Sorcery Gewinnspiel!
Blizzard of Fail
Karl-Heinz Rudolfowitz spielt WarCraft
Manchmal wundern sich Leute, wieso Activision mittlerweile so einen schlechten Ruf genießt. Wieso ist denn nun diese Firma der Teufel, was machen die denn so schlimmes, dass EAs frühere Schandtaten dazu im Vergleich wie Lausbubenstreiche wirken? Angeblich sollen sie einen firmeninternen Polizeistaat führen, zusätzlich dazu, dass sie ihre wichtigsten Leute gerne mal um ihr Geld prellen, weil diese nicht brav Männchen machen.
Außerdem bringen die dreißig Guitar Hero-Spiele pro Jahr heraus -- da ist Electronic Arts mit gerade mal zehn Rock Bands pro Sonnenumrundung ja noch weit von entfernt.

Mittlerweile scheint es aber Activision nicht mehr auszureichen, ihre Mitarbeiter zu schikanieren, nein, diesmal hatte man es im großen Stil auf die eigene Fangemeinde abgesehen. Jeder von ihnen sollte bald in den Foren ihrer Spiele, Starcraft 2 und World of Warcraft, unter seinem wahren, echten Namen bekannt werden - ob er will oder nicht. "Dann wird die Forenatmosphäre sicher vielleicht besser!", war das Versprechen des Unternehmens. Das Resultat? Tausende von Beiträgen im offiziellen Thread, hunderte von Medienberichten zu der Thematik und schlussendlich, nach knapp drei Tagen, ein Rückzieher seitens Blizzards. Der RealID-Vorschlag war ziemlich in die Hose gegangen, auch wenn das System in-game zumindest auf der Freundesliste teilweise Verwendung finden wird.

Angie M. -- heimliche WoW-Spielerin? Ohne Real ID werden wir es nie erfahren!

So ganz einsichtig hat sich Activision Blizzard dann im Endeffekt aber doch nicht gezeigt, erkennbar an dem "derzeit", welches an die Rückzugserklärung angehängt wurde, denn immerhin sind sie wie jedes andere Unternehmen primär gewinnorientiert. Vielleicht sogar ein bisschen mehr als die anderen, wenn man den oben schon erwähnten Medienberichten glauben schenken darf. Daher klingen auch die Vorteile, die als Begründung für Real ID vorgeschoben werden, eher wie unvermeidbare Nebenwirkungen.

Natürlich kann sein, dass durch den richtigen Namen der Umgangston im Forum etwas freundlicher geworden wäre. Genau wie der Typ, der sich in der Bahn neben mich setzt, um einen seiner Phantomfürze abzulassen, die man zwar nicht hören, dafür aber umso mehr riechen kann, das sicher unterlassen wird, wenn ich erst herausgefunden habe, wo er wohnt!
Andererseits jedoch wird sich ein richtiger "Troll" nicht von seiner Arbeit abhalten lassen. Das Internet ist voll von Leuten, denen es egal ist, wer ihren richtigen Namen kennt und wenn die eben einen Mist in irgendwelchen Foren posten wollen, dann werden sie es auch weiterhin tun. Die Entfernungsbarriere bleibt nämlich bestehen. Wer jedoch von dieser Änderung am Meisten getroffen worden wäre? Natürlich die braven User. Der Gelegenheits-WoWler, der eine dringene Frage hat und der mit dem neuen System erst mal ordentlich hätte überlegen müssen, ob sich die Preisgabe seines Namens lohnt, damit er ein bisschen Hilfe kriegt, um das Spiel, wofür er immerhin monatlich viel Geld zahlt, auch ordentlich zocken zu können. Das Mädchen, das einfach gerne ein bisschen online spielen würde ohne fortan regelmäßig belästigt zu werden, weil jeder anhand ihres richtigen Namens darauf schließen kann, dass sie weiblich ist. Und natürlich der Everyday Normal Guy, der aus irgendwelchen Gründen einfach keine Lust hat, dass jeder erfährt, womit er gerne seine Freizeit verbringt.

Was also könnte Activi$ion-Bli$$ard dazu bringen solch eine kontroverse Entscheidung zu treffen? Mal eine simple Anleitung um euch auf die Sprünge zu helfen:

1. Real Namen
2. Soziale Netzwerke
3. ????
4. Profit

Kleinere Kooperationen mit Facebook sollten wohl nur der erste Schritt sein, um die Spielerfahrung mit ein paar typischen Elemente sozialer Netzwerke zu erweitern. Und dazu gehören eben auch richtige Namen, damit man sich schneller findet. Und das man gerade im Social Networking-Bereich verdammt viel Geld machen kann, dürfte sich mittlerweile herumgesprochen haben.

Interessanterweise fanden sich dennoch Leute, die für Activision bereit waren in die Bresche zu springen, um das Privileg, bald ihre vollen Namen auf der World of Warcraft-Seite lesen zu können, im Foren und Kommentarbereichen lautstark zu verteidigen. Die zwei Argumente, die man am häufigsten zu hören bekam, sind dabei allerdings mindestens genauso dämlich wie gegensätzlich: Auf der einen Seite stehen die, die meinen, dass wenn man auf seine Daten aufpasst, sie sich doch gar keine Sorgen machen müssten, wenn man ihren Namen nun im Forum liest -- man könnte ja dann auch trotz Google-Stalking nicht mehr über sie herausfinden. Die Ironie, ein Datenschutz-Argument für die Verteidigung eines Systems einzusetzen, welches absolut privatssphärenfeindlich ist, scheint ihnen dabei zu entgehen.
Ihnen gegenüber befinden sich hingegen der Typ Mensch, welcher bei einem Schäuble warme Gedanken hervorrufen würden. "Wer nichts zu verbergen hat, muss auch nichts befürchten." ist ihr Leitspruch. Das es vor allem um das Prinzip geht und man auch ohne was verbergen zu wollen gegen solch ein Eindringen in das Privatleben sein kann, scheint aber nicht für sie verständlich zu sein.

Ich habe kein Problem damit, dass, wenn jemand auf unserer Seite in das Impressum schaut, lesen kann, dass ich Rian Joschua Haris heiße. Ganz im Gegenteil, das sehe ich sogar als positiv an. Wer seine Lieblingssuchmaschine anschmeißt, um mich zu suchen und deswegen hier landet, das sorgt einerseits für den ein oder anderen zusätzlichen Besucher und wenn diese Person dann noch Gefallen an den täglichen Beiträgen findet ist das umso besser.
Andererseits würde ich es sicher nicht wollen, wenn ein findiger Googler hingegen auf meine Beiträge im Viagra Replacement Medicine-Forum stoßen würde, weswegen ich dort natürlich nicht unter meinem richtigen Namen sondern unter dem Pseudonym Fl4cc1DB00m5t1ck angemeldet bin.
Im Endeffekt steht aber fest: sollte Blizzard oder ein anderes Unternehmen mit solchen Absichten irgendwann durchkommen, könnte das verheerende Konsequenzen haben. Wenn es plötzlich Zwang wird, seinen richtigen Namen öffentlich zu hinterlassen und sich das dann auch noch weiter verbreitet, wird es irgendwann nur noch schwierig sein, unsere Politiker von ihren Schnapsfantasien wie den Internet-Personalausweis abzubringen.Evil
11.07.2010 | Evil | OBJECTION!
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