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Guybrush Threepwood auf Kurs
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Ich bin kein Adventure-Mann, weswegen ich üblicherweise alles, was möglicherweise einen höheren Anteil an "Such den Bildschirm nach Gegenständen ab"- als an logischen Rätseln hat, an unsere liebliche Quis weiterleite. Ich habe selbstverständlich Evergreens wie Day of the Tentacle, Sam & Max, Fate of Atlantis und natürlich die Monkey Island-Serie durchgekloppt, allerdings nicht ohne Zuhilfenahme des Internets. Das beschämt mich, aber ich habe für solch flapsige Detail-Überseher einfach keine Geduld und ich tröste mich damit, dass ich logische Kopfnüsse wie Machinarium oder The Neverhood vollständig ohne Online-Hilfe schaffe. Nichtsdestotrotz, vor allem weil mir Guybrush Threepwood so sympathisch ist, habe ich mir mal alle Kapitel von Telltales Tales of Monkey Island gekauft und ich war positiv überrascht, als ich es nach vielen Stunden des Süchtelns ohne massive Probleme beenden konnte. Protip: Alle Kapitel kosten zur Zeit nur 5 Euro bei Steam.
Zu Beginn der Geschichte erwartet uns ein vertrautes Bild: Zombiegeisterdämonenpirat LeChuck ist gerade mal wieder im Begriff, irgendeinen schrecklichen Voodoo-Zauber auf die Welt loszulassen / sich unermessliche Voodoo-Kräfte zu eigen zu machen. Guybrushs Plünderhäschen, Elaine, ist derweil an den Mast des Schiffes gebunden und unser knuffiger, mächtiger Freibeuter mit der Powertolle muss mal wieder alles richten. Natürlich wird mal wieder irgendwas kräftig verkackt, LeChuck verwandelt sich in einen Menschen zurück und Guybrush setzt eine schreckliche Zauberkrankheit frei, die die gesamte Karibik bedroht. Außerdem explodiert das Schiff und Guybrush wird nach Flotsam Island gespült - eine Insel, von der der Wind niemals weg weht. Es beginnt die, nach dem klassischen Theater gerichtete, fünfkapitelige Suche nach dem Esponja Grande, der die sogenannten Pocken des LeChuck heilen können soll.
Gleich nachdem ich die Kontrolle über Guybrush erhalten habe, musste ich schon verärgert die Luft anhalten: Oh mein Gott, Steuerung ist nicht point & click! Haben die denn gar nichts aus Monkey Island 4 gelernt? Man muss den Mauszeiger über Guybrush führen, klicken, die Maustaste halten und den Piraten in die gewünschte Richtung ziehen. Wie dumm ist das denn? Zum Glück konnte ich nach kurzer Recherche herausfinden, dass Guybrush auch eine WASD-Steuerung drauf hat, welche in Kombination mit üblicher Mauszeigerinteraktion mit Gegenständen und Personen sogar ziemlich angenehm ist! Phew...
Telltale hat übrigens eines der klassischten Adventure-Konzepte, die Aktionsleiste (früher am unteren Bildschirmrand, später dann per Rechtsklick zum Durchwechseln oder als Ringmenü), endlich verworfen. Man linksklickt auf etwas, das einen Namen hat, und Guybrush benutzt es oder redet damit oder guckt es sich nur an oder stopft es sich in seine Hose - je nachdem, was angebracht ist. Von mir aus kann das so bleiben, die Steuerung hat mir auf jeden Fall keinerlei Frust beschert.
Die Rätsel sind allerdings dieselben geblieben. Es gibt mal wieder Beleidigungs-Schwertkampf-Ersatz, das klassische Verirr-Spiel in einem Dschungel, wo man Schätze zu finden hat, man sucht den Bildschirm nach Einzelheiten ab, kombiniert sich obskure Objekte und benutzt sie dann auf obskure Weise mit anderen obskuren Objekten - und vor allem wird viel mit den quirligen Charakteren in diesem neuen Karibik-Quadranten gequasselt. Ich weiß nicht, ob es an mir liegt (vielleicht überwinde ich ja langsam meine Unfähigkeit, halb-schwachsinnige Puzzle zu lösen), aber ich kam mit den meisten Sachen, die mir das Spiel entgegenwarf, erstaunlich gut zurecht. Ab und zu war ich zwar schon am Aufgeben, aber meist konnte ich mich, bevor ich doch zur Lösung griff, nochmal dazu überwinden eine bestimmte Sache auszuprobieren, die mir tatsächlich weiterhalf. Da war ich schon ein wenig stolz auf mich!
