschlag mit weiteren Morden in Verbindung zu bringen versucht. Während sie sich am Telefon in ihre Arbeit vertieft, kümmert sich George um Indizien, Zeugen und Rätsel, die ihn das ein oder andere Mal fast den Kopf kosten. Um dem Geheimnis des Clowns auf die Schliche zu kommen, reist er nach Irland, Spanien, Syrien und in die Kanalisation, und kommt dabei einer sehr alten und doch nicht beendeten Geschichte auf die Spur: der Geschichte der Tempelritter, die im 14. Jahrhundert der französischen Inquisition zum Opfer fielen und deren sagenumwobener Schatz nie gefunden worden ist...

Bei einer so langen Reise verwundert es nicht weiter, dass der Spieler im Laufe seiner Suche nach dem "Geheimnis der Tempelritter" Schauplätze in großer Zahl zu sehen bekommt. Die Grafiker haben sich viel Mühe gegeben, die jeweiligen Lokalitäten passend und atmosphärisch zu gestalten. Hinzu kommen die schrulligen Personen, die George bei seiner Suche mal mehr, mal weniger und auch manchmal gar nicht behilflich sind. Da wären zum Beispiel der faule Polizist am Montfaucon, die energische englische Adlige Lady Piemont, der in seine Bohnermaschine Mr. Shiny verliebte Hausmeister und und und. Allesamt haben sie flotte Sprüche auf den Lippen – besonders, wenn man ihnen Georges erste Indizien – eine Clownsnase und ein verschmiertes Taschentuch – unter die Nase hält. Auffallend, aber nicht unbedingt störend, ist die Wiederkehr der Synchronstimmen. Man scheint sich bei Baphomets Fluch auf unwesentlich mehr als eine Hand voll Sprecher konzentriert zu haben; diese allerdings machen ihre Sache wunderbar und schaffen es trotzdem, den einzelnen Charakteren unterschiedliche Klangfarben zu verleihen.
Doch so gut Sprecher und Dialoge auch sein mögen, so mag sich der eine oder andere von der unaufhörlichen Textlastigkeit des Spiels erschlagen fühlen. Es ist nicht zu leugnen, dass sich der größte Teil der Handlung auf Gespräche stützt, nicht auf das Lösen besonderer Rätsel. Selbst die Kombination von Gegenständen ist eher selten gefordert; das Inventar dient mehr der Erlangung von Informationen als der Problemlösung.
Hierunter – und darunter, dass George im wahrsten Sinne vom einen zum anderen Ort SCHLEICHT, ohne dass man solche Sequenzen überspringen könnte – beeinträchtigen die Spieldynamik enorm. In Frankreich selbst gibt es immerhin eine Karte, über die George direkt zu einer bestimmten Lokalität gelangen kann ohne dass man sich in der französischen Wildnis verläuft. Wieso man aber auf dem Weg zum Musée Crune erst über den gesamten Vorplatz schlendern muss (auf dem sich nichts befindet!), um dann erst durch die Eingangstür treten zu können, erschließt sich mir nicht.

Doch auch, wenn man die Latscherei-Zeit von der Spielzeit abzieht, hat Baphomets Fluch beachtlich viel Inhalt vorzuweisen. Zudem haben sich die Entwickler große Gedanken über die Dramaturgie des Spielverlaufs gemacht: Immer wieder gibt es spannende Höhepunkte, bei denen es auf schnelles Nachdenken, schnelle Reaktion und richtige Entscheidungen ankommt, damit George nicht ins Gras beißt. Diese Szenen – und auch viele andere – werden unterstützt durch einen melodisch sehr passenden Soundtrack, dessen Lautstärke (und aus heutiger Sicht natürlich Qualität) allerdings etwas unausgegoren daherkommt und sich teilweise auch nicht über das Optionsmenü richtig einstellen lässt.
Aber nun ja! Es ist halt ein uraltes Spiel! Sicherlich hat Baphomets Fluch seine Schwächen. Trotzdem ist es als Point & Click-Adventure – vor allem was die Komplexität der Geschichte angeht – einzigartig und absolut spielenswert! Allein die Stelle im irischen Schloßpark, wo nach dem Release des Spiels wohl jeder tagelang dran verzweifelt ist, bis man aus Nervosität und Wut zufällig durch doppeltes Klicken die wütende Ziege in ihre Schranken gewiesen hatte, ist Kult und hat sogar einen eigenen Absatz bei Wikipedia.
Solltet ihr dieses auf zwei CDs (Ja! CDs!! Keine DVDs!!!) gepresste Stück Nostalgie also weder gespielt noch in eurem Besitz haben, dann müsst ihr das schleunigst nachholen! Bei Amazon gibt es die Trilogie für 15,99 zu erstehen (vor allem im dritten Teil haben die Rätsel einen deutlich höheren Stellenwert eingenommen) - oder ihr besorgt euch die erst kürzlich erschienene Special Extended Edition für den DS. Leider lassen sich die ersten beiden Teile von Baphomets Fluch auf heutigen PC’s nur mit Hilfe von ScummVM spielen, was vor allem deshalb schade ist, weil man damals während der Installation so schön Ping-Pong spielen konnte…
Hach ja, was waren die 90er Jahre doch schön!
Quis
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