|
Jetzt mit 100 Prozent mehr nackten Männern
|
Kane & Lynch sind schon ein komisches Duo. Die beiden alten Herren gehen jetzt in die zweite Runde, dabei haben sie im ersten Teil doch schon genug Schmerzen und Scheiße abbekommen, um für eine Trilogie zu reichen. Nichtsdestotrotz erleben Dick und Doof Launisch und Psychotisch in Shanghai frei nach dem Untertitel Dog Days ein paar hundsmiserable Tage - es wird immer schlimmer!
Leuten, die den Vorgänger auf Konsole gespielt haben, kann ich schon mal eine schöne Entwarnung liefern: Die selbst durch detailliertestes Tweaking nicht zu retten wollende Steuerung wurde in Dog Days komplett geheilt: Schießen hier, zoomen da, in Deckung gehen auf dem einen Knopf und das Zielen geht auch sehr flüssig ab. Zugegebenermaßen wäre es aber auch eine ganz schöne Schande, wenn man heutzutage dem Spieler keine ordentliche Kontrolle in einem Third-Person Shooter geben könnte.
Ebenso schön ist, dass Kane und Lynch ihren Charme kaum eingebüßt haben: Im Singleplayer-Modus übernimmt man den psychisch leicht lädierten Lynch, der munter tut, was seine Intuition ihm sagt, unter Stress lange Hasstiraden in sich hineinnuschelt, während Kane ihn anschreit und cholerisch hinterfragt, in was für eine Scheiße ihn sein halbglatziger Mitstreiter da eigentlich reingezogen hat. Ich muss jetzt schon sagen, dass ich einen Großteil meiner Motivation zum Weiterspielen aus diesen beiden Figuren gezogen habe - die alten Männer werden angeschossen, verstümmelt und haben eigentlich gar keinen Bock, sich großartig mit mächtigen Leuten anzulegen, aber was soll man machen? Da werden dann halt irgendwelche halbgaren Pläne ausgeführt, die natürlich menschlich schiefgehen.
Da hört's aber auch leider schon mit einem Großteil der guten Seiten auf, denn bereits nach ein paar Minuten entpuppt sich Kane & Lynch 2 als einer der gröbsten Mainstream-Shooter, die man heutzutage erstehen kann, beginnend bei der Story:
Kane kommt nach Shanghai, um einen Deal abzuwickeln. Lynch nimmt ihn noch zu einem kleinen Job mit, die beiden erschießen dabei aus Versehen die Tochter des größten Syndikatbosses Chinas, woraufhin ganz Shanghai Kane und Lynch jagt und sie sich durch Wellen um Wellen von Gegnern ballern müssen. Abwechslung ist dabei sehr spärlich gesäht: In den meisten Fällen gehen die alten Männer irgendwohin, wo sie keine Feindseligkeit erwarten, plötzlich ploppen Gegner aus dem Nichts auf, die es dann umzulegen gilt. Zwischendurch will dann auch noch mal kurz Kanes chinesische Freundin beschützt werden.
Doch Story ist bei einem Shooter ja relativ unwichtig, richtig? Solange die Action stimmt, ist alles in Ordnung! Nun, eine Sache macht das Spiel richtig: Das Setting ist klasse. Die Areale wechseln häufig und sind schön realistisch angehaucht - mal befindet man sich auf einem Flughafen, dann in Shanghais Straßen, dann in Parkhäusern, Warenhäusern, kämpft sich durch Bürokomplexe - man hat das Gefühl, die Entwickler wollten den Spieler mit extremer optischer Variation überhäufen.