Ansonsten befinden sich auch in jedem Kapitel ein paar entspanntere Phasen, wo man genau weiß, was man zu tun hat, und nicht nur einfach herumläuft, alles in Guybrushs nach Schinken riechenden Jackentaschen reinsammelt und dann schaut, was man damit unternehmen kann - etwa Piraten-Gesichtsausdrücke sammeln, um einen wichtigen Grimassen-Wettbewerb zu gewinnen! Manchmal wird man auch sehr gütig mit kinderleichten Rätseln verhätschelt, so lässt sich fast jedes Schloss im Spiel mit Guybrushs Hakenhand öffnen. Ja. Hakenhand. Ihr werdet sehen, der Threepmeister wird in diesem Spiel piratiger als je zuvor! Er bekommt sogar einen Papagei!
Aber all das sind Kleinigkeiten, denn das Wichtigste, für mich zumindest, war bei Monkey Island immer Humor, Story und Charakter-Crew - und da hat sich Telltale selbst übertroffen. Die Grafik-Engine, die sich bereits in Sam & Max bewährt hat, verleiht dieser Episodenserie einen hübschen, gewohnt bunten Flair und lässt alle Figuren darin, voran natürlich Mr. und Mrs. Threepwood, außerordentlich charmant aussehen. Ich habe außerdem bisher noch nie Monkey Island auf Englisch gespielt (die deutsche Version ist, wie wir berichteten, unter Daedalics Fuchtel in der Mache), hatte daher ein bisschen Angst, dass meine Nostalgie-Erfahrung ein wenig den Bach runtergehen würde, aber das Übersetzen in den fremden Sprachbereich stellte überhaupt keine Probleme dar. Neben dem Protagonisten sind auch durchweg alle anderen Akteure blendend synchronisiert, so dass ich nur wiederholte Gespräche abkürzte und wegklickte. Und originell sind die neuen Figuren auch noch! Was will man da noch mehr? Ach so, alte Charaktere, klar. Ihr wollt Murray und Stan? Ihr werdet nicht enttäuscht.
Was mich letztendlich aber von den Socken gehauen hat, war mein Verhältnis zur Geschichte. Für gewöhnlich ist die Story von Monkey Island relativ geradlinig und simpel: Im ersten oder zweiten Kapitel werden alle Bösewichte vorgestellt, die Fronten werden aufgeteilt und es geht am Ende nur noch darum, den fiesen LeChuck zu sprengen. Tales of Monkey Island versucht da mal ein bisschen Abwechslung hineinzubringen und das Gut-/Böse-Konzept verschwimmen zu lassen, ohne dass man sich wie in einen Agenten-Thriller mit Doppelt- und Dreifachverrat versetzt fühlt. Das ganze Konzept wird schon schön dadurch vermittelt, dass LeChuck zum ersten Mal seit dem Ende von Monkey Island 2 nicht untot ist, dafür aber der Rest aller Piraten unter seinem Voodoo-Zorn leiden muss und Feuer und Galle speit. Ich habe auf jeden Fall bei jedem Schritt unseres Drywhip Spongedinkle mitgefiebert und die Twists und Unterbrechungen der Geschichte sind fabelhaft positioniert, sodass sich eine durchgängige, nach MI-Maßstäben plausible Geschichte ergibt.
