Randgruppengaming
Die Außenseiter unter den Zockern
Häufig sprechen wir von Gamern und Zockern. Und meistens meinen wir damit den Otto Normalspieler, den gemeinen, den üblichen Zocker. Er selbst ist eigentlich eine Randgruppe in der Gesellschaft, wegen seiner Obsession für durchzockte Nächte oft nicht verstanden. Doch auch unter uns Röhrenglotzern und Knöpfetrommlern gibt es Substreams, die am Kern vorbei existieren. Heute möchte ich mich mit einigen dieser Gruppen beschäftigen. Diese Halblinge sind nur teils Gamer und teils... etwas anderes.

Der Gelegenheits-WOWler
Diese Untergattung des MMORPG-Spielers ist eine sonderbare Kreatur. Zwar ist sie dem Wahn von World of Warcraft verfallen, jedoch nicht exzessiv (eine Kontroverse in sich). Diese Spezies geht nach wie vor ihren Grundbedürfnissen nach, holt sich beispielsweise Essen, benutzt die Toilette und zeigt nach wie vor Paarungsbereitschaft. Diese Menschen werden derweil auf Parties angetroffen, auf denen sie häufig mit ihren Ingame-Items prahlen. Wann sie aber wieder Zeit in Azeroth verbringen, das wissen Sie nicht. Es gäbe ja schließlich noch andere Dinge zu tun (Hä?).

Drunken CS
Diese Kunst ist weder so alt noch so stilvoll wie Drunken Boxing. Es sind häufig Menschen, die sich zum Webcam-Saufen verabreden, wenn Kollegen aus der Realität mal keine Zeit haben. Und weil man im betrunkenen Zustand auf so allerhand Unsinn kommt, legen sie gerne mal wieder CS 1.6 ein, um der alten Zeiten willen mal wieder eine Runde zu spielen.
Es ist zu vermuten, dass diese illustren Kerlchen einen nicht unbeträchtlichen Teil der allseits bekannten Loler und Rofler ausmachen.

Couchfussballer
Fussballfans sind sowieso komische Menschen. Sie sitzen vor dem Fernseher, trinken Bier, gröhlen und lachen. Selbst spielen können sie häufig nicht. Wie auch, bei den Bierbäuchen. Aber für diese Menschengruppe wurde eine Alternative erfunden: Die Fifa-Spiele. Oder Pro Evolution Soccer - jedem das Seine. Ist ein Bundesligaspiel vorbei, so legt man einfach das Spiel ein und der Abend kann weitergehen! Zwisch und Prost!

Wii-Girlies
Diese Mädels wollen eigentlich Party machen. Und sie wollen irgendwo vortrinken. Und es darf ja nicht langweilig sein. Du hast doch eine Wii oder? Ja. Wiiiiiiiiiiiiii! Und so hat man sie praktisch eingeladen. Natürlich stellen sie sich häufig etwas plump an, da merkt der Spieler, dass diese Wesen nicht zum Zocken geboren sind. Doch wie zur Lösung vieler Probleme, gilt auch hier eine bekannte Devise: Mehr trinken, der Alkohol regelt das schon.

Mein Wohnzimmer sucht das Supertalent
Auch in dieser Gruppe finden sich häufig rastlose Partygeister und vorwiegend Frauen, sowie Männer, die von Frauen zu solchen Veranstaltungen genötigt werden. Im Rampenlicht: Singstar. Ein wunderbares Spiel für kleine Nachtigallen und solche, die es unter Alkoholeinfluss noch werden wollen. Nach dem ersten Glas mag das noch schön klingen, dann wird es mit jedem ärger. Ja, Alkohol steigert die Bereitschaft sich lächerlich zu machen.

Die Flashnomaden
Ein sehr nervöses Volk. Zumeist trifft man sie in Bürokomplexen aller Art sowie an den verschiedensten Arbeitsstellen. Einzige Systemvoraussetzung: Ein Computer mit Internetanschluss. Wann immer sich ein Mitarbeiter langweilt, wann immer die nächste Nachtschicht kommt, sitzen diese unruhigen Seelen vor dem Bildschirm und treiben sich auf Seiten herum, die "Funny Flashgames" oder "1000 Spiele für Zwischendurch" heißen. Sie können nicht anders. Erdrückt von der vielen Zeit, die sie nicht anders zu verschwenden wissen, spielen sie jedes nur erdenkliche Flashgame, das sie in die Hände bekommen. Doch ihr Hunger ist endlos und so ziehen sie weiter...