Das Kampfsystem kann da aber leider nicht so ganz mithalten. Freunde des Gameplays von - Achtung, jetzt kommt der krasse Vergleich - Uncharted 1 werden sich hier sehr wahrscheinlich noch heimisch fühlen, wenn man mal davon absieht, dass Kane & Lynch 2 auf Klettereinlagen, die drei Rätsel und Granaten verzichtet. Was ich damit meine ist Folgendes: Man begibt sich hinter eine Deckung und schießt auf Gegner, die sich ihrerseits in Deckung befinden, bis die Gegner tot sind. Dann geht man ein paar Sekunden weiter und alles wiederholt sich solange, bis an die fünfhundert Feinde im Staub liegen. Das setzt man mit verschiedenen Modellen für denselben Waffentyp (Pistolen, leichte Maschinengewehre, Assault Rifles und Schrotflinten) in die Tat um, die spielen sich aber alle sehr ähnlich und man geht sowieso eher danach, wofür es gerade so Munition gibt. Nicht mal die extravaganten Standards Raketen- und Granatwerfer sind vorhanden, nur gegen Ende darf man einige Male ein schweres Maschinengewehr bedienen und Feinde niedermähen. Oh, und es gibt zwar keine Granaten, aber man findet immer wieder Benzinkanister oder sonstige Behälter mit Schadstoffen, die man wegwerfen und dann automatisch abschießen kann, sodass sich eine mittelschwere Explosion ergibt. Witziger Beieffekt: Bekommen Feinde schweren Schaden ab, verwandelt sich die gemetzelte Stelle in einen mitwabernden Mosaic-Filter.
Zwei Momente im Spiel stechen dann aber doch noch ein wenig heraus: Es gibt ein kleines Beschützerlevel, wo Gegner von Kanes Freundin ferngehalten werden müssen (sehr kurz) und gegen Ende darf man erst aus einem Heli heraus auf Menschen in Gebäuden ballern und dann aus den Gebäuden heraus auf Helis. Spannender wird's nicht, Bosskämpfe gibt es ansonsten auch keine.
Abschließende Anmerkungen zum Story-Modus: Man kann das Spiel natürlich noch im Ko-Op spielen, was das eintönige Herumgeballer ein wenig stimmiger gestaltet, aufgrund der viel zu kurzen Zeitspanne zwischen "Kumpel ist am sterben" und "Kumpel ist tot" aber auch wieder für Frustration sorgt, da man so seinen Mitstreiter nie rechtzeitig auf die Beine kriegt. An manchen Stellen spiele ich dann doch lieber alleine mit meinem unsterblichen CPU-Freund Kane. Zudem sorgt ein nochmaliges Durchspielen mit einem Kumpel auch nur dafür, dass sich die extrem magere Spielzeit von drei bis vier Stunden auf maximal acht Stunden erhöht. Das ist für einen Vollpreistitel schon echt frech, vor allem für Leute, die nichts mit dem Multiplayer-Modus anfangen können. Ach ja, und das Spiel hat kein Ende. Es hat einfach keins. Man erreicht das Ziel auf der letzten Karte, es kommt eine zehnsekündige, nichtssagende Cutscene und dann rollen die Credits.
Stichwort Multiplayer: Den interessanten Spielmodus Fragile Alliance kennt man schon aus dem Vorgänger - eine Gruppe spielt Bankräuber, die anderen sind die Polizisten. Die Räuber müssen natürlich mit der Beute entkommen und die Kohle wird dann unter den Überlebenden geteilt. Der Clou: Man kann natürlich auch seine Kollegen erschießen, was einen Kerl ausschließt, mit dem man teilen muss. Leider wechseln verstorbene Verbrecher zur Polizei über, so dass jeder gefallene Dieb es für die Überlebenden schwieriger macht.
Wer keine Lust hat, sich online verraten zu lassen, kann das Ganze auch im Arcade-Modus mit Blechkumpanen durchziehen. Ich habe ein paar Ein- und Ausbrüche gewagt, ein paar Mal den Fahrer bestochen, mit dem ich dann halbe-halbe gemacht habe und fand den Spielmodus ganz witzig. Könnte die Spielzeit für Offline-Menschen auf jeden Fall noch auf zehn Stunden anheben. Für Leute, die online spielen, gibt es dann noch zwei Variationen vom Fragile Alliance-Modus, die sind aber nicht so krass anders.
