Just Cause 2
Ewige Action
Square Enix Europe (vormals Eidos Interactive) hat da schon ein merkwürdiges Spiel konzipiert. Ich könnte hier darüber sprechen, wie auf Special Agent Rico, der mit fragwürdigen Exekutivrechten eine ganze Insel auseinandernimmt, um einen einzigen Amerikaner zu finden, eine gigantische Fülle von Missionen, Nebenmissionen und versteckten Missionen wartet. Ich könnte davon reden, wie der Soundtrack des Spiels eines der besten Ambience-Erlebnisse der letzten Jahre für mich darstellte. Ebenfalls könnte ich über die spektakuläre Grafik sprechen. Das alles tue ich auch noch ein bisschen, aber wenn ich an Just Cause 2 denke, dann kommt mir eigentlich nur noch eine einzige Sache in den Sinn: Urlaub.

Es ist wirklich so: Dieses Spiel versetzt mich in einen gelassenen Zustand der Ruheregeneration, wenn ich mich mit Rico von einer Klippe schwinge und gemütlich im Fallschirm der im Meer untergehenden Sonne entgegenschwebe - das ist fast so erholsam wie gemütliches Am-Strand-Liegen, wenn auch weder so warm noch so gesund. Und eigentlich bin ich ja auch niemand, der Spiele spielt, wenn er schlecht drauf ist; da geht's mir dann nur noch schlechter, wenn ich einmal sterbe. Besser man guckt einen Film, da weiß man, was einen erwartet. Falls mich allerdings einmal der Alltagsstress umzäunt und ich einfach mal auf die Welt keinen Bock mehr habe, dann wünscht sich ein Teil von mir nach Panau, wo ich mal eben irgendeinen südasiatischen Bauern von seinem Mofa kicken und dann gelassen mit 30km/h die herrlichen Berg- und Küstenstrecken entlanggurken kann.


Und da fährt man nie eine Route zweimal, denn Panau ist groß. Verdammt groß. Gleich zu Beginn des Spiels bekommt man Helikopter und Jets zugesteckt und die sind auch mehr als nötig, wenn man hurtig von einem Punkt zum anderen kommen möchte und SELBST DANN dauert es noch lange!
Als ich meine erste freie Tour über das Atoll gemacht habe und dann zu einem bestimmten Missionsort wollte, zeigte der Distanzzähler 15,4 Kilometer. Ich dachte mir: "Lachhaft!", sprang in den nächsten Heli und flog in gerader Linie los. Nach ungefähr acht Kilometern konnte ich mal ein bisschen Abwechslung vertragen, denn die Strecke bewältigt man wirklich nur so schnell wie ein Hubschrapp das auch in der Realität machen würde und man kann in dem Flieger schließlich keine so lustigen Rollen machen wie Link in OoT, bemerkte in dem offenen Gewässer unter mir ein Schiff, warf mich ihm im Superagenten-Style aus drei Kilometern Höhe entgegen, schmiss den Besitzer von Bord und schipperte weiter. Zwei Minuten, knapp einen Kilometer später und mit Küstenlinien zu allen Seiten in weiter Ferne merkte ich, dass das irgendwie nicht so die schlaueste Idee war. Ich habe dann auf der Strecke zum Hafen noch einige andere Boote gekapert, von denen war aber eins langsamer als das nächste. Immerhin gibt's später Quicktravel, aber wo bleibt dann der Spaß?


Dann doch lieber einen kleinen Ausflug in die verschneiten Berge machen, wo das Erklimmen eines hohen Brockens (Formulierung wurde nicht zufällig gewählt, der virtuelle Hügel ist tatsächlich ähnlich hoch wie der größte deutsche Berg) auf einen wartet - und dann schön runterbasejumpen! Als ich so auf halber Berghöhe aufschlug, wollte ich relativ flugs aus den eisigen Höhen weg, kaufte mir ein kleines Flugzeug, ließ es mir liefern und dachte mir: "Ach, dieses Plateau reicht als Startbahn!" Hätte es auch fast, wäre da nicht dieser Baum gewesen... Dreißigtausend Dollar im Arsch und natürlich war Nex gerade zum Zugucken gekommen und lachte sich tierisch einen ab, der Penner.


Aber zum Glück ist auf die Kombination zwischen unendlichem Hookshot und unendlichem Fallschirm als effektives Transportmittel letzten Endes Verlass und selbst nach Stunden des Spielens gibt es immer noch ein paar kleine Techniken, die man zum schnelleren Fortkommen meistern kann. Damit das Herumgefliege aber selbst für die Grafikhuren, die sich an solch schöner Optik satt sehen können, auf längere Zeit ansprechend ist, gibt es einen wunderbaren Agenten-Soundtrack, der sich mit verschiedenen Stilrichtungen des Genres immer mal wieder zu Wort meldet. Mein Lieblingsvertreter: Die Agentengitarre.

Ich denke, Just Cause 2 werde ich nie durchspielen. Es gibt einfach zu viel zu tun, zu viel zu entdecken und dann ist da auch noch Story - da komme ich doch nie hinterher! Aber ich habe meinen Sinn für das Spiel gefunden und wenn ihr auch mal ein Spiel haben wollt, bei dem ihr einfach abschalten könnt, dann ist Just Cause 2 vielleicht genau das Richtige für euch. Rian
06.05.2010 | Rian | In-Game
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