|
Dämonen explodieren in allen Regenbogenfarben
|
Es dürfte gemeinhin bekannt sein, dass die besten Spiele, die Sega nach dem Untergang der Dreamcast je gepublished hat, auf der originalen Xbox erschienen sind. Titel wie Panzer Dragoon Orta, Jet Set Radio Future, Gunvalkyrie, Out Run 2 und House of the Dead 3 verschrieben sich exklusiv der Konsole aus Silicon Valley und waren ausnahmslos entweder grandiose Blockbuster oder grandiose Underdogs - mal abgesehen von HotD 3, aber das enthielt immerhin den zweiten Teil! Zu dieser Reihe von einzigartigen Top-Spielen gesellt sich dann natürlich auch noch einer meiner liebsten Monster-Slasher von Entwickler From Software: Otogi. Desweiteren werde ich mich aber nur auf Otogi 2: Immortal Warriors stürzen, denn der ist wie Otogi, nur eben noch besser.
Die Geschichte dreht sich dabei um den untoten Krieger Raikoh, der, durch ein Blutopfer der vier Generäle unter der Zauberin Seimei, erneut herbeigerufen wird, um die Mächte des Bösen in die Flucht zu schlagen. So eine Geschichte kennen wir schon aus dem ersten Teil und sie entspricht auch dem Bild eines japanischen Märchens (was "Otogi" zufälligerweise bedeutet), in dem irgendein übermenschlicher Krieger mächtige Dämonen zu tausenden schlachtet. Allein durch dieses Setting, in dem man sich durch ein mittelalterliches Japan kämpft, hat man als Spieler eigentlich schon die Pflicht, die Sprache auf Japanisch und die Untertitel einzuschalten - japanophile Nerds hipp oder hopp, wir haben's hier ja nicht mit überstilisierter Animu-Grafik zutun, sondern mit harten, echten From-Style, der einem den Dreck und die Schönheit dieser alten Erzählungen in einem Rutsch ins Gesicht drückt und ordentlich verreibt. Da gibt der Sound mit seinen zeitgemäßen Musikinstrumenten dann auch noch sein Bestes dazu und man fühlt sich wirklich, als ob man jetzt den Brustpanzer mit der Monstervisage anziehen müsste, sich das Haar überdimensional langwachsen und schwarz färben sollte und gleich ein paar Geschöpfe der Unterwelt durch Bambuswälder jagt.
Nach typischer Machart von From- sowie den meisten In-House-Entwicklern Segas, wie Smilebit oder zur Zeit Platinum Games, ist die Steuerung des Spiels eigentlich sehr simpel, allerdings schwierig zu meistern; und es ist gerade der Zeitpunkt, ab dem man die Charaktere endlich grazil und wie gewünscht über den Bildschirm bewegt, dass Otogi sein volles Spaßpotenzial ausbreitet. Wer nur buttonmasht wird nicht weit kommen und wer nicht gewillt ist, jeden Unterschied zwischen den sechs spielbaren, sehr verschiedenen Charakteren (Raikoh, die vier Generäle und Seimei) zu lernen, der wird keinen Spaß haben. Aber ich lasse es gerade brutaler klingen als es ist.
Um das Ganze einmal genauer auszuführen: Jeder Charakter verfügt über dieselbe Grundsteuerung - leichter Angriff, schwerer Angriff, springen, Magie abschießen, dashen. Wie die Ausführung dieser fünf Tasten allerdings aussieht unterscheidet sich bei den Figuren wie Tag und Nacht. Nur eben sechs Mal. Also wie Morgen, Vormittag, Mittag, Nachmittag, Abend und Nacht. Der eine kann vielleicht länger dashen, der andere hat härtere leichte Angriffe, wieder einer kann unendlich in der Luft springen, der nächste hat eine Kombo, die Feinde in einem bestimmten Winkel auf die Banden schickt, dann kann einer vielleicht Gegner greifen... Das klingt vielleicht alles nach banalen Kleinigkeiten, aber gerade die können einem eine Mission erheblich erleichtern. Könnte schließlich hilfreich sein, sich nicht vor Stürzen fürchten zu müssen, wenn man eine ganze Flotte von Luftschiffen zerstören muss, nicht wahr?