Ich habe mir von Kane & Lynch 2: Dog Days keine großen Hoffnungen gemacht, hätte mich aber dank der mir sympathischen Hauptcharaktere gerne eines Besseren belehren lassen. Leider ist dann doch nur ein sehr generischer Shooter bei herausgekommen, den man alleine an einem kurzen Nachmittag beenden kann. Im Grunde ist das Spiel ein perfekter Kandidat für die Pyramide - für zehn Euro kann man sich das Spiel sicherlich ohne Reue holen, jeder Preis darüber ist aber komplette Geldverschwendung. Rian
Leuten, die den Vorgänger auf Konsole gespielt haben, kann ich schon mal eine schöne Entwarnung liefern: Die selbst durch detailliertestes Tweaking nicht zu retten wollende Steuerung wurde in Dog Days komplett geheilt: Schießen hier, zoomen da, in Deckung gehen auf dem einen Knopf und das Zielen geht auch sehr flüssig ab. Zugegebenermaßen wäre es aber auch eine ganz schöne Schande, wenn man heutzutage dem Spieler keine ordentliche Kontrolle in einem Third-Person Shooter geben könnte.

Ebenso schön ist, dass Kane und Lynch ihren Charme kaum eingebüßt haben: Im Singleplayer-Modus übernimmt man den psychisch leicht lädierten Lynch, der munter tut, was seine Intuition ihm sagt, unter Stress lange Hasstiraden in sich hineinnuschelt, während Kane ihn anschreit und cholerisch hinterfragt, in was für eine Scheiße ihn sein halbglatziger Mitstreiter da eigentlich reingezogen hat. Ich muss jetzt schon sagen, dass ich einen Großteil meiner Motivation zum Weiterspielen aus diesen beiden Figuren gezogen habe - die alten Männer werden angeschossen, verstümmelt und haben eigentlich gar keinen Bock, sich großartig mit mächtigen Leuten anzulegen, aber was soll man machen? Da werden dann halt irgendwelche halbgaren Pläne ausgeführt, die natürlich menschlich schiefgehen.
Da hört's aber auch leider schon mit einem Großteil der guten Seiten auf, denn bereits nach ein paar Minuten entpuppt sich Kane & Lynch 2 als einer der gröbsten Mainstream-Shooter, die man heutzutage erstehen kann, beginnend bei der Story:
Kane kommt nach Shanghai, um einen Deal abzuwickeln. Lynch nimmt ihn noch zu einem kleinen Job mit, die beiden erschießen dabei aus Versehen die Tochter des größten Syndikatbosses Chinas, woraufhin ganz Shanghai Kane und Lynch jagt und sie sich durch Wellen um Wellen von Gegnern ballern müssen. Abwechslung ist dabei sehr spärlich gesäht: In den meisten Fällen gehen die alten Männer irgendwohin, wo sie keine Feindseligkeit erwarten, plötzlich ploppen Gegner aus dem Nichts auf, die es dann umzulegen gilt. Zwischendurch will dann auch noch mal kurz Kanes chinesische Freundin beschützt werden.

Doch Story ist bei einem Shooter ja relativ unwichtig, richtig? Solange die Action stimmt, ist alles in Ordnung! Nun, eine Sache macht das Spiel richtig: Das Setting ist klasse. Die Areale wechseln häufig und sind schön realistisch angehaucht - mal befindet man sich auf einem Flughafen, dann in Shanghais Straßen, dann in Parkhäusern, Warenhäusern, kämpft sich durch Bürokomplexe - man hat das Gefühl, die Entwickler wollten den Spieler mit extremer optischer Variation überhäufen.
Das Kampfsystem kann da aber leider nicht so ganz mithalten. Freunde des Gameplays von - Achtung, jetzt kommt der krasse Vergleich - Uncharted 1 werden sich hier sehr wahrscheinlich noch heimisch fühlen, wenn man mal davon absieht, dass Kane & Lynch 2 auf Klettereinlagen, die drei Rätsel und Granaten verzichtet. Was ich damit meine ist Folgendes: Man begibt sich hinter eine Deckung und schießt auf Gegner, die sich ihrerseits in Deckung befinden, bis die Gegner tot sind. Dann geht man ein paar Sekunden weiter und alles wiederholt sich solange, bis an die fünfhundert Feinde im Staub liegen. Das setzt man mit verschiedenen Modellen für denselben Waffentyp (Pistolen, leichte Maschinengewehre, Assault Rifles und Schrotflinten) in die Tat um, die spielen sich aber alle sehr ähnlich und man geht sowieso eher danach, wofür es gerade so Munition gibt. Nicht mal die extravaganten Standards Raketen- und Granatwerfer sind vorhanden, nur gegen Ende darf man einige Male ein schweres Maschinengewehr bedienen und Feinde niedermähen. Oh, und es gibt zwar keine Granaten, aber man findet immer wieder Benzinkanister oder sonstige Behälter mit Schadstoffen, die man wegwerfen und dann automatisch abschießen kann, sodass sich eine mittelschwere Explosion ergibt. Witziger Beieffekt: Bekommen Feinde schweren Schaden ab, verwandelt sich die gemetzelte Stelle in einen mitwabernden Mosaic-Filter.
