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Gears of War
Was wir spielen würden, wenn es Halo nicht gäbe
Wie bekannt ist, sind wir alle beim DPad Halo-Fanboys. Und wenn es um Shooter geht, ist Halo sicherlich noch immer der Messias. Ändert aber nichts daran, dass in den Trockenzeiten, in denen es kein neues Halo gibt, Gears of War bisher guten Ersatz geleistet hat, zumindest in der Kampagne.

Vergleichsbild 1
Was ich vor allem an Gears of War beeindruckend finde ist, wie schlecht der erste Teil im Vergleich zum zweiten Teil abschneidet. Das ist ein eher seltenes Phänomen bei solchen Spieleserien, vor allem wenn nicht allzu viele Jahre Unterschied zwischen den einzelnen Spielen stecken. Beispiel Halo: Combat Evolved, welches noch immer viel Spielspaß-Potential besitzt, egal ob im Coop oder Multiplayer, ungeachtet der nun insgesamt zweieinhalb Nachfolger.

Gears of War 1 ist sicherlich nicht schlecht. Grafisch sieht es noch immer hübsch aus und man darf nicht den prägenden Effekt vergessen. Wie Halo hat Gears nämlich das Rad zwar nicht neu erfunden, es aber mit alten Materialien so zusammengesetzt, dass ein besonders tolles Rad dabei herausgekommen ist und nun fleißig überall kopiert wird. Bei GoW ist es das fantastische Deckungssystem, das quasi einen Boom ausgelöst hat. Oder kennt ihr irgendeinen ordentlichen Shooter der letzten paar Jahre ohne? (abgesehen von Halo, das sich selbst treu geblieben ist)


Vergleichsbild 2
Gears of War 2 ist aber deshalb soviel besser im Vergleich zum Vorgänger, weil alle Elemente, die das Spiel überhaupt erst auf der Karte erinnerungswürdiger Shooter platzierten, einfach nochmal eine Stufe hochgeschraubt wurden. "Bigger, Better, More Badass" -- indeed! War die Grafik früher skeptakulär, ist sie nun atemberaubend und bis auf Uncharted kommt grafisch noch immer kein Spiel an Gears 2 ran. Der Sound, der vorher brachial war, wurde nun auch mit einem großartigen, orchestralen Soundtrack unterlegt, der der Action, die nun ebenfalls heftiger, intensiver, brutaler geworden, absolut gerecht wird.

Ein großes Highlight sind die Bosskämpfe. Im Vorgänger waren diese eher selten anzutreffen und bestanden zu 75% aus Kämpfen gegen "Berserker" - garstige Viecher, die in einem Blutrausch nur stur geradeaus rennen können und mit einem Satellitenlaser ausgeschaltet werden müssen.
In Gears of War 2 gibt es zwar quantitativ nicht mehr Endkämpfe, diese sind aber dafür qualitativ auf einem ganz eigenen, hohen Niveau. Einer der genialsten Momente der Videospielgeschichte stellt sicher der fast ein Kapitel andauernde Kampf gegen den Riftworm dar. Ein massiver Wurm von mehreren Kilometern Länge, der Löcher buddelt und ganze Städte versenken kann. Kein schöner Gegner und wie es die Entwickler so wollen, wird man im Verlauf des Spiels ausgerechnet von diesem Vieh verschluckt. Fortan geht es durch den Körper des Wurms, der im wahrsten Sinne des Wortes von Innen zerfetzt werden muss, bis er kapituliert. Dies in einer unheimlichen Atmosphäre und unter Zeitdruck, denn ständig läuft man Gefahr in den immer nachfließenden Körperflüssigkeiten des Wurms zu ertrinken. Ekelhaft.
Dieses Wurmherz müsst ihr zerstören... und zwei weitere!

Gleichzeitig mit den verbesserten Bosskämpfen gibt es auch mehr Abwechslung. Denn der Trip durch den Wurmkörper ist nur eines von mehreren Level. Auch eine Stadt, die gerade dabei ist einzustürzen, will erforscht werden, genau wie ein alter Laborkomplex, Locust-Höhlen und die Wälder des Planeten Sera. Dauernd wirft das Spiel einen in neue Situationen, wie beispielsweise das Reiten auf einem riesigen, mehrbeinigen Fahrzeug, während man gegen fliegende Locust sowie ihrer Version eines Panzers -- ein vierbeiniges Monstrum mit Geschütz auf dem Rücken -- kämpft, so dass wirklich nie Langweile aufkommt.

Das Einzige, was quasi universell schlecht geblieben ist, sind die Charaktere und die Story. Ein Rassen-who-is-who gibt sich ein Stelldichein, mit dem Quoten-Schwarzen, dem Latino, dem Blonden und Blauäugigen und abgerundet wird das Paket durch den gebeutelten Actionheld 08/15, der nur ständig zynische One-Liner herumreicht. Im zweiten Teil hat man zwar versucht, ein bisschen den Schrecken des Krieges darzustellen, aber bis auf zwei emotionalere Szenen rückt das vollkommen in den Hintergrund, wenn es darum geht, Locust zu sprengen, zerschneiden oder anderweitig in möglichst viele Teile zu dividieren.
Und hier sehen wir die Gebrüder Locust, wie sie versuchen, den Helden das Rampenlicht zu klauen.

Sogar der Multiplayer ist gut, auch wenn etwas limitiert bei der Spieleranzahl. Der Firefight-Modus aus ODST hat auch seinen Ursprung in Gears of War 2, wo man im Horde-Modus ebenfalls einer nicht enden wollenden Welle von Computergegnern gegenüber steht.

Solltet ihr, aus welchem Grund auch immer, Gears of War verpasst haben, wird es Zeit das jetzt nachzuholen. Beide Teile dürften zu einem niedrigen Preis verfügbar sein und ausserdem soll Mark Rein doch bei seinem nächsten Besuch in Deutschland nicht weiter denken müssen, dass ich der einzige Mensch bin, der hierzulande seine Games zockt. Oder? Evil
02.10.2009 | Evil | In-Game
1 Kommentar
» Kommentare
Nex am 02.10.2009 um 13:58 Uhr
Ich habe ja kürzlich nochmal den ersten Teil durchgespielt und dabei nochmal so richtig festgestellt, dass der zweite SO VIEL besser ist.

Teil eins kommt, wie man erwähnen sollte, auch mit einem sehr hohen Schwierigkeitsgrad daher, gespickt mit unfair platzierten Checkpoints (bestes Beispiel ist hier der Kampf gegen Berserker, wenn man alleine spielt - die CPU-Kollegen lassen sich fröhlich töten, weil sie strunzdumm sind und man darf alles wiederholen...). Auch das kehrt sich im zweiten Teil um, sodass es zwar fordernd bleibt, ohne edoch unfair zu werden.
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