Der Prinz und die Fernbedienung
Prince of Persia: The Forgotten Sands für Wii
Wii-Ports von Spielen müssen sich normalerweise in Gegenwart ihrer großen Brüder schämen - unschöne Grafik, aufgeschneiderte Wackel-Kontrolle, Gewaltgrad-Anpassung auf die Kiddies. Eben so Spiele für die ganze Familie, an denen Core-Gamer nicht wirklich interessiert sind. Das Gute an Prince of Persia: The Forgotten Sands für Wii ist, dass es sich hierbei um ein eigenes Spiel handelt und keine heruntergeschraubte Umschiffung darstellt. Ganz frei von Abzügen ist das Spiel trotzdem nicht.

Storymäßig befinden wir uns zwar auf ähnlicher, aber nicht vollständig gleicher Spur wie beim Forgotten Sands für die HD-Konsolen und PC: Anstatt im Königreich des Bruders einzutreffen, wird der Prinz nach seiner Abreise aus Azad in ein mysteriöses Reich gezogen. Das ist nicht gut und von da will man weg. Also los! Nun ja, wie das mit den Prinzenstories so üblich ist, gilt: Spannend geht anders. Aber es ist eine annehmbare Rahmenhandlung und genug der Rechtfertigung, um Wände hochzuspringen und andere Wege zu finden, die Naturgesetze zu betrügen.

Prinz ohne Wallrun wäre ja wie Max Payne ohne Bullet Time!

Als ich das Spiel in Hamburg antesten durfte, sind mir zwei Dinge ganz besonders ins Auge gefallen: Die Steuerung und die Grafik.

"Höhö, aus viel mehr besteht ein Spiel ja auch nicht", werdet ihr jetzt sagen und... da habt ihr Recht. Hm. Nun ja, egal, zur Steuerung:
Solange es ums Klettern, Springen, Laufen und Klettern geht, ist an der Kontrolle nichts zu meckern. Alles funktioniert ausgesprochen intuitiv und ohne großes Handgelenkeverbiegen. Wand anpeilen, springen, von der Wand weghüpfen, Abgründe überwinden - kein Ding. Man hat sogar endlich mal eine optische Hilfe eingebaut, damit man nicht immer aufgrund einer schlechten Kameraeinstellung in irgendwelche Abgründe springt und so unnötig Rückspul-Sand verbraucht, sehr löblich! Kommt man aber zu den Kämpfen, dann geht's los. Ich bin ja ein ausgesprochener Gegner von unnötigen Handbewegungen bei Wiispielen, weswegen ich auch die Steuerung von No More Heroes so sehr mag, denn da schüttelt man nur die Finisher aus dem Ärmel. Bei Prince of Persia allerdings wird jeder einzelne Schlag gewackelt, natürlich ohne Motion Plus, weswegen die Fights nicht sonderlich abwechslungsreich wirken: Wackelmashing, über den Feind springen, Wackelmashing, greifen, Wackelmashing. Ich konnte das Kampfsystem von PoP noch nie ab, aber wenn ich dadurch auch noch Knochenschmerz bekomme, ist das für mich schon sowas wie ein Dealbreaker.


Grafisch müssen Wii-Spiele, wenn sie nicht gerade einen besonderen Stil wie in Madworld nach außen kehren, normalerweise stark einstecken. Auch The Forgotten Sands kann zwar im Vergleich zu seinen polygonreicheren Kollegen nicht den Hauptpreis gewinnen, aber für Wii-Verhältnisse wurde schon einiges aus der Konsole herausgekitzelt, besonders wenn man auf die wirklich schönen Charaktermodelle achtet. Man schaue sich alleine den Prinzen an! Der Kerl sieht auf dem Nintendo ja fast besser aus auf PS3/360/PC! Das ist schon ziemlich hartkern. Die Gegner kommen auch ziemlich fesch und eklig daher, nur die Umgebung wirkt zuweilen ein wenig karg und die Texturen tun zwar ihr Bestes, aber wer ein verwöhntes Grafikauge hat, der lässt sich davon nicht abspeisen. Doch wer braucht schon ansehbare Umgebung? Wichtig ist doch der Prinz! Schließlich ist der ja die meiste Zeit auf dem Bildschirm, mehr Eyecandy braucht's da nicht.

Prince of Persia: The Forgotten Sands für Wii hat, mal abgesehen von den blöden Wackelkämpfen, gutes Potenzial, um ein top-bewerteter Titel für die Konsole zu werden. Mir stellt sich noch die Frage, inwiefern das Spiel den Schwierigkeitsgrad für die Casual-Spieler senkt, aber das ließ sich in der von uns angespielten Version nicht abschätzen. Insofern rate ich auf jeden Fall jedem Wii-Besitzer zu interessierter Vorfreude auf den 20. Mai, wenn das Spiel zeitgleich mit den "großen" erscheint. Rian
27.04.2010 | Rian | Vorfreude
1 Kommentar
» Kommentare
Nex am 27.04.2010 um 20:13 Uhr
Mich stören eigentlich nur die grafischen Abstriche, ansonsten sagt mir der Titel definitiv zu. Gute Story vorausgesetzt!
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