Apropos Zerstörung: Davon gibt es in Otogi eine ganze Menge. Nahezu jedes Objekt, das irgendwie aus dem Boden ragt, lässt sich auf die ein oder andere Weise zerbröseln, unter anderem etwa auch die bereits angesprochene Luftschiffflotte. Das ist nicht nur witzig - hey, das Kartenhaus bauen ist in Ordnung, aber das Kartenhaus einreißen ist klasse! - sondern gibt auch diverse Statusupgrades, wenn man mal wieder ein entsprechendes Item in der zerschlagenen Holzsäule findet; außerdem eignet sich eine dicht bebaute Umgebung hervorragend dafür, um Gegner dort hineinzuschlagen, was den entgegengenommenen Schaden gnadenlos in die Höhe treibt. Aber Achtung: Das gilt auch für den eigenen Corpus! Die untoten Krieger sind zwar nicht aus Zucker, aber wenn man einen ganzen Tempel plus Tempelkerzen, Gong und Mönchen mitnimmt, dann kriegt die Rüstung doch schon mal mehr als eine Schramme.
Womit wir beim Missionsdesign sind: Jede Aufgabe besteht zwar meist daraus, irgendwas kaputt zu machen, seien es nun Dämonen oder Gegenstände, unterscheiden sich aber trotzdem fundamental, was bei 29 Stages schon einem halben Wunder gleicht. Das eine Mal flieht man vor einem zornigen Spinnengott, das andere Mal befreit man die Hauptstadt von einer Horde Dämonen, dann muss man kopflose Samurais mit ihren eigenen Untergebenen bewerfen, gefangene Mitstreiter ausbuchten oder, ich liebe diese Mission, eine Flotte von Luftschiffen zerstören. Manchmal unterscheiden sich die Erfahrungen sogar, wenn man mit einem anderen Kämpfer antritt - der angesprochene kompflose Samurai ist etwa ein alter Kollege von Axtmann Kintoki.
Dazu kommt, dass die Aufgaben auf der Karte in Phasen eingeteilt sind und man sich tunlichst taktisch vorbereiten sollte anstatt blindlings ins Gefecht zu stürzen. Jedes Level gibt bei der Auswahl an, welcher Charakter wohl am besten geeignet wäre (wodurch es sich empfiehlt, alle Figuren gleichermaßen zu trainieren und benutzen). Hat man die Mission abgeschlossen, ist die Figur für den Rest der Phase nicht mehr zugänglich. Außerdem sollte man vor jeder Stage gut auf die vorhandene Streitmacht vorbereiten. Habe ich es hier viel mit Magieanwendern zu tun? Welchem der vier Elemente gehören sie an und wer von meinen Leuten hat die größte Immunität? Passt dieses Schwert überhaupt zu meinem Outfit? Da kann eine anscheinend kleine Entscheidung aus einer billigen Mission den absoluten Höllenlevel machen.
Demnach ist klar: Otogi ist kein leichtes Spiel, weder der erste noch der zweite Teil. Es gibt härtere Sachen im Bereich der Hack 'n' Slays, das ist klar, aber bei Otogi darf man nicht erwarten, dass einem das Spiel an die Hand nimmt - hier muss man schon selbst erforschen, wie man das Spiel zu spielen hat. Überhaupt haben wir es mit einer selten gewordenen Gattung Spiel zu tun, die es darauf anlegt, dass man es insgesamt mindestens zweimal und jede Stage dreimal spielt, bis dort alles in Schutt und Asche liegt - zumal man die Krieger in Bonusmissionen im Forest of Havoc gut trainieren kann und soll. Da gibt es etwa auch Missionen, die man beim ersten Spielen unmöglich auf "gute" Weise abschließen kann, so etwa der Bosskampf gegen zwei riesige Dämonenraupen: Da gilt es zu überleben und nach ein paar Minuten hat Seimei einen Bannspruch fertig, der beide tötet. Hat man seine Krieger aber gut genug präpariert, dann lassen sich die beiden Viecher mit genug Schweiß, Blut und Tränen auch manuell in den Boden stampfen und als Belohnung erhält man eine Belohnung! Oh ja, man kann mit Otogi viel Zeit verbringen und es gibt immer etwas zu entdecken, bis man genug in der Muckibude war, um den richtigen Endboss zu besiegen und das wahre Ending zu sehen. Ich saß damals stundenlang mitten in der Nacht dran, habe das Bossvieh dann über Gebete und berstende Daumen hinweg zerfetzt und danach derbst abgefeiert.
Zu guter Letzt bieten Otogi und vor allem Otogi 2 für damalige Zeiten hervorragende Grafiken, die selbst den Prozessor der Xbox ein wenig in die Knie zwingen konnten - wenn die geschredderten Dämonen in Massen von Wänden abprallen und in farbigen Explosionen zergehen, nur um dann Platz für weitere fünfzig Monster auf dem Bildschirm zu machen, dann ist das einfach ein Anblick, der einem im Kopf bleibt.
