Killing Floor
Zusammen oder gar nicht
Wo wir schon beim Thema Spiele mit fragwürdiger Daseinsberechtigung waren: Killing Floor von Tripwire Interactive passt zu dem Thema wie die Faust auf die Flagge einer Gruppe von revolutionären Freiheitskämpfern. Zombies (naja, eigentlich Mutanten) laufen frei umher und wollen die letzten paar Überlebenden auffuttern, die sich zu einer kleinen Gruppe zusammengerauft haben. Klingt ein bisschen wie Left 4 Dead? Neeeeeein! Na gut, vielleicht ein bisschen! Spielt sich dann aber doch schon anders, was gar nicht mal übel ist. Aber ein offensichtlicher Nachteil gegenüber dem populären Co-op-Survival-Shooter geht ganz klar in die Waagschale: Es gibt natürlich keinen Nude Zoey-Mod. :(


Oder sonstige weibliche Personen in der Protagonistengruppe. Nein, hier ist noch pures Testosteron unter Schutzhelmen und Gasmasken angesagt! Zumindest wenn man sich keine weiteren Charaktermodelle runterlädt, aber wer sowas macht, der kauft auch Klingeltöne bei Jamba. Naja, und es gibt da noch die Waffenhändlerin, aber die ist nicht wirklich... mit Zoey vergleichbar. Außerdem trägt die immer so dicke Klamotten und man sieht sie nur so kurz zwischen den Angriffswellen, dass man überhaupt gar keine Zeit hat, um überhaupt auf Ideen zu kommen und--- ach, ich wollte ja über das Spiel reden.
Also, Angriffswellen ist schon einmal ein gutes Stichwort: Im Gegensatz zu L4D, wo man sich mit einem Vierertrupp von ungewöhnlichen Groß- und Vorstadtbewohnern von A nach B kämpft und ab und zu mit Türöffnern und Fahrstühlen ganze Horden an Untoten anlockt, die es dann zu überleben gilt, ist man in Killing Floor entweder alleine oder hat bis zu fünf Mitstreitern, mit denen man auf einer designierten Karte einfach drei, sieben oder elf Runden lang bestehen muss. Das ist gar nicht so leicht (naja, außer auf "leicht"), denn bereits auf dem normalen Schwierigkeitsgrad kommen derart viele Mutanten angelaufen, die einen mit links umzingeln, so dass man alleine oder zu zweit in Sekundenbruchteilen leblos in sich zusammensackt. Da hat man als Spieler schon dementsprechend Angst, wenn die erste Welle überlebt wurde und dann die Kettensägenzombies kommen, und die unsichtbaren, und die Sirenen, die einen mit ihren Schreien vollkommen desorientieren, und die Viecher mit den Plasmagewehren und die Crawler... Es gibt eine ganze Masse an widerlich genmanipuliertem Gesocks, gegen das man in Kleinstgruppen keine Chance hat.

Make your choice!

Es sei denn man hat gelevelt. Ein schöner wie einfacher Zusatz zum Survival-Spielprinzip ist das kontinuierliche und langsame Aufleveln aller Charakterklassen. Derer gibt es sieben, darum macht es bei Spielen in großen Gruppen schon Sinn, dass jeder einen Job übernimmt: Da gibt es den Ingenieur, der mit seinem Schweißgerät superschnell Türen dicht machen kann und seine Freude an Schrotflinten hat, den Scharfschützen, den Commando als Mann des Maschinengewehrs, den Sprengmeister mit dem Faible für Fernzünder, den Feuerteufel mit Flammenwerfer, den Nahkampfspezialisten mit Vorliebe für Katanas und Kettensägen und natürlich den Sanitäter mit seinen Spritzen. Jeder dieser Charaktere kann bei einem Level-Up, das über spezifische Wege erreicht wird (möchte man seinen Medic verbessern, muss man, egal mit welchem Charakter, ganz viel andere Charaktere heilen und so weiter), neue nützliche Fertigkeiten freischalten. Meistens äußert sich das in Vergünstigungen beim Waffenladen, denn die Ballermänner sind schweineteuer, Munition fällt auch nicht gerade von den Bäumen und herumtorkelnde, nackte Kannibalen haben merkwürdigerweise nicht allzu viel Geld auf der Tasche.