Meiner Meinung nach ist Tales of Monkey Island eine hervorragende Fortsetzung der beliebten Serie. Es hat alles und macht alles gut: den Humor, die Charaktere, die Rätsel, das Setting. Allerdings könnte das Spiel für Monkey Island-Veteranen, die bisher jeden Teil ohne Hilfe geknackt haben, ein bisschen zu leicht sein. Ich meine, hey, selbst ich hab's diesmal zu 95% ohne Stützräder geschafft! Für die üblichen knapp 35 Euro darf Tales of MI keinesfalls in irgendeiner gut sortierten Adventure-Sammlung fehlen - für die momentan angebotenen 5 Euro für ALLE fünf Kapitel, also einem Euro pro Kapitel und etwa fünfzehn bis zwanzig Stunden Spielzeit insgesamt, wäre jeder, der einen Windows- oder Mac-Rechner mit Steam in seinem Besitz hat, total krank da nicht zuzuschlagen. Rian

Zu Beginn der Geschichte erwartet uns ein vertrautes Bild: Zombiegeisterdämonenpirat LeChuck ist gerade mal wieder im Begriff, irgendeinen schrecklichen Voodoo-Zauber auf die Welt loszulassen / sich unermessliche Voodoo-Kräfte zu eigen zu machen. Guybrushs Plünderhäschen, Elaine, ist derweil an den Mast des Schiffes gebunden und unser knuffiger, mächtiger Freibeuter mit der Powertolle muss mal wieder alles richten. Natürlich wird mal wieder irgendwas kräftig verkackt, LeChuck verwandelt sich in einen Menschen zurück und Guybrush setzt eine schreckliche Zauberkrankheit frei, die die gesamte Karibik bedroht. Außerdem explodiert das Schiff und Guybrush wird nach Flotsam Island gespült - eine Insel, von der der Wind niemals weg weht. Es beginnt die, nach dem klassischen Theater gerichtete, fünfkapitelige Suche nach dem Esponja Grande, der die sogenannten Pocken des LeChuck heilen können soll.
Gleich nachdem ich die Kontrolle über Guybrush erhalten habe, musste ich schon verärgert die Luft anhalten: Oh mein Gott, Steuerung ist nicht point & click! Haben die denn gar nichts aus Monkey Island 4 gelernt? Man muss den Mauszeiger über Guybrush führen, klicken, die Maustaste halten und den Piraten in die gewünschte Richtung ziehen. Wie dumm ist das denn? Zum Glück konnte ich nach kurzer Recherche herausfinden, dass Guybrush auch eine WASD-Steuerung drauf hat, welche in Kombination mit üblicher Mauszeigerinteraktion mit Gegenständen und Personen sogar ziemlich angenehm ist! Phew...
Telltale hat übrigens eines der klassischten Adventure-Konzepte, die Aktionsleiste (früher am unteren Bildschirmrand, später dann per Rechtsklick zum Durchwechseln oder als Ringmenü), endlich verworfen. Man linksklickt auf etwas, das einen Namen hat, und Guybrush benutzt es oder redet damit oder guckt es sich nur an oder stopft es sich in seine Hose - je nachdem, was angebracht ist. Von mir aus kann das so bleiben, die Steuerung hat mir auf jeden Fall keinerlei Frust beschert.

Die Rätsel sind allerdings dieselben geblieben. Es gibt mal wieder Beleidigungs-Schwertkampf-Ersatz, das klassische Verirr-Spiel in einem Dschungel, wo man Schätze zu finden hat, man sucht den Bildschirm nach Einzelheiten ab, kombiniert sich obskure Objekte und benutzt sie dann auf obskure Weise mit anderen obskuren Objekten - und vor allem wird viel mit den quirligen Charakteren in diesem neuen Karibik-Quadranten gequasselt. Ich weiß nicht, ob es an mir liegt (vielleicht überwinde ich ja langsam meine Unfähigkeit, halb-schwachsinnige Puzzle zu lösen), aber ich kam mit den meisten Sachen, die mir das Spiel entgegenwarf, erstaunlich gut zurecht. Ab und zu war ich zwar schon am Aufgeben, aber meist konnte ich mich, bevor ich doch zur Lösung griff, nochmal dazu überwinden eine bestimmte Sache auszuprobieren, die mir tatsächlich weiterhalf. Da war ich schon ein wenig stolz auf mich!
