Echtzeit-Taktik anno 2000
Star Trek, Weltkrieg, Wilder Westen
Während wir letztes Mal mit Pizza Connection 2 einen der Vertreter des um die Jahrtausendwende populären Management-Simulationsgenre hatten, schauen wir uns dieses Mal gleich die ganze Bandbreite eine Spieleart an: Taktik-Strategie, die sich in Echtzeit abspielt.

Die Wurzeln lassen sich dabei auf Titel wie X-Com, SWAT aber auch Jagged Alliance zurückverfolgen. Man agierte mit Teams aus Spezialisten, um Missionen zu erfüllen oder die Gegner auszuschalten -- nur eben rundenbasiert. Commandos blieb zwar bei der Isoperspektive, schaffte dabei aber, als es 1998 erschien, nicht nur die Runden ab, sondern setzte den Fokus auf Stealth, was den Taktik-Aspekt auf eine ganz andere Ebene elevierte.

Hachja. Nazis.

In der Rolle einer Elitetruppe im zweiten Weltkrieg war es die Aufgabe des Spielers, deutsche Stellungen zu infiltrieren und zu sabotieren. Dabei konnte man sich auf trainierte Einzelkämpfer verlassen: der Green Beret beispielsweise, ein Mann fürs Grobe, der seine Feinde lautlos ausschaltet, um sie dann in irgendeiner dunklen Ecke zu verstauen, der Spion, welcher sich als deutscher Offizier tarnt, um die Fußtruppen abzulenken, oder der Pionier, dessen Sprengstoffkenntnis für das ein oder andere Ablenkungsmanöver gut ist.
Und auch wenn spätere Teile das Gameplay etwas erweiterten, sei es durch neue Charaktere mit eigenen Fähigkeiten oder zusätzliche Features wie Inventare für jeden Charakter, man wich für die ersten drei Spiele niemals vom Grundprinzip ab.

Und das funktionierte gerade dank der gut designten Missionen einfach super. Dynamische Missionsziele, die Möglichkeit verschiedene Ansätze zu benutzen, aber vor allem ein bockschwerer Schwierigkeitsgrad machten aus Commandos eine fesselnde Herausforderung. Und auch wie in Splinter Cell sorgte die Freiheit beim Missionenlösen für einen gewissen zusätzlichen Widerspielwert. Denn natürlich kann man jeden einzelnen Deutschen schön leise und unauffällig ausschalten, aber die wahre Herausforderung ist doch die Missionsziele zu erfüllen, während man sich direkt unter ihrer Nase sich durch die Landschaften.

Die ersten drei Teile sind daher uneingeschränkt empfehlenswert, doch haltet euch bloß vom vierten fern. Da dachten die Entwickler nämlich, dass man was Neues probieren sollte, also nahmen sie die bekannten Commandos-Charaktere und packten sie in ein Medal of Honor für Arme. Weg mit Taktik, weg mit Anspruch, dafür aber ordentlich ballern, yeeehaaw! *gähn*

Da Commandos nicht unerfolgreich war fanden sich auch schon nach kurze Zeit Entwickler, die an dem Konzept gefallen fanden und dies auch für ihre Spiele adaptierten. Das wohl populärste Spiel in diese Richtung ist wohl Desperados: Wanted Dead or Alive von den deutschen Entwicklern Spellbound.

Hachja. Minen.

Dieses schickte euch in den Wilden Westen und bot, im Gegensatz zu Commandos, nicht nur eine Story sondern auch Charaktere mit richtiger Persönlichkeit! Als John Cooper, Revolverheld, seid ihr auf der Jagd nach dem großen Geld -- $15.000 für den, der El Diablo, einen Banditen, der schon etliche Züge ausgeraubt hat, aufhalten kann. Um dies zu schaffen schart er seine alten Kameraden um sich, beispielsweise Sam, einen schwarzen Sklaven, oder McCoy, einen "Arzt", welchem die Rolle des Scharfschützen zufällt.

Während man am Grundprinzip der Commandos-Spiele - Echtzeittaktik mit Stealth - festhielt, wurde das Gameplay an gewissen Stellen geschickt erweitert. So konnte man beispielsweise seinen Recken Aktionen zuweisen, die aber erst auf Knopfdruck ausgeführt wurden. Perfekt um beispielsweise zwei Wachen zeitgleich auszuschalten. Und John Cooper beherrschte schon im Wilden Westen Sam Fishers Mark and Execute, mit dem man bis zu drei Feinde markieren und anschließend mit dem Revolver um die Ecke bringen konnte.

Neben Desperados gibt es von den selben Entwicklern noch die Nachfolger Desperados 2 und Helldorado sowie Robin Hood, welches das Gameplay in die Zeit des glorifizierten Räubers verlegt.

Hachja. Bäume.

Schließlich folgte in der kurzen Hype-Welle auch noch Star Trek: Away Team. Auf dem Rücken des erfolgreichen Ego-Shooters Star Trek: Elite Force schickte Activision eine unbekannte Schar von Red Shirts in den Weltraum, um auf fremden Planeten Klingonenärsche zu treten. Leider war das Spiel etwas verbuggt und die Missionen hatten nicht den selben Reiz oder den Wiederspielwert von den besseren Alternativen, so dass die Luft ziemlich schnell draußen war. Und das Level Design mit dem ständigen Raumschifflook? Ürgsel!

Während ich also Away Team nur den heimlichen Trekkies unter euch ans Herz legen würde, sind Commandos und Desperados definitiv Spiele, die ihr mal anspielen solltet. Selbst wenn man mit dem Genre allgemein nichts anfangen kann, der Verlockung des fairen aber hohen Schwierigkeitsgrades sollte man als richtiger Gamer nicht entkommen! Evil
05.07.2010 | Evil | Nostalgie
2 Kommentare
» Kommentare
Nex am 06.07.2010 um 12:18 Uhr
Echtzeit-Taktik-Strategie... das Spiel ist mein ultimativer Nemesis!
Rian am 06.07.2010 um 12:28 Uhr
Ich habe in Commandos damals auch jämmerlich versagt. Wollte es letzt mal wieder spielen, aber ich habe es nicht installiert bekommen...
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