Insofern macht sich bei Killing Floor ein ganz anderes Spielgefühl breit: Während man bei Left 4 Dead eher versucht im Chaos zu kommunizieren und aus stets miesen Situationen mit heiler Haut davon zu kommen, ist es für einen Trupp in diesem Spiel meist schon zu spät, wenn man den Augenblick als chaotisch beschreiben kann. Da man nicht den Zwang hat, sich ständig fortzubewegen, mal abgesehen vom üblichen Gruppenmarsch zum Waffenhändler (everybody's faster with a knife), kann man sich schön verschanzen, Türen zuschweißen, Sprengfallen platzieren und Aufgaben verteilen. Ein Gegner-Counter informiert einen ständig darüber, wie viele Menschenfresser noch unterwegs sind, was beim schwinden der Zahl in den einstelligen Bereich am Ende einer schwierigen Welle durchaus schon mal in euphorisch erhöhter(er) Gewaltbereitschaft den Mutanten gegenüber Ausdruck findet - da packen alle ihre Messer aus und es werden lustig Grunts geheadert. Ich möchte nicht zu sehr auf unsere Killing Floor-Sessions eingehen, welche natürlich ungemein zivil vonstatten gehen, aber ein High-Five hier und ein Brustklatscher da waren schon drin.

Die Frau an der Kasse.

Da hat das Entwicklerteam auch insofern atmosphärisch einen guten Job gemacht: Zwar ist die Grafikengine mit Killing Floor als gedachtes UT2k4-Mod ein bisschen angestaubt, nichtsdestotrotz werden sehr schön verlassene Städte, Forschungskomplexe, eine weitläufige Farm bei Nacht und mehr dargestellt. Und das Schönste: Aus allen Ecken können Zombies kommen! Bei diesem Spiel trennt sich echt die Spreu vom Weizen, wer da kein Teamplayer ist, hat nachher den Tod einer ganzen Gruppe zu tragen. Da ist ein Mann noch ein Mann! Wenn er nicht gerade per Charakterimport eine Frau ist.

Killing Floor gibt es immer mal wieder zu verschiedenen Aktionspreisen auf Steam und ist auch für Mac-Spieler geeignet, die eventuell unerfüllt nach einer L4D-Portierung geifern. Aber das Spiel muss sich nicht im Schatten seines großen Bruders verstecken: Es enthält vielleicht nicht den raffinierten Umfang von Valves hauseigenem Produkt, entpuppt sich aber als spaßige und, durch das langsame Level-System, langanhaltende Abwechslung im Survival-Genre. Rian
09.07.2010 | Rian | In-Game
6 Kommentare
» Kommentare
Undead am 09.07.2010 um 18:58 Uhr
Wer braucht Zoey wenn man Stalker und Sirens hat?

Aber wie man sieht, hat D-Pad Killing Floor. Hätte jemand Lust mit der Leiche zu spielen? :3
Phno am 09.07.2010 um 19:38 Uhr
*wink

Ich habs mir vor einigen Tagen geholt, als es bei Steam gesenkt war.
Undead am 09.07.2010 um 20:49 Uhr
Mh, jetzt würde mir jetzt sehr eine PN-Funktion wünschen :3 Ich hätte jedenfalls Probleme damit meinen Steamnamen öffentlich freizugeben. XD
Nex am 09.07.2010 um 23:40 Uhr
Mailt uns doch einfach eure Steam-Namen, wir adden euch dann!
Phno am 09.07.2010 um 23:46 Uhr
Ich hab den Rian schon in Steam - Buschfunk, gogogo
Rian am 10.07.2010 um 00:44 Uhr
Mein Steam-Name ist Rianq. :D Aber ja, man könnte mal eine Partie spielen. ...bald... Klausuren...
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