Zwei Momente im Spiel stechen dann aber doch noch ein wenig heraus: Es gibt ein kleines Beschützerlevel, wo Gegner von Kanes Freundin ferngehalten werden müssen (sehr kurz) und gegen Ende darf man erst aus einem Heli heraus auf Menschen in Gebäuden ballern und dann aus den Gebäuden heraus auf Helis. Spannender wird's nicht, Bosskämpfe gibt es ansonsten auch keine.

Abschließende Anmerkungen zum Story-Modus: Man kann das Spiel natürlich noch im Ko-Op spielen, was das eintönige Herumgeballer ein wenig stimmiger gestaltet, aufgrund der viel zu kurzen Zeitspanne zwischen "Kumpel ist am sterben" und "Kumpel ist tot" aber auch wieder für Frustration sorgt, da man so seinen Mitstreiter nie rechtzeitig auf die Beine kriegt. An manchen Stellen spiele ich dann doch lieber alleine mit meinem unsterblichen CPU-Freund Kane. Zudem sorgt ein nochmaliges Durchspielen mit einem Kumpel auch nur dafür, dass sich die extrem magere Spielzeit von drei bis vier Stunden auf maximal acht Stunden erhöht. Das ist für einen Vollpreistitel schon echt frech, vor allem für Leute, die nichts mit dem Multiplayer-Modus anfangen können. Ach ja, und das Spiel hat kein Ende. Es hat einfach keins. Man erreicht das Ziel auf der letzten Karte, es kommt eine zehnsekündige, nichtssagende Cutscene und dann rollen die Credits.
Stichwort Multiplayer: Den interessanten Spielmodus Fragile Alliance kennt man schon aus dem Vorgänger - eine Gruppe spielt Bankräuber, die anderen sind die Polizisten. Die Räuber müssen natürlich mit der Beute entkommen und die Kohle wird dann unter den Überlebenden geteilt. Der Clou: Man kann natürlich auch seine Kollegen erschießen, was einen Kerl ausschließt, mit dem man teilen muss. Leider wechseln verstorbene Verbrecher zur Polizei über, so dass jeder gefallene Dieb es für die Überlebenden schwieriger macht.
Wer keine Lust hat, sich online verraten zu lassen, kann das Ganze auch im Arcade-Modus mit Blechkumpanen durchziehen. Ich habe ein paar Ein- und Ausbrüche gewagt, ein paar Mal den Fahrer bestochen, mit dem ich dann halbe-halbe gemacht habe und fand den Spielmodus ganz witzig. Könnte die Spielzeit für Offline-Menschen auf jeden Fall noch auf zehn Stunden anheben. Für Leute, die online spielen, gibt es dann noch zwei Variationen vom Fragile Alliance-Modus, die sind aber nicht so krass anders.
Ich habe mir von Kane & Lynch 2: Dog Days keine großen Hoffnungen gemacht, hätte mich aber dank der mir sympathischen Hauptcharaktere gerne eines Besseren belehren lassen. Leider ist dann doch nur ein sehr generischer Shooter bei herausgekommen, den man alleine an einem kurzen Nachmittag beenden kann. Im Grunde ist das Spiel ein perfekter Kandidat für die Pyramide - für zehn Euro kann man sich das Spiel sicherlich ohne Reue holen, jeder Preis darüber ist aber komplette Geldverschwendung. Rian
Bisher gibt es keine Kommentare.