Mein Fazit ist: Otogi ist definitiv kein Spiel für Leute, die von Anfang an verlangen, dass sofort alles klappt und die die Lust verlieren, wenn sie essentielle Details (wie es eben früher bei Spielen der Fall war) selbst herausfinden müssen. Für den actionbegeisterten Techniknarren, der viele Solo-Inhalte für sein Geld möchte und einem Statuswerte-Grinding gegenüber nicht abgeneigt ist, ist Otogi eine gefundene Goldgrube an mit japanischer Mythologie gespickter Dämonenschnetzelei. Rian

Die Geschichte dreht sich dabei um den untoten Krieger Raikoh, der, durch ein Blutopfer der vier Generäle unter der Zauberin Seimei, erneut herbeigerufen wird, um die Mächte des Bösen in die Flucht zu schlagen. So eine Geschichte kennen wir schon aus dem ersten Teil und sie entspricht auch dem Bild eines japanischen Märchens (was "Otogi" zufälligerweise bedeutet), in dem irgendein übermenschlicher Krieger mächtige Dämonen zu tausenden schlachtet. Allein durch dieses Setting, in dem man sich durch ein mittelalterliches Japan kämpft, hat man als Spieler eigentlich schon die Pflicht, die Sprache auf Japanisch und die Untertitel einzuschalten - japanophile Nerds hipp oder hopp, wir haben's hier ja nicht mit überstilisierter Animu-Grafik zutun, sondern mit harten, echten From-Style, der einem den Dreck und die Schönheit dieser alten Erzählungen in einem Rutsch ins Gesicht drückt und ordentlich verreibt. Da gibt der Sound mit seinen zeitgemäßen Musikinstrumenten dann auch noch sein Bestes dazu und man fühlt sich wirklich, als ob man jetzt den Brustpanzer mit der Monstervisage anziehen müsste, sich das Haar überdimensional langwachsen und schwarz färben sollte und gleich ein paar Geschöpfe der Unterwelt durch Bambuswälder jagt.
Nach typischer Machart von From- sowie den meisten In-House-Entwicklern Segas, wie Smilebit oder zur Zeit Platinum Games, ist die Steuerung des Spiels eigentlich sehr simpel, allerdings schwierig zu meistern; und es ist gerade der Zeitpunkt, ab dem man die Charaktere endlich grazil und wie gewünscht über den Bildschirm bewegt, dass Otogi sein volles Spaßpotenzial ausbreitet. Wer nur buttonmasht wird nicht weit kommen und wer nicht gewillt ist, jeden Unterschied zwischen den sechs spielbaren, sehr verschiedenen Charakteren (Raikoh, die vier Generäle und Seimei) zu lernen, der wird keinen Spaß haben. Aber ich lasse es gerade brutaler klingen als es ist.
Um das Ganze einmal genauer auszuführen: Jeder Charakter verfügt über dieselbe Grundsteuerung - leichter Angriff, schwerer Angriff, springen, Magie abschießen, dashen. Wie die Ausführung dieser fünf Tasten allerdings aussieht unterscheidet sich bei den Figuren wie Tag und Nacht. Nur eben sechs Mal. Also wie Morgen, Vormittag, Mittag, Nachmittag, Abend und Nacht. Der eine kann vielleicht länger dashen, der andere hat härtere leichte Angriffe, wieder einer kann unendlich in der Luft springen, der nächste hat eine Kombo, die Feinde in einem bestimmten Winkel auf die Banden schickt, dann kann einer vielleicht Gegner greifen... Das klingt vielleicht alles nach banalen Kleinigkeiten, aber gerade die können einem eine Mission erheblich erleichtern. Könnte schließlich hilfreich sein, sich nicht vor Stürzen fürchten zu müssen, wenn man eine ganze Flotte von Luftschiffen zerstören muss, nicht wahr?

Apropos Zerstörung: Davon gibt es in Otogi eine ganze Menge. Nahezu jedes Objekt, das irgendwie aus dem Boden ragt, lässt sich auf die ein oder andere Weise zerbröseln, unter anderem etwa auch die bereits angesprochene Luftschiffflotte. Das ist nicht nur witzig - hey, das Kartenhaus bauen ist in Ordnung, aber das Kartenhaus einreißen ist klasse! - sondern gibt auch diverse Statusupgrades, wenn man mal wieder ein entsprechendes Item in der zerschlagenen Holzsäule findet; außerdem eignet sich eine dicht bebaute Umgebung hervorragend dafür, um Gegner dort hineinzuschlagen, was den entgegengenommenen Schaden gnadenlos in die Höhe treibt. Aber Achtung: Das gilt auch für den eigenen Corpus! Die untoten Krieger sind zwar nicht aus Zucker, aber wenn man einen ganzen Tempel plus Tempelkerzen, Gong und Mönchen mitnimmt, dann kriegt die Rüstung doch schon mal mehr als eine Schramme.
