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Sleep is Death
Das Buch der unendlichen Geschichten
Wisst ihr, was ich an Rollenspielen am meisten mag? Das Storytelling. Es ist eine wundervolle Sache, wenn sich jemand eine Geschichte ausdenkt und den Mitspielern vorgaukelt, sie hätten Freiheit, dabei läuft alles immer irgendwie so, wie es sich der "Regisseur" wünscht. Blöd ist dabei natürlich, dass man virtuelle Rollenspiele immer im Paket mit einem sogenannten Feature, dem "Kampfsystem", kaufen muss. Abhilfe schafft da nun das Indie-Spiel Sleep is Death für zwei Spieler - nicht mehr und nicht weniger.


Das Spielekonzept ist einfach: Man betritt als Spielfigur eine Story, ein paar einleitende Sätze werden gehalten oder eine Figur begrüßt einen oder es passieren sonstwas für Dinge, die einen in eine Geschichte einführen können. Und dann kann man machen, was man will. Alles? Alles. Man kann Leuten auf die Schnauze hauen, plötzlich wildfremde Leute küssen, im Hausteich nach Perlen tauchen, sich aus Eichenblättern eine Zigarre rollen, die deutsche Nationalhymne singen, sich selbst mit einem schwarzen Permanent Marker bemalen, einen Fisch ausnehmen, von einem Stuhl das Bein abbrechen, schaukeln oder Ameisen jagen - man kann ALLES machen. Allerdings muss man innerhalb von 30 Sekunden dann auch eine Entscheidung getroffen haben, was man denn nun endgültig tun will für diesen Zug und danach reagiert das System auf diese Handlung und die Geschichte geht weiter.


Klingt ein wenig nach Magie? Keine Sorge, hier ist kein Hexenwerk zugange. Wie gesagt: Sleep is Death ist ein Spiel für zwei Spieler. Der "unsichtbare" Spieler übernimmt die Rolle des Game Masters und hat die Kontrolle über die Szene, wobei ihm eine simple aber mächtige Editier-Oberfläche zur Verfügung steht, in der er schnell Objekt-Modelle austauschen, Textblasen füllen oder sogar Musik-Samples erstellen kann. Diese Effizienz ist auch nötig, denn genau wie der "richtige" Spieler hat der Game Master auch nur bis zu 30 Sekunden Zeit, um sich eine Antwort zu überlegen. Simple Settings lassen sich so für eine kurze Partie sogar on-the-fly machen, aber der große Spaß liegt natürlich - genau wie beim Pen & Paper-Rollenspiel - darin, eigene Geschichten mit Umgebungen zu entwerfen und auch die Charakter- und Objektmodelle selbst zu pixeln, wobei der gute Spielleiter natürlich neurotisch vorbereitet ist, um auf alle möglichen Gegebenheiten eine plausible Lösung zu finden. Wer auf Letzteres aber keinen Bock hat, kann sich auch an den bereits zahlreichen Ressourcen-Sets bedienen.


Die Idee von Sleep is Death ist wahrlich nicht neu: Bereits das alte Vampires: Die Maskerade - Redemption hatte einen Spielmodus, in dem eine menschliche Person die Rolle eines aktiven Regisseurs einnehmen konnte, allerdings scheiterte diese tolle Idee an der Komplexität des Editors. Bei Sleep is Death kann man sich allerdings auf das Wesentliche beschränken und das tun, was man mit diesem Spiel tun möchte: Eine Geschichte erzählen oder erzählt bekommen.

Das Spiel lässt sich online erwerben (14 US-$) für Windows, Linux und Mac und enthält zwei separate Downloadlinks - wäre ja auch witzlos, wenn man das Spiel hätte, aber niemanden zum geschichteln. Ich werde dann wohl auch demnächst mal wieder meinen PayPal-Account bemühen... Rian
23.04.2010 | Rian | Indie
2 Kommentare
» Kommentare
Undead am 23.04.2010 um 16:21 Uhr
Habe am Releasetag auf FacePunch von dem Spiel gehört. Ich habe definitiv interesse dran, aber 1. habe ich niemanden zum spielen und 2. weiß ich nicht ob es die 10 € wirklich wert sind. :\
Nex am 25.04.2010 um 00:32 Uhr
Rian und ich haben heute Abend ein paar Runden zusammen gezockt und es war ziemlich witzig, sogar ohne Vorbreitung! Definitv zu empfehlen!
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