Das One-Game-Wonder
Dieser Typ ist ein absoluter Sonderfall. Es handelt sich hierbei um ursprünglich überzeugte Nichtzocker (manchmal auch Ex-Zocker), mit der Schwäche behaftet, einem ganz bestimmten Spiel verfallen zu sein. Sie beschäftigen sich nur mit dem einen Titel und mit diesem immer wieder! Hier gibt es keine Geschlechtsunterschiede, Männer und Frauen sind gleichermaßen betroffen. Aus persönlicher Erfahrung zeigt sich mir jedoch, dass Spiele der Final Fantasy-Reihe überzufällig häufig eine derartige Wirkung auf Nichtzocker ausüben. Andere Vertreter sind Ratchet & Clank und Kingdom Hearts. Eine Einschätzung, ob hier genetische Ursachen eine Rolle spielen, lässt der momentane Forschungsstand allerdings nicht zu.

Pokerkönige
Typus gelangweilter Schüler. Manchmal auch überarbeitete Väter und Arbeitslose. Sie vertreiben sich ihre Zeit beim Online-Poker. Das Spiel ist einfach, überschaubar und erfordert keine besonderen Fähigkeiten. Quasi wie RTL2 zu schauen, nur dass man ab und zu mit der Maus klickt.

Der Erbe
Hier noch ein Wort zu den Kleinen: Babys und Kleinkinder, die eigentlich noch nicht alt genug zum Zocken sind und von ihren Eltern bereits früh Videospielen ausgesetzt werden. Mit dem Kind auf dem Schoß Mario Kart spielen oder eine Runde Quak*, wenn der Kleine nebenan schläft. Diesen Menschen wird das Spielen mit in die Wiege gelegt. Es ist anzunehmen, dass auch indirekte Einflüsse aus der Umgebung das Kind in seiner Entwicklung beeinflussen. So geben die Eltern bereits früh ihr Zock an die Kinder weiter. Das heißt zwar nicht, dass auch die Nachkommen später zum Gamer werden, es erhöht jedoch die Wahrscheinlichkeit.

Wie ihr seht, gibt es viele Mischformen, einige davon auf der Schwelle zum Zocker. Nicht zuletzt scheint auch der Alkohol ein wichtiges Element zu sein, wenn es darum geht, Nichtspieler zum Zocken zu bewegen. Doch auch das sei gesagt: Zock, das nicht im Blut ist, kann auch durch Alkoholgenuss nicht ersetzt werden. Nex
04.01.2010 | Nex | Spielosophie
5 Kommentare
» Kommentare
ChiefJudy am 05.01.2010 um 00:30 Uhr
Also, wenn unser Kind mal kein echter Zocker wird, dann weiß ich nicht ;) . Die Gene bekommt's zumindest von beiden Seiten so richtig ab...

Bei mir ist es aber eher so, daß ich Alkohol NUR zum Singen nehme *g*. Wenn ich wirklich shooter etc spiele, dann ist das ja doch eher kontraproduktiv.
Nex am 05.01.2010 um 10:20 Uhr
Deshalb mutieren sie ja zu den Lolern und Roflern, einfach nicht mehr ernstzunehmen! =D

Ich glaube, ich sollte "Väter" mal in "Eltern" ändern. Das geht so ja nun nicht.
AsgarZigel am 05.01.2010 um 10:57 Uhr
Jo kannte auch mal einen, dessen Sohn schon mit 5 Jahren WoW gespielt hat...
Das arme Kind xD

Andererseits hat mein Bruder auch schon mit 2,3 Jahren Gameboy gespielt und durch Pokemon Lesen gelernt bevor er in die Schule kam - muss also nichts schlechtes sein!
Es sind auch beinahe keine Langzeitschäden zurückgeblieben xD
Nex am 07.01.2010 um 04:11 Uhr
Ich glaube was Lesen angeht, lehren Videospiele die heutigen Kinder mehr als die Vorschule & Co. Was "Schäden" angeht.. oha, anderes Thema xD
Phno am 17.01.2010 um 08:52 Uhr
Ich hab folgene Gruppen in meinem Bekannten/Freundeskreis wieder gefunden: Gelegenheits-WOWler, Drunken CS, Wii-Girlies, Mein Wohnzimmer sucht das Supertalent, Pokerkönige. Copy/Pasta, lawl.
Srsly, ich hab zwei Kumpels, sobald die sich auf einer Party treffen prahlen die mit Ihren Items und wie sie buffen etc.

Ich persönlich hab mich bei "Der Erbe" gefunden. XD
Ich kann mich nicht einmal daran erinnern, wie ich mit ein paar Jahren zum ersten mal am NES oder am Atari saß. Da kommen Erinnerungen wie Teris ("Warum sterb ich nach einer Minute? Häh?") und SMB3 hoch~ oder die ganz ganz billigen Space Combat Shooter auf dem Atari. Hach~~~ <3
Und ich kann mich auch erinnern wie meine Mutter den 2. Bowserendboss platt machte bei Super Mario 64 oder dem Drachenboss bei Mega Man 2 (Dr Wilys Castle) in den Arsch getreten hat. ...krank, wenn man so zurückblickt.
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