Womit wir beim Missionsdesign sind: Jede Aufgabe besteht zwar meist daraus, irgendwas kaputt zu machen, seien es nun Dämonen oder Gegenstände, unterscheiden sich aber trotzdem fundamental, was bei 29 Stages schon einem halben Wunder gleicht. Das eine Mal flieht man vor einem zornigen Spinnengott, das andere Mal befreit man die Hauptstadt von einer Horde Dämonen, dann muss man kopflose Samurais mit ihren eigenen Untergebenen bewerfen, gefangene Mitstreiter ausbuchten oder, ich liebe diese Mission, eine Flotte von Luftschiffen zerstören. Manchmal unterscheiden sich die Erfahrungen sogar, wenn man mit einem anderen Kämpfer antritt - der angesprochene kompflose Samurai ist etwa ein alter Kollege von Axtmann Kintoki.
Dazu kommt, dass die Aufgaben auf der Karte in Phasen eingeteilt sind und man sich tunlichst taktisch vorbereiten sollte anstatt blindlings ins Gefecht zu stürzen. Jedes Level gibt bei der Auswahl an, welcher Charakter wohl am besten geeignet wäre (wodurch es sich empfiehlt, alle Figuren gleichermaßen zu trainieren und benutzen). Hat man die Mission abgeschlossen, ist die Figur für den Rest der Phase nicht mehr zugänglich. Außerdem sollte man vor jeder Stage gut auf die vorhandene Streitmacht vorbereiten. Habe ich es hier viel mit Magieanwendern zu tun? Welchem der vier Elemente gehören sie an und wer von meinen Leuten hat die größte Immunität? Passt dieses Schwert überhaupt zu meinem Outfit? Da kann eine anscheinend kleine Entscheidung aus einer billigen Mission den absoluten Höllenlevel machen.

Demnach ist klar: Otogi ist kein leichtes Spiel, weder der erste noch der zweite Teil. Es gibt härtere Sachen im Bereich der Hack 'n' Slays, das ist klar, aber bei Otogi darf man nicht erwarten, dass einem das Spiel an die Hand nimmt - hier muss man schon selbst erforschen, wie man das Spiel zu spielen hat. Überhaupt haben wir es mit einer selten gewordenen Gattung Spiel zu tun, die es darauf anlegt, dass man es insgesamt mindestens zweimal und jede Stage dreimal spielt, bis dort alles in Schutt und Asche liegt - zumal man die Krieger in Bonusmissionen im Forest of Havoc gut trainieren kann und soll. Da gibt es etwa auch Missionen, die man beim ersten Spielen unmöglich auf "gute" Weise abschließen kann, so etwa der Bosskampf gegen zwei riesige Dämonenraupen: Da gilt es zu überleben und nach ein paar Minuten hat Seimei einen Bannspruch fertig, der beide tötet. Hat man seine Krieger aber gut genug präpariert, dann lassen sich die beiden Viecher mit genug Schweiß, Blut und Tränen auch manuell in den Boden stampfen und als Belohnung erhält man eine Belohnung! Oh ja, man kann mit Otogi viel Zeit verbringen und es gibt immer etwas zu entdecken, bis man genug in der Muckibude war, um den richtigen Endboss zu besiegen und das wahre Ending zu sehen. Ich saß damals stundenlang mitten in der Nacht dran, habe das Bossvieh dann über Gebete und berstende Daumen hinweg zerfetzt und danach derbst abgefeiert.

Zu guter Letzt bieten Otogi und vor allem Otogi 2 für damalige Zeiten hervorragende Grafiken, die selbst den Prozessor der Xbox ein wenig in die Knie zwingen konnten - wenn die geschredderten Dämonen in Massen von Wänden abprallen und in farbigen Explosionen zergehen, nur um dann Platz für weitere fünfzig Monster auf dem Bildschirm zu machen, dann ist das einfach ein Anblick, der einem im Kopf bleibt.
Mein Fazit ist: Otogi ist definitiv kein Spiel für Leute, die von Anfang an verlangen, dass sofort alles klappt und die die Lust verlieren, wenn sie essentielle Details (wie es eben früher bei Spielen der Fall war) selbst herausfinden müssen. Für den actionbegeisterten Techniknarren, der viele Solo-Inhalte für sein Geld möchte und einem Statuswerte-Grinding gegenüber nicht abgeneigt ist, ist Otogi eine gefundene Goldgrube an mit japanischer Mythologie gespickter Dämonenschnetzelei. Rian
Bisher gibt es keine Kommentare.