Ansonsten befinden sich auch in jedem Kapitel ein paar entspanntere Phasen, wo man genau weiß, was man zu tun hat, und nicht nur einfach herumläuft, alles in Guybrushs nach Schinken riechenden Jackentaschen reinsammelt und dann schaut, was man damit unternehmen kann - etwa Piraten-Gesichtsausdrücke sammeln, um einen wichtigen Grimassen-Wettbewerb zu gewinnen! Manchmal wird man auch sehr gütig mit kinderleichten Rätseln verhätschelt, so lässt sich fast jedes Schloss im Spiel mit Guybrushs Hakenhand öffnen. Ja. Hakenhand. Ihr werdet sehen, der Threepmeister wird in diesem Spiel piratiger als je zuvor! Er bekommt sogar einen Papagei!

Aber all das sind Kleinigkeiten, denn das Wichtigste, für mich zumindest, war bei Monkey Island immer Humor, Story und Charakter-Crew - und da hat sich Telltale selbst übertroffen. Die Grafik-Engine, die sich bereits in Sam & Max bewährt hat, verleiht dieser Episodenserie einen hübschen, gewohnt bunten Flair und lässt alle Figuren darin, voran natürlich Mr. und Mrs. Threepwood, außerordentlich charmant aussehen. Ich habe außerdem bisher noch nie Monkey Island auf Englisch gespielt (die deutsche Version ist, wie wir berichteten, unter Daedalics Fuchtel in der Mache), hatte daher ein bisschen Angst, dass meine Nostalgie-Erfahrung ein wenig den Bach runtergehen würde, aber das Übersetzen in den fremden Sprachbereich stellte überhaupt keine Probleme dar. Neben dem Protagonisten sind auch durchweg alle anderen Akteure blendend synchronisiert, so dass ich nur wiederholte Gespräche abkürzte und wegklickte. Und originell sind die neuen Figuren auch noch! Was will man da noch mehr? Ach so, alte Charaktere, klar. Ihr wollt Murray und Stan? Ihr werdet nicht enttäuscht.
Was mich letztendlich aber von den Socken gehauen hat, war mein Verhältnis zur Geschichte. Für gewöhnlich ist die Story von Monkey Island relativ geradlinig und simpel: Im ersten oder zweiten Kapitel werden alle Bösewichte vorgestellt, die Fronten werden aufgeteilt und es geht am Ende nur noch darum, den fiesen LeChuck zu sprengen. Tales of Monkey Island versucht da mal ein bisschen Abwechslung hineinzubringen und das Gut-/Böse-Konzept verschwimmen zu lassen, ohne dass man sich wie in einen Agenten-Thriller mit Doppelt- und Dreifachverrat versetzt fühlt. Das ganze Konzept wird schon schön dadurch vermittelt, dass LeChuck zum ersten Mal seit dem Ende von Monkey Island 2 nicht untot ist, dafür aber der Rest aller Piraten unter seinem Voodoo-Zorn leiden muss und Feuer und Galle speit. Ich habe auf jeden Fall bei jedem Schritt unseres Drywhip Spongedinkle mitgefiebert und die Twists und Unterbrechungen der Geschichte sind fabelhaft positioniert, sodass sich eine durchgängige, nach MI-Maßstäben plausible Geschichte ergibt.

Meiner Meinung nach ist Tales of Monkey Island eine hervorragende Fortsetzung der beliebten Serie. Es hat alles und macht alles gut: den Humor, die Charaktere, die Rätsel, das Setting. Allerdings könnte das Spiel für Monkey Island-Veteranen, die bisher jeden Teil ohne Hilfe geknackt haben, ein bisschen zu leicht sein. Ich meine, hey, selbst ich hab's diesmal zu 95% ohne Stützräder geschafft! Für die üblichen knapp 35 Euro darf Tales of MI keinesfalls in irgendeiner gut sortierten Adventure-Sammlung fehlen - für die momentan angebotenen 5 Euro für ALLE fünf Kapitel, also einem Euro pro Kapitel und etwa fünfzehn bis zwanzig Stunden Spielzeit insgesamt, wäre jeder, der einen Windows- oder Mac-Rechner mit Steam in seinem Besitz hat, total krank da nicht zuzuschlagen. Rian
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