Sorcery Gewinnspiel!
Der Nerdy-Call
Wenn das Handy dreimal klingelt
Es ist 21 Uhr - Halbzeit für einen Gamer. Wie es alle paar Tage mal vorkommt, verlaufe ich mich auch heute in einem Zustand, in dem ich einfach nicht zur Produktivität bestimmt zu sein scheine, aber ansonsten auch nichts los ist. Wie schon vor fünf Minuten checke ich alle Spieleseiten, Foren und Blog auf neue Einträge, doch nirgendwo zeigt sich ein relevantes Update. Meine Webcomics habe ich natürlich schon längst abgearbeitet, trotzdem ertappe ich mich dabei, wie ich immer wieder fast schon unbewusst meine Bookmarks zu xkcd, Penny Arcade und The Doghouse Diaries anmanövriere. Nichts. Die Zeit zieht sich so unerträglich in die Länge. Ich erhebe mich aus meinem Drehstuhl, rümpele ein paar Gegenstände umher und komme zu dem Schluss, dass ich doch nicht aufräumen will. Nachdem ich mich hingesetzt habe überprüfe ich meine Regale mit gesammelten Videospielen, heute bestimmt schon zum zehnten Mal. Durchgespielt, durchgespielt, angespielt, keine Lust, dreimal beendet… Sackgasse. Ich stöpsele diverse USB-Platten an meinen Laptop und schaue, ob sich durch Hexerei neue Filme in meiner Sammlung aus digitalen Sicherungskopien eingefunden haben. Gesehen, gesehen, langweilig, gesehen, zu ernst, gesehen… Langsam dämmert es mir, dass ich in meinen eigenen vier Wänden nicht die Antwort finden werde. 'Denke außerhalb der Box' heißt es immer, also ging ich meine Handy-Kontakte durch und überlegte, welcher Gamer außerhalb meiner Box jetzt noch nicht versoffen vor'm Record of Lodoss War-Marathon oder sonstigen Standardbeschäftigungen eingenickt war. Bei einem Namen blieb mein Daumen über der Abwärts-Taste stehen. Oh ja, er passt perfekt. Und er hat Zeit, das weiß ich. Er wird nicht ausschlagen können. Das wird ein guter Abend. Ich machte einen Nerdy-Call.


Ein Nerdy-Call ist angelehnt an den berühmten Booty-Call. Bis auf die Sache mit dem Sex funktioniert das auch ganz ähnlich: Zwei Freunde (oder Bekannte) mit dem gleichen, akuten Interesse (zocken) verabreden sich urplötzlich auf die Schnelle, um ein paar Stunden herumzugamen. Das Prozedere ist, nach Prof. Barney Stinsen, variabel und abhängig von der Tageszeit.


Eigentlich ganz einfach: Ist es noch früher Nachmittag, macht man einen schönen, höflichen Anruf, etwa eine halbe bis eine Minute. Je weiter wir nun in die Nacht hineinschreiten, desto kürzer und direkter wird die Kommunikation. Erst werden die Sätze abgehackt, dann kommen die SMS, kurz vor Schluss werden nur noch Frage- und Ausrufezeichen ausgetauscht.


Nach einem Nerdy- wie nach einem Booty-Call fühlt man sich schäbig. Immer, ausnahmslos. Gut, aber schäbig, dreckig und es wird Zeit schlafen zu gehen. Das liegt daran, dass man sich objektifiziert fühlt und ist ganz normal. Aber gerade deswegen sind Nerdy-Calls nicht dazu geeignet, eine längere LAN-Party einzufädeln, außerdem sind zu viele Nerdy-Calls ein todsicheres Zeichen dafür, dass in eurem Leben gerade irgendwas nicht so ganz richtig läuft. Den Vergleich zur sexuellen Variante dürft ihr da natürlich gerne ziehen und dann anmerken, dass ich total schlau und wissend bin. Vielen Dank und gute Nacht! Rian
10.09.2010 | Rian | Wanna go bowling?
1 Kommentar
» Kommentare
Evil am 10.09.2010 um 12:44 Uhr
Oh Gott, das kommt bei mir viel zu oft vor ... und 21 Uhr ist in so Fällen dann sogar noch vergleichsmäßig